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27. Juni 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing VI. AMPHI FESTIVAL, THE ORKUS OPEN AIR
Ort Kln, Tanzbrunnen
Datum 24.-25.07.2010
Autor Jennifer Laux
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In diesem Jahr wurde bereits zum sechsten Mal das "Amphi-Festival" in der wunderschnen Location des ausverkauften Tanzbrunnens in Kln veranstaltet. 37 Knstler auf 3 Bhnen warteten darauf mit Besuchern aus aller Welt gemeinsam zu feiern. Die Warm-up Party am Freitag brachte die Menschen schon so richtig in Partylaune und machte Lust auf die kommenden zwei Tage. Auch traten die vier Newcomerbands gegeneinander an. Sowohl die Kollekte des Abends als auch die Einnahmen der Ebay Auktionen gingen dem Verein zur Betreuung von Missbrauchsopfern zu Gute, was ich befrworten kann, denn ansonsten htte ich es eher als Abzocke abgestempelt. Der daraus hervorgehende Sieger durfte sich dann mit dem Erffnungsgig am Samstag schmcken. So fanden sich sage und schreibe 16.000 schwarze, aber auch bunte Szeneliebhaber, gutgelaunte, gut gekleidete und musikfanatische Menschen den Weg zum "Orkus Open Air" in der Millionenstadt ein. Wie schon in den vergangenen Jahren berzeugte nicht nur wieder das eindrucksvolle und berschaubare Areal mit vielen Stnden zum Stbern und kulinarischen Kstlichkeiten, sondern auch das abwechslungsreiche Line-up stach hervor. Sowohl Elektro- und Industrialliebhaber als auch Anhnger rockig angehauchter Musik kamen auf ihre Kosten.

End of Green End of Green

Bereits in der Mittagszeit wurde am Samstag im Theater ein interessantes und abwechslungsreiches Programm an Vortrgen, Filmvorfhrungen, Comedy und Lesungen geboten. So konnte man sich auch mal in ein anderes Areal flchten, wenn man einfach mal entspannen oder etwas anderes sehen wollte.
ZIN, eine Band aus Leipzig und die Gewinner des "New-Talents-Wettbewerbs" leiteten das Festival Punkt 12 Uhr auf der Mainstage mit ihrem Indierock ein, der mit einigen elektronischen Elementen kombiniert wurde. Im Anschluss daran betraten die Berliner DIN [A] TOD die Bhne, die ihre Fans mit einer Mischung aus DarkWave und Synthiepop zu berzeugen wussten und nicht mit ihrem eher unerwhnenswerten Outfit, das ziemlich grauselig war.
Nebenan im Staatenhaus, ehemals Rheinparkhalle (ja, es hat alles gehalten!), ertnten mit DESTROID bombastisch-elektronische Klnge, die von einem realen Schlagzeugset begleitet wurden. Eine gelungene Bhnenschau und gute Stimmung waren das Resultat.
Richtig abgerockt wurde dann am frhen Nachmittag mit den Jungs von END OF GREEN, denen man den Spa am musizieren erkenntlich im Gesicht ablesen konnte. Der rotbrtige Sad Sir lie genau wie Kirk die Saiten tanzen, whrend Frontmann Michelle die Meute mit seiner in den Bann ziehenden Stimme zum kochen brachte. Die gute Songauswahl die vom alten "Nice Day To Die" bis zum brandaktuellen "Goodnight Insomnia" reichte, schaffte die optimale Stimmung.
Nicht berzeugen konnten mich die ASHBURY HEIGHTS, da sprang der Funke so gar nicht ber. Musikalisch ziemlich schwach und nicht wirklich durchorganisiert. Der Keyboarder zum Beispiel schien ziemliche Probleme mit den Knpfen seines Tasteninstrumentes zu haben. Die Band war schnell aus den Augen und somit aus dem Sinn. Welle:Erdball Anne Clark Whrend NACHTMAHR das Staatenhaus unsicher machten boten WELLE:ERDBALL auf der Auenbhne nicht nur musikalisch das, was man von ihnen kennt, sondern auch mit Frulein Venus und Plastique, die in ihren taillierten lila Petticoats, Handschuhen und Perlenketten wieder was frs Auge waren. Eine sehenswerte Show. Sie erweckten sogar den damaligen Grand-Prix Gewinnersong von Nicole "Ein bisschen Frieden" zu neuem Leben. Ansonsten wurde die Masse auf eine Reise quer durch alle Alben geschickt was eine unglaubliche gute Stimmung auslste.
Zeit fr BLUTENGEL, die mit einer optisch sehr beeindruckenden Bhnedeko und mehreren Tnzerinnen glnzten. Nach kleinen anfnglichen Soundproblemen lieferte die Crew einen gelungenen Auftritt ab, der mit viel Applaus verabschiedet wurde.
Relativ zeitgleich posierten im Staatenhaus FUNKER VOGT, die auf dieser groen Bhne erst einmal etwas verloren erschienen, aber mit viel Energie, die sich auch schnell auf das Publikum bertrug, durchstarteten. Eingeleitet von dem bekannten "Child Soldier" verabschieden sich die Jungs wie man es nicht anders kennt mit dem legendren "Gunman".
So langsam neigte sich der Samstag schon dem Ende zu und es erwartete uns der Co-Headliner ANNE CLARK, die ja schon fast zum alten Eisen der Szene gehrt. Ihre auergewhnliche Stimme und der legendrer Wave-Sound zog die Besucher in ihren Bann. Die Untermalungen von Piano, Keys, Cello, Gitarre und Drums schafften eine unvergleichliche Atmosphre. Songs wie "Our Darkness", "Abuse" oder "Echoes Remains Forever" setzten sich fest und gaben ein gutes Gefhl. And One Impressionen Wie schon einst vor zwei Jahren, wenn ich mich recht entsinne, wurde mit AND ONE der Headliner des Abends angesagt. Mit gewohnter Power und guter Laune schwebte unser Steve Naghavi, diesmal im Soldier-Look, ber die Bhne. Es fehlte an keinen bekannten Songs und so animierten "Deutschmaschine" und "Timekiller" ebenso zum Tanzen wie das A-HA-Cover "The Sun Always Shines On TV". Die Masse schien sich zu einem Ganzen zu vereinen und erzeugte dadurch eine wohltuende Einheit. Die Show von AND ONE hat wieder gezeigt, das sie ein berechtigter Headliner sind, denn es hat einen Riesenspa gemacht. Groes Kino! Das war ein mehr als zufriedenstellender Festival-Samstag, auch wenn er von der schrecklichen Nachricht der Love-Parade Massenpanik berschattet wurde. Bei gutem Wetter und in voller Erwartung auf den nchsten Tag ging es zurck nach Koblenz.

Einigermaen ausgeschlafen und noch mit einem Coffe to go in der Hand fuhren wir dann am frhen Sonntag Mittag wieder auf der Autobahn in Richtung Kln. Nach einer mehr oder weniger entspannten Autofahrt und noch vielen blendenden Sonnenstrahlen kamen wir auf dem schon gut gefllten Parkplatz an und marschierten in Richtung Eingang. Leaves' Eyes Leaves' Eyes Kaum angekommen, ertnten auch schon die ersten Klnge der Hellectronicer EXT!ZE, bei denen zum einen die Cybermeute auf ihre Kosten kamen, es zum anderen aber auch ausreichte, wenn man sie aus der Ferne wahrnahm. Mich hat es nicht begeistert und ich fand sie auf der Hauptbhne eher deplatziert.
Im gut gefllten Staatenhaus luteten die Klner ESCAPE WITH ROMEO mit "Helicopters In The Falling Rain" den Tag ein und versprhten mit ihrem abwechslungsreichen melodisch-rockigen Goth gute Laune, der bei dem Hit "Sombody" ihren Hhepunkt erreichte.
Draussen wurde es dann wieder kurz vor 13 Uhr interessant, als die Hamburger Goth-Rocker MONO INC. die Mainstage unsicher machten und es schafften dem Publikum einen stimmungsvollen Start in den Festivaltag zu ermglichen. Sie berraschten ihre Fans mit einem Querschnitt durch all ihre Alben der letzten Jahre und zelebrierten unter anderem den Coversong von Iggy Pop "The Passenger". Einfach klasse.
Im Anschluss daran hie es wieder Bahn frei fr die Cybers unter den Besuchern. RABIA SORDA, eine Combo in denen mexikanisches Blut fliet. Erfolgreich brachten sie ihren zweiten Longplayer "Noise Diary" unter die Leute. Eine Show, deren Energie man sich nur schwer entziehen konnte. Frontmann Erk Aicrag, der zu wissen schien, wo der Hammer hngt und auf der Bhne 100% gab und sich damit sicher auch neue Anhnger angelacht hat. Leaves' Eyes Leaves' Eyes Aus den Rumen nebenan nahm man dann auch schon BLITZKID war, die dem Genre des Horrorpunk weiterhin treu geblieben sind. Bombastische Gitarren, schne Melodien, einen fetten Sound und erstmals mit ihrem neuen Drummer gab es eine ordentliche Tracht Prgel. Sowohl Klassiker wie "Pretty In A Casket" oder "She Dominates" als auch neue Songs wie "Te Awakening" und "Jane Doe Nr. 9" brachten die Pogos zum zappeln.
Auch der Metal darf beim "Amphi" nicht fehlen. So strmten gegen 15 Uhr LEAVES' EYES mit dem Opener "Njord" die Mainstage. Mittlerweile gibt es ja eine groe Auswahl an Goth-Metal Bands mit weiblichem Gesang, wobei sich Liv Kristine, Alex und die brigen ATROCITYs einen Namen gemacht haben und auch heute noch sehr prsent sind. Ich persnlich habe in der Vergangenheit Auftritte gesehen, bei denen gerade Livs Gesang sehr sprlich und alles andere als berzeugend war. Dieses Mal klang sie einfach reifer und sicherer und bildete so einen schnen Kontrast zu Alex, dessen Mhne im Wind wie ein Schleier wehte und der aus voller Leibesbrunst grunzte. Nur den Sound schienen die Zustndigen nicht ganz unter Kontrolle zu haben, da er teilweise sehr bersteuerte und zum gelegentlichen zum Soundmll mutierte. Melodise Dsternis untermalt bekannte Songs wie "Take The Devil In Me", "Elegy" und zum krnenden Abschluss "Froyas Theme".
So zog sich passend dazu, wie immer mal wieder an diesem Sonntag, der Himmel grau zusammen und so konnte auch das Nass konnte nicht inne halten. Hier kamen schlielich auch die hbschen Schirme und Regenmntel der Gothics zum Einsatz.
Im Staatenhaus war vom Regen nichts zu spren. Sicher im Trockenen sichteten wir schon SAMSAS TRAUM Anfhrer Alexander Kaschte, der umgarnt von der sowjetischen Hymne den Platz vor seinem Mikro fand. Er lie sich wieder richtig feiern und ihm bedurfte es hier und da auch redlicher Kommunikation mit dem Publikum. Schwer Black Metal behaftet ging es dann zu, aber das war nach dem letzten Album "Heiliges Herz" auch nicht anders zu erwarten. Bei "Wir sind wirklich krank" schienen die Fans zu einem Ganzen zu verschmelzen und alle grlten mit.
An der frisch-regnerischen Luft lieferten die angesehenen COMBICHRIST, die Crew um Frontmann Andy LaPlegua, den Livedrummern und Keyboarder Z. Marr ihre ultimative Show ab. Mit "All Pain Is Gone" und "Today I Woke To The Rain Of Blood" wurden die Festivalbesucher aufgewrmt, die sich dicht vor der Bhne drngelten, um nichts zu verpassen. Das beliebte "Blut Royale" und die Clubhits "Electrohead" und "Get Your Body Beat" versetzten die Massen in eine ultimative Stimmung. Ein negativer Aspekt hier auch wieder die Arbeit der Mixer, die viel Matsch aus den Boxen drckten. Mehr als schade, gerade bei einer solchen Band, bei der auch die kleinsten Details die Musik auszeichnen. Zum Glck schien das die Zuhrer weniger zu stren: sie feierten bis zum letzten Song das bombastische Schauspiel der Jungs.
Damit die Mittelalteranhnger auch auf ihre Kosten kamen boten im folgenden ASP den Kontrast zum Vorgnger. Eingestimmt mit "Denn ich bin dein Meister" hpften und sangen die Massen drauf los und bejubelten die Band. ASP boten Songs aus den verschiedensten Alben ihrer Karriere, darunter die Kracher "Ich will brennen" und "Schwarzes Blut". Als kleines Highlight gab es zum Schluss den Song "I Don't Wanna Be Me" zu Ehren des krzlich verstorbenen Peter Steele. Eine wahrhaft sympathische Formation.
Was den Regen angeht war kein Ende in Sicht, aber die Besucher blieben hart und untersttzen den Headliner VNV NATION alias Mark und Ronan auf der Mainstage. "Perptual" schlug ein wie kein anderer Song. "Chrome", "Standing" und "Nemesis" lieen das Getmmel aufleben. Wie von einer Tarantel gestochen sprang Ronan ber die Bhne und animierte das Publikum wo es nur ging, da blieb auch mal die Stimme vor Erschpfung weg. Diary of Dreams Impressionen Mein absolutes Schmankerl an diesem Tag waren DIARY OF DREAMS. Allein das Wesen von Adrian Hates mit seiner markanten Stimme lie die Gnsehaut in der Halle zum Vorschein kommen. Mit einer sehr rockigen Note posieren die fnf Musiker im Staatenhaus und beginnen ihr Set mit "Wahn!Sinn?". Gleich danach der Hit "The Wedding", bei dem einem bewusst wurde, wie die Menschen um einen herum die Musik leben und einfach in ihrem Element waren. "Menschenfeind" und "Amok" durften natrlich nicht fehlen. Das zauberhafte "Traumtnzer" zog die Fans so in ihren Bann, dass am Schluss das Publikum den Song in seiner Hand hatte und aus voller Brust und ganzem Herzen mitsang. Ein unbeschreibliches Feeling. Mit der aktuellen Single "King Of Nowhere" schloss sich das Tagebuch und Adrian war sichtlich gerhrt ber die positive Resonanz der Fans. Wohl verdient!
Wer jetzt noch nicht genug hatte, konnte sich noch im Anschluss die LETZTE INSTANZ und EISBRECHER, die vor stark gefllter Halle all ihre Hits spielten, ansehen. Wie auch am Tag zuvor konnte man sich noch zur After-Show Party begeben und bis zur letzten Sekunde das "Orkus Open Air" mit DJs ausklingen lassen.

Wieder einmal geht ein beeindruckendes, erfllendes, gut organisiertes und fr die Veranstalter sicherlich ein erfolgreiches "Amphi Festival" zu Ende, auf das ich mit einem freudigen und einem weinenden Auge zurckblicke. Die Trnen trocknen jedoch schnell, denn schon jetzt bin ich voller Vorfreude auf das Jahr 2011. Es war einfach wieder fr jeden etwas dabei und was ich auch immer anerkenne, ist das friedliche Miteinander. Fr mich Wohlfhlfaktor pur. Danke an alle Mitwirkenden und goth on!



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