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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing EIN WOCHENENDE IN OBERHAUSEN - ODER- MEIN GANZ PERSöNLICHES GRINDHOUSE
PERSISTENCE TOUR & AMERICAN WRESTLING RAMPAGE
Ort Oberhausen, Turbinenhalle
Datum 28. & 29.11.2009
Autor David Lang
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Durch glückliche Umstände kam es nun so, dass der dicke Dan von Rockinvasion und der dicke Dave von MyRevelations nicht einfach nur zum x-ten male gemeinsam auf die Piste gingen, nein, diesmal war man sogar im Namen der Arbeitgeber zusammen unterwegs; und das sogar für ein Double Feature!
Anfangen sollte der Spaß in der Turbinenhalle zu Oberhausen, wo am 28.11. die Persistence Tour Halt machen sollte. Ein wahres El Dorado für Fans hartkerniger Klänge. Ganze zehn Bands sollten für die auditive Belustigung sorgen. Dass durch Interviews, Backstagelümmeleien und Ähnliches nicht alle Bands unter die Lupe genommen werden konnten liegt da auf der Hand. Selbst meine Faves Evergreen Terrace fielen einem Interview mit Ignite Fronter Zoli zum Opfer... damn!

Genauer gesagt bekamen wir durch organisatorisches Drumherum weder die drei lokalen Opener, noch No Turning Back oder besagte "Immergrünen" mit.

Agnostic Front Walls of Jericho

Dafür kamen wir (Dan, Kameralady Isa und moi) allerdings in den Genuss der Ignite'schen Gastfreundschaft. Wenn die Jungs auch keine Partyband im eigentlichen Sinne sind (ich glaube meine leicht euphorische Art war ihnen schon zu viel), so waren sie sich doch nicht zu schade uns drei mitsamt Equipment den kompletten Abend bei sich unter zu bringen. Nach besagtem Interview mit Ignite Sänger Zoltan kam uns, wie der Zufall es so wollte ein nochmal so unterhaltsamer Gesprächspartner vor die Kamera; kein Geringerer als Agnostic Front Gitarrist und Hardcore Urgestein Vinnie Stigma brachte uns mit Storys von "Glückwein" auf dem "Weihnachtmarkt" und Axel Schulz' Kochsendung (?!) dermaßen zum Lachen. Auf Dans Frage nach seinem aktuellen Lieblingswitz ballerte uns der 54-jährige (!) gleich vier derbe Zoten um die Ohren.

Death By Stereo sollte ich mir auf Isas Anraten doch unbedingt geben, doch meine schwermetallischen Ohren fanden das Gebotene nur bedingt super. Die Band gab zwar ganz gut Gas, doch punkig-melodischen Hardcore hab ich schon mitreißender gehört. Für Fans und Kenner bestimmt ein Genuss, denn schlecht war das nicht.

Nachdem ich über die Jahre mittlerweile einige Chancen verpasst hatte, mir Walls Of Jericho einmal anzusehen, wollte ich wenigstens diesmal Zeuge einer Show werden. Zwar haut mich die Band rein musikalisch kaum aus den Socken, doch Frontfurie Candace sollte man mindestens einmal live erlebt haben. Die, im Grunde recht hübsche Sängerin fegt wie ein Derwisch über die Bretter und lässt manch männlichen Kollegen im Vergleich wie nen Emolutscher wirken. Zoli jedenfalls durfte sich backstage beim Herumalbern mit der Rothaarigen kurz darauf von ihrer Kraft überzeugen; davon zeugte wenig später ein über Schmerzen am Hinterkopf klagender Ignite Sänger (und der Kerl ist schon kein Hemdchen!) und ein Loch in der Wand (!).
Mir wurde die WOJ Show nach drei Songs jedenfalls zu eintönig und hübsche Frauen muss ich auch nicht sooo tough sehen.

Agnostic Front Biohazard

Auch die folgenden Agnostic Front werden wohl niemals einen Preis für Innovation oder übermäßige Abwechslung einheimsen, punkten aber selbst bei mir durch schweißtreibende Intensität und einem damit einhergehenden Energielevel. Hier können sich einige Jungspunde und auch Metalbands noch was abgucken. Einzig Roger Mirets monotones Gebell war (für mich) ein Störfaktor, doch den Jungs guckt man einfach gerne "bei der Arbeit" zu.

Die Band die mich persönlich am meisten interessierte waren Biohazard und das obwohl sich der, reichlich abgemagert wirkende Fronter Evan benahm wie die Axt im Walde. Unzufrieden mit dem Bühnensound, wird während der Show ein junger Mann von der Technik auf die Bühne zitiert und von Mr Seinfeld höchst selbst vor Publikum zusammen gefaltet. Abgesehen von dieser peinlichen Nummer und Evans eher bescheidener Gesangsleistung fiel der Gig jedoch schon allein unter nostalgischen Gesichtspunkten unter das Prädikat "wertvoll". Bobby Hambel drehte sich wie gehabt den Wolf, Billy Graziadei strahlte über alle vier Backen und stahl Evan rein gesanglich schon die Show und Danny Schuler legte ein grandios groovendes Fundament unter die geilen Riffs. Mein Highlight war neben dem unsterblichen Klassiker "Punishment" das Pantera-Cover "Mouth For War", welches die Brooklyn-Boys souverän runter knüppelten.
Auch nach der Show zeigte sich Mr Porn (Seinfeld hat bis vor kurzem an der Seite seiner (mittlerweile wieder) Ex Schweden-Western gedreht) nicht von seiner besten Seite, als er Onkel Dan nach ein wenig Rockstar-Gehabe zunächst ein Interview zusicherte, nur um ihn anschließend sitzen zu lassen und mit seiner neuen Perle (geschätzte 16 Jahre alt) die Halle verließ. Erbärmlich.

Ignite Ignite

Ganz anders dagegen die kalifornischen HC Helden von Ignite, die den Abend beenden durften. Zwar hatte ich die Band wesentlich energischer in Erinnerung (siehe With Full Force 2006), doch die Mischung aus mitsingkompatiblen Melodien und melodisch-punkigem Hardcore funktionierte auch so tadellos. Ginge es nach mir, könnte Sänger Zoli zwar sein politisches Engagement auf der Bühne etwas runterschrauben, doch das wird wohl auf ewig ein frommer Wunsch bleiben. Ist ja echt löblich, dass die Band und allen voran er, sich derart für so vieles einsetzt, doch bei einem Konzert sollte man den Schwerpunkt wirklich auf die Musik legen. Da hätte der Hinweis auf die Umweltschutzorganisation "Sea Shepherd", die einen Stand in der Vorhalle aufgebaut hatte, durchaus gereicht. So kamen alle Zuschauer halt in den "Genuss" eines kleinen Vortrags eines Mitglieds derselben. Das nahm schon ein wenig Luft aus der Sache. Doch zum Glück haben Ignite einige Hits im Ärmel und so fällt es ihnen kaum schwer, den Mob wieder in Wallung zu bringen. Beim letzten Song "Bleeding" hält es mich dann auch nicht mehr und ich bange mich um Kopf und Kragen... sehr zur Verwirrung der Band auf der Bühne.

Eine gute Stunde später befinden Dan und ich uns auch schon in unserer Pension und lassen uns noch das ein oder andere durch den Kopf gehen.


Nur wenige Stunden später war die Nacht dann aber auch vorbei und wir machten uns frisch geduscht und gestärkt erneut auf zur Turbinenhalle, wo sonntags die AWR aufschlagen sollte. AWR Hitman Die American Wrestling Rampage machte auf ihrer Europa-Tour auch in einigen deutschen Städten Halt. Die Liga bietet einen interessanten Querschnitt aus neuen Talenten und erfahrenen Haudegen, die über die Jahre bereits viel Erfahrung (vornehmlich im WWE-Ring) sammeln konnten. Besonderes Schmankerl für die deutschen Fans: Bret "Hitman" Hart ist ausschließlich in Dschörmeni mit an Bord, um seinen Fans noch einmal nah sein zu können und Autogramme zu geben. Nachdem wir unsere Gerätschaften aufgebaut hatten, kam es auch sehr bald zum ersehnten Treffen. Der "Hitman" stand leibhaftig vor mir... naja, vielmehr humpelte er zu mir herüber. Jahrelange Action im Ring und ein Schlaganfall fordern eben ihren Tribut. Doch trotz allem Mitleid (mitunter erinnerte er mich ein wenig an Ozzy) überwog der mächtige Respekt, und unser Interview wird mir für immer im Gedächtnis bleiben (was auch besser so ist, da sämtliche Aufnahmen von Samstag und Sonntag völlig tonlos blieben. Wir vermuten einen Kabelbruch oder Ähnliches... Fuck!!!). Nachdem wir auch noch Rob Van Dam vor die Kamera bekamen, war mein Tag im Grunde schon perfekt. Doch das eigentliche Treiben sollte ja erst beginnen. Ich muss direkt eins vorweg nehmen: Wenn das Ganze auch (noch) nicht so beeindruckend war wie bei der WWE; die Leistung mancher Athleten war denen der großen Ligen absolut ebenbürtig. Allein das Triple Threat Match um den "No Limits Championship Belt" rechtfertigte den Besuch der Veranstaltung. Michael Knight (amtierender Champ), El Generico (mit schrecklicher Olé, Olé, Einzugsmucke) und PAC sollten den Titel unter sich ausmachen. Ein fantastisches Match mit jeder Menge spektakulärer Manöver und einem Titelwechsel brachte die Turbinenhalle zum Kochen. PAC ist der verdiente neue Champ. Nicht nur bei ihm dürften die großen Ligen demnächst anklingeln.

Los ging es allerdings mit einem Match zwischen Delicious Dunkie und Shawn Maxer (die zu den Klängen von "Y.M.C.A. die Halle betraten!!!) auf der einen, sowie Scottie The Hotty (oder auch Scotty 2 Hotty) und X-Pac auf der anderen Seite. Der Fight war ok, aber nichts Besonderes. Man bekam genau das zu sehen, was man sehen wollte: den "Bronco Buster" von Waltman, den "Worm" von Scotty und letztlich auch den Sieg der WWE-Veteranen.

Im zweiten Match gewann "Lord" Paul Tracey (Einzugsmusik: der Frühling aus Vivaldis "Vier Jahreszeiten") gegen ein Hemdchen namens Suicide Machine. Allein aufgrund des Namens hab ich mir von diesem Herrn mehr versprochen. Ganz nett.

Meet'n'Greet Gewinnerin

Der einzige Damenkampf war auch nicht unbedingt prickelnd, aber ich habe auch schon schlechteres gesehen. Alpha Female gewann hierbei gegen Portia Perez. Nach dem anschließenden Triple Threat Match triumphierte das ehemalige "La Résistance" Mitglied René Duprée über Joe E. Legend. Ein solides Match mit klarer Rollenverteilung. Die gab es auch beim anschließenden "Mixed" Tag Team Match, dass man aber im gnädigsten Fall nur noch als Comedy-Segment durchgehen lassen kann. Davor brach das Publikum jedoch noch in frenetischen Jubel aus, als Bret Hart es sich nicht nehmen ließ ein paar warme Worte an seine deutschen Fans zu richten. Die "Thank you, Bret"-Rufe jedenfalls wollten kaum enden.

Im besagten "Spaß-Kämpfchen" traten ein Typ in einem ziemlich peinlichen Teufelskostüm (der schon Stunden zuvor halb geschminkt und "mit furchtbar bösem Blick" wortlos backstage umher stapfte) und ein Kleinwüchsiger in einem noch viel beschisseneren Teufelskostüm (namentlich Omen und Mini-Omen... ääääh, ja) gegen einen anderen kleinwüchsigen Luchador (Enigmas "Sadness"als Theme... weia) und Raven (!) an. Wie kann man bitteschön eine Hardcore Legende wie Scott Levy in ein solch albern-peinliches Match stecken. Ich möchte mal bezweifeln, dass das irgendjemand ernsthaft lustig fand; auch abgesehen von Ravens Status. Belustigen konnte lediglich der Anfang als Levy mit seinen "Deutschkenntnissen" auftrumpfte. "Ich bin ein Deutscher", und "Du bist ein Schweinehund" brach definitiv das Eis, sollte es je zwischen dem Raben und dem Publikum bestanden haben. Mini-Omens Versuche, die Fans auf spanisch anzumachen gipfelte erfreulicherweise in "Austin'schen" "What?"-Rufen. Jedes weitere Wort über dieses Desaster wäre aber dann auch zu viel.

Mainevent sollte das Aufeinandertreffen zweier Ikonen des Hardcore-Wrestling werden. "The Whole Fuckin' Show" Rob Van Dam traf auf den "Suicidal, Homicidal, Genocidal, Death-Defying Maniac" Sabu, sprich Stühle und Tische trafen auf durchtrainierte Körper und nach einigen harten Aktionen und gut 10 Minuten derbsten Showkampfs war das Spektakel auch wieder vorbei. Mit klassischem Wrestling hatte das zwar nur bedingt zu tun, doch diese beiden überhaupt mal live in einem Ring gesehen zu haben bedeutete mir und schätzungsweise 99% der anderen Anwesenden schon eine Menge. Zusammenfassend kann man sagen: Schreckliche Einzugs-Songs, unspontane (und teils abgelesene) Ansagen eines stocksteifen Ringsprechers und ansonsten gute Unterhaltung zwischen "Oh my god!" und "Ach du Scheiße...". Kurz nach dem Ende der Show machten wir uns aber auch zügig auf den Heimweg. Mit im Gepäck: ein Bilddokument (Ton war ja nich...) und die Gewissheit ein fantastisches Wochenende erlebt zu haben, dass man so auch nicht alle Tage mitnimmt. By the way; Danke Dan!

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