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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WITH FULL FORCE FESTIVAL 2009
Ort Lbnitz, Flughafen Roitschjora
Datum 03.07.2009 - 05.07.2009
Autor Andreas Goericke
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Donnerstag: Die Anreise

Dieses Jahr stand das ""WITH FULL FORCE" im malerischen Roitzschjora ganz im Zeichen der Dekadenz. Mein Kumpel, Fotoflitzer und Langzeit-Schwermetall-Veteran Stefan und ich zogen also im Auftrag los, um das Festival zu begutachten. Hierzu dachten wir uns, knnte man das Ganze Geschehen doch einmal so positiv und bequem wie mglich gestalten und ersannen die Idee, mit seinem Campinganhnger dorthin zu fahren. Das war nun wirklich nicht Heavy-Metal, aber dennoch in der Sache sehr schick. With Full Force Crowd Wir bereiteten uns also solide darauf vor und wollten Donnerstag um 16h starten. Da ich Trottel mein Handy daheim liegen lie, musste ich den halben Weg zu ihm erneut angehen, die Mhre holen und kam danach in Darmstadt in ein wundervolles Volksfest-Verkehrschaos. Nach geschlagenen 1,5 Stunden fr knappe 25 Kilometer schafften wir es viel zu spt auf die Autobahn. Schlielich darf so ein mchtiges Gehnge wie unseres nicht zu flink geschleudert werden, sonst bricht was ab oder fllt um. Die Fahrt an sich verlief unspektakulr und durch unsere Ankunftszeit um 23.15h lie sich auch kaum eine Warteschlange vermelden. Zumal der Presse-Zugang ohnehin gleich am Anfang der Festivalzufahrt ist. Natrlich hatte der Bunker fr die Akkreditierung bereits seit 10 Minuten geschlossen. Die bermdeten Securities wollten sich aber nicht auf greren Terz einlassen und winkten uns anhand der ausgedruckten Unterlagen auch ohne Bndchen etc. durch. Allerdings wusste nun wirklich keiner von 12 befragten Menschen, wo denn nun der Presse-Platz war. Also einmal von hinten um das halbe Gelnde rum. Nichts zu finden. Schade. Wieder zurck, noch immer nichts, niemand wei etwas, bin nicht zustndig, lass' mich in Ruhe. Und alles in Ostdeutsch. Durch eine gttliche Fgung konnten wir dann an einem Abschnitt in ca. 25 Metern Entfernung im Stockdunkeln ein ca. 5 x 5 cm groes Schild am Zaun entdecken, welches den Platz als unser Ziel auswies. Nach erneuter Diskussion kamen wir endlich an unserem Feriendomizil an.
Nun wurde ein schnes Pltzchen gesucht und der Wagen abgehngt, ins Lot gebracht und die Fe in Position geleiert. Ein kurzer Blick auf die festen Toiletten und warmen Duschen dort brachte die Erkenntnis, dass gewhnliche Hygenie-Bedrfnisse optimal befriedigt werden und relativ ruhig war es auch. Sehr gut! Wir unterhielten uns noch ein wenig, richteten unsere Kojen ein und dann wurde himmlisch mit reichlich Platz auf einer herrlichen Matratze gesgt, was das Zeug hergab. Ein chaotischer aber gelungener Auftakt.


Freitag: Der erste Tag

Nach einem gelungenen Frhstck mit selbst hergestelltem frischen Kaffee und ein paar schnen Toasts machten wir uns um kurz vor 10 auf, den Ticketcounter zu besuchen um unsere Anwesenheit endlich zu legitimieren. Uns war schon leicht mulmig, schlielich mussten wir unser aller Material zurcklassen und hatten nur die Papiere. Wenn da was schief gegangen wre, htte es schne Diskussionen gegeben, bis wir unseren Camper wieder bekommen htten. Aber es lief alles glatt und wir konnten nach kurzer Wartezeit endlich unsere Bndchen schnappen. Wir machten noch einen kurzen Spaziergang ber das groe Zeltgelnde um unsere Kumpels, die anderweitig angereist waren, zu suchen. Nach einer kurzen Handy-Odyssee fanden wir die Mnner und lieen uns dort zum nchsten Kaffee berreden. An Dekadenz waren die Jungs ebenfalls extrem gut aufgestellt, so hatten sie jedwedes Brimborium an Kochern und Grills dabei und sage und schreibe 30 Steaks und 20 Wrstchen fr 4 Mann an 3 Tagen. Und das war nur das Abendessen! Bei diesem Anlass und den Eindrcken an Mll und feiernden, lrmenden oder bereits total abgeschossenen Menschen fragte ich mich mal ganz leise bei mir, ob ich nicht doch langsam zu alt fr so etwas werde? Der Camper ist auch schlielich schon ein Zeichen fr den aufkommenden dringenden Wunsch nach Sitzpltzen vor der Bhne.

Alsdann bewegten wir uns erstmals zu den Bhnen und trafen dort vorerst auf FACEBREAKER, die mit ihrem doomigen Death-Metal schon ein paar Sonnenjnger in Bewegung brachten. In der Tentstage wurstelten als Auftakt MYRA los, die allerdings schwer von der Anlage in Schach gehalten wurden, die stndig teilweise bzw. bei fast allen Instrumenten ausfiel. Allerdings nahm das Publikum den Fauxpas eher witzig auf und feierte umso doller. Nicht schn, aber auch nicht dramatisch. Die Band selbst lste das Debakel sehr zufrieden stellend, was will man auch machen?

God Forbid

Als nchstes standen GOD FORBID auf dem Plan, auf die ich sehr gespannt war. Ob es an der frhen Stunde oder der groen Hitze lag kann ich nicht sagen, der Funke wollte einfach nicht so wirklich berspringen. Sie mhten sich zwar redlich, alles in allem war es aber doch eher eine lauwarme Veranstaltung.

Static X

STATIC X waren dann die erste Band, die wir uns komplett ansahen. Ich kannte sie zwar nicht, allerdings machten die Mnner gut gelaunt einen los und auch der beschwingte Auftritt des Pornosternchens konnte optisch berzeugen. Mangels Kenntnis der Kombo kann ich nicht viel mehr hinzufgen, scheinbar war die Songauswahl aber ganz ok, schlielich kam trotz des etwas poppigen Sounds ordentlich Stimmung auf und der Mob tobte solide in der 35 Grad Nachmittagssonne.

Im Anschluss gab es eine kurze Pause am Camper, da man die Hitze wirklich nur schwer dauerhaft ertragen konnte. Bei dieser Sitzung ergab sich eine denkwrdige Situation. Ein Mensch kam um die Ecke, fuchtelte wild mit einem Handy und fragte, ob wir den Generator vom Wohnwagen langsam mal bitte anreien knnten, er bruchte was Strom fr sein I-Phone! Ist das noch Heavy-Metal?

Frisch gestrkt begaben wir uns dann zur 2. Schicht fr den Freitag in das Zelt zu THE RED CHORD, bei denen ziemlich die Kuh flog. Die Mannen rumten mit ihrem Brutalo-Core mit Black-Metal-Anleihen alles aus dem Weg und man sollte sich das deutlich noch mal auf Konserve verpassen. Live hat es eine Menge hergemacht und wirkte keineswegs so ausgelutscht wie so viele andere X-Core-Bands.

Mastodon

Ein rascher Stellungswechsel nach dem Schnelleindruck lie noch einige Takte von LEGION OF THE DAMNED tnen, die mir aber noch nie richtig zugesagt haben. Sah alles ganz nett aus, hat auch schn gelrmt und ein paar Leute ordentlich geschttelt, dennoch war ich froh ber unseren ersten "Headliner" heute: MASTODON.

Carcass

Die optischen Althippies legten sich sogleich mchtig in die Riemen und prsentierten einen ordentlichen Rundumschlag durch ihre Diskographie, stets Energie geladen, mit dreistimmigen Vocals, einem wahnwitzig geilen Backdrop mit 2 persisch anmutenden Knigskpfen in Weltraumoptik und den Musikanten, die ohne Ende am Springen waren. Nach 2 Songs entluden sie erst richtig die volle Packung, als mit "Blood 6 Thunder" der Opener des gleichnamigen Albums ertnte und die Menschenmenge frmlich erdrckte. Besonders genial hierbei das Schlussriff, welches meines Erachtens eines der besten aller Zeiten ist. Viel heavier geht es kaum! (Anm. d. Red.: Stimmt, primaer geht's nicht!) Eigentlich haben MASTODON die ganzen 40 Minuten einfach nur gedrckt, die Zeit kam mir vor wie gerade mal 10 Minuten und es fhlte sich doch ein wenig schwer lawinenartig an. Sehr schn, dass!

Direkt danach standen CARCASS auf dem Programm, so dass keine Zeit zum Verschnaufen war. Mit druckvollem Sound, super Laune und einer Menge Leuten vor der Stage konnte wohl nichts schief gehen. Die Mannen um Jeff Walker donnerten einen Gassenhauer nach dem nchsten raus, allerdings absolut gekrnt durch die bersongs Opener, "No Love Lost" und "Heartwork" vom gleich betitelten Hitalbum aus der Mitte der gldenen 90er Jahre. Besonders Gnsehaut erzeugend war der Moment als der gesundheitlich angeschlagene alte Drummer, der quasi noch immer Teil der Band ist, auf die Bhne kam und mit feierte. Man sah im deutlich seine Freude an und es war schon sehr traurig zu sehen, wie schnell und hart ein junger Mensch durch einen Hirnschlag getroffen werden kann. Dankbar feierten die Leute die Band und besonders Ken Owen ab, dann war dieser denkwrdige Auftritt leider auch schon wieder vorber. Festivals sind eben kein Ort fr groe Gefhle!

Dimmu Borgir

Mittlerweile zogen passend zur nchsten Kombo reichlich Wolken auf und die Dunkelheit setzte auch bereits ein. Ein passender Rahmen also fr die Krawallgtter DIMMU BORGIR. Mit reichlich Nebel, Schmutz und Schminke betraten die Mannen die Mainstage und starteten recht zgig mit "Spellbound" durch, was die Laune des Publikums direkt berspringen lie. Mir gefallen DIMMU auf groen Bhnen immer sehr gut, da ihr Bombast dort gleich noch viel berladener im positiven Sinne wirkt und das ganze mit reichlich Pyro-Geblaste natrlich noch Unmengen mehr Laune macht. Die Songauswahl hielt neben den Standards wie "Kings Of The Carnival Creation", "Maelstrom Mephisto" oder "In Sorte Diaboli" noch den Industrial - Hammer "Puritania" als berraschung bereit und die Band beendete den Angriff endgltig mit "Progenies Of The Great Apocalypse", sehr zum Wohlwollen des Publikums. Man kann von DIMMU BORGIR ja halten was man mag, aber solche Songs in einer so hohen Qualitt zu schreiben, zu spielen und darstellen zu knnen, ist definitiv eine Leistung die Ihresgleichen sucht.

Zuletzt ging Cavalera mit seinem Tribe SOULFLY an den Start und blie auf der Mainstage fr heute das Licht endgltig aus. Die Stimmung und Optik der Band war wie blich Eindrucksvoll und Energie geladen und quetschte die letzte Restenergie aus den hitzegeplagten Metalheads heraus. Mit dem Opener "The Prophecy" schlugen die Sdamerikaner erstmal alles kurz und klein, um dann im Set noch weitere Hits wie "Eye For An Eye" und "Roots" aufzufahren. Muss man da eigentlich von Cover sprechen? Albern! Ich denke, es war eh ein PR-Gag. 2 Brder aus den Slums von Belo Horizonte streiten sich wegen einer Frau? Genau!

Nach dieser Wutpackung bliesen auch sofort die wieder auferstandenen Titanen PESTILENCE zur Attacke. Mit allerbester Laune und natrlich brachial verstrkt durch Tony Choy am Bass und Peter Wildoer an den Drums zockten die Niederlnder frhlich mit "Devouring Frenzy" los und walzten mit einem soliden Set und einer herrlichen Performance alles nieder. Man griff wie auf der vorangegangenen Tour auf jede Phase der Bandgeschichte zurck, allerdings diesmal deutlich spielfreudiger und zugnglicher. Eine groe Menge macht eben doch mehr her. Mit den blichen Verdchtigen "Secrecies Of Horror", "Mind Reflections" und natrlich "Out Of The Body" nutzte PESTILENCE die Zeit optimal und gab ein hervorragendes und absolut stimmiges Bild ab. Sehr schn!

With Full Force Crowd

GOD SEED ist der neue Ableger von Gahl und King von GORGOROTH und blasen rudigen I und flchigen Black-Metal in die Nacht. So ganz meines war es nun nicht, auerdem war die Stunde doch bereits massiv fortgeschritten fr mein hohes Alter. Schwarzmetallisch gefrbte knnen sich den Laden aber sicher sehr gut zu Gemte fhren. Es wird ordentlich geschrieen, gekeift und durch die Gitarrenarbeit bleibt trotz hohem Tempo viel Raum fr Atmosphre, die latent misanthropisch und frostig wirkt. Als Genrejnger also deutlich empfehlenswert.

Zu ASPHYX konnte ich leider so gar keinen Zugang erstellen. Erstens haben sie nicht unbedingt zu meinen Faves gehrt als der Death-Metal Schick war, zweitens habe ich noch nichts berragendes von ihnen gehrt und drittens sehen alte Herren, die nach laaaanger Zeit endlich mal wieder ein paar Platten verkaufen wollen, irgendwie auch manchmal albern und gezwungen aus. Mglicherweise war ich auch nur unleidlich wegen der Uhrzeit und meiner Mdigkeit. Das wei der Himmel! Also ab in die Falle!


Samstag: Der Pelz brennt!

Der erste Augenblick des Samstags begann sehr schmerzhaft, da ich mir so dermaen die Htte verbrannt habe in der barbarischen Kacksonne, dass ich meine Arme kaum bewegen konnte. Berhmte letzte Worte: "Ey, Stefan! Festivals sind doch der einzige Ort, an denen es NICHT peinlich aussieht, wenn man die T-Shirt-rmel hoch rollt!" Nach einem soliden Frhstck aus Brownies und frischem Kaffee, dem Camper sein Dank, machten wir uns auf den Weg, CALLEJON bzw. HACKNEYED zu begutachten. Bei ersteren blieb die Katastrophe nicht aus, hat sich doch der Drummer leider am Vortag spontan beim Skaten die Hand zerlegt. Super! Folglich schauten wir uns eben etwas HACKNEYED an, die ziemlich souvern trotz ihres jungen Alters loslegten. Ihr flotter Death-Metal brachte schon den einen oder anderen frisch betankten Prachtmetallerkrper in Wallung und wirkte trotz der mrderischen Hitze eher beschwingt und agil. Hat groen Spa gemacht, die sind echt beeindruckend!

Das nchste Doppelpack hatte ich mir auch eher aus Langeweile den Interesse angesehen, ich war halt schon wach. NARZISS bewegen sich standardmig in der junger-Mann-ist-sehr-wtend-und-seine-Bandkollegen-hpfen-Ecke, verstrkt hierbei um den trauernden Snger von CALLEJON, der eben mitsaute in einem Song. Stark! Naja, den Kids hat es scheinbar gefallen und der Schatten im Zelt tat auch recht gut. ALL SHALL PERISH standen danach auf der Mainstage im Programm. Ganz eindrucksvolle Mannen, handwerklich gut gemacht und schne Show, aber halt die bliche Hardcore Nummer mit eben mehr Death-Metal bei. Ich fragte mich zu diesem Zeitpunkt, ob das nicht das sein musste, was meine Eltern einst empfanden: "Datt klingt doch eh alles gleisch, datt Gegrle!" Mag sein.

Suicidal Tendencies

Vielleicht auch nur Vorfreude, auf eine wirkliche Seltenheit: SUICIDAL TENDENCIES. Stefans Hauptgrund, hier zu sein. Eine Riesenmenge erwartete das seltene Event, Cyco Miko Muir und seine Mannschaft leibhaftig in Augenschein zu nehmen. Manche der Buben auf dem Acker der Ehre waren sicherlich gar jnger, als diese Band bereits auf Erden die Htte rockt. Mit riesiger Laune und tiersicher Energie stampften die Bengel hin und legten sogleich mit "You Can't Bring Me Down" los. Die ganze Show war ein einziger Dotzball und die Amis zogen das Publikum brutal mit. Die genialste Szene war, als Mike Muir sagte: "Alle Mann auf die Bhne!" und hunderte Fans versuchten, ber die Ordner auf die Bhne zu krabbeln. Am Ende waren sicher 50 und mehr dort oben versammelt, man sah die Band nicht mehr, und feierten was das zeug hielt. Schne Gnsehaut und gigantische Stimmung. Als Sahnehubchen gab es noch ein Wahnsinnssolo des moppeligen aber furchtbar agilen Drummers auf die Lauscher und ich kann durchaus sagen, dass sich der Auftritt dieser Legende deutlich gelohnt hat!

SEPULTURA wiederum waren auch nicht schlecht, aber mir fehlte da ein bisschen die Zndung. Mglicherweise war ich auch noch satt von SOULFLY. Es war schon eine schne und lebendige Show der Sdamerikaner, die Songsauwahl war mit unter anderem "Troops Of Doom", "Escape To The Void" und "Inner Self" auch recht gelungen, aber so richtig vom Hocker wollte es mich nicht ziehen. Der W. W.-re als nchstes dran ge-W.-sen, aber ich erachtete das fr eine solide Pausenmglichkeit. Ein Bisschen was war wohl los, lange nicht soviel wie bei anderen Bands des Tages, aber auch nicht blamabel. Alles schn gemacht, aber der Wagen und mein Bett waren doch kurz attraktiver.

AmonAmarth

Zumal des Abends die Hengste von AMON AMARTH auf dem Zettel standen, die ich mir gerne ansehen wollte. Versehen mit einem Riesenbackdrop des aktuellen Albums und ordentlich Feuer und Pyro langten die Hammerschwinger solide hin, gaben ein feines Sppchen aus ihren Alben zum Besten und schoben ziemlich was durchs Dach. Konnte man lassen! Schne Stimmung und geile Atmosphre, dazu noch endlich ein khles Lftchen und die Meute feierte ausgiebig. Interessant zu sehen: Ein Prchen Ostdeutscher Jnglinge, oben frei und deutlich angeschlagen weil nicht mehr fhig, gerade zu stehen, versuchten mit vereinten Krften einen hsslichen Joint zu bauen. Als dies nach sage und schreibe 15 Minuten wackeligem Schlecken und Rollen gelungen war, griffen sie sich einen der ausgetretenen Cocktail-Strohhalme vom Boden und benutzten ihn als Mundstck. Na, dann guten Appetit!

Hatebreed

HATEBREED waren wieder so eine Sache fr sich. Schn zu sehen und Hmmer wie "Your Doom Awaits You" oder das obligatorische "I Will Be Heard" sind schon Hammersongs und die Jungs auch absolute Profis, aber so richtig feuern wollte auch diese Gig heute nicht. Die Leute tobten und feierten allerdings mit Massen ab, so dass sich hinterher niemand beschweren musste. Fr mich allerdings war heute Feierabend, der Sonntag sollte ja auch noch einmal richtig hart und lang werden.


Sonntag: Mir tun die Fe weh!

Der Sonntag begann mit einem schnen Frhstck unter dem Sonnenschirm vor dem Wohnwagen und ganz bequem. Wir besuchten fr ein Weilchen unsere Kumpels auf dem Campingplatz und fllten die Koffeinreserven auf Maximum. Hiernach frisch gestrkt bahnten wir uns den Weg zum Gewinner des United We Rock Wettbewerbes Middle East, SCARAB. Die Jungs schlagen so grob in die NILE-Kelle und lieen sich aber schn hren und ansehen. Allerdings waren keine CD's vorhanden trotz Ankndigung des Sngers, so dass wir die Band gerne untersttzt htten, aber es eben nicht konnten. Dumm, dass!

Deadlock

DEADLOCK aus Sddeutschland beglckten uns auf der Mainstage als nchstes mit ihrem Disko-Wahnsinn und der schnuckeligen Sngerin. Kannte ich nicht, muss ich mir auch nicht unbedingt zulegen, hatte aber durchaus seine Momente und Freunde von etwas lebhafterer Mucke knnen hier bestimmt toll abgehen. Meins war es nicht so ganz.

Down

So pendelte ich immer mal zwischen den Bhnen hin und her und freute mich eigentlich die ganze Zeit ber massiv auf DOWN aus New Orleans, Louisiana. Am frhen Abend sollte es dann soweit sein und Phil Anselmo ging mit seiner Rasselbande in Stellung. Seine Stimme war zwar leider etwas angeschlagen, er traf dennoch sicher seine Linien und die Bande legte einen gewaltigen Brocken tief gestimmten Rock'n'Roll auf die Bretter, dass selbst Kirk Windstein sich das Hpfen und Stampfen nicht verkneifen konnte und so lebendig wie selten von einer Seite der Stage zur nchsten rauschte. Apropos Rausch: Die Tage knnen gleich lang, aber unterschiedlich breit sein! Breit waren die Jungs auch ohne Ende, allerdings tat das ihrer Performance nicht schlecht. Im Gegenteil, da die Musik normal ja auch aus Drogensessions heraus entsteht, waren die Jungs wohl eher in ihrem Element und gut gelaunt wie ein Fisch im Jack-Daniels-Teich! Ein vllig geiler Gig und ich schwre, ich bin danach fr Stunden breitbeiniger gelaufen durch das viele Testosteron!

MOTRHEAD waren der Headliner des Sonntags auf der Mainstage und taten, was sie nun mal immer tun: Sie spielten Rock'n'Roll! Ich bin leider nicht der allergrte Freund deren Musik, man mge mich vielleicht dafr steinigen wollen, aber ich gucke immer brav hin, wenn Lemmy in der Weltgeschichte auftaucht. Wer wei, wann er nicht mal den Michael macht! Allerdings kann man auch nicht viel ber die Kapelle sagen, auer, dass sie unendlich cool sind, eine Ausstrahlung bis zum Himmel haben und einfach alles nur nach "Leather and Booze" stinkt, wenn die Kameraden wohin treten. Schon immer geil und wer's noch nicht kennt, sollte mal hinsehen. Der Typ ist wirklich und wahrhaftig echt!

Mtrhead

So langsam ging es dann an die letzte Etappe, das "Last Supper" mit den Bands fr Weicheier. Also fr Stefan und mich, die dreckigen Camper.

Zuerst standen END OF GREEN auf der Liste und fingen sowohl pnktlichst als auch gut gelaunt an, ihren Trnen-Core raus zu schieben. Die Songauswahl bezog sich hauptschlich auf das neue Album, gespickt mit "Highway 69" und 2 weiteren lteren Nummern. Mister Huber war ebenfalls fit, sehr zur Freude des Rezensenten und war stimmlich voll auf der Hhe beziehungsweise sang klar, emotional und treffsicher zu dieser spten Stunde. Die Atmosphre war grandios und passte herrlich zu der leichten Melancholie, die die Festivalbesucher am letzten Abend scheinbar deutlich erfasste.

My Dying Bride

Mit MY DYING BRIDE traten dann tatschlich meine letzten Headliner auf die Bhne, die ich auch seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte. Sie starteten sogleich mit "My Body, A Funeral" und setzten mit "From Darkest Skies" kraftvoll nach. Als Schmankerl der alten Tage gab es den akustischen berhammer "Turn Loose The Swans" vom 1993er Album mit gleichem Titel. Die Basserin Linda Abe hat sich gut in die Truppe eingefgt, sieht sogar recht interessant aus als weiblicher Tupfer am Bhnenrand, ist aber leider hnlich bewegungsunfreudig, wie ihr Vorgnger. Macht aber nix, das Licht ging massiv aus whrend des Gigs der britischen Doom-Heroen. "The Cry Of Mankind" und "She Is The Dark" durften natrlich auch nicht fehlen und nach einem sehr dichten und dsteren, perfekt gespielten Set verabschiedeten sich die Kollegen von Mister Stainthorpe in die Nacht um die Bhne fr den letzten Act des diesjhrigen WITH FULL FORCE zu rumen.

Anathema

ANATHEMA haben sich dann leider beim Changeover brutal verzettelt. Scheinbar wurde das 2. Keyboard mit der Synthie-Stimme vergessen, so dass deutlich ber der Zeit noch Menschen hektisch auf der Bhne herumwuselten. Mit etwa 15 Minuten Versptung setzten die Mnner aus Liverpool dann doch endlich einmal zur Show an. Als Intro kam wie blich der Opener von "Alternative 4", gefolgt von 3 Songs in Reihe dieses Albums. Danach fackelten sie das Standard-Programm bis "Sleepless" ab, bis nach etwa 45 Minuten schon der Ruf laut wurde, fertig zu werden, da die Zeit eng wird. An dieser Stelle spielten sie die erste Hlfte von METALLICAs Orion, was doch mal ein sehr geiler Abschluss war. Zuletzt durften sie doch noch eine Zugabe spielen, welche das PINK FLOYD Cover werden sollte. Leider lie sich Vincent erstmal nicht auffinden und der Song lief zur Hlfte ohne ihn ab. E swar doch etwas verstrend, ANATHEMA so kopflos zu erleben. Allerdings sollten sie aber auch schleunigst mal neues Material nachlegen, langsam wird es etwas de.

Mde und platt machten wir uns also auf den Weg, ein letztes Mal unsere wunderbaren Camping-Betten zu genieen. Am nchsten Morgen starten wir nach dem typischen Kaffee und Kuchen Frhstck gen Heimat, die wir gegen 17h dann verbrannt, schmutzig, mde und mit reichlich Bock auf ein warmes Essen auf der bequemen Couch, erreichten. Alles in allem ein sehr cooler Trip, wenngleich ich mich frage, wie ich jemals ein Festival ohne Hnger berlebt habe! In meinem biblischen Alter sollte man sich dann wohl langsam etwas Komfort gnnen. Man kann die Uhr eben nicht zurckdrehen, dennoch komme ich nchstes Jahr gerne wieder und empfehle es einfach jedem Metal-Head, da stets fr jeden was dabei ist!

Danke an die Orga, die Helfer, die rzte und die Securities, die scheinbar dieses Jahr besonders viel zu tun hatten. Dennoch hat man keine Klagen gehrt, Gratulation!


Bilder: Stephan Lffler
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