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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ROCK AM BACH FESTIVAL 2010
Ort St. Wendel, Bosenbachstadion
Datum 09. & 10.07.2010
Autor David Lang / Stefanie Klewer
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Das Schicksal meinte es temporr nicht gut mit mir an diesem heien Freitag im Juli. Rock am Bach stand an, und ich konnte der Arbeit nicht fern bleiben. Der Abschied einer lieben Kollegin in den Ruhestand ging, bei aller Liebe zum harten Metall nun mal vor.

So kam es dann, dass meine Holde und ich nicht in den Genuss von The Haunted und den New Orleans Schwergewichtlern von Crowbar kamen. Hinzu kam, dass ich diesmal in doppelter Funktion anwesend war, sprich ebenfalls mit meinem Kollegen Andi von Circle-Pit TV. Gut 20 Minuten nach dem anvisierten Interview-Termin mit WIZO-Snger Axel Kurth fand ich mich dann auch inklusive Kameramann und verschwitztem Antlitz im Backstagebereich wieder. Nach einem sehr coolen Interview mit Axel (smtliche Videobeitrge knnen bald auf www.circle-pit.com angesehen werden) ging es erstmal Richtung Zeltplatz. WIZO WIZO Dass der regulre Zeltplatz schon mittags arschvoll zu sein schien, konnte uns nur recht sein, kamen wir so doch in den Genuss, auf dem Helfer Zeltplatz zu campen. Dieser grenzte unmittelbar ans Festivalgelnde an. Lange Fumrsche a la Rock am Ring waren somit schon mal ausgeschlossen. Da es zunchst galt, das Hab und Gut zum Zeltplatz zu bringen (das Zelt war schon aufgebaut - Danke Andi!) und sich mit Hilfe von Kaltgetrnken zu akklimatisieren, verpassten wir Danko Jones ... zumindest visuell. Die Lage unseres Platzes lie es allerdings zu, dass wir den Auftritt in bestem Sound mitverfolgen konnten. Mit einem Sack voll Singalong-Hits und knackigen Ansagen machte sich Mr Jones auch schnell einen Namen, bei denen, die ihn noch nicht kannten. Seine Danksagungen an verstorbene Szene-Originale wird zwar (leider) immer lnger, aber zum Trauern blieb keine Zeit. Mit lautem und gutem Sound konnte Danko gewiss auch die letzten Zweifler berzeugen. Nach dem Namen gefragt haben drfte jedenfalls keiner nach dem Gig, den hatte er wie immer oft genug erwhnt.
WIZO waren einer der Hauptgrnde fr mein Erscheinen im Saarland und ich sollte nicht enttuscht werden. Axel Kurth und seine neue Begleitmannschaft strotzten nur so vor Spielfreude. Der charismatische Frontmann hatte sichtlich Spa in den Backen, nach 5 Jahren Bandpause diese Reunion zu zelebrieren. Witzige Ansagen, eine gute Songauswahl, die smtliche Alben und zwei neue Songs ("Scheie kotzen" und "Knigin"... glaub ich) bercksichtigte und ein enorm feierwilliges Publikum machten die WIZO-Show zu einem Triumphzug. Selbst der Redakteur eurer Wahl lie sich whrend "Alte Frau" zu einem seiner seltenen Crowdsurf-Aktionen hinreien. Wenngleich die Idee einer "Wall Of Love" auch nicht wirklich neu war (siehe Die Apokalyptischen Reiter), so kam sie beim Song "Gute Freunde" echt gut an. Eine klare Ansage gegen Rechts vor "Nichts und Niemand" gehrte genauso zum Set wie (das eigentlich zensierte) "Kein Gerede" im Zugabenblock... das knnte rger geben. Am Ende gab es dann sogar noch Shirts fr umme. Herrlich!

Setlist: WIZO

  • Nana
  • Kopfschuss
  • Hey Thomas
  • Diese Welt
  • Das goldene Stck
  • Scheie kotzen (neu)
  • Kadett B
  • Tod im Freibad
  • Raum der Zeit
  • Gute Freunde
  • Knigin (neu)
  • Nix & Niemant
  • Quadrat im Kreis
  • Alte Frau
  • ------------------
  • Der Kfer
  • Kein Gerede
  • Die letzte Sau

Auch danach blieb der Pulk in Bewegung, nur wurden aus groberen Pogo-Moves nun Tanzschritte, oder sagen wir mal ein etwas sozial vertrglicherer Pogo. Von der ersten bis letzten Note hatten Flogging Molly die Menge im Griff. Die Headliner des ersten Abends machten das, was sie live immer machen: Stimmung; und dieser Stimmung konnte sich kaum jemand entziehen. Der punkige Irish Folk versprhte auch im saarlndischen St. Wendel seinen unwiderstehlichen Charme und nahm vom traditionellen Banger bis zum Grindjnger so ziemlich jeden in seinen Bann.
Snger Dave King sammelte Punkte durch grundsympathische Kommunikation mit dem Mob (so lobte er beispielsweise die geschmackssichere T-Shirtwahl einiger Fans in der Menge) und natrlich auch durch seinen grandiosen Gesang. Die Band (vor einem riesigen Backdrop mit 3-Mastern) lief wie eine gut gelte Maschine und spielte Hit um Hit. Dabei war es letztlich egal, ob ruhigere Tne angeschlagen wurden ("Float", "If I Ever Leave This World Alive") oder der zwingende Partyhammer ausgepackt wurde ("Drunken Lullabies", "The Lightning Storm"), das Publikum hatte durchgehend Spa. Da hatte jemand alles richtig gemacht. Floggin Molly Floggin Molly Dem Tag wurde anschlieend in Form von tiefem Schlaf Tribut gezollt. Entsprechend frh waren wir am nchsten Morgen wieder auf den Beinen. Das war ganz praktisch, da uns die Morgensonne ohnehin kurz darauf brutalst aus der Koje gerissen htte. Das, nur einen kurzen Fumarsch entfernt liegende Schwimmbad verschaffte, wenn auch nur fr kurze Zeit, die ntige Erfrischung. Hier hatten wir leider keine Kamera am Mann, sonst wren wir dank "Ups" und Co. jetzt wahrscheinlich reich. Kurzer Versuch einer Schilderung: Ein langhaariger, durchtrainierter Schnling, Marke "Look at me!" hpft, mit kurzer Buxe auf halb zwlf und blauer Unterhose darunter recht vielversprechend auf dem Einer rum. Im Moment des Absprungs mchte seine Hose jedoch schon nicht mehr, unser Held (dank der Hopserei schauen ihm mittlerweile gengend Menschen zu) versucht noch im Fallen diese hoch zu ziehen und verfehlt dabei nur knapp das Brett mit seinem Kopf... ein Bild fr die Gtter.
Etwa rgerlich war die Sache mit den "RABs", den Rock am Bach Dollars. Wertmarken, mit denen Getrnke und Essen bezahlt werden mussten. Zwar waren die Preise relativ ok und ich kann mir gut vorstellen, dass den Thekenkrften dadurch einiges an Arbeit abgenommen wurde, aber wer seine brigen Marken nicht sptestens Samstag Abend umgetauscht hatte, schaute mchtig bld aus der Wsche.
The Parachutes spielten am frhen Samstag mittag auf und sind mir hoffentlich nicht bse, dass ich sie nicht gesehen habe. Dabei erklrte sich die sympathische Band jederzeit bereit, auf unsere Sachen aufzupassen, wollten wir mal in den Fotograben oder den Pit.
Auch The Mahones bekamen wir nicht zu Gesicht, es war schlicht und ergreifend zu hei. Was nicht heien soll, dass wir sie nicht gehrt haben. Alle viere von mir gestreckt lag ich im Schatten und versuchte den Irish Folk / Punkrock Bastard zu genieen; quasi die kleinen, ruppigen Brder von Flogging Molly. Sofern die Hitze (ja, auch im Schatten war es unertrglich) mein Hirn (und mein Notizbuch) nicht getuscht haben, legte die Band ein ordentliches Set hin.
Im Anschluss polterten Gamma Bomb ihren Old School Crossover Thrash im Stile von Municipal Waste, in die sich langsam fllende Flche vor der Bhne. Ein kleines Grppchen hartgesottener dankte es ihnen mit empor gereckten Fusten. Mir war das alles zu altbacken, wenngleich ich auch eingestehen muss, dass die Jungs sehr energisch und motiviert ans Werk gingen.
Waren die nachfolgenden Evile zwar auch nicht meine Baustelle, so konnte ich deren gediegenerem Retro-Thrash doch eher lauschen als dem rden Gerumpel von Gama Bomb. Zwingenderes, weil langsameres und mosh-kompatibleres Liedgut ging wenigstens als Hintergrundmucke klar und gefiel an manchen Stellen gar. Maroon Maroon Gefallen haben auch Maroon. Die hatten zwar, wie das Publikum ebenfalls mit der Hitze zu kmpfen, machten aber, allen voran natrlich Snger Andre keinen Hehl daraus. berhaupt konnte der Fronter neben aggressivem Gesang auch durch asozial-sympathische Ansagen ("St. Wendel? Sack wedel?") punkten. Erwartungsgem flippten die Fans bei "Stay Brutal" und "Wake Up In Hell" am meisten aus, doch auch sonst kann man von einer gelungenen, brutalen Show sprechen.
Jetzt hab ich mich in der Wahl meiner Worte etwas voreilig vergriffen, denn wenn Maroon schon brutal waren, dann waren Napalm Death anschlieend jenseits der Superlative. Die "Godfathers of Grind" haben mit ziemlicher Sicherheit einige Neugierige flugs vom Gelnde verscheucht, denn, und das muss ich als Fan sogar zugeben, der Sound war gerade bei den ersten Songs wenig differenziert. Doch auch der grte Zweifler musste, nachdem der Sound langsam besser wurde, zugeben, dass die Brachialitt mit der die Englnder vorgingen nicht von dieser Welt war. Mit einer Energie, die ihresgleichen suchte, bestach vor allem (wie immer) Snger Barney, der keine Sekunde still stand. Mit einem guten Mix aus aktuellen Stcken und den blichen Klassikern hat das Quartett mit Sicherheit einige neuen Fans hinzu gewonnen. Napalm Death Napalm Death Die Suicidal Tendencies sind eine Macht. "Cyco" Mike Muir, mittlerweile auch schon 47 Jahre alt, geht auf der Bhne nach wie vor ab, wie kein zweiter, seine Ansagen sind immer noch unglaublich unterhaltsam (ob man komplett folgen kann sei mal dahin gestellt) und auch gesanglich gibt's nix zu meckern. Seine Mitmusiker haben reich technisch einen Groteil der anderen Bands in den Sack gesteckt und agieren tight wie die Sau. Der Funk-(Skate-)Punk-Metal Crossover der legendren Band aus Venice Beach zndet im Publikum auch prompt und schon bald gibt es im Pit kein Halten mehr. Traditionell beginnt das Quintett mit "You Can't Bring Me Down" und haut mit "War Inside My Head" und "Subliminal" noch zwei weitere Moshbolzen recht frh aus dem Gepck. berhaupt fllt auf, dass Muir und Co. verhltnismig viel Gas geben. Nichtsdestotrotz darf ein Klopper wie "Send Me Your Money" natrlich nicht fehlen, genauso wenig wie das obligatorische "50 % des Publikums auf die Bhne holen" bei "Pledge Your Allegiance". Und obwohl ich das Gefhl nicht loswerde, dass man noch Zeit fr den ein oder anderen Song gehabt htte, war die Show mal wieder nur geil. Und jetzt alle "ST!"
Sick Of It All mussten leider einer kurzen Akklimatisierungsphase weichen. Sorry, Mnners! Killswitch Engage Killswitch Engage Nun ist es endlich an der Zeit, dass die Amerikaner von Killswitch Engage etwas zum Besten geben. Ich war schon sehr gespannt, da ich noch nie die Ehre hatte, die Jungs live zu sehen. Als die ersten Klnge von "Rose Of Sharyn" erklangen war das Publikum nicht mehr zu stoppen. Ich htte nicht gedacht, dass das Konzert direkt mit diesem Kracher-Song erffnet werden wrde. Umso besser, so konnte sich das Publikum ein wenig warm singen. Adam dagegen hat sich derweil schon mal warm gesprungen. Schon beim ersten Song rast er ber die Bhne als gbe es kein Morgen. Ob bei altem oder neuem Material, die Fans singen textsicher mit und feiern die Band nach allen Regeln der Kunst. Der einsetzende Regen strt im Grunde keinen und das aufziehende Gewitter (das sich spter als waschechte Semi-Apokalypse herausstellen sollte) unterstreicht mit seinen zahlreichen Blitzen lediglich die geile Light-Show. Snger Howard berzeugt mit sehr viel Charme und sammelt gewiss auch Sympathiepunkte als er sich beim abschlieenden "Holy Diver" vor Lachen kaum mehr halten kann. Da der Rock am Bach Gig der letzte der Europa-Tour ist, lsst es die Crew sich nmlich nicht nehmen, ihre albernen Scherze auf der Bhne zu treiben. Ein als Tiger verkleidetes Crew-Mitglied beispielsweise lsst sich von den Musikern reiten. Fazit: Killswitch Engage konnten mich auch live berzeugen. (Stefanie Klewer).

Setlist: Killswitch Engage

  • Rose Of Sharyn
  • The Reckoning
  • Fixation On The Darkness
  • Starting Over
  • Life To Lifeless
  • The Arms Of Sorrow
  • This Is Absolution
  • A Bid Farewell
  • My Last Serenade
  • End Of Heartache
  • My Curse
  • ----------------------
  • Holy Diver

An dieser Stelle muss ich einmal allen danken, die mir in letzter Sekunde so viel ermglicht haben. Auf die Rock am Bach Idee kam ich nmlich nicht mal eine Woche (!) vor dem Festival und dennoch verlief soweit alles reibungslos. Also danke, Iris (WIZO-Promo), Theresa von Roadrunner, Dario von Century Media und meinen Interviewpartnern! Ebenfalls danke an die Verantwortlichen vom Festival und Rhein Ahr TV, die uns den Kameramann stellten! Nicht zuletzt danke an die weltbeste Freundin, die wieder mal eine Engelsgeduld bewiesen hat!
Rock am Bach 2011? Gerne wieder!





Water Pit Maroon Suicidal Tendencies Suicidal Tendencies Suicidal Tendencies Killswitch Engage Killswitch Engage



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