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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing NIGHT OF THE PROG
Ort Loreley, Amphitheater
Datum 04.09.2010
Autor Alexander Meyer
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Das NIGHT OF THE PROG-Festival hat sich zur festen Einrichtung in Sachen progressiver Musik gemausert. Zum nunmehr fnften Mal findet dieses Event heuer auf dem Felsen oberhalb von Sankt Goarshausen statt. Ich kann dem Ruf der Loreley leider erst am Festivalsamstag folgen und habe laut Zeugenaussagen am Freitag wohl vor allem einen denkwrdigen Auftritt von Pallas versumt. Moongarden Moongarden Dafr reise ich relativ frh an und mache noch einen Spaziergang ber den Campingplatz, der mich mit einem spektakulren Blick auf die Rheinschleife belohnt. Diese Location ist mit Sicherheit eine der spektakulrsten weltweit und allein die Anreise wert. Auerdem verbindet mich mit diesem Ort das Gefhl, hier 1985 mein erstes Konzert berhaupt erlebt zu haben, was heute quasi mein ganz persnliches 25-jhriges Konzertjubilum markiert. Trotzdem fhle ich mich gerade verhltnismig jung, da ich mit Anfang 40 sicherlich unterhalb des Altersdurchschnitts der Festivalbesucher liege. Nachdem ich zuletzt bei Papa Roach von lauter Teenagern umgeben war und auch sonst bei Konzerten eher zu den Dinos gehre, ist das mal ein ganz neues Gefhl. Das sonnige Wetter trgt zustzlich zur guten Stimmung bei und so steht einem gelungenen Konzertereignis nichts im Wege, als ich mich gegen Mittag in die kleine Schlange am Tor zum Amphitheater einreihe.

MOONGARDEN betreten pnktlich um halb eins die grozgige Loreleybhne. Schon beim ersten Song ist klar, dass die Italiener von dem reichhaltigen Platzangebot nur wenig Gebrauch machen werden, da alle wie angewurzelt auf der Stelle stehen. In Kombination mit dem einheitlichen Beinkleid in Form einer Tarnhose, wirkt die Band optisch ein wenig wie eine verkappte Militrkapelle. Musikalisch sind Moongarden davon natrlich meilenweit entfernt und wissen mit ihrem typisch italienischen Artrock im Groen und Ganzen zu gefallen. Solstice Solstice Der Sound ist fr meinen Geschmack zu Anfang etwas zu basslastig und es schleichen sich auch ein paar schrge Tne ein. Gleichwohl wird die Truppe vom (noch) etwas sprlichen Publikum freundlich mit Applaus bedacht. Einziger Aktivposten der "Squadra Azzurra" bleibt jedoch Snger Simone, der zwischenzeitlich auch mal die Geige bedient oder sich theatralisch auf die Knie fallen lsst. Nach einer guten Stunde haben die Italiener fertig, was fr einen opening act vergleichsweise eine stolze Spielzeit darstellt.

Die Briten SOLSTICE stellen sowohl optisch als auch akustisch das absolute Kontrastprogramm zu Moongarden dar. Die drei Protagonisten in vorderer Reihe wirken wie ein Haufen Hippies, der gerade von Woodstock angereist ist. Sngerin Emma kommt ein bisschen wie Cindy Lauper rber, gibt sich zwischen den Songs aber sehr schchtern und berlsst dem Gitarristen die Ansagen. Dieser versucht nach Krften das Publikum auf Touren zu bringen, scheitert jedoch klglich mit seinen Aufforderungen zum Tanzen, was einerseits an den heien Temperaturen, andererseits aber auch an der Altersstruktur der Menge liegen knnte. Obschon den Hauptgrund fr die sprlichen Reaktionen sicherlich die musikalische Ausrichtung von Solstice darstellt, die eher Folk als Prog ist und insgesamt einfach deplaziert wirkt. Bezeichnenderweise ist das Basssolo, in dem Zitate an Marillion's "Fugazi" und den Simpsons verarbeitet werden, das Highlight der Show. Nach eineinviertel Stunden ist der Zauber endlich vorbei.

Mit SYLVAN nhern wir uns dem ersten Hhepunkt des Tages. Die Hamburger haben in der Progszene einen guten Namen und sind heute schon zum dritten Mal beim Night Of The Prog dabei. Somit gert ihr Gig quasi zum Heimspiel. Sylvan Sylvan Der Einstieg knnte mit "Presets" und "Force Of Gravity" nicht besser sein. Gerade live bedarf es nun einmal guter Songs, um die Leute zu begeistern und die haben Sylvan zuhauf im Gepck. Dabei schlagen sie zwar weitestgehend ruhige Tne an, Gitarrist Jan Petersen und Bassist Sebastian Harnack liefern sich aber auch schon mal heie Grooveduelle. Die Backline bestehend aus Drummer Matthias Harder und Keyboarder Volker Shl liefert ebenfalls einen klasse Job ab. ber allem schwebt allerdings Snger Marco Glhmann mit seinem emotionalen Gesang. Hinten raus muss die Band leider aus Zeitmangel auf "Heal" verzichten. Das abschlieende "Vapour Trail" entschdigt dafr und beschliet einen rundum gelungenen Gig.

Setlist: SYLVAN

  • Presets
  • Force Of Gravity
  • One Step Beyond
  • Pane Of Truth
  • Answer To Life
  • A Kind Of Eden
  • Posthumous Silence
  • Deep Inside
  • King Porn
  • Vapour Trail

Gazpacho Gazpacho

Auch GAZPACHO sind gern gesehene Gste auf der Loreley, spielten sie doch erst im letzten Jahr hier und verffentlichten das Ergebnis auf ihrem Livealbum "A Night At Loreley". Als Schtzlinge von Wiv-Entertainment ist es natrlich praktisch, dass das eigene Management gleichzeitig Veranstalter dieses Festivals ist. Der Bhnenaufbau ist taktisch mit der "Doppelsechs" bestehend aus Keyboard und Drumset und dem dazwischen platzierten Bassisten Fido als "Spielmacher" recht interessant. Die "Flgelzange", sprich die beiden Gitarristen, macht ordentlich Dampf, vor allem der neue Langhaarige, der auch mal etwas Bewegung ins Spiel bringt und die Matte kreisen lsst. Jon-Arne Vilbo auf der anderen Bhnenseite ist da schon etwas ruhigerer Natur, bedient dafr aber zeitweise gekonnt die Geige. Der "Stostrmer", Snger Jan-Henrik Ohme, hat von der Statur und vom Aussehen her eher hnlichkeit mit Harry Potter denn mit Horst Hrubesch, sorgt mit seinen einfhlsamen Vocals, die bei geschlossenen Augen zeitweise auch als weiblich durchgehen wrden, allerdings fr die ein oder andere Gnsehaut. Obwohl das neue Album "Missa Atropos" noch nicht erschienen ist, bauen Gazpacho ein paar brandneue Tracks in ihr Programm ein, die von ihren Fans begeistert aufgenommen werden. Ansonsten setzt man in erster Linie auf Standards von "Tick Tock" oder das epische "Dream Of Stone" von "Night". Fr eine Spielzeit von insgesamt zweieinhalb Stunden ist mir als Metaller die Mucke von Gazpacho jedoch einfach zu ruhig und ich bin froh ein paar Bekannte zu treffen und mich etwas zu unterhalten.

Setlist: GAZPACHO

  • Put It On The Air
  • River
  • Defense Mechanism
  • Dream Of Stone
  • Chequered Light Buildings
  • Upside Down
  • Vulture
  • Sea Of Tranquility
  • Desert Flight
  • The Walk I
  • The Walk II
  • Winter Is Never
  • The Secret

Marillion Marillion

MARILLION ist mit Sicherheit die Band, wegen der die meisten Leute in diesem Jahr zur Loreley gepilgert sind. Gleichwohl ziehen die Briten anscheinend nicht mehr die groen Massen, denn selbst zur Primetime um acht Uhr abends verlieren sich hchstens 2000 Besucher im ber 15.000-fassenden Rund, was eine etwas kmmerliche Kulisse fr den ersten Openairauftritt der Band hier seit der legendren Show im Jahre 1987 -damals noch mit Fish- darstellt. Dieser hat Night Of The Prog schon zweimal geheadlined und sich dabei eine Menge Freunde gemacht. Wrden seine alten Kameraden in diese groen Fustapfen treten knnen? Jedenfalls haben sie sich wohl einiges vorgenommen als sie um viertel nach acht mit dem klassischen "La Gazza Ladra"-Intro und "Slainte Mhath" loslegen. Leider soll das fr die kommenden anderthalb Stunden der letzte Song der Fish-ra bleiben. Ich muss gestehen, dass ich diese Phase immer noch fr die beste in der Bandhistorie halte und Marillion in den letzten Jahren fast gnzlich aus den Augen verloren habe. Natrlich ist Steve Hogarth mittlerweile nicht mehr aus der Truppe wegzudenken, zumal er mittlerweile fast doppelt so lange dabei ist wie sein schwergewichtiger Vorgnger. Es ist unbestritten, dass er ein toller Frontmann und Snger ist. Darber hinaus ist er ein begnadeter Multiinstrumentalist und hilft immer mal wieder an der zweiten Gitarre oder am Keyboard aus. Im Gegensatz zu seinen Bandkollegen, von denen mich Steve Rothery mit seiner Beleibtheit fast schockiert, scheint Mr Hogarth nicht zu altern und wirkt immer noch wie ein sympathischer Lausbub, der mit seinen Faxen das Publikum um den kleinen Finger wickelt. Marillion Marillion Er nimmt sich aber auch immer wieder mal zurck und berlsst seinen Kollegen das Rampenlicht, wie z.B. bei "Out Of This World" als er sich an den Bhnenrand setzt und Rothery bei dessen Solo begeistert zuschaut. Ein weiterer Sympathietrger ist Pete Trewavas am Bass, den ich zuletzt bei Transatlantic bewundern durfte.Schon um viertel vor zehn verlassen Marillion zum ersten mal die Bhne, um kurze Zeit spter zu dritt zurckzukehren und "Go Help Yourself" anzustimmen. Fr mich sind das die letzten Akkorde dieses Festivals, da schon in einer Stunde die letzte Fhre ber den Rhein setzt, die ich auf keinen Fall verpassen mchte. ber THE ENID kann ich daher nicht berichten.

Ich hoffe instndig, dass der diesjhrige Besucherrckgang beim Night Of The Prog den Fortbestand dieses tollen Festivals nicht gefhrdet. Woran knnte es liegen, dass trotz herrlichen Wetters so wenige Menschen den Weg zur Loreley gefunden haben? Ein Grund knnte die mangelnde Werbung im Vorfeld sein, die im Prinzip nur im Internet stattgefunden hat. Die Ticketpreise sind auch recht gesalzen, insbesondere fr ein zweitgiges Festival, bei dem nicht mal ein Dutzend Bands auftreten. Da bietet das vor einem Monat an gleicher Stelle stattgefundene Rock Area ein wesentlich besseres Preis-Leistungsverhltnis. Darber hinaus war das Line-up diesmal fr meinen Geschmack viel zu Artrock-lastig, fr Freunde hrterer Progmucke wurde diesmal rein gar nichts geboten. In dieser Hinsicht war in der Vergangenheit mit Riverside oder Pain Of Salvation ein grerer Abwechslungsreichtum auf der Agenda. Mit einer Band wie Dream Theater als Headliner wre die Lore auch wesentlich strker frequentiert, von Rush will ich ja gar nicht erst trumen, die kommen ja nur alle 20 Jahre mal ber den groen Teich. Eine zweite Bhne fr Newcomerbands wie beim Rock Area wrde ebenfalls fr Kurzweil sorgen. Generell muss man dem Veranstalter allerdings eine tadellose Organisation attestieren. Ich freue mich schon auf's nchste Jahr!

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