Navigation
                
24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BILLY TALENT, SILVERSTEIN, CANCER BATS
Ort Hamburg, ColorLine Arena
Datum 17.11.2009
Autor Marc Schallmaier
>> Als E-Mail versenden

Ein Dreier Pack aus Kanada in der hoch modernen ColorLine Arena in Hamburg, das durfte man sich nicht entgehen lassen. Da dies mein erster Besuch als Fotograf und Berichtschreiber in dieser groen Halle war, hatte ich dementsprechend auch einen gewissen Respekt vor dem ganzen Prozedere, der dort fr die anwesenden Journalisten aufgefahren wurde. Nach meiner Akkreditierung wurden mir dann gleich drei Termine genannt, an denen ich mich an bestimmter Stelle einfinden durfte. Begleitet von einer reizenden Hostess wurden wir dann zu Beginn jeder Band an den Fotograben geleitet, wo es weitere Instruktionen gab. Um es kurz zu machen : es war wirklich perfekt organisiert, kleine Unstimmigkeiten wie die Benutzung des Blitzes beim Fotografieren oder der anschlieende weitere Besuch des Konzertes (es waren nur Fotos whrend der ersten drei Songs gestattet) wurden ohne viel Diskussion gelst. Nochmals vielen Dank an die entsprechenden Stellen !

Cancer Bats Cancer Bats

Als erstes betraten dann um Punkt 20.00 Uhr die CANCER BATS die Bhne. Ich war anscheinend nicht der Einzige, der weder mit der Band noch mit dem Material des Quartetts vertraut war, und so hielt sich das Interesse der knapp 6.500 Zuschauer auch arg in Grenzen. Den vier Musikern war das herzlich egal, denn sie rockten und rotzten los, als wren sie nicht die Vorband, sondern der Headliner. Rotzen brigens im wahrsten Sinne des Wortes, nach dem Auftritt musste erst mal die Bhne trocken gewischt werden. Aber zurck zum musikalischen Wert der Band. Es gab eine nette Mischung aus Hardcore und Metal und in den guten Momenten erinnerte das doch stark an PANETRA. Leider konnte dieser Standard nicht ber die komplette Laufzeit gehalten werden und so verflachte der Auftritt immer mehr. Weiterhin fiel der immens schlechte Sound auf, den die CANCER BATS verpasst bekamen. Alle drei Bands hatten brigens ihr eigenes Equipment auf der Bhne stehen, jeweils mit einem groen Vorhang verhllt, und so wurde aus einer riesigen Bhne erst mal nur ein kleiner Laufsteg. Vor allem Snger Liam Cormier nutze diesen aber mehr als ausgiebig und machte so den Fotografen das Leben schwer. Nach dreiig Minuten war der Spuk dann vorbei und die Gruppe bekam vom Publikum wenigstens Hflichkeitsapplaus.

Nach einer Pause von fnfzehn Minuten kamen dann die von mir sehnlichst erwarteten SILVERSTEIN auf die Bhne. Der Sound wurde zwar etwas besser, gerade aber die Gitarren waren nur leidlich zu hren und rauschten doch gewaltig durch die Halle. Das Interesse des Publikums war nun schon etwas grer und nach Aufforderung von Snger Shane Told gab es die ersten Moshpits. Wo wir gerade beim Thema Frontmann sind, muss man folgendes klarstellen. Shane Told kann zwar irre gut singen und schreien, es mangelt dem Mann aber einfach an Ausstrahlung und Charisma. Kaum Ansagen, kaum Kommunikation mit dem Publikum auer ein paar wenigen gngigen Floskeln und viel zu oft wirkte er in sich gekehrt. Ich war eher geneigt den Burschen zu fragen, ob er eine Cola oder einen Schokoriegel haben mchte, als mich kopfber ins Pogo zu werfen. Wirklich schade, denn auf CD finde ich SILVERSTEIN um Meilen besser als bei diesem Auftritt, denn gerade die Abwechslung zwischen brachialen Ausbrchen und eher ruhigeren Parts finde ich sehr gelungen. Einziger Aktivposten auf der Bhne war Bassist Bill Hamilton, der wie von der Tarantel gestochen rumsprang und an einigen Stellen seinen Snger untersttze. Hinzu kam meiner Meinung nach eine eher durchwachsene Songauswahl, so wurden vom Hammer Album "Discovering The Waterfront" lediglich "Smile In Your Sleep" und "My Heroine" gespielt. Dazu eine Auswahl an Lieder gemischt aus den eher mittelmigen Alben, sowie vier Tracks vom neusten Output, "A Shipwreck In The Sand", die auch die grten Publikumsreaktionen nach sich zogen. So etwas kann ich nicht nachvollziehen, den bei einer derartig groen Kulisse und einer begrenzten Spielzeit von nur 45 Minuten sollte Hit auf Hit folgen. Wie dem auch sei, ein Groteil der Zuschauer fand den Auftritt dennoch gut, und vielleicht funktionieren SILVERSTEIN in einem Club auch besser als in einer Arena. Ich werden den Jungs definitiv noch eine zweite Chance geben, sobald sich die Mglichkeit dazu ergibt.

Silverstein Silverstein Setlist: SILVERSTEIN
  • Vices
  • Broken Stars
  • Smile In Your Sleep
  • Born Dead
  • Smashed Into Peaces
  • My Disaster
  • My Heroine
  • I Am The Arsonist
  • Bleeds No More

Pnktlich um 21.45 Uhr kamen dann BILLY TALENT zu den Klngen von "Devil In A Midnight Mass" auf die Bhne gestrmt, und ein Orkan von Jubelschreien brach los. Mit einem Schlag wurde klar, auf wen hier alle gewartet hatten. Sofort kam ein groer Teil der stehenden Fans in Bewegung und das sollte bis zum Ende auch nicht wieder aufhren. Selbst die Leuten in den hheren Rngen und Sitzpltzen schttelten Bug und Heck. Hinter uns Fotografen in den ersten Reihen befand sich ein groer Anteil der jngeren weiblichen Fans. Die haben dermaen laut aufgeschrieen beim Beginn, dass ich mich fragte, ob die berhaupt noch was von der Musik hren konnten. Snger Ben Kowalewicz sprang wie ein Irrer auf der sehr groen Bhne hin und her, er kam aber immer wieder in seine Lieblingsstellung zurck : im Ausfallschritt und mit einem Fu auf den Monitorboxen, dazu das Mikro in beiden Hnden festgekrallt. Der Bewegungsradius von Gitarrist Ian D'Sa und Bassist Jon Gallant hielt sich im Gegensatz dazu doch eher im Rahmen. Das mag natrlich auch daran liegen, dass die beiden jede Menge Backing Vocals einzusingen hatten. Im Gegensatz zu SILVERSTEIN verstand es Frontmann Ben aber die Menge zu unterhalten, pflegte Konversation mit den Zuschauern und verstand es, die Masse immer wieder aufs neue anzuheizen. Bei BILLY TALENT kam dann auch die gesamte Lichtanlage zum Einsatz und fr die etwas weiter hinten stehenden Fans wurde das Geschehen auf der Bhne auf zwei Leinwnde projiziert. Die Songsauswahl lie keine Wnsche brig, es wurde jeder Klassiker der bisherigen drei Alben gespielt. Auch die Backdrops wurden fleiig gewechselt, passend zu den jeweiligen Songs, das versteht sich von selbst. Bei der ersten Zugabe "Devil On My Shoulder" wurde dann kurzerhand mit dem Publikum der Text des Refrains geprobt, um anschlieend mit diesem tausendfachen Chor das Stck zu Ende zu spielen. Das war es dann auch schon mit den Hhepunkten, aber mir gefllt eher eine straffe Anreihung von Hits als dass die Lauflnge des Konzertes unntig mit Fllmaterial gestreckt wird. Die ein oder andere kritische Stimme nach dem Konzert bezglich der relativ kurzen Spielzeit von knapp 80 Minuten war nicht zu berhren. Ich fand den Auftritt aber sehr gelungen, warum die Lautstrke zum Schluss aber immer mehr zunahm kann ich leider nicht erklren.
Billy Talent Billy Talent Die anwesenden Fans kamen brigens aus allen Alterschichten, denn zu Beginn hatte ich noch die Befrchtung, dass hier ein reines Bravo - Publikum am Start ist. Besonders schn fand ich eine Szene, als ein ca. 10jhriges Mdchen mit ihrem Handy aus knapp 60 Meter Entfernung zur Bhne den Auftritt aufnahm und lauthals mitsang. Mit gebhrendem Abstand dahinter die Eltern, die mehrmals sehnschtig auf die Uhr blickten und ansonsten gute Miene zum bsen Spiel machen. Der Nachwuchs im Metal / Rock Bereich ist da, denn wer mit 10 Jahren bei Billy Talent war, der darf mit siebzehn Jahren dann auch zu Slayer. Sowohl im musikalischen Bereich als auch mit ihrer Live Performance haben sich die Jungs von BILLY TALENT ihre eigene Messlatte sehr hoch angelegt. Es wird in nchster Zeit sehr interessant zu sehen sein, ob die Band diesen eigenen Ansprchen gerecht wird oder sogar noch steigern kann.


    Setlist: BILLY TALENT
  • Devil In A Midnight Mass
  • This Suffering
  • Line And Sinker
  • Rusted From The Rain
  • Saint Veronica
  • Surrender
  • White Sparrows
  • River Below
  • Diamond On A Landmine
  • The Dead Can't Testify
  • The Ex
  • This Is How It Goes
  • Turn Your Back
  • Try Honesty
  • Devil On My Shoulder
  • Fallen Leaves
  • Red Flag
<< vorheriges Review
DRAGONFORCE, THE NEW BLACK - Kln, Essigfabrik
nchstes Review >>
ALICE IN CHAINS - Wiesbaden, Schlachthof


Zufällige Reviews