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22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing JENNIFER ROSTOCK, BAKKUSHAN
Ort Andernach, JUZ
Datum 07.11.2009
Autor David Lang
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Erst Wrestling und jetzt Jennifer Rostock? Der Lang spinnt doch... mglich, aber unabhngig davon. Fakt ist: Jennifer Rostock spielen poppigen Rock, nein Jennifer Rostock spielen rockigen Pop... wurscht, Jennifer Rostock rocken!!!

Davon darf sich ruhig jeder mittels zweier Alben berzeugen. Dass dies noch kaum jemand getan hat, der in der Regel dem harten Metall lauscht, wurde am frhen Samstag Abend vor dem JUZ in Andernach schnell klar. Dort lagerten nmlich bereits pnktlich zum anvisierten Einlass, Horden ziemlich junger Fans, die mit "unserer" Musik nur bedingt zu tun haben; einige Truckercap tragende Deathcorebuben mal ausgenommen. BAKKUSHAN Ich hatte den Altersdurchschnitt mal eben rubbeldiekatz angehoben. Wenn sich dies auch im Laufe des Abends ein wenig relativieren sollte, so war den Protagonisten auf der Bhne offenbar schon lange bewusst, dass man sich den Begriff "Kiddi-Band" wohl auf die Fahnen schreiben muss.
Der Umgang mit diesem Zustand trieb bisweilen seltsame Blten, doch dazu spter mehr.
Erst mal durften Bakkushan die Meute vor der Bhne aufheizen. Die sehr sympathischen Berliner machten auch gleich klar, warum sie fr die Rostocker erffneten. Schmissiger, durchaus mitsing-kompatibler Alternative-Pop; mit deutschen Texten versteht sich. Mit "Baby, du siehst gut aus", ihrer ersten Single, verschossen sie meiner Meinung nach jedoch auch schnell ihr Pulver, konnte diesen Rock- und Hitfaktor doch kaum einer der folgenden Songs halten. Zu hnlich und auch nicht ganz so zwingend klang der Rest. Der Bandname ist brigens (angeblich) chinesisch fr eine "Frau die von hinten gut, aber von vorne nicht so doll aussieht" (... Chinesen... tz). "4 Jungs die nach 3 Songs eher langweilig werden" war wohl schon aus. Kann man aber noch dran arbeiten.

Setlist: Bakkushan

  • Baby
  • Sturm
  • Sonne
  • Sommer
  • Gold
  • Helden
  • Gefahr
  • Ich liebe es
  • Springwut

Das was jetzt kam, war aus rein musikalischer Sicht spitze, da gabs nix dran zu rtteln. Die Band spielte auf den Punkt, sparte aber nicht am Rotz, also nix von wegen Chart-Schmutz. Frau Weist (von mir aus auch Rostock) selbst traf jeden verdammten Ton und war trotz Krankheit einige Tage zuvor (der Gig in Rostock [sic!] musste ausfallen) in Topform. Sie schrie, wimmerte, sang und bezauberte in allen Lagen. Was gabs also zu meckern?! Nun, fr den Groteil der Anwesenden wahrscheinlich nichts, aber der bestand ja wie bereits erwhnt aus sehr jungen Menschen (echt nicht bse gemeint!), die ihrer Heldin vermutlich alles htten durchgehen lassen. Meiner einer (+ Freundin) war in erster Linie wegen der Musik vor Ort. Nun sieht Frontfrau Jennifer zugegebenermaen ja wirklich gut aus, aaaaaaaaber muss man das dann doch nicht a) unter einem (Alb-) Traum aus blauen Glitzer-Pailetten verstecken (wre Eric Prydz' "Call On Me"-Video in den 80ern entstanden... obwohl, selbst dafr...) und b) nicht permanent und dann noch so billig zur Schau stellen. Stndiges Ttscheln der primren und sekundren Geschlechtsteile rufen nun mal die Proleten im Pulk auf den Plan; wundern darf man sich darber dann aber nicht, zumal Frau Weist Aufnahmen fr den Playboy eine Zeit lang wohl gar nicht mal abwegig fand. JENNIFER ROSTOCK Live wird mit notgeilen Bcken auf Rostock-Art umgesprungen, sprich, der Schelm wird auf die Bhne gebeten, bekommt die Hnde mit Kabelbinder zusammengefixt und wird seines Beinkleids beraubt. Mit einem, der sich trotz Kabelbinder-Handicap aber zustzlich noch freiwillig des Rests entledigt hat dann aber niemand mehr gerechnet. DAS war witzig! Zurck zum Wesentlichen: Die komplette Band hatte einen guten Sound, lediglich das Keyboard war zu Beginn kaum zu hren. Nach Beheben dieses Mankos stand einer ausgelassenen Party aber nichts mehr im Weg. Die Forderungen nach mehr Bewegung und Party kann man sich aber in dem Status den die Band inne hat noch sparen, zumal bis auf Jennifer selbst, niemand ins Schwitzen gekommen sein drfte. Kam der Mob dann doch in Wallung wurde dieser von der Frontfrau auch gleich wieder gebremst. Was spricht denn bitte gegen ein bisschen Geschubse bei rockigen Songs? Angst um die Kleinen im Publikum?
Genuch gemeckert, am Rest des Abends lie sich nichts aussetzen. Die Setlist drfte (fast) jeden Fan glcklich gestimmt haben, alles andere wre meckern auf hohem Niveau. War die Interaktion mit dem Publikum nmlich nicht sexueller Art, konnte man sich gut amsieren. Ein Fan durfte "Kopf oder Zahl" singen (sofern der Text dann sa), ein anderer sich tanzenderweise zum Horst machen. Ich hoffe die Band und allen voran Jennifer selbst nehmen sich meine Kritik in irgendeiner Form zu Herzen. Dass gerade sie eine starke Frau ist will ich gar nicht in Frage stellen, nur darstellen kann man das bestimmt geschickter.

Setlist: Jennifer Rostock

  • Leben auf Zeit
  • Nichts tt ich lieber
  • Wieder geht's von vorne los
  • Himalaya
  • Mach mich nicht verliebt
  • Blut geleckt
  • Der Grtner
  • Kopf oder Zahl
  • Irgendwo anders
  • Mona Lisa
  • Es tut wieder weh
  • Joe (Keyboarder Joe soliert)
  • Paris
  • Du willst mir an die Wsche
  • Ich will hier raus
  • Feuer
  • Wo willst du hin?
  • Nenn mich nicht Jenny

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