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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MOTÖRHEAD, DER W, BLACK STONE CHERRY
Ort Hamburg, Color Line Arena
Datum 05.12.2009
Autor Marc Schallmaier
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Weihnachten steht vor der Tür! Und woran merkt man das ? Okay, die Innenstädte quellen über mit einkaufswütigen Menschen, im Fernsehen gibt es Jahresrückblicke auf allen Kanälen und überall wird irgendein blinkender Müll in die Fenster gehängt, um damit den Nachbarn die Nachtruhe zu rauben. Aber eigentlich bemerkt man es daran, dass MOTÖRHEAD auf Tournee sind. Allerdings sollte Hamburg die Koordination seiner großen Spektakel in Zukunft besser gestalten. Parallel zum Einlass des Konzerts war dass Fußballspiel des HSV gerade zu Ende, und Stadion und Arena liegen ungefähr 50 Meter auseinander. So kam es, dass auf der einen Seite 50.000 HSV Fans nach Hause wollten, auf der anderen Seite knapp 6.000 Metal Freunde zum Konzert unterwegs waren. Ein Glück hatte ich meine FC St. Pauli Devotionalien zu Hause gelassen, das hätte unter Umständen zu der ein oder anderen Diskussion führen können auf dem Weg zur Arena. So kam ich in der Halle an und wartete gespannt auf das folgende Konzert.

Der W Der W

Den Anfang machten um Punkt 19.00 Uhr die Band BLACK STONE CHERRY, die mit ihrer Mischung aus Rock und Metal dem Publikum einheizten. Allerdings interessierten sich nur sehr wenige für diesen Sound, der auch reichlich unspektakulär von der Bühne kam. Die Herren gaben allerdings alles und nutzen den kleinen Raum auf der Bühne mehr als ordentlich. Dass soll aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Musik einfach nur mittelmäßig war, demzufolge gab es auch bis auf zwei kleine Ausnahme nichts weiter zu dieser Vorband zu berichten. Die eine Ausnahme war die Ansage des Sängers Ben Wells, dass er seit heute morgen keine Mann mehr sei. Es wäre nämlich so unglaublich kalt in Hamburg, dass sich sein Schwanz komplett nach innen verzogen hätte. Überprüfen wollte das aber keine oder keiner. Die andere Ausnahme konnten BLACK STONE CHERRY mit ihrem letzten Song verbuchen, indem ein Klassiker von Jimi Hendrix angespielt wurde. Der Bassist Jon Lawhon stellt sich mit dem Rücken zum Schlagzeuger und hielt seinen Bass hoch. Der Drummer John Fred Young stand auf und spielte mit seinen Sticks auf den Saiten, während der Bassist die entsprechenden Griffe setzte. Beendet wurde das Lied ebenfalls in bester Hendrix Manier, in dem sich die beiden Gitarristen und eben benannter Bass Spieler zusammenstellten und die letzten Akkorde mit ihren Äxten auf den Rücken zum Besten gaben. Netter Einfall, ansonsten wie schon eingangs erwähnt, ein recht durchschnittlicher Auftritt einer durchschnittlichen Kapelle.

Nach einer zackigen Umbaupause kam dann DER W alias Stephan Weidner, ehemaliger Bassist der Böhsen Onkelz, mitsamt seiner Band auf die Bühne. Fand ich seinen Auftritt im Sommer beim Wacken Seaside Festival in Aurich noch recht peinlich, konzentrierte er sich hier auf das Wesentliche, und das sind gute Songs zum mitgehen und mitsingen. Der Mann kann auf eine große Fanschar zählen, und nicht wenige davon waren auch zu diesem Konzert gekommen. So bildete sich zügig ein ordentlicher Moshpit vor der Bühne, der die Band amtlich abfeierte. Motörhead Motörhead Die Band um Stephan Weidner ist hervorragend eingespielt und hatte sogar ihr eigenes Licht Equipment mit auf die Bühne geschleift. Ein feiner Zug seitens der Hauptband, so was ist nicht selbstverständlich. Wesentlich weniger schön waren die gesalzenen T-Shirt Preise, die bei schlappen 30 Kröten pro Leibchen standen. Hierzu gibt es eine Erklärung seitens der Band auf ihrer Homepage und weißt auf die entsprechenden Verträge bei dieser Tour hin, dass die Vorbands ihre Hemden nicht günstiger als MOTÖRHEAD verkaufen dürfen. Da kann die Band auch nichts für. Aber zurück zum Konzert, DER W hauten ihre Lieder raus und die Fans nahmen sie dankbar an. "Tränenmeer", "Asche zu Asche" oder "Pass gut auf Dich auf" kamen gerade und direkt von der Bühne und das Ganze ausgestattet mit einem fulminanten Sound. Je nachdem bewaffnete sich Stephan Weidner bei einigen Songs noch zusätzlich mit einer Gitarre, um seinem Gitarristen ein paar Freiräume zu gönnen. Lediglich die ein oder andere Ansage sollte sich Herr Weidner einfach mal verkneifen. Ich als neutraler Zuschauer kann mit hohler Phrasendrescherei nichts anfangen und vielleicht fehlt mir auch der Zugang zu seinen Texten, um das zu verstehen. Aber gut, dass muss auch jeder für sich entscheiden. Musikalisch ging der Auftritt voll in Ordnung und obwohl viele der Zuschauer eine Zugabe verlangten, war dies zeitlich einfach nicht drin.

Die Meute fing bereits an zu jubeln, als lediglich das Backdrop von MOTÖRHEAD entblößt wurde, das konnte als noch was werden. Die Stimmung war ziemlich ausgelassen, und der ein oder andere musste von seinem Kumpel jetzt schon gestützt werden. Überhaupt waren die Zuschauer ein wirklicher bunter Haufen. Alle Altersklassen waren vertreten, sowohl Männlein als auch Weiblein in den verschiedensten Outfits, von Anzug bis zerrissener Jeans mit MOTÖRHEAD Flagge als Cape; alles war am Start. Einige Klappspaten allerdings umgingen das Rauchverbot in der Arena und qualmten fröhlich vor sich her. Als ob dies nicht schon dämlich genug wäre, schnippten einige ihre Kippen auch noch brennend einfach ein paar Reihen weiter, als ob es ein Stück Papier wäre. Wenn man einen halbvollen Bierbecher auf den Kopf bekommt, was wenig später im Fotograben auch noch passieren sollte, ist dies ja halb so wild. Aber brennende Zigaretten in ein dicht gedrängtes Publikum zu werfen ist so ziemlich das Allerletzte. Einige der Ordner der Arena griffen dann auch rigoros durch. Wie ich finde völlig zu Recht, was soll das ? Motörhead Motörhead Nach diesen unschönen Bildern ging dann kurz danach das Licht aus und die Herren Kilmister, Campbell und Dee betraten unter einen Jubelsturm die Bühne, um mit der obligatorischen Ansage "We are Motörhead and we play Rock'n'Roll" den Auftritt zu starten. Und wahrlich ließ die Setlist keine Wünsche offen, seien es neuere Kracher wie "Rock Out", "Tragedy", "Be My Baby" oder Klassiker wie "Iron Fist und "Brazil", die Menge tobte und wollte mehr. Das man von Lemmys Ansagen wenn überhaupt nur die Hälfte versteht, hat sich mittlerweile ja auch rumgesprochen, so gab es lediglich bei seinen wenigen Brocken Deutsch größere Emotionen als sonst. Bei einem MOTÖRHEAD Auftritt darf man keine Überraschungen erwarten, soviel sollte klar sein. Die Band gibt es nun schon seit mehr als 34 Jahren und da ist Routine Trumpf. So rockten die Herren die Lieder runter, garnierten sie mit einem Schlagzeug und einem Gitarren Solo und ließen zahlreich Köpfe kreisen. Der Mann am Mischpult verstand sein Handwerk, und neben einer guten Akustik profitierten MOTÖRHEAD auch noch von einer tollen Lightshow, die das Geschehen auf der Bühne ins rechte Licht rückte. Lemmy Bewegungsradius ist schon immer sehr klein gewesen, nicht zuletzt durch seine Doppelfunktion als Sänger und Bassspieler. Doch der Kerl hat dermaßen viel Ausstrahlung, dass er sich gar nicht groß bewegen muss, um die Massen im Griff zu haben. So kam dann nach den beiden Klassikern "Killed By Death" und "Bomber" das übliche Spiel, und die Band tut so, als würde sie nach Hause gehen. Nachdem die Fans sich dann etwas warm gerufen haben, kamen die Herren wieder auf die Bühne, um mit der ersten Zugabe "Whorehouse Blues" zumindest mich zu überraschen. Denn Mikky Dee nahm nicht hinter seiner Schießbude Platz, sondern gesellte sich zu seinen beiden Kollegen an die Front. Dort standen schon zwei Stühle bereit und sowohl Mikky als auch Phil Campbell bekamen eine Akustik Gitarre gereicht, um den angesprochenen Titel zu intonieren. Zunächst sang Lemmy nur, was ein wenig ungewohnt aussah, so ganz ohne Bass am Mikro. Als er zum letzten Teil des Songs zu einer Mundharmonika griff, kannte die Begeisterung keine Grenzen mehr. Anschließend folgten dann die beiden obligatorischen Zugaben "Ace Of Spades" und "Overkill", welche die Publikumsreaktionen noch mal steigern konnten. Dann war Feierabend, und die Fans bewegten sich Richtung Ausgang. Ein gelungener Abend ging zu Ende und hoffen wir, dass Lemmy und seine Kollegen noch viele weitere Jahre kurz vor Weihnachten zum Tanz aufspielen.

Setlist: MOTÖRHEAD

  • Iron Fist
  • Stay Clean
  • Be My Baby
  • Rock Out
  • Metropolis
  • Over The Top
  • One Night Stand
  • I Got Mine
  • Thousand Names
  • Cradle To The Grave
  • Tragedy
  • Power
  • Shoot'em Down
  • Brazil
  • Killed By Death
  • Bomber
  • ZUGABEN
  • Whorehouse Blues
  • Ace Of Spades
  • Overkill





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