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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BEASTFEST 2010
Ort Schlachthof, Wiesbaden
Datum 02.06 - 03.06.2010
Autor Dejan Stankovic, Max Dnges
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Bereits letztes Jahr haben wir an dieser Stelle vom Vainstream Beastfest berichtet und am zweiten und dritten Juli war es dann erneut soweit. Mit leichter Versptung kommen wir zwar unverschmt nchtern, dafr aber in freudiger Erwartung in der hessischen Hauptstadt an. Der Wiesbadener Schlachthof ffnet uns seine Tore, um an zwei Tagen ein kleines aber feines Line-Up zu prsentieren. Dass das Festival drinnen stattfinden muss, erweist sich angesichts von Temperaturen um die 35 C als wenig dankbare und schweitreibende Angelegenheit, aber was tut man nicht alles fr die geliebte Musik.

Alexisonfire A Day To Remember

Die erste Band des Abends ist fr mich ALEXISONFIRE. Die 5 sympathischen Herren aus Ontario/Canada spielen eine gute Mischung aus Hardcore, Indie und Rock. Sehr bekannt ist die Band auch durch ihren Gitarristen und Background-Snger Dallas Green, der sich auch Solo schon einen guten Namen gemacht hat. ALEXISONFIRE spielen eine gute Show mit viel Bewegung. Basser Chris Steele schlgt sogar Purzelbume. WHREND DES SPIELENS!! Auch der Sound ist ok und ldt zum Mitgehen ein. Gesanglich liegen Dallas Green und George Pettit in gleicher Hhe. Die Shouts sind kraftvoll und dynamisch, der klare Gesang rein und voller Emotionen. Nur der Mann an den Lichtreglern schafft es nicht die Band ins angemessene Licht zu rcken. Zu oft ist es zu dunkel!

Nach zwei khlenden Bieren und einer Ladung Jgermeister geht es nun zu DEVIL DRIVER. Einst eine meiner Lieblings-Bands, sind sie jetzt leider nur noch die Senioren in meinen Ohren. Der Opener ist klasse gewhlt: "Hold Back The Day" vom Album "The Fury Of Our Makers Hand". Eigentlich ein Song der keine Mauer stehen lsst. Leider ist die Umsetzung eher schlecht wie recht. Dez Fafara kommt einfach stimmlich nicht mehr an sein einst gesetztes Limit ran. Auch das, was man unter Show verstehen knnte ist hier leider nicht vorhanden. Das bliche Kopfgedrehe verziert mit ein paar weiteren Metal-Moves, that's it. Technisch gibt es nichts zu meckern. Die Band spielt hervorragend und das auf hohem Niveau. Zur Mitte der Show hin schafft es dann auch das Publikum ein bisschen mitzugehen und es entsteht etwas, was sich Atmosphre nennen kann. Aufgrund der Tatsache das die Halle halb leer ist, geht der Punkt an Devil Driver: Ein Circle-Pit! Die Amerikaner sind bekannt fr ihren Circle-Pit-Fetisch und je nher das Ende kommt desto besser wird es. Leider. Bei Songs wie "End Of The Line" oder "I Could Care Less" gibt es fr die Menge kein Halten mehr und die Halle bebt das erste Mal an diesem Abend. Danke DEVIL DRIVER, ob Senior oder Junior, ihr knnt es doch noch.

Der Samstag beginnt fr uns mit CALLEJON, die angesichts ihrer deutschen Lyrik im Billing des Festivals fast schon Exotenstatus genieen. Der Vierer aus dem Raum Kln-Dsseldorf hat sich in den letzten Jahren langsam aber stetig nach Oben gemausert und fhrt mit "Videodrom" ein Album im Gepck, das man guten Gewissens als ziemlich frisch bezeichnen kann. Das Intro zur Show ist gewohnt durchgeknallt. Snger Basti trgt einen altertmlichen Taucherhelm mit Scheinwerfern als Augen und bt sich in theatralischen Posen. Trotz neuer Platte steigen die Jungs mit dem Klassiker "In Dunklen Wassern Brennt Ein Licht" in ihr kurzes Set ein. Das Auditorium ist angesichts frher Stunde schon recht anstndig gefllt. Ein Groteil der angereisten Schar gehrt in die Kategorie junges Gemse und passt perfekt in die Zielgruppe von CALLEJON. Da die Jungs nur eine lppische halbe Stunde Spielzeit haben und selbstverstndlich ihr neues Material an die Leute bringen wollen, mssen die Fans auf einige Klassiker verzichten. Die Band macht ihre Sache ordentlich, auch wenn ich sie schon besser erlebt habe. Vermutlich muss man auch hier der kurzen Spielzeit Tribut zollen, denn der spezielle Charme der Jungs braucht etwas Zeit um sich zu entfalten. Die Publikumsreaktionen sind gut und liegen verglichen mit dem gesamten Festival eindeutig ber dem Schnitt. Der Sound liegt leider fast das ganze Wochenende unter dem Schnitt und da macht man auch fr CALLEJON keine Ausnahme.

Caliban Devildriver

Nun zu meinem Highlight fr dieses Festival: JOB FOR A COWBOY. Eine der wohl hrtesten, schnellsten und ekelhaftesten Bands die es gibt. Da, wo die 5 Musik-Panzer aus Kalifornien / USA waren, wchst lange Zeit erst mal nichts mehr. Der Sound ist bestialisch laut und dennoch gut hrbar. Das, was auf der Bhne passiert, ist wahrlich ein Augenschmaus. Leider ist die Halle fast leer. Knnte zum einen daran liegen, dass JOB FOR A COWBOY nicht grade sehr bekannt sind oder aber sich die Leute auf das bevorstehende Fuballspiel vorbereiten. Umso besser fr mich, denn so kann ich einen ziemlich guten Platz ergattern und rieche frmlich den Schwei, den die Band versprht. Herrlich!! Jon "The Charn" Rice ist ein so schneller und ideenreicher Drummer, dass er seines gleichen sucht. Al Glassman und Bobby Thompson (nein, nicht verwandt mit Mick Thompson von Slipknot) sind wirklich durchgedrehte Gitarristen und technisch auf einem ganz hohen Level. Jeder in der Band ist verrckt, schnell und passt perfekt zum anderen. Vor allem Jonny Davy hat mir sehr, sehr gut gefallen. Seine Art Gesungenes in Bewegungen umzusetzen ist grandios. Hart, emotional, bse und schockierend. JOB FOR A COWBOY? Eine Band die man live gesehen haben muss.

An dieser Stelle mchte ich einige Anmerkungen auer der Reihe machen, denn nach den Amis von JOB FOR A COWBOY ld der Veranstalter zum Public Viewing. Das Wahnsinnsviertelfinale Deutschland-Argentinien wird auf einer groen Leinwand in der Halle bertragen. Zum ersten Mal an diesem Wochenende wird es im Schlachthof so richtig voll. Einzig zwei Bands durften ein hnlich geflltes Haus beglcken. Nach dem Spiel gab es eine kurze DANKO-JONES-Pause bevor eine Band die Bhne betritt, die hier erwhnt werden muss, obwohl sie berhaupt nicht ins Programm von Myrevelations passen: KIZ. Der Hip-Hop-Vierer aus Berlin macht vor richtig vollem Haus eine der, wenn nicht die beste Show des Wochenendes. Man kann zur Musik der Herren ja stehen wie man will, aber das Selbstbewusstsein und die Energie der Jungs muss man respektieren. Kudos. Obwohl man als einziges so sehr aus dem Rahmen fllt, dennoch dermaen aufzudrehen, das ist beeindruckend. Da knnen sich die Herren von JOB FOR A COWBOY mal eine dicke Scheibe abschneiden. Die gute Bewertung des Kollegen Stankovic kann ich nmlich angesichts der lustlosen Vorstellung der Amerikaner nicht verstehen. Wer dann noch bellaunig Leute im Publikum beschimpft gewinnt bei mir keinen Blumentopf.

K.I.Z.

Zu langer Soundcheck und eine Versptung. So fngt die Show der Deutschen Knallbuben von CALIBAN an. Lange hab ich nichts von ihnen gehrt. Und das neue Album hat mich auch nicht wirklich vom Hocker gehauen. CALIBAN. Mhh, was soll ich sagen. Die fr mich erste und bisher einzige Band deren Verfall ich live erlebt habe. Zu Zeiten von "Small Boy And A Grey Heaven", "Shadow Hearts", "Opposite From Within" oder "The Undying Darkness" waren CALIBAN eine der besten Bands die Deutschland je hervorgebracht hat. Doch dann ging es eher den Berg wieder runter, statt weiter rauf. Durchaus eine gute Live Band, keine Frage. Auch auf Platte eine Band mit Wiedererkennungswert und Charakter. Aber in dem Genre stets vorne mit dabei zu sein ist nicht leicht. Auf unzhligen Konzerten in unzhligen Stdten habe ich CALIBAN gesehen und auch abgefeiert. Jetzt hier auf dem Beast-Fest werde ich sogar etwas sentimental und schwelge in Erinnerungen. Die Drums zerstren alles was auch nur im Ansatz versucht, mit ihnen mitzuhalten. Demnach sind die Gitarren und der Klargesang zu leise. Auch knnten die Shouts etwas mehr Puste vertragen. Ob aus den Boxen oder aus den Lungenflgeln. Das eine Auge auf die Bhne, das andere ins Publikum. Das gewohnte Bild: Circle-Pits, moschende Bollos und der CALIBAN-Klassiker: eine Wall-Of-Death. Auf der Bhne eher verlegene Bewegungen. Neben vieler, neuerer Lieder gab's auch hin und wieder einen Klassiker zu hren. So zum Beispiel "It's Our Burden To Bleed" oder "I Will Never Let You Down".

Den Schlusspunkt unseres Berichts stellen A DAY TO REMEMBER dar. Von den fnf Buben aus Ocala, Florida war ich auf Platte schwer beeindruckt, habe aber mehrfach gehrt dass sie auf der Bhne dieses Niveau nicht halten knnen. Der Auftritt an diesem Abend hinterlie gemischte Gefhle. Die Band als Einheit zeigt sich vom ersten Moment des Erffnungsstcks "The Downfall Of Us All" hellwach und spielfreudig. Die Amis tragen ihr mit Ohrwrmern gespicktes Set hervorragend durchchoreografiert vor. Besonders die Bewegungen der Saitenfraktion sehen fett aus, die Bhnenprsenz stimmt. Das Material stammt fast ausnahmslos von der aktuellen Scheibe "Homesick", was angsichts der Hitdichte des Silberlings wohl niemanden verwundert. Wie bereits erwhnt durften nur zwei Bands vor vollem Hause spielen (NOFX und SKA-P sind hier mal herausgenommen, denn die haben wir uns geschenkt) und eine dieser Bands ist A DAY TO REMEMBER. Sogar der Sound stimmt halbwegs, was fr das Beastfest insgesamt schon eine Steigerung darstellt. Der einzige Wermutstropfen des Auftritts ist die Stimme von Snger Jeremy McKinnon. Das komplette Album lebt eigentlich hauptschlich von seinem brenstarken Gesang, allerdings scheint es so als ob da im Studio doch ein wenig nachgeholfen wurde. Am heutigen Abend auf jeden Fall erweist sich Jeremy bei einigen hohen Stellen als wacklig oder aber er verlegt sie einfach zwei Etagen tiefer. Zudem musste ich vernehmen, dass diese Vorstellung noch eine vergleichsweise gute des Mannes aus Florida war. Dem Publikum war's egal, sie haben die Hits der Jungs trotzdem abgefeiert.


Alexisonfire A Day To Remember Caliban Devildriver Caliban Caliban K.I.Z.

Bilder: Daniel Stahlschmidt (www.rocktimes.de)
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