Der Herbst ist da und die Szeneplatzhirsche des melancholischen Düster Metals AMORPHIS sind erneut auf Tour zu ihrem noch aktuellen Werk "Skyforger". Im Juz Live Club waren locker 420 bunt gemischte Gäste und wie immer eine friedliche Stimmung. AMORPHIS fuhren in einem finnischen Package mit den Ex-Death Metallern AMORAL und den Dark Metallern BEFORE THE DAWN, die einige tolle Alben draußen haben, aber an der deutschen Livefront nicht sehr aktiv waren.
AMORAL erklommen um kurz nach acht Uhr auf die Bretter und hatten wegen der zwei Drumkits kaum Platz für Bewegung, die diese aber auch nicht wirklich versuchten. Der Opener "Gave Up Easy" vom neuen Album war der mieseste Song der CD und recht sperrig .Das Auftauchen des Sängers Ari Koivunen mit 80er Sonnenbrille und Baseballkappe war dann doch etwas seltsam. Der Kerl sah live noch jünger und schmächtiger als am Bildschirm aus! Die albernen Accessoires entfernte der Gewinner des finnischen "DSDS" ("Idols") glücklicherweise recht schnell und ließ sich lieber die imposante Matte von einem Ventilator hochpusten, was ja von Morbid Angel bis Magnum immer noch eine Menge Bands machen. Leider waren seine Ansagen recht leise und nuschelnd, während der Sound des ganzen Sets recht durchschnittlich war. Da AMORAL früher netten, aber für mich belanglosen Death / Thrash machten, sind auch Songs dieser Zeit im Programm, die etwas derber als das eher nach Power Metal klingenden aktuelle Werk "Show Your Colors" klangen. Hits wie "Year Of The Suckerpunch" waren da, aber kamen nicht so gut rüber. Hier fehlte noch etwas mehr Biss! Vielleicht war die Tour für die jungen Finnen auch etwas zu viel Party gewesen. Aris Melodic Metal Soloscheiben kann ich Freunden finnischen Metals nur empfehlen, auch weil dort bekannten finnische Metalmusiker bei den Songs halfen! Übrigens gibt es bei Youtube mitreißendere Auftritte der Jungs aus Helsinki.
Setlist AMORAL
Gave Up Easy
A Shade Of Grey / Nervasion
Pusher
Song For The Stubborn
Year Of The Suckerpunch
Hang / Perfection
Release / Exit
Sex N' Satan
Endlich konnte ich BEFORE THE DAWN live sehen!
Die Band von Multiinstrumentalist, Bandboss und Zweitgitarrist Tuomas Saukkonen hat nur geile, aber kurze Alben gemacht und ist nicht gerade oft live zu sehen. Das lag aber sicher daran, dass Grunzer Tuomas lange kein festes Lineup hatte und die CDs teilweise fast alleine aufgenommen hat.
Seit einiger Zeit hat er wieder eine feste Band, ein
deutsches Label mit Cyclone Empire im Rücken und ist nun endlich auch bei uns zu sehen! Übrigens hat er noch das ruhige Projekt Dawn Of Solace am Start (eine CD bis jetzt, was sehr an seine Hauptband und alte Tiamat erinnert), sowie die härtere Combo Black Sun Aeon mit der er übrigens auch bald hier im Raum auf Tour ist. Der Sound war auf jeden Fall fetter als bei AMORAL und die dargebotenen Songs an sich eine gute Mischung des Schaffens der Band. Tuomas überließ die Ansagen seinem Bassisten Lars Eikind, der auch eine klare und richtig gute Stimme hatte, welche locker 50 % des zweistimmigen Gesangs ausmachte, während Tuomas den tiefen Gesang erledigte. Auffallend beim zweite Blick war seine "Piercing Leiste" auf der Stirn! Allgemein wirkte der Mann auch hinter der Bühne sehr ruhig und introvertiert. Auch die restliche Band wirkte motiviert: Gitarrist Juho Räihä ließ ausdauernd die Matte kreisen und der blonde Drummer Atte Palokangas grinste teilweise als hätte er im Lotto gewonnen. Den Zuschauern gefiel es und die Resonanz war um einiges stärker als bei AMORAL. Griffige Songs, guter Sound und eine Band mit etwas Biss langen auch um viel Spaß zu haben!
Setlist BEFORE THE DAWN:
Unbreakable
Faithless
Dying Sun
Disappear
Monsters
Exile
Morning Sun
Scar
My Darkness
My Room
The Black
Deadsong
Nun kamen endlich AMORPHIS, die ich zu meiner Schande seit 14 Jahren nicht mehr live gesehen habe!
Damals war die Besetzung bis auf die beiden Gitarristen Tomi Koivusaari und Esa Holopainen noch eine ganz andere. Doch der kleine Rastasänger Tomi Joutsen ist nun mehr auch seit drei Alben und vier Jahren in der Band und für mich der Glücksgriff der Combo, da er einfach alles singen kann und aus allen Phasen der Bandgeschichte stimmlich das Beste rausholt.
Ganz ehrlich gesagt machten die sechs Finnen auf der Bühne auch nicht so viel her und spielten sauber ihre Songs, doch diese hatten es in sich und waren ein Ohrenschmaus für die Fans. Wenn ich böse und nicht großer Fan der Band wäre, würde ich auch sagen, die Kerle waren etwas steif, aber der Sänger hat das Ganze zusammen gehalten und durch seine Präsenz, Charisma und Stimme ziemlich gut aussehen lassen. Nackter Oberkörper, die Riesenmatte und das altmodische Mikrofon (Siehe "House Of Sleep" Clip) machten optisch mehr her als der Rest der Truppe zusammen! Auch die Songauswahl von alt wie "Black Winter Day" bis hin zu "Silent Waters" war einfach gut und ich gehöre nicht zu den Freaks die heute noch erzählen, dass stumpfer Death Metal wie "The Privelige Of Evil" oder das etwas bessere "The Karelian Isthmus" zu den Top-Werken der Band gehören! Die über 400 Zuschauer fraßen den Finnen aus der Hand und so war gegen Ende des Konzertes die gute Stimmung immer noch da! Es gibt 2009 immer noch gute Gigs für um die 20 Euro.
Setlist AMORPHIS
Silver Bride
Sampo
Towards & Against
Castaway
The Smoke
Majesticbeast
Alone
Silent Waters
Against / Cares / On Rich And Poor / Against / Better