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16. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ANATHEMA
Ort Frankfurt, Batschkapp
Datum 17.06.2010
Autor Alexander Meyer
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Mitunter hat es auch seine Vorteile schon Stunden vor Konzertbeginn vor Ort zu sein, um ein Interview zu machen. Man lernt die Knstler nicht nur persnlich kennen, sondern wohnt oftmals auch dem Soundcheck bei, der in der Regel ein paar interessante Einblicke in das Innenleben einer Band gewhrt. Im Falle von ANATHEMA wird einerseits uerst akribisch auf jedes Detail geachtet, andererseits sind die Briten mit sehr viel Spa bei der Sache. Anathema Anathema So macht Snger Vincent Cavanagh dem Lichttechniker unmissverstndlich klar, dass die Band nie grelles, weies Licht auf der Bhne verwendet. Den Hhepunkt des Soundchecks stellt eine wirklich superbe Version von Led Zeppelin's "Kashmir" dar, die spter beim Konzert leider nicht dargeboten wird. Um acht Uhr ffnen sich die Pforten und nachdem die Batschkapp sich zunchst nur langsam fllt, ist sie bei Konzertbeginn gut besucht.

Um Punkt neun erklimmen ANATHEMA die Bhne und ziehen das Publikum mit dem Opener "Thin Air des aktuellen Albums "We're Here Because We're Here" (14-Punkte CD-Review an anderer Stelle) von Anfang an in ihren Bann. Im Gegensatz zu KATATONIA, die vor nicht allzu langer Zeit an gleicher Stelle zunchst mit ihrer Form kmpften, sind ANATHEMA sofort mit einer unglaublichen Intensitt prsent. Diese Intensitt wird durch das "Judgement"-Dreigestirn "Deep", "Forgotten Hopes" und "Destiny Is Dead" im Folgenden bis zum Anschlag gesteigert. Keine Ahnung, warum "Pittiless" ausgelassen wurde, aber auch so geniee ich diese emotionale Achterbahnfahrt in vollen Zgen. Wenn ich vorbergehend die Augen ffne, sehe ich drei Cavanagh Brder, wie sie unterschiedlicher kaum sein knnten. Zunchst einmal ist da Fronter Vincent, der wenn er nicht gerade am Mikro steht, mit seiner Klampfe wie ein Derwisch ber die Bhne fegt. Sein Zwilling Jamie ist der einzige der drei, der immer noch seine Lwenmhne trgt, welche er gerne wild bangend einsetzt. Und dann wre da noch der introvertierte Gitarrist und Hauptsongwriter Danny, der zu Anfang fast unscheinbar am Rand steht und im Laufe des Gigs immer mehr auftaut und das Publikum schlielich krftig anfeuert. Anathema Anathema Er geniet sichtlich seinen kurzen Soloauftritt gegen Ende der Show, in dem er eindrcklich beweist, dass er nicht nur ber ein wahnsinnig gefhlvolles Gitarrenspiel, sondern auch ber einen ebensolchen Gesang verfgt. Vorher gibt's allerdings noch ein Dutzend genialer Songs, von denen mich vor allem der Doppelschlag bestehend aus "Empty" und "Lost Control" vom unvergessenen "Alternative 4"-Album vllig aus dem Huschen bringt. Neben den Gebrdern-Cavanagh drfen natrlich die Douglas-Geschwister nicht unerwhnt bleiben. Whrend John einen soliden Job am Schlagzeug abliefert, steht seine Schwester Lee bei ihren Gesangseinlagen mitten im Rampenlicht. Zu Beginn scheint sie dies nicht wirklich zu genieen, da sie beharrlich den Augenkontakt mit dem Publikum meidet, aber sptestens bei "A Natural Disaster", das sie engelsgleich vortrgt, bricht das Eis und sie erntet verdienten Szenenapplaus. Keyboarder Les Smith operiert hingegen vllig im Hintergrund, stopft jedwede Soundlcher im Keim und sorgt fr die orchestrale Untermalung. Den wrdigen Abschluss bildet schlielich die Bandhymne "Fragile Dreams", das von der begeisterten Menge textsicher mitgesungen wird. Die positive Energie der Band bertrgt sich auf die Anwesenden und lsst alle mit einem versonnenen Lcheln nach Hause fahren.

ANATHEMA haben -wie schon TRANSATLANTIC vor einem Monat- auch ohne Support eine absolute Vollbedienung abgeliefert. Ich empfinde den Trend auf Vorbands zu verzichten gerade an Wochentagen als hchst angenehm, da man die Kapelle, wegen der man da ist, ohne Ablenkung und Verzgerung genieen kann. Dazu liegt man noch einigermaen zeitig in der Koje und ist am nchsten Morgen zumindestens eingeschrnkt fit fr die Arbeit. Gegen ein Package bestehend aus ANATHEMA und PORCUPINE TREE, wie ich es schon in der Batschkapp erleben durfte, htte ich allerdings auch in Zukunft rein gar nichts einzuwenden.

Setlist: ANATHEMA

  • Thin Air
  • Deep
  • Forgotten Hopes
  • Destiny Is Dead
  • Dreaming Light
  • Everything
  • Inner Silence
  • One Last Goodbye
  • Empty
  • Lost Control
  • Angels Walk Among Us
  • A Simple Mistake
  • Closer
  • A Natural Disaster
  • Judgement
  • Panic
  • Temporary Peace
  • Flying
  • Are You There?
  • Universal
  • Sleepless
  • Shroud Of False
  • Fragile Dreams

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