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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing CANNIBAL CORPSE, DEW SCENTED, SEVERE TORTURE, VIU DRAKH
Ort Trier, Exil
Datum 28.09.2002
Autor Flo
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Cannibal Corpse gaben sich also mal wieder im Exil die Ehre. Na gut, warum auch nicht, ist ja nun wirklich keine schlechte Liveband, außerdem touren sie endlich mal wieder außerhalb dieser widerlich überladenen No Mercy-Festivals. Das Kontingent war mit vier Bands nahezu perfekt, genau die richtige Länge für einen angenehmen Konzertabend. Dass man aber allen Ernstes für die „bekannteste Death Metal Band der Welt“ (O-Ton am Einlass) plus drei nun wirklich nicht sehr prickelnde Vorgruppen 19 Euro bezahlen sollte, stieß ziemlich sauer auf. Zwar ist klar, dass eine solche Tour auch betriebswirtschaftlich gesehen werden muss und das Ganze ja nun nicht zu einem karitativen Zweck durchgeführt wird, und auch das Ex-Haus als Institution muss erhalten und finanziert werden, aber 19 Euro sind wirklich heftig, vor allem wenn man zu den D-Mark-Preisen vom letzten Jahr den Vergleich zieht. Die allgemeine Inflation hat also auch vorm Death Metal nicht Halt gemacht. Ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich mich Thorsten sei Dank über die Gästeliste reingeschnorrt habe, aber trotzdem halte ich das mit den Eintrittspreis für erwähnens- und bedenkenswert. Aber egal, zum eigentlich Thema: Musik

Erste Band des Abends waren die Berliner Viu Drakh, die mit ihrer Mischung aus Crust und Death Metal schon direkt am Anfang ziemlich positive Reaktionen ernteten. Des Exil war gut gefüllt und die vier Kollegen auf der Bühne knüppelten sich tight und mit gutem Sound durch ihr Set. Der Sound der Band ist im Death-Metal-Einheitsbrei wirklich eine willkommene Abwechslung, denn die eingestreuten crustigen Riffs (man sah auch direkt woher´s kommt, der eine Gitarrist hatte Iro und Driller Killer-T-Shirt) verleihen dem ganzen eine eigene Note und auch das sympathische Auftreten des wieder permanent grinsenden Sängers/Gitarristen ließ Viu Drakh als guten Einstieg erscheinen. Daumen hoch, nächster.


                                        (Viu Drakh)

Als zweites sollten uns die Holländer von Severe Torture beehren. Der Eindruck, den ich von ihren letzten Album hatte, bestätigte sich auch live: Das Ganze ist gut gemacht, tight und sauber gespielt, aber einfach unoriginell, langweilig und erschreckend ersetzbar. Severe Torture klingen wie jede x-beliebige andere moderne Death Metal Band, die übliche Mischung aus Technik, Blast, Gurgelvocals und langsameren Doublebass-Passagen. Ich will ja jetzt nicht rumnölen, zumal das ganze qualitativ wirklich gut gemacht war, aber wer braucht so eine Band? Ich auf jeden Fall nicht...

Dew-Scented wirkten mit ihrem Thrash-Metal etwas deplaziert auf dieser Tour, zumal der Sound wesentlich old-schooliger war, als ich es erwartet hätte. Auch den Gesang hätte ich mir krasser vorgestellt, hieß es doch bei den üblichen Verdächtigen der Printpresse immer Sänger Leif hätte eine ultrakrasse, John-Tardy-mäßige Stimme. Davon kam an dem Abend allerdings absolut nichts rüber. Der Sound war wieder vollkommen in Ordnung, alles war auch gut gespielt, aber abgegangen ist mir auch darauf keiner...allerdings waren auch hier die allgemeinen Reaktionen wieder einmal positiv.


Wer hier Headliner war, war von vornherein klar. Cannibal Corpse wurden euphorisch begrüßt und abgefeiert ohne Ende...das Übliche eben. Der Auftritt der fünf Amis war wie gewohnt routiniert und gut, Überraschungen gab es keine. Es wurden leider wieder relativ viele Songs der letzten beiden Alben gespielt, besonders die Dinger von der „Gore Obsessed“ finde ich persönlich weniger prickelnd, aber was soll man machen? Nebenher gab´s natürlich die üblichen Klassiker, eben „Staring through the eyes of the dead“, „Perverse suffering“, „Fucked with a knife” (das Oberunsympath George Fisher mal wieder sehr feinfühlig mit “This one is dedicated to all the women out there, especially Christa Jenal” ankündigte...so etwas ist nun wirklich gefundenes Fressen für diverse Behörden und wirkt der engagierten Arbeit von Zensurgegnern mit einer erschreckend hohen Effizienz entgegen, Daumen hoch, Klappe zu), “Devoured by vermin”, und natürlich wurde die ganze Spielzeit über wieder „Hammer smashed face“ gefordert, was, oh Wunder, natürlich nicht gespielt wurde.


                                                (Mr Corpsegrinder)

Meiner Meinung nach könnte man von der wirklich genialen „Gallery of suicide“ mal was anderes spielen als „I will kill you“, „Sentenced to burn“ und „Disposal of the body“. Die Songs sind zwar alle drei wirklich geil, aber Dinger wie „Gallery of suicide“, oder das übergeniale “Centuries of torment“ würden das Set mal etwas auflockern. Ansonsten fiel Death Metal-Dayworker Jack Owen wieder durch seine super-demotivierte Mimik auf, was ihn aber irgendwie sympathisch macht, denn mir persönlich würde die ständige Tourerei auch auf den Geist gehen, und bei Cannibal Corpse ist es irgendwie wirklich ein Dayjob. Das wurde mir persönlich an diesem Abend besonders klar, denn trotz aller Professionalität der Bands ist bei mir mittlerweile etwas die Begeisterung weg. Nach dem abschließenden „Stripped, raped an strangeled“ war dann auch schon Schicht und ich war richtig froh aus dem wie immer unerträglich heißen Exil herauszukommen und mir mit meinem nassgeschwitzten T-Shirt draußen in der Herbstkälte den Tod zu holen...das Übliche

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