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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing TRANSATLANTIC
Ort Frankfurt, Batschkapp
Datum 04.05.2010
Autor Alexander Meyer
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Da ich heute aufgrund eines Interviewtermins mit Mike Portnoy schon am Nachmittag in Frankfurt bin, verbringe ich viel Zeit vor der Halle und lerne noch ein paar nette Kollegen von anderen Magazinen kennen. Auerdem sind einige Die Hard-Fans und Autogrammjger ebenfalls schon Stunden vor Konzertbeginn vor Ort und lassen sich ihre kompletten Transatlantic-, Dream Theater-, Marillion- und Flower Kings-Sammlungen signieren. Als endlich der Einlass beginnt, wundere ich mich ber die unfreundliche Security, die allen Ernstes fordert, dass ich meine Kamera nach den ersten zehn Konzertminuten bei ihnen abgeben soll, um sicher zu stellen, dass ich nur in der erlaubten Zeitspanne Fotos schiee. Wie weltfremd muss man denn sein, wenn man ansonsten jeden Konzertbesucher ohne Fotopass, aber dafr mit Fotohandy oder Digitalkamera ausgestattet, bedenkenlos Einlass gewhrt?! Als ich Minuten spter in der ersten Reihe angekommen bin, ist eh nicht mehr an eine Rckkehr zum Eingang zu denken, da die Halle sich zgig fllt.

Transatlantic Transatlantic

Eigentlich ist die kleine Batschkapp-Bhne gar nicht mehr gro genug fr eine Band wie Transatlantic. Vor dem riesigen "The Whirlwind"-Backdrop mssen sich die Musiker ziemlich dnn machen. Links und rechts sind Neal Morse und Mike Portnoy positioniert. Mikes Schlagzeug wirkt fast winzig. Unglaublich, was der Mann trotzdem alles aus seinem kleinen Kit herausholt. So nah kommt man diesem Schlagzeugvirtuosen normalerweise nie, da er bei Dream Theater-Gigs immer ganz hinten, hinter seinem riesigen Drumkit verschwindet. In der Mitte agieren Roine Stolt und Pete Trewavas quasi Schulter an Schulter. Unterschiedlicher knnen zwei Typen kaum sein: Der adrett gekleidete Skandinavier mit Fnfrisur auf der einen und der unrasierte Brite im Pennerlook auf der anderen Seite. Am meisten muss Gastmusiker Daniel Gildenlw (normalerweise Bandleader von Pain Of Salvation) unter der Enge leiden, da er hinter diversen Monitorboxen und Ventilatoren quasi vom Rest der Band separiert ist. Dies scheint ihn jedoch gar nicht zu stren, da er whrend des gesamten Sets einen Riesenspa entwickelt und mit Keyboard, Gitarre und diversen Percussioninstrumenten bewaffnet, jede auch noch so kleine Soundlcke unermdlich fllt. Dazu trgt er mit seinen Backing Vocals immer wieder zum Transatlantic-typischen mehrstimmigen Choralgesang bei.

Den ersten Teil des Sets stellt das in Gnze dargebotene "The Whirlwind"-Meisterwerk dar. Es ist mir eine Ehre bei der Europapremiere dieser einmaligen Performance dabei sein zu drfen. Dass ich dieses Konzeptalbum fr einen Meilenstein der Musikgeschichte halte, habe ich ja bereits in meiner CD-Besprechung zum Ausdruck gebracht. Doch diesen fantastischen Musikern zuzuschauen und zuzusehen, wie sie dieses Monster livehaftig zum Leben erwecken, hat noch mal eine andere Qualitt. Erst jetzt wird mir so richtig bewusst, dass alle vier Musiker quasi gleichberechtigte Shareholder in diesem Konglomerat sind. Dies zeigt sich auch daran, dass ausnahmslos alle Solo-Gesangspassagen bernehmen. Obwohl Neal Morse sicherlich der musikalische Kopf des Ganzen ist und nichts von seinem Charisma aus vergangenen Spock's Beard-Tagen eingebt hat, ist am heutigen Abend Mike Portnoy der absolute Blickfang. Er beweist eindrucksvoll, dass er nicht nur technisch perfekt, sondern auch mit unheimlich viel Feeling Schlagzeug spielen kann. Dabei sucht er immer wieder den Blickkontakt zu Neal und Pete. Man merkt den vier alten Herren sichtlich an, wie viel Spa ihnen das Zusammenspiel macht. Selbst der stets etwas unterkhlt wirkende Mister Stolt lsst sich zu ein paar Faxen hinreien.

Transatlantic Transatlantic

Es gibt wohl kaum eine andere Band, die schon nach dem ersten Stck eine Pause einlegt. Dies ist jedoch weniger auf die saunaartigen Temperaturen in der Batsche oder das hohe Lebensalter der Musiker, denn auf die Tatsache, dass "The Whirlwind" nun mal knapp 80 Minuten lang ist, zurckzufhren. Back on Stage beginnt ein munteres Best-of-Programm, dessen Hhepunkt fr mich eine hchst ergreifende Version von "We All Need Some Light" darstellt, bei der selbst Neal Trnen die Wangen herunterlaufen, oder ist es doch Schwei? Trnen der Wut sind es trotz diverser technischer Probleme sicher nicht. Diese treiben Neal im spteren Verlauf des Sets zum anderen Bhnenende, wo er kurz Mikes Drums bernimmt und eindrucksvoll unter Beweis stellt, was fr ein brillanter Multiinstrumentalist er ist. Mr. Portnoy, der zur Zugabe in einem original Overall der Dharma-Initiative ("LOST"-Fans wissen wovon ich spreche!) auf der Bhne erscheint, nimmt das Schlagzeugzepter nach Neals kurzer Einlage bergangslos zurck - Das nenne ich Spielfreude pur!

Am Ende lsst die Band sich verdientermaen so richtig abfeiern und irgendwie hat man das Gefhl bei etwas ganz Besonderem dabei gewesen zu sein. An einem Abend wie diesem wird einem mal wieder bewusst, warum "unsere" Musik, unabhngig von allen Trends, einfach zeitlos und unsterblich ist. Danke dafr.









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