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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ALICE IN CHAINS
Ort Wiesbaden, Schlachthof
Datum 21.11.2009
Autor Alexander Meyer
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ALICE IN CHAINS sind fr ihr Comebackalbum "Black Gives Way To Blue" zu Recht abgefeiert worden. War es doch schier undenkbar, dass jemals ein gleichwertiger Ersatz fr den leider viel zu frh verschiedenen Layne Staley gefunden werden wrde. Mit William DuVall scheint dies nun geglckt. Umso gespannter war ich, ob der viel Gepriesene auch live berzeugen und den hervorragenden Eindruck vom Studioalbum besttigen knnen wrde. Leider gab es gerade in jngster Vergangenheit viel zu viele Beispiele fr Bands, die mit viel Tamtam eine Reunion feierten, um ihr eigenes glorreiches Erbe mit halbgarem Songmaterial und miesen Shows hchstpersnlich zu beschmutzen. Alice in Chains Alice in Chains Von den Grunge-Dinosaurieren der frhen Neunziger sind eigentlich nur PEARL JAM ber all die Jahre am Ball geblieben. Eddie Vedder & Co sowie die gttlichen SOUNDGARDEN hatte ich auf dem Zenith ihres Schaffens sowohl in kleinen Clubs als auch auf groen Bhnen live erleben drfen, bei ALICE IN CHAINS war mir dies unglcklicherweise verwehrt geblieben. Noch ein Grund mehr sich an diesem Samstagabend ins nahe Wiesbaden zu begeben und sich in ein Getmmel von Neogrungern, Metalheads, Rastafaris, Glamrockern, Studis, Gothics, Girlies, GIs und Normalos zu strzen.

Mit einem Fotopass ausgestattet, drngele ich mich also durch das gemischte Publikum nach vorne. Dies gelingt berraschend gut, obschon sich die Leute im hinteren Teil des Schlachthofs genauso dicht drngen wie weiter vorn. Die einzigen Engpsse stellen die Theken und der Merchandisingstand dar, die strategisch ungnstig auf beiden Seiten des Mischpults platziert sind. In den ersten Reihen angekommen, freue ich mich ber mein gutes Timing und harre der Dinge, die da kommen. Nach meinen zuletzt fast schon traumatischen Erfahrungen mit Vorbands war ich gespannt, welche Schrammelcombo den Supportslot fr diese lukrative Europatour gewonnen haben wrde. Im Vorfeld war kein Support angekndigt worden, doch da das Konzert um halb acht beginnen soll und die anschlieende fast schon obligatorische Rockdisco fr halb zwlf angekndigt ist, rechne ich fest mit einer Vorband.

Umso berraschter bin ich als ALICE IN CHAINS mit einer viertelstndigen Versptung die Bhne mit "Rain When I Die" strmen. Die Energie des Vierers bertrgt sich sofort auf den Mob, der vllig ausflippt. Ich bin im ersten Moment froh, dass ich die gute Spiegelreflex daheim gelassen habe und nur mit einer billigen Minikamera angereist bin. Ans Fotografieren ist allerdings erstmal gar nicht zu denken, glaube ich, bis ich beobachte wie der Rastamann vor mir wild hpfend, singend und bangend eine Digicam in Richtung Bhne hlt. Und da heit es immer Mnner seien nicht multitaskingfhig. "Them Bones" und "Dam that River" komplettieren den Erffnungsdreier des "Dirt"-Albums und geben einem das Gefhl, dass AIC seit Verffentlichung ihres Referenzwerkes vor 17 Jahren nie weg gewesen seien. Meine Zweifel ob DuValls Fe auch live in Staleys groe Fustapfen passen wrden, zerstreuen sich nach den ersten Vocallines. Der Mann aus Atlanta passt zu dem Urgestein aus Seattle wie die Faust aufs Auge und singt selbst den Emoklassiker "Love Hate Love" wie ein junger Gott. Dazu bedient er bei einigen Stcken die zweite Gitarre, was diesen Songs noch mehr Volumen verleiht. Optisch drngt sich ein Vergleich zu Lenny Kravitz frmlich auf, wobei William schlaksiger und ohne Gitarre manchmal sogar etwas hftsteif wirkt.

Auch die Tracks vom neuen Album werden vom Publikum enthusiastisch aufgenommen. Meine persnlichen Favoriten "Your Decision" und "Check My Brain" werden zu meiner Freude gleich hintereinander gebracht. Besonders Letzteres ist live ein echter Kracher. Nach "A Looking In View" geht pltzlich das Licht an und man sagt sich, dass es das unmglich schon gewesen sein kann. Doch zur allgemeinen Beruhigung und Begeisterung werden ein paar Barhocker fr den Akustikteil auf die Bhne gestellt. Nun rckt Gitarrist/Snger/Bandleader Jerry Cantrell auch optisch in den Mittelpunkt und singt die drei Akustikversionen von "Down In A Hole", "No Excuses" von "Jar Of Flies" und "Black Gives Way To Blue". Alice in Chains Alice in Chains Ich muss nicht erwhnen, dass in diesem Teil des Sets Gnsehaut pur angesagt ist. Leider werden die Barhocker viel zu schnell wieder weggeschafft. Ich htte mir wenigstens noch ein Schmankerl der kultigen SAP-EP gewnscht. Es bleibt jedoch kaum Zeit fr solcherlei Erbsenzhlerei, da mit "God Am" und "Acid Bubble" schon wieder die nchsten Granaten ins Rund gefeuert werden. In Sachen Spielfreude und Bewegungsdrang machen die vier Oldies so manchen jungen Hpfern noch was vor, insbesondere Bassist Mike Inez zirkelt wie ein Derwisch ber die Bretter und lsst seine beeindruckende Lockenmatte kreisen. Drummer Sean Kinney verdrischt bzw. streichelt sein Kit nach allen Regeln der Kunst. Der Mann hat sowohl das richtige Timing als auch das ntige Feeling!

Mit dem Gassenhauer "Man In The Box" vom Debt endet das offizielle Set. Die Band gnnt sich eine Verschnaufpause und kommt mit der obligatorischen Kippe im Mund zurck auf die Bhne. "Lesson Learned" leitet den Zugabenteil ein. Danach kommt der Song auf den viele gewartet haben und der selbst bei der Hitdichte von AIC heraus sticht: "Would" ist seit seinem Erscheinen auf dem "Singles"-Soundtrack so etwas wie die Hymne der Grungegeneration. Alleine der verschachtelte Schlagzeugrhythmus lst Gnsehaut aus und der ganze Saal singt mit. Den wrdigen Abschluss bildet das vehement geforderte "Rooster", das Jerry seinem Vater widmet. Passend dazu laufen auf der Grobildleinwand im Hintergrund Kriegsbilder zur optischen Untermalung. Nach knapp zwei Stunden ist der Spuck dann leider schon viel zu frh vorbei. Die vier Ausnahmemusiker verabschieden sich mit vielen Plektren bei ihren Fans, wobei besonders der Meister himself, Jerry Cantrell, penibel darauf achtet, dass ausgewhlte Leute in der ersten Reihe durch die Ordner ein Souvenir an diesen denkwrdigen Abend erhalten. Schn zu sehen, dass ein solch begnadeter Musiker und Star sich ber all die Jahre eine solche Fannhe erhalten hat. Mit einem Lcheln im Gesicht mache ich mich auf den Heimweg und bin pnktlich zum "Aktuellen Sportstudio" wieder daheim. Ein perfekter Abend fr Herren jenseits der 40, wie AIC und mich.

Setlist: ALICE CHAINS

  • Rain When I Die
  • Them Bones
  • Dam That River
  • Again
  • Your Decision
  • Check My Brain
  • Love Hate Love
  • It Aint Like That
  • Down In A Hole
  • No Excuses
  • Black Gives Way To Blue
  • God Am
  • Acid Bubble
  • Angry Chair
  • Man In The Box
  • Lesson Learned
  • Would
  • Rooster

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