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20. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing IN FLAMES, PAIN, SOILWORK
Ort Kln, Live Music Hall
Datum 10.10.2002
Autor Andre Kreuz
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Schrecklich Schwedisch versprach der Abend in der gut gefüllten Live Music Hall zu Köln zu werden, vorher aber sollte uns noch eine Begegnung der polnischen Art bevorstehen, wozu es folgendermaßen kam: Munter auf der Autobahn gen Norden brummend stellten wir (Marco, Daniel und meine Wenigkeit) plötzlich händeringend fest, dass eigentlich grade gar keiner von uns wusste, wo denn nun die Music Hall überhaupt genau sei. Wir waren zwar alle schon mal da, das lag aber dummerweise schon einige Zeit zurück. Also entschieden wir kurzentschlossen und clever ohne Ende, einfach mal ins Zentrum zu fallen und uns von da aus durchzufragen. Das hat auch prima gefunzt, direkt die erste Zielperson verwies uns nach Köln-? (den Stadtteil hab ich schon wieder vergessen), wo wir dann wiederum weiterfragen sollten. Also Kiste gedreht und ab dafür. Allerdings konnte bei der bald folgenden Linksabbieger-Spur nun wirklich keiner ahnen, dass das Auto vor uns wegen dem lebensmüden Radfahrer, der es tatsächlich gewagt hatte, bei grün (für ihn...) die Straße zu überqueren, heftigst in die Eisen gehen würde. Ganz so heftig bremste Pilot Marco daraufhin dummerweise nicht, das Resultat dürfte sich jeder ausmalen können. Aber Glück gehabt! Nach echt lustig zu beobachtenden Verhandlungen mit den fünf ausgestiegenen Polen konnten wir mit 25 Euro weniger im Gepäck weitergurken. Da kommt Freude auf!

Aber nun endlich zu dem Part, der euch wohl am meisten interessieren dürfte, der Mucke!
Nur kurz nach unserem Eintreffen in der Halle stand auch schon die erste Band des Abends, SOILWORK auf der recht großen Bühne. Dabei fiel sofort ins Auge, dass man den armen Kerl von Schlagwerker in die linke Ecke (vom Publikum aus) verbannt hatte, da im Hintergrund ein gigantisches Backdrop die Sicht auf das noch viel gigantischere Drumset der Headliner IN FLAMES verbarg und dementsprechend viel Platz einnahm. Die Schweden zeigten sich indes davon unbeeindruckt und legten eine absolut sehenswerte und energetische Show hin, die die Halle bis auf den letzten Mann/die letzte Frau in ihren Bann zog. Der sympathisch wirkende Sänger interagierte die ganze Show durch mit den anderen Bandmembers, wodurch man sah, dass man es hier mitnichten mit einer alleinigen musikalischen Zweckgemeinschaft, sondern offensichtlich mit einem guten, freundschaftlichen Team zu tun hatte. Kein Wunder also, dass die dargebotenen Songs auf sehr positive Resonanzen stießen und die Fans ihren Spaß hatten. Was uns im Übrigen nicht anders ging! Die Playlist streckte sich dabei über die Alben „A Predator’s Portrait“, „Steelbath Suicide“ und natürlich das aktuelle Werk „Natural born Chaos“. Besonders letztere CD wurde seitens der Band eifrig beackert, und so kamen Knaller wie „Follow the Hollow“, „As we speak“, „The Flameout“, „The Bringer“ und der Titeltrack zum Zuge. Auch auf der optischen Seite war die Show gelungen, die Flankierung des Sängers durch die beiden Gitarristen konnte sich genauso sehen lassen wie der hyperaktive und scheinbar omnipräsente Basser. Interessant dabei war auch, dass sich die beiden Klampfer offenbar den Part des Leaders teilten, der Wechsel von Lead- zu Rhytmusakteur und umgekehrt war wirklich beachtlich!

PAIN sollten es nach diesem von vorne bis hinten gelungenen Auftritt schwer haben, zumal sie mit mir einen ihrer Musik äußerst kritischen Beobachter im Publikum vor sich hatten, hehe! Aber genau das, was ich von dem Peter-Projekt erwartet hatte, trat ein: Gähnende Langeweile... Also nahm ich flugs eine strategisch günstige Position an der Theke ein, um mir das Elend mittels des heimischen Kölschs wenigstens ETWAS erträglicher zu gestalten. Ich frag mich allen Ernstes, warum Mr. Augenringe seinen Elektro-Fetisch nicht einfach bei sich daheim im abgelegenen Studio lassen kann! Hier und da (vielleicht auch mehr, als ich bereit bin zuzugeben) ließen sich zwar durchaus positive Rückmeldungen ausmachen, insgesamt schien mir die Stimmung im Vergleich zu SOILWORK aber doch arg gelitten zu haben. Besonders wenn Peter ankündigte, mal wieder down-zu-slowen, wurde er von den frenetischen, extatischen, aggressiven und alles vernichtenden Emotionen und Bewegungen des Publikums geradezu erschlagen... Was soll der Scheiß? Ich will live Power sehen und nicht einschlafen!!! Da halfen auch die vermeintlich „schnelleren“ Songs nicht mehr. Anmerken will ich aber noch, dass Mr Tägtgren für seine Verhältnisse erstaunlich relaxt und ausgeschlafen(!) aussah, was bei dieser Art von Gedudel aber auch nicht weiter verwundert. Zwischen zwei Songs meinte er aber trotzdem: „Tonight I feel like Ozzy.“ Was will der Künstler uns damit sagen? Fühlte er sich ozzylutscht? Ozzypowert? Oder einfach nur ozzymergelt? Wir werden es nie erfahren... Möglicherweise hätte er besser den Ratschlag befolgen sollen, den eines der „gespielten“ Lieder impliziert: „Shut your mouth!!“ Um Missverständnissen vorzubeugen: Ich stehe mit meiner Meinung nicht allein auf weiter Flur. Selbst mein Kumpel und bekennender PAIN-Hörer Rafael und Fahrer Marco fanden die Chose eher mies. Oder, ums mit Marco’s Worten zu sagen: PAINlich. Ihr seht schon, hier bekommt ihr die volle Dosis Kalauer, ein Feuerwerk der Heiterkeit! Stimmung wie sie sonst nur Roberto Blanco auf den Tisch zaubert, oder Thorsten?! Wenigstens der Marco wusste die Zeit sinnvoll zu überbrücken und freundete sich derweil mit zwei feinen Spanierinnen an, auch ne Möglichkeit.

Aber genug der Lästerei auch wenn’s Spaß macht und Frust über auf Irrwegen wandelnde Death-Metal-Musiker abbaut.
Schließlich ließ sich die allgemeine Vorfreude auf IN FLAMES durch solche Eskapaden, wenn überhaupt, nur minimal trüben. Los ging’s mit dem vermeintlich vom letzten Jahr bekannten „Austin-Powers-Intro“, doch Arschgeleckt (pardon)! Das gute Stück wurde gnadenlos kleingesampelt und ging nahtlos in ein erstaunlich sphärisches Stück Introduktion über, das schon vor Beginn der eigentlichen Show für Gänsehaut sorgte. Und dann gab’s für eineinhalb Stunden (so um den Dreh) weder für die Band noch für uns Fans kein Halten mehr! Diese Truppe ist einfach nur göttlich, vor allem, wenn sie ein ums andere Mal beweist, dass sie die Finessen, die sie kontinuierlich auf CD bannt, auch live locker drauf hat! Ich habe nicht ansatzweise alle Stücke im Kopf behalten, die sich gezockt haben, an dieser Stelle also nur eine kleine NDK-Kurzgedächtnis-Auswahl des Sets: „Artifacts of the black rain“ (Supergeil!!!), „Food for the gods“, „Episode 666“ (no comment), „Ordinary story“, „Behind space“, „Pinball map“ (eines der ersten), „Only for the weak“ (kam gegen Ende und verdammt gut!) und einige vom aktuellen Output „Reroute to remain“. Aufmerksame Beobachter haben jetzt natürlich sofort bemerkt, dass ich mich chronologisch von hinten nach vorne durch die Werke der Göteborger geschaufelt habe und mich keineswegs an das abendliche Set gehalten habe. Neben der oberamtlichen Leistung aller Musiker muss auch die optische Performance gelobt werden, das hatte schon Profi-Niveau, wie auch immer man „Profi“ in der Metal-Szene definieren mag. Links und rechts wurde das Drumkit von dem „IN FLAMES-Stern“ (z.B. auf dem Backcover von „Clayman zu finden) umrahmt. Mit hellen Strahlern ausgestattet waren die Dinger schon echte Hingucker, genau wie das im Hintergrund positionierte, große „I F“, das ebenfalls in gleißendem Licht erstrahlte. Den Vogel schoss die Bühnencrew aber mit der zum Schluss eingesetzten Konfetti-Kanone ab, die Unmengen an Glitzerkram in die Halle ballerte, nicht übel! Eine Zugabe gab’s keine, was ich aber absolut ok so finde. Denn mir ist es immer lieber, wenn eine Band ihr Repertoire von vorne bis hinten durchzockt und dann Ende macht, anstatt sich für von vorne herein einkalkulierte Zugaben noch mal auf die Bühne bitten zu lassen. Ob wir (das Kölner Publikum) wirklich besser als das bisher beste Langener Publikum gewesen waren, wie es der Sänger postulierte, kann ich nicht sagen, aber Spaß, Stimmung und Resonanz dürften schon schwer zu übertreffen sein! Das war von den drei Gigs, die ich bisher von IN FLAMES gesehen habe, mit Abstand der beste, warum auch immer!

Somit bleibt als Fazit anzumerken, dass dies ein rundum gelungener Abend (von den Schmerzen, die mir PAIN bereiteten mal abgesehen) war, den Marco wohl am trefflichsten umschrieben hat (sinngemäß): „Cooles Konzert! Polen gebumst und Spanierinnen kennen gelernt. Andersrum wär’s allerdings besser gewesen...“

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