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Diese kleine aber feine Metal-Fest war mir bis zum letzten Jahr gänzlich unbekannt, doch der glückliche Umstand, dass THE GATES OF SLUMBER, WARNING und THE LAMP OF THOTH einen Zwischenstopp in Pößneck tätigen sollten, machte auf diese besondere Veranstaltung aufmerksam.
Auch dieses Jahr hat man so einige Perlen eingeladen. Wer hier die Bands aussucht, der muss definitiv Ahnung haben! Das steht schon mal fest. So sind gleich zwei mal PENTAGRAM am Start. Zum einen die Thrash Metal-Veteranen aus Chile und als Samstags-Headliner die legendäre Truppe um Bobby Liebling! Demnach schreibt man dieses Jahr tatsächlich Geschichte, denn dieser Gig wird der erste Deutschland-Auftritt überhaupt in der fast vierzigjährigen Bandhistorie sein. Doch auch viele weitere hochkarätige und internationale Acts werden für Kurzweile sorgen, wie etwa PAGAN RITES oder ZEMIAL, die US-Black Metaller ABSU, die belgischen Doomer SERPENTCULT, die Traditionallisten PORTRAIT, der finnische Doomvierer LORD VICAR, die Schweden NECROPHOBIC, die Funeral Doomer ESOTERIC oder die Newcomer THE DEVIL'S BLOOD. Somit ist wird für fast jeden Geschmack etwas geboten.
Mit besonderem Fahrservice und vollkommen unproblematisch werden die nötigen Formalitäten zügig erledigt. Die freie Parkplatzwahl lässt auch keine Wünsche offen. Selbst ein 230 Volt-Stromanschluß kann ergattert werden, so dass die Minibar im schwarzen T3-Bulli stets gekühlte Cocktails offenbaren wird, denn eine frische Brise löscht nun mal gelegentlich die Gasflamme des Universal-Kühlaggregates. So kann man sich auf ein komfortables, stressfreies und entspanntes Wochenende einstellen. Entspannend soll es auch für das Portemonnaie werden. Man veranschlagt im Schnitt die Hälfte des diesjährigen völlig unverschämten und überzogenen "Bang Your Head"-Preises - egal, ob für Getränke, Essen oder Ticket. So zeigt man sich tatsächlich im Gegensatz zu manchem mehr oder weniger kommerziell gewordenen Event äußerst fanfreundlich, lebt noch den Gedanken und Grundsatz: "Von Fans für Fans!". Auch sehr ansprechend ist das "drumherum" Gebotene. Das Angebot in der kleinen Händlermeile birgt so manchen Schatz oder das ein oder andere Schnäppchen.
Den musikalischen Festival-Auftakt geben RESISTANCE. Pünktlich am Freitagnachmittag entern die vier Franzosen die Bühne. Der Gesang von Frontmann Nathaniel ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, doch im Großen und Ganzen macht die scheinbar noch recht junge Truppe einen guten Eindruck, insbesondere das abschließende MANILLA ROAD-Cover "Necropolis" hinterlässt eine bleibende Impression, denn hier passt die Stimme perfekt.
Weils sehr praktisch ist, bleibt RESISTANCE-Drummer Ilmar Marti Uibo gleich hinter der Schießbude sitzen und absolviert auch noch den Gig seiner zweiten Band BLOODY SIGN. Hier gibt's feinen Death Metal auf die Ohren, der während den Solo-Passagen verdammt an MORBID ANGEL erinnert. Letztendlich ballert man noch das großartige MASSACRA-Cover "Apocalyptic Warriors" dem erwartungsvollen Publikum entgegen.
Ohne Zweifel gehören PAGAN RITES zum ersten Höhepunkt des Abends, was mitunter auch der vorzüglich abgefahrenen Live-Performance von Frontmann Devil XXX zu verdanken ist. Geboten wird launischer und durchgeknallter Black Metal, der trotz struktureller Einfachheit nicht langweilig wird. So trinkt der Hauptakteur stilistisch das Blut aus einem Totenschädel, selbstverständlich läuft mehr als die Hälfte daneben und entsprechend dunkelrot die Gesichtsfarbe des Sängers, der wie von der Tarantel gestochen die Bühne unsicher macht. Klar, dass hier das mittlerweile aufgetaute Publikum dem Geschehen Tribut zollt. Fazit: Bislang die beste Show des heutigen Tages!
Auch schon eine Ewigkeit im Geschäft, dennoch sind Auftritte der chilenischen PENTAGRAM in unseren Breiten eine Seltenheit, so kann man der vorzüglichen Thrash Metal-Kapelle ohne Bedenken schon mal den Exoten-Bonus zugestehen. Mit Gründungsmitglied und zugleich CRIMINAL-Kopf Anton Reisenegger hat diese Underground-Combo außerdem einen souveränen Frontmann am Mikro. So wird feinste und kompromisslose Metalkunst vorgetragen, welche das erwartungsvolle Publikum nur so aufsaugt. Hier sind wie schon bei PAGAN RITES einige Matten am Fliegen - schön, und vielleicht ein einmaliges Erlebnis die vier Chilenen live erleben zu dürfen.
Mit ZEMIAL haben die Pößnecker eine weitere Underground-Combo ins Programm geholt. Als eigentliches 1-Mann-Projekt wird Hauptakteur Archon Vorskaath von seinen Bruder Eskarth The Dark One und zwei weiteren befreundeten Musikern unterstützt. Die Vocals tätigt der gebürtige Grieche somit von der ungewöhnlichen Position des Schlagzeugers, was allerdings der Stimmung kein Abriss tut. Denn auch ZEMIAL bringen einige Bewegung ins Publikum, wobei das ungewohnte Bühnenbild schon seltsam erscheint.
Auch das Bühnenbild von OFERMOD ist anders. Mit alberner Kopfbedeckung, schwarzem Unhang und Schnellhefter mit Pentagram-Aufkleber bewaffnet zelebriert Frontshouter Nebiros die unheiligen Worte. Ganz ehrlich: Dieses dilettantisch geschusterte Outfit animiert eher zum Schmunzeln, als dass es die beabsichtigte und abgrundtiefe Bosheit ausdrückt. Doch im Allgemeinen bieten die vier Schweden soliden Black Metal der rauen Sorte.
Mit ABSU haben sich die Pößnecker sicherlich eine der hochkarätigsten US-Black Metal-Combos an Board geholt. Die Band um Front-Drummer Proscriptor drehte nach einer längeren Ruhephase das Besetzungskarussell und steht nun mit aktuellem und selbstbetitelten Werk in den Startlöchern. Demnach verbleibt als einziges Gründungsmitglied nur Schlagzeuger, Sänger und Texter Russ R. "Proscriptor" Givens. Die heute dargebotenen und hervorragenden Songs sind jedoch die alten. Auch hinterm Mikro shoutend: Der neue Bassist Ezezu bietet eine grandiose Show. So kommen jede Menge Matten ins Fliegen und vor allem die Zuschauer in den vorderen Reihen huldigen den vier Texanern ausgiebig. Auch das neue Material lässt keine Wünsche offen! Fazit: Sehr geiler Gig!
Von THE DEVIL'S BLOOD hört man seit einer geraumen Zeit ausschließlich Lobenshymnen. Selbst kann ich dieser Musik nur Durchschnittlichkeit abgewinnen, denn was besonderes präsentieren die Niederländer nun wirklich nicht, sind sie eigentlich nur auf den zur Zeit sehr beliebten Retrozug aufgesprungen. Doch die Live-Auftritte von THE DEVIL'S BLOOD sollen so Einiges bieten. Von der Band selbst werden diese sogar als Rituale bezeichnet. So ist man dennoch auf diese Darbietungen gespannt: Im Großen und Ganzen bewegt sich Sängerin Farida wenig hinter dem Mikroständer. Ihre Stimme jedoch ist glasklar und überzeugend. Die Musiker übergießen sich mit Tierblut. Tja, das war es auch schon - nicht schlecht, doch eine schweißtreibende und energiegeladene Bühnenshow ist was anderes. Zur Entschuldigung muss man jedoch sagen, dass zu Gigbeginn morgens um halb 1 die meisten Festivalgänger aufgrund eines ereignisreichen Tages schon ziemlich müde sind.
Auch wer die Nacht noch ausgiebig im Partyzelt verbrachte, wird nachmittags sicherlich wieder fit sein, um sich von den Thrash Metal-Veteranen REPENT die Gehörgänge frei blasen zu lassen. Pünktlich um 14:30 starten die fünf Jungs das Geschehen auf der Bühne. Und schon kreisen die ersten Matten zu fettem Metal. Sänger Jürgen "Eumel" Aumann, der auch FINAL BREATH die Stimme leiht, sucht oftmals den Kontakt zum Publikum. Die Leute haben so offensichtlich ihren Spaß. Ein netter Tageseinstieg, insbesondere für Thrasher!
Auch die zweite Combo des Tages könnte man in Szenekreisen als Geheimtipp bezeichnen: SERPENTCULT spielen Doom, der insbesondere durch die eigenständige Stimme von Sängerin Michelle Nocon besticht. Zwar ist vor der Bühne weniger Bewegung als noch bei REPENT auszumachen, was jedoch vom zähen genretypischen Stil der Belgier herrühren könnte. Doch die hübsch anzuschauende Frontfrau zieht so einige Blicke auf sich. Die Melancholie der Musik fesselt förmlich den interessierten Zuhörer. Fazit: Ich brauche unbedingt die Debüt-Scheibe von SERPENTCULT!
Erneut Themenwechsel: Der Sound von PORTRAIT wird oft mit jenem früher MERCYFUL FATE verglichen. Live jedoch klingt heute alles etwas holprig. Doch die fünf agilen Schweden zeigen jede Menge Spielfreude und können somit punkten. Selbstverständlich sind nun wieder mehr Banger in den vorderen Reihen zu finden. Eine sehr sympathische junge Formation, von welcher man in Zukunft sicherlich mehr hören wird!
RAZOR OF OCCAM haben erst dieses Jahr ihr Debüt "Homage To Martyrs" rausgehauen, doch dümpelt die ursprünglich australische Formation schon länger im Untergrund herum. So ist es auch nicht sehr verwunderlich, dass hier DESTRÖYER 666-Musiker mitwerkeln. Klar, dass es hier thrashig mit Black Metal-Einflüssen zu geht. Diese vernichtende Mischung kommt auch bei dem Publikum gut an und wieder einmal fliegen die Haare. Fazit: Sehr effektiv!
Mit LORD VICAR hat man dieses Jahr einen ganz besonderen musikalischen Leckerbissen eingeladen, den insbesondere die anwesenden Doom-Jünger mehr als zu schätzen wissen. Atmosphärisch und essentiell klingt der authentische Sound der vierköpfigen Truppe um den sympathischen Gitarristen Peter Vicar (Ex-REVEREND BIZARRE) und dem charismatischen Sänger Chritus (Ex-COUNT RAVEN, Ex-SAINT VITUS). Zwar haben LORD VICAR nur einen Longplayer, sowie eine EP in der Hinterhand, doch das dargebotene Material ist zäh und langsam genug um mit nur wenigen Songs ein vierzigminütiges Set zu bestücken. Selbstläufig herrscht nun vor der Bühne eine gewisse Zeitlupenstimmung und anmutige Faszination. Fazit: Für mich persönlich der Co-Headliner dieses Festivals!
Nun kommen wieder "alte" Bekannte auf die Bühne. Das griechische Brüderpaar des Vortages wird heute live von RAZOR OF OCCAM-Mitgliedern unterstützt. AGATUS ist allerdings das Kind von Eskarth und ein wenig ruhiger als gestern noch ZEMIAL, dem Werk von Drummer Archon Vorskaath. Auch dieser finstere Sound findet seine Anhänger im Publikum, so wird mal wieder heftig gebangt. Fazit: Auch nicht schlecht!
NECROPHOBIC besitzen in der Szene einen glorreichen Namen, so sind die Erwartungen an die fünf Schweden groß. Auch hat man mit "Death To All" ein aktuelles Album am Start, welches es selbstverständlich zu promoten gilt. Doch auch frühe Stücke werden dem euphorischen Publikum dargeboten. Die Band selbst ist sehr spielfreudig und äußerst agil, wie auch souverän und professionell!
Die Gerüchte waren groß, dass PENTAGRAM den Gig absagen, zumal ein Festival-Auftritt in Frankreich noch vor kurzem gecancelt wurde. Doch als Bobby Liebling schon am Mittag auf dem Festivalgelände gesichtet wurde, war das Wochenende gerettet. Dieses Konzert sollte tatsächlich das erste auf einer deutschen Bühne sein! Und um kurz vor Mitternacht ist es dann soweit. Wirklich jeder möchte diesem erwürdigen Ereignis beiwohnen. Im Fotograben und auf der Treppe zum Backstagebereich versammeln sich nun zahlreiche Musiker der zuvor erlebten Combos. Auch vor der Absperrung wird jetzt das Platzangebot knapper, bis endlich Bobby Liebling in rosa Stretchjeans die Bühne entert. Der ältere Herr mit den grauen Haaransätzen ist der Inbegriff des Irrsinns! Als lebende Legende und völlig durchgeknallt zieht dieser Mann seine skurrile Show ab, welche von den Fans lautstark abgefeiert wird. Nach über einer Stunde Spielzeit präsentieren PENTAGRAM noch etliche geforderte Zugaben, so verschiebt sich das Ende dieses phänomenalen Giges um fast eine Stunde (und ich war dabei).
Die britischen Funeral Doomer ESOTERIC beginnen ihren Auftritt mit einem tiefen Grollen und entsprechend später als eigentlich geplant. Düster, zäh und beängstigend knallen extrem tiefe Einzelriffs dem Metalhead entgegen. Headbanging ist hier fast unmöglich! Einzig allein die melancholisch intensive Atmosphäre zählt, welche durch die passende Lightshow unterstrichen wird. Zwar sind die meisten Leute noch von PENTAGRAM längst ausgepowert, doch findet sich einige Die Hard-Fans vor der Bühne ein und genau diese werden fürstlich entlohnt, während der Rest der beeindruckten Besucher im angrenzenden Partyzelt die zahllosen Impressionen dieses Wochenendes verarbeitet.
Auch das mittlerweile fünfte "Hell's Pleasure"-Festival kann als Erfolg verbucht werden. Hier in Pößneck veranstaltet man ein fannahes, angenehmes und musikalisch anspruchvolles Event!. Bei aufkommenden Regen lässt man die Leute nicht im Dreck versinken, sofort wird Stroh auf den Wegen verteilt. Die Preise für Merchandise, Essen und Getränke sind nicht wie bei manch anderem Konzert völlig überzogen, sondern vollkommen realistisch. So macht es wirklich Spaß trend- und klischeefreie Underground-, wie auch mehr oder weniger etablierte Szeneband in angenehmer Atmosphäre zu erleben. Fazit: Das nächste Jahr wünsche ich mir COUNT RAVEN als Headliner! (Michael Kümmet)
Alle Bilder: Birgit Ellermeier
PENTAGRAM (US)- und einige SERPENTCULT-Bilder: Michael Kümmet
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