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628 Reviews in der Datenbank
Billing: EUROPE, GOTTHARD
Ort: Gießen, Hessenhalle
Datum: 20.11.2009
Autor: Thorsten Schwalbach / Thorsten Dietrich
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Mit EUROPE und GOTTHARD tourte im November ein interessantes Package des melodischen Heavy Rock durch Deutschland, was Anlass genug war, uns über beschauliche Landstraßen quer durch Mittelhessen auf nach Gießen zu machen. Trotz äußerst fairer Bedingungen für EUROPE (toller Sound, gutes Licht, langer Soundcheck und rd. 75 Minuten Spielzeit) waren die Verhältnisse in der Halle und im Publikum mit GOTTHARD als Headliner und EUROPE als Special Guest von Anfang an klar. Doch auch EUROPE hatten ihre Fans am Start, die im ersten Teil vor der Bühne zu finden waren. So herrschte von Anfang an eine super Stimmung in der Hessenhalle. Beide Gruppen spielten überzeugende Shows und die Fans hatten Spaß mit ihrer Band. Da wir uns mit GOTTHARD erst kürzlich recht ausführlich im Rahmen des "Summer's End Open Air" beschäftigt haben, wollen wir uns hier etwas mehr EUROPE widmen, die ja in jüngster Vergangenheit in Deutschland nicht so sehr präsent waren.

Europe Europe

Pünktlich um fast genau 8 Uhr legten EUROPE mit dem Opener und Titeltrack ihrer neuen CD "Last Look At Eden" sehr rockig los. Die Band zeigte von Anfang an eine tolle Lightshow und hatte zwei super wirkende Backdrops auf beiden Seiten der Bühne mit schönen Städtesilhouetten. Auch das folgende "Gonna Get Ready" rockte tierisch ab. Joey Tempest sang von Anfang an sehr emotionsvoll und doch kräftig und überzeugte auch als Entertainer. Bereits in den ersten Songs war er ständig in Bewegung und nutzte den "Catwalk", der einige Meter ins Publikum ragte, um Kontakt zu den Fans zu finden. Der Kerl ist einfach der geborene Frontmann. Gitarrist John Norum stand dem in nichts nach und begeisterte mit tief in den 70ern verwurzelter Gitarrenarbeit. Im dritten Stück "Superstitious" zeigte John, dass er die Songs seines "Ersatzmannes" Kee Marcello perfekt und doch mit eigener Note drauf hat. Die Setlist bot einen gelungenen Querschnitt durch die Karriere von EUROPE und war eine Mischung aus älteren Songs sowie Stücken, die nach der Reunion entstanden sind. Ein Highlight war das etwas langsamere "No Stone Unturned" vom neuen Album. Hier griff auch Joey zur Gitarre und schaffte ein solides Fundament für die Leadgitarre von John. Im Soloteil überzeugte Keyboarder Mic Michaeli mit "proggigen" Sounds und gekonntem Zusammenspiel mit den Gitarren. Passend zur leicht düsteren Atmosphäre wurde die Bühne bei diesem Song fast nur einfarbig in verschiedenen dunklen Tönen ausgeleuchtet. Danach wurde es dann romantisch. Joey kam mit Akustikgitarre nach vorne und jeder, der wegen EUROPE da war, wusste was anstand. Nur mit dem Keyboard als weiterer Begleitung sang er "Carrie" zusammen mit den Fans auf eine gänzlich andere Art als in den 80ern. Passend dazu klang auch seine Stimme wesentlich rauer als früher. Dieser Song ist zusammen mit der Band erwachsen geworden. Dann ging es mit der ganzen Band im neuen "New Love In Town" balladesk weiter, bevor es wieder rockiger wurde. "Start From The Dark" wurde ein bisschen langsamer als auf CD gespielt und kam so sehr heavy rüber. John Norum durfte noch ein beeindruckendes Solo aus sehr gefühlvollen und sehr schnellen Parts spielen. Nach gut 60 Minuten war nach dem begeistert mitgesungenen "Rock The Night" erstmal Schluss. EUROPE gingen kurz von der Bühne und rockten danach in ihrem Heavy Metal - Song "The Beast" nochmal richtig ab. Anschließend leitete die wohl bekannteste Fanfare des Heavy Rock den "Letzten Countdown" für EUROPE an diesem Abend ein. Die Band und die EUROPE-Fans gaben nochmal alles, John Norum begeisterte ein letztes mal und dann ging die Band leider endgültig von der Bühne, wobei ihre Fans sie verdientermaßen abfeierten. An diesem Abend haben mich EUROPE absolut begeistert und auch live gezeigt, dass ihre Reunion einfach nur Sinn macht. Diese Band hat sich zu einem ehrlichen agilen Liveact entwickelt, dessen Konzerte durch hohes Können, Energie und abwechslungsreiche Songs total überzeugen. Sollte die für Anfang 2010 geplante Headlinertour die Jungs in unsere Nähe bringen, bin ich gerne wieder dabei... (Thorsten Schwalbach)

Setlist: EUROPE

  • Last Look At Eden
  • Gonna Get Ready
  • Superstitious
  • Love Is Not The Enemy
  • Sign Of The Times
  • No Stone Unturned
  • Carrie
  • New Love In Town
  • Let The Good Times Rock
  • Start From The Dark
  • Gitarrensolo John Norum
  • Seventh Sign
  • Rock The Night
  • The Beast
  • Final Countdown

GOTTHARD waren als Headliner sicherlich die Zugpferde dieser Tour, was man auch beim Andrang vor der Bühne und an der optisch volleren Halle sah. Die Band stieg direkt mit "Unspoken Words" vom neuen Album "Need To Believe" ein und rockte erst mal ein paar Songs kräftig durch! Sauber. Gotthard Gotthard Auch wenn ich Steve Lees Zirkusjäckchen affig finde, der Mann gab Gas und suchte den Kontakt zum Publikum jederzeit. Freundliche Ansagen und Anfeuerungen gab es auch von Anfang an. So sollte es sein! Doch langsam sollte man eine Covernummer wie das olle "Hush" bei so vielen eigenen Songs nicht mehr spielen, aber gut war es allemal. Imposant waren auch die ausklappbaren Videoleinwände mit passenden Grafiken zu jedem Song. Der Rest der Band nebst Gastkeyboarder rockte souverän, aber bis auf Gitarrist und Grimassenheld Leo Leoni wie immer etwas brav über die große Bühne, wobei der Finanzbeamte am Bass, Marc Lynn auch mal etwas Mimik zeigte und Spaß zu haben schien. Sicherlich durften auch die vielen Balladen der Band nicht fehlen, welche aber geschickt in ein Akustikset mit Steve und Leo an der Gitarre gelenkt wurden und so Verschnaufpause mit Lagerfeuerromantik darstellten. Das bei anderen Bands oft langweilige Drumsolo wurde durch den in der hinteren Halle sitzenden Steve Lee an einem zweiten Drumkit aufgepeppt, der sich quasi mit Schlagzeuger Henna Habegger duellierte. Keine neue, aber eine nette Idee. Insgesamt hat die Band über 105 Minuten mit vielen Songs gerockt und besonders am Ende kamen noch alte Klassiker zum Tragen. Ein feiner Konzertabend für die stolzen 45 Euro mit gutem Sound, recht fairen Merchpreisen und praller Lichtshow. (Thorsten Dietrich)

Setlist: GOTTHARD

  • Unspoken Words
  • Gone Too Far
  • Top Of The World
  • Need To Believe
  • Hush
  • I Know, You Know
  • Right From Wrong
  • Gitarrensolo Freddy Scherer
  • Unconditional Faith
  • Akustik-Set mit Steve Lee und Leo Leoni:
  • One Life, One Soul
  • Heaven
  • In The Name
  • Nothing Left At All
  • Shangri La
  • Drum Solo Henna & Steve Lee
  • All We Are
  • I Don't Mind
  • The Oscar Goes To
  • Lift You Up
  • Sister Moon
  • Anytime Anywhere

Fotos: Britta Stippich
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