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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DREDG, THE PARLOR MOB, JUDGEMENT DAY
Ort Wiesbaden, Schlachthof
Datum 03.11.2009
Autor Andreas Goericke, Katrin Ntling
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Die neue Scheibe der Prog-Gtter DREDG ist ja schon ein paar Tage alt, so dass es dringend Zeit wurde diese endlich leibhaftig einmal darzustellen. Zu diesem Zwecke haben die Amis sich mit zwei weiteren Kapellen im Schlachthof in Wiesbaden eingefunden. Die Anreise war ein wenig stressig, wir mussten ja leider direkt nach der Arbeit hinhechten und natrlich war erneut der komplette hintere Parkplatz des Schlachthofs wegen dem Tourbus blockiert. Auf der Strasse fanden wir auch nichts, mittlerweile regnete es auch in Strmen und so mussten wir eben gebhrenpflichtig parken. Ab dann lief es aber wie geschnitten Brot, schnell die Karten und den Fotopass geschnappt und vorgedrngelt in die erste Reihe. Presse will ja auch was sehen!

JUDGEMENT DAY JUDGEMENT DAY

Ich entschuldige mich dennoch formvollendet bei allen, die wegen mir nicht mehr so gut sahen. Es war aber auch eine interessante Mische an Menschen da, sehr viele Ladies, Leute ber 50 und eben ein paar Metalheads. Alles in allem war aber schon sehr gute Stimmung in der Htte.Die erste Band des Abends, JUDGEMENT DAY, standen bereits auf der Bhne und ich war etwas berrascht. Die Herren sind zu dritt, ein Mann mit Violine, sein Bruder am Cello und ein Drummer. Musikalisch bewegen sie sich textfrei irgendwo zwischen APOCALYPTICA, ISIS oder eben Kapellen wir DREDG. Also schne progressive Rockmusik, gerne auch mal was schneller und heftiger, so dass es eigentlich wie Metal klingt. Zustzlich holen die Mnner noch starke Sounds aus ihren Effektboards und rumen, obwohl es im Prinzip klassische Musik ist, ordentlich auf. Etwas gewhnungsbedrftig auf den ersten Metern, aber dennoch sehr geil, dass! Dabei rocken die Jungs, allen voran der quasi Frontmann Anton, der aussieht wie die die reale Inkarnation von Sideshow-Bob, wie mit Klampfen gewohnt bangend und tobend ber die Bhne. Nach 4 erlebten und wunderbaren Songs, die deutlich den spteren CD Kauf anzeigten, war der Zauber aber leider auch schon wieder durch und die Mannen machten sich ans Abbauen.

Die zweite Show dieses Abends legten THE PARLOR MOB auf die Bretter. Die Jungs sahen beim Umbau bereits aus wie eine Horde Bahnhofsabhnger, allerdings doch deutlich besser angezogen. Also die Variante, die halt aussieht wie Knstler, aber eigentlich eine gute Kinderstube genossen hat. Als sie anfingen zu spielen, legten sie einen hllisch rockenden Sound auf die Bretter, der seinesgleichen gerne sucht. Die Jungs kommen aus New Jersey und in ihrer Heimat wohl auch schon relativ dick im Geschft, wie ein Interview mit beispielsweise der New York Times zeigt. Dazu liefern sie eben einen fetten Rock'n'roll ab, der wie wahnsinnig in die Beine geht. Die Klampfer demonstrierten dies auch gleich mit den passenden Tanzschritten und zappelten und bogen sich wie irrsinnig, dazu ballerte der Basser mit dem Drummer ordentlich los und der Snger griff zustzlich zu seiner angenehmen und rauchigen Stimme auch gerne mal zu Keyboards oder einer Harmonika. Es war schon etwas verstrend den Bengeln zuzusehen, aber die Mucke gefiel und dafr wurden sie auch massiv abgefeiert. Ich wei nicht, wie das auf Konserve kommt, aber Live war es ein gigantischer Spa. Also sehr empfehlenswert und gerne mal wieder.

PARLOR MOB PARLOR MOB

Nun aber war es Zeit fr eine derbe Lektion in musikalischer Schaffenskraft und unbndiger Kreativitt mit immens viel Gefhl. Falls man es heraushrt, ich liebe DREDG wie wenige andere Bands. Sie bauten flink um, worber ich ganz dankbar war, denn das Parkticket wollte langsam aber sicher auch ablaufen. Dennoch war auffllig, dass scheinbar auch die klassischen Herren der ersten Band mithelfen sollten. Die Recherche ergab auch, dass eben diese sich fr die Saitenuntersttzung auf "The Pariah, The Parrot, The Delusion" zustndig zeigten. Dennoch machte ich mir um mein Auto keine Sorgen, wollte ich doch keine Minute dieser Ausnahmeshow vernachlssigen. Ohne groes Brimborium, Intro oder sonst was enterten die Amerikaner die Bhne und legten direkt mit "Pariah" vom neuen Album los, dicht gefolgt von dem ultracoolen Instrumental "Drunk Slide". Die Optik allein der Mannen war erneut erstaunlich: auf der rechten Seite hatten wir den fusseligen und vollbrtigen Gitarristen, auf der anderen den seltsamen Basser, der Barfuss mit seinen rot lackierten Ngeln gleichzeitig zu seinem Spiel auch Synthesizer bedient, das ganze untersttzt von dem manischen Drummer, dessen rechter arm so dick ist wie seine Snare und dazu den Snger, der sowohl mit seiner unendlich gefhlvollen Stimme berzeugt, aber auch gerne zu Gitarren griff oder die Slidegitarre vor seinem Mikro bediente. Dazu muss erwhnt sein, dass der Drummer wie blich natrlich auch Keyboard, meistens gleichzeitig, spielte. Obwohl viele Sounds vom Band kommen, wie die Sprache, das Kinderlachen etc., geben sich DREDG live alle Mhe, die wirklichen Sounds der Alben auch zu reproduzieren. Hut ab vor soviel Konsequenz und Fhigkeit, denn es gelingt ihnen spielerisch, meist zwei Instrumente oder Effekte gleichzeitig zu verwursten, was einen phantastischen Klang erzeugt und einen einfach nur atemlos beeindruckt zurck lsst. Vorerst spielten sie fast die komplette neue Platte, auch mit den Zwischenspielen, allerdings nicht in der handelsblichen Reihenfolge. Irgendwie sind die Burschen wirklich unberechenbar. Dabei wurden sie in abwechselnder Aufstellung von Cello oder Sideshow-Bob untersttzt, teilweise von beiden und besonders interessant die Stelle, als sich der DREDG Bassist mit den beiden einen Joint teilte. Knstler halt. So langsam begannen auch die Leute hinten etwas zu pogen und zu schieben, allerdings kann das einen mehrmaligen SLAYER Veteran bei DREDG Publikum nicht wirklich schocken. Ich habe mich also nicht von der Stelle bewegt, meine Mitstreiterin beschtzt und wenn sie mich htten wegbekommen wollen, htten sie hrtere Geschtze auffahren mssen! Nach der erfolgreichen Widergabe von "The Pariah, The Parrot, The Delusion" setzten DREDG dann endlich zu den alten Songs an, welche mit "Ode To The Sun" eingeleitet wurden und ber solche wunderbaren Gottsongs wie "Tanbark Ist Hot Lava", "Same Ol' Road" und das unendlich ergreifende "The Canyon Beside Her" liefen.

DREDG DREDG

Dabei waren sie wunderbar gelaunt und spielten sich frmlich die Seele aus dem Leib. Bis zu dem witzigen Punkt, an dem der Snger anfngt, dem Drummer das Set von Links aus abzubauen, was eindeutig das Ende dieser wunderbaren Performance einleitete. Er spielte noch auf allem was ging, bis er zuletzt nur noch auf dem Hi-Hat Mikro etwas perkussiv herumtrommelte, dann an das Keyboard wechselte und sie sich mit einem feinen Instrumental verabschiedeten. Auch mal eine schne Sache, nicht immer die blden Zugaben abzuspulen, zumal sie zu diesem Zeitpunkt auch nahe zwei Stunden gespielt hatten. Nach den letzten Klngen machten wir uns schleunigst auf den Heimweg und waren hochzufrieden und wie immer erstaunt ber die unglaublich professionelle Darbietung der Amerikaner. Wenn man solide Progmusik machen mchte, dann muss man sich wohl besonders Live an DREDG messen lassen. Ein wundervoller Abend!

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