Navigation
                
15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KEEP IT TRUE 2010, 1. TAG
Ort Lauda-Knigshofen, Tauberfrankenhalle
Datum 23.04.2010
Autor Alexander Meyer
>> Als E-Mail versenden

Es soll Leute geben, die freitags arbeiten mssen und keinen Urlaub bekommen. Crystal Viper Crystal Viper Auf Grund dessen verpasse ich die ersten beiden Bands komplett und entere erst mitten im CRYSTAL VIPER-Set die Tauberfrankenhalle. Die groe Sporthalle ist noch weit davon entfernt voll zu sein, was einerseits mit der Tageszeit und andererseits mit dem herrlichen Wetter zu tun haben knnte, das viele Metalfans an die frische Luft lockt. Sngerin Marta Gabriel hat die Anwesenden jedenfalls gut im Griff und sieht mit ihren roten Plschhrnern zwar s aber gleichzeitig etwas albern aus. Martas Sidekicks sind ebenfalls gut aufgelegt, sodass der traditionelle Metalsound der Polen live recht frisch rberkommt.

Die nachfolgenden EMERALD, die bereits Anfang April mit Omen und Savage Grace in der heimischen Schweiz spielten, sind wie einige andere Bands Aschewolke bedingt ins KIT-Line-up gerutscht. ber den Status des Lckenfllers knnen sie mit ihrem etwas biederen Epic Metal allerdings nicht wirklich hinauswachsen. Ich ziehe es also vor, mich mit Kollege Kmmet in dessen "Bro", sprich seinen VW-Bus zurckzuziehen, die Sonne zu genieen und geile Doommucke aus der Konserve zu hren.

Emerald Emerald

Pnktlich zu OBSESSION bin ich zurck in der Halle. Leider kann das amerikanische Metal-Urgestein meine Erwartungen nicht erfllen, was in erster Linie an Mike Vesceras fr meine Begriffe etwas nervigem Gesang liegt. Der Rest der Band liefert einen ordentlichen Job ab, wobei Basser Chris Mc Carvill mit seinem dynamischen Stageacting fr mich der optische Blickfang ist. Auf Grund der langen Bandgeschichte merkt man, dass die Amis auf eine breite Fanbase beim KIT zurckgreifen knnen. Dementsprechend freuen sie sich ber die frenetischen Publikumsreaktionen.

ANACRUSIS ist eine der wenigen Kultbands, die ich in ihrer Bltezeit nicht live erleben durfte und stellen daher fr mich den Hauptgrund meines Kommens dar. Ich begebe mich also zum ersten Mal direkt vor die Bhne und geniee das Gefhl der Vorfreude und Anspannung. Als Anacrusis dann mit "Present Tense", dem Opener ihres Debts "Suffering Hour", loslegen, gibt es kein Halten mehr. Auch wenn die Bandmitglieder ihrem Alter optisch Tribut zollen mssen, indem sie Buchlein und Glatze zur Schau stellen, strahlen sie ein hohes Ma an Enthusiasmus und Spielfreude aus. Gitarrist Kevin Heidbreder grinst die ganze Zeit wie ein Honigkuchenpferd und Basser John Emery ist viel in Bewegung und gibt die ein oder andere Metalpose zum Besten. Bei "Driven" vom bisher letzten Album "Screams And Whispers" zeigt Ken Nardi wie gut er noch bei Stimme ist. Obsession Obsession Der Song ist fr mich mit seinem permanenten Wechsel von Harmonie und Aggression der Inbegriff von Anacrusis. Das alles vernichtende "Something Real" von "Manic Impressions" verlangt der Crowd vor der Bhne alles ab. Es folgt "Stop Me" von "Reason" und so geht es munter weiter, keines der vier Alben kommt zu kurz. Bei Hassgranaten wie "Paint A Picture" und dem New Model Army-Cover "I Love The World" entsteht sogar ein kleiner Moshpit. Etwas albern wirkt das Bemhen eines unermdlichen Crowdsurfers sich ber die ersten beiden Reihen immer wieder von den Armen der Security auffangen zu lassen. Nach "Sound The Alarm" und "Imprisoned" suche ich vllig durchgeschwitzt und fertig nach dem nchsten Sauerstoffzelt, lande jedoch am Merchandisingstand, um mir ein wohlverdientes Anacrusis-Shirt zu kaufen.

Setlist: ANACRUSIS

  • Present Tense
  • Driven
  • Something Real
  • Stop Me
  • Terrified
  • Release
  • Butcher's Block
  • Paint A Picture
  • I Love The World
  • Afraid To Feel
  • Sound The Alarm
  • Imprisoned

WATCHTOWER sind alte Bekannte beim KIT und ich persnlich kann mich noch gut an ihre Tour mit Coroner im Jahre 1990 erinnern. Watchtower Watchtower Ich bin gespannt wie sich der Zahn der Zeit auf die vier Amis ausgewirkt haben mag. Die Antwort bekomme ich, als sie wie die Gestrten mit lustigen Masken und Klamotten die Bhne strmen. D.h. also sie haben schon mal ihren Sinn fr Humor nicht verloren. Dieser offenbart sich im Laufe des Sets weiterhin, indem sie z.B. ihr aktuelles Lieblingstier, den Elefanten, ("Mayday In Kiev") oder Pop- ("Tyrants In Distress") bzw. Reggaepassagen ("Control And Resistance") in ihre Songs integrieren, was einigen old-school Metallern groe Fragezeichen auf die Stirn zaubert. Es ist unglaublich erfrischend mit welcher Unbekmmertheit und Spielfreude die vier Wachtrme ihr hchst komplexes und anspruchsvolles Songmaterial vortragen. Man wei gar nicht, wo man hinschauen soll, wenn Ron Jarzombek und ein Grimassen schneidender Doug Keyser sich gegenseitig ber die Bhne jagen und dabei halsbrecherische Lufe auf ihren Instrumenten spielen. Leider wird einem zuweilen die Sicht durch eine Kamerafrau versperrt, die auf einem Podest stehend fast jedes von Rons Hochgeschwindigkeitssoli verdeckt. Alan Tecchio singt wie ein junger Gott und Rick Colaluca, der immer noch aussieht wie der Junge von nebenan, legt einen Rhythmusteppich der so fein gewoben ist wie der edelste iranische Perser. Die Songauswahl ist ein Best of aus den beiden offiziellen Alben plus einem Track vom hoffentlich in Blde erscheinenden neuen Album "Mathematics". Fr mich ein perfekter Gig und alleine schon die lange Anreise wert!

Setlist: WATCHTOWER

  • Asylum
  • Instruments Of Random Murder
  • The Eldritch
  • The Size Of Matter
  • Mayday In Kiev, incl. Elephant
  • Tyrants In Distress, incl. Katy Perry's "I kissed the girl", like a virgin
  • The Fall Of Reason
  • Social Fears
  • Control And Resistance
  • Meltdown

Meine Erinnerungen an SAVAGE GRACE-Liveauftritte sind nicht die Besten. Unter dem Motto "Thrash With Class" sah ich die Band in der Frhphase ihrer Karriere ein paar Mal und war nicht wirklich berzeugt, vor allem nicht von Chris Logues Gesang, der zu keinem Zeitpunkt an die starken Vocals von Mike Smith auf "Master Of Disguise" heranreichte. Savage Grace Savage Grace An diesem Abend wurde ich allerdings eines Besseren belehrt, denn seitdem der gute Chris seine Gitarre an den Nagel gehangen hat und sich nur noch auf das Mikro konzentriert, bringt er auch die Speedmetalkracher vom Debt sehr gut rber. Musikalisch untersttzt wird er von der kompletten Roxxcalibur-Crew, die bereits am Vormittag unter eigenem Banner aufgetreten war. Auf diese Weise kann ich das vormittags versumte wenigstens nachholen und konstatieren, dass es sich bei den Jungs um wirklich gute Musiker handelt. Egal ob "Bound To Be Free", "The Dominatress" oder Songs vom zweiten Album "After The Fall From Grace", alles klingt wie vom Original, auer natrlich die beiden Coverversionen von Deep Purple ("Burn") und Judas Priest ("Exciter"), die vom Publikum ebenso begeistert aufgenommen werden wie der Rest des Sets - Daumen hoch!

OMEN ist die Band von Kenny Powell, der bekanntlich auch einmal bei Savage Grace in die Saiten griff. Somit ist das Familientreffen quasi komplett, was mich fr die Musiker freut, fr mich persnlich allerdings ein schwacher Trost ist, da ich mich tierisch auf Candlemass gefreut hatte. Natrlich ist es bemerkenswert wie das KIT-Team es geschafft hat, so kurzfristig einen Ersatz zu besorgen und Omen liefern sicher auch einen soliden Gig ab, aber am heutigen Abend deprimieren sie mich einfach nur, da ich mir den "Hammer Of Doom" von Candlemass geben wollte. Also ziehe ich mich in den hinteren Teil der Halle zurck und mache etwas Latenightshopping. Dabei hole ich mir einige Anregungen fr zuknftige KIT-Veranstaltungen: Wie wr's mit Sanctuary, falls ntig in der Nevermore-Besetzung, dann knnten die gleich am anderen Tag spielen. Oder Warlord, dann knnte Mark Zonder gleich noch mit Fates Warning ran. Und wo Ray Alder dann schon mal da ist, knnte er gleich Redemption mitbringen und... und... und... Oli und Tarek werden schon die richtige Bandauswahl treffen!





Anacrusis Anacrusis







<< vorheriges Review
RANDY HANSEN - Idstein, Die Scheuer
nchstes Review >>
TRANSATLANTIC - Frankfurt, Batschkapp


Zufällige Reviews