Navigation
                
12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ULTIMATE SUMMERBLAST FESTIVAL 2009
Ort Trier, Exzellenzhaus
Datum 20.06.2009
Autor Christian Degen
>> Als E-Mail versenden

Schon Mitte Juni, und noch kein Festival mitgemacht. Bei diesem Zustand konnte es nicht bleiben! So hatten wir uns schnell und recht spontan entschieden, doch mal das "Ultimate Summerblast Festival" in Trier mitzunehmen. Schlielich ist Deutschlands Methusalem unter den Stdten so gut wie um die Ecke. Das "Summerblast Open Air" ist ein nettes Ein-Tages-Festival, das jetzt schon zum wiederholten Male im und am Trierer Ex-Haus stattfindet.
Aufgrund diverser Anfahrtsprobleme schafften wir es leider erst gegen halb fnf zum Festivalgelnde, was dazu fhrte, dass wir zu meinem Leidwesen MISERY INDEX verpassten, die bereits um 14:30 den Festival-Reigen erffnet hatten. Trotz des recht miesen Wetters war das Gelnde schon gut gefllt, was aufgrund der Ticketsituation im Vorfeld auch zu erwarten war. Fr bis zu 120 Euro gingen die Karten bei ebay ber den virtuellen Ladentisch, nachdem das sold-out-Symbol bereits eine Woche vor dem Festival auf der Homepage prangte.
Der gemeine Metal-Festival-Besucher musste sich zunchst mal an den Anblick des doch recht bunten Publikums gewhnen, eine recht wilde Mischung aus Hardcorelern, Emokids und ein paar versprengten Metallern.

Summerblast Festival

Die erste Band, die wir uns auf der Hauptbhne ansahen, waren dann gleich auch mein Festivalhhepunkt. NEAERA prsentierten einen schnen Querschnitt aus den letzten Verffentlichungen, mit einem leichten Schwerpunkt auf dem knppelharten neuen Longplayer "Omnicide". Vom Metalcore der ersten beiden Alben ist da nicht mehr viel brig geblieben. Dafr dominiert kompromissloser, melodisch angehauchter Death Metal, der nicht selten an die britische Panzer Metal Legende BOLT THROWER erinnert. Das Highlight der Mnsteraner Kurzhaarfraktion war fr mich klar der Opener des letzten Albums "Armamentarium", das mchtige "Spearheading The Spawn", aber auch die neuen Songs konnten berzeugen. Ein schner, energiegeladener Gig, und den Moshern vor der Bhne scheint's auch gefallen zu haben.

Ich muss zugeben, dass ich von HORSE THE BAND bislang noch nie gehrt hatte, und ich befrchte, dass ich auch nach ihrem Gig auf dem Summerblast nicht gerade ihr grter Fan werde. Wikipedia verrt mir, dass die Jungs ihren Synthie-lastigen Sound "Nintendocore" nennen, und ich denke das trifft es ganz gut. Highlight war allerdings der Triangelspieler, der nur in Unterwsche gekleidet bei ungefhr jedem zweiten Song die Bhne strmte und ekstatisch sein Instrument bearbeitete. Einem groen Teil der Anwesenden scheint der Auftritt der auffallend bunt gekleideten Amis allerdings gut gefallen zu haben, aber Geschmcker sind ja zum Glck nun mal verschieden.

Ein Grund fr mich, das Summerblast Festival zu besuchen, waren ganz klar die Nordhausener MAROON, deren Sound hnlich wie bei NEAERA nicht mehr viel mit dem Metalcore der Anfangstage zu tun hat. Das aktuelle Album "Order" knnte auch gut und gerne von den Melodic-Death-Metal-Vorreitern AT THE GATES eingespielt worden sein. Der Auftritt konnte die Massen zwar nicht ganz so sehr mitreien wie NEAERA, trotzdem ging es auch hier gut ab vor der Bhne, und man konnte erkennen, dass die Jungs sich mittlerweile eine groe Fangemeinde erspielt haben. Den Plan die Vorzeige-Veganer mit Mini Cabanossi Wrstchen zu bewerfen, haben wir allerdings erneut nicht in die Tat umgesetzt, was aufgrund des Umfangs des in ein 2Pac Shakur T-Shirt gewandeten Sngers Andre Moraweck auch sicher keine falsche Idee war. Wie kommt man ohne Fleischkonsum eigentlich an solche Oberarme?

HORSE THE BAND

Whrend danach DESPISED ICON ziemlich stumpfen Hardcore in die Menge schleuderten, der aber vom Publikum gut aufgenommen wurde, stellte ich mich einer Konfrontation mit der veganen Fressbude. Und wurde positiv berrascht. Das vegane Gyros des von diversen DEADLOCK-Mitgliedern betriebenen Standes schmeckte durchaus akzeptabel. Was sogar der groe Don Carne besttigen konnte, dessen Ernhrungsplan abseits von Fleisch eigentlich nur Grillsaucen vorsieht.

AUGUST BURNS RED schenkten wir uns ebenfalls, und begaben uns in den Keller des Ex-Hauses, wo sich die zweite, kleine Bhne befand. Dort lieferten die Belgier von ABORTED einen astreinen Gig ab, wobei sich das Stage Acting aufgrund des sehr beschrnkten Platzangebotes auf der Bhne zwangsweise sehr in Grenzen hielt. Der Schwerpunkt der Songauswahl lag auch hier klar auf dem aktuellen Output der Flamen "Strychnine.213". Ich frage mich schon lnger warum die Band mit ihrem knallharten Death Metal so hufig auf Metalcore-Touren dabei sind. Eine Antwort fand ich an diesem Abend nicht, dafr aber ein mitreiendes Konzert.
Zur kleinen Bhne sollte allerdings auf jeden Fall noch angemerkt werden, dass es teilweise wirklich unmglich war in den Keller zu kommen. Aufgrund dessen haben wir auch so einige Bands verpasst, weil uns die unendlich lange Schlange so abschreckte. Da sollte man sich vielleicht fr das nchste etwas Neues einfallen lassen.

Nachdem wir die schwl-stickigen Katakomben des Ex-Hauses wieder verlassen hatten, stand auch schon der erste Headliner des Abends auf dem Programm, die Melodic-Death-Metal-Amis von THE BLACK DAHLIA MURDER enterten die Trierer Lwenbru Stage. Das Geballer des Detroiter Fnfers war heute gut dafr geeignet, die anwesenden Hardcore-Kids und Metalfans fr die Dauer eines Gigs im Moshpit zu vereinen. Der Schwerpunkt in der Songauswahl lag klar auf dem aktuellen Album "Nocturnal", trotzdem wurde selbst hier die Gre des NEAERA-Pits nicht mehr erreicht. Nichtsdestotrotz ein sehenswerter Gig, der fr mich persnlich aufgrund der Gleichfrmigkeit der Songs gegen Ende aber ein wenig langweilig wurde.

ABORTED

Danach trennten sich erstmal unsere Wege. Die Headliner auf der Openair-Bhne PARKWAY DRIVE aus dem fernen Australien, wurden von Simon bernommen, whrend sich der Fleischgott und ich wieder in den finsteren Keller begaben, um uns die Grindcoreler von BRUTAL TRUTH um die US-Metal-Legende Dan Lilker (u.a. ANTHRAX, NUCLEAR ASSAULT, S.O.D) anzusehen.
PARKWAY DRIVE lieferten geflligen Metalcore der eher eingngigen Sorte. Nicht umsonst werden sie aktuell neben KILLSWITCH ENGAGE und AS I LAY DYING zur Speerspitze des internationalen Metalcore gezhlt. Das Publikum war entsprechend angetan, und so wurde der Summerblast-Gig fr die Jungs aus Down Under zum Triumphmarsch.
BRUTAL TRUTH litten hingegen ein wenig unter dem undifferenzierten und extrem lauten Sound im Ex-Haus-Keller. Ob der brutale Grindcore bei besserem Sound allerdings eingngiger gewesen wre, wage ich auch mal zu bezweifeln. Es war auch eine berschaubare Menge an Fans, die sich das Geprgel der Amis antaten, was ein paar Unentwegte vor der Bhne nicht davon abhielt, einen Stagedive nach dem anderen hinzulegen. Unterhaltsam war auf jeden Fall der Schlagzeuger des Vierers, der mit seinen zombiehaften Bewegungen und Gesichtsausdrcken zu einem der Highlights des Gigs, wenn nicht sogar des ganzen Festivals wurde.

Mit drhnenden Ohren trafen wir uns danach erstmal wieder am Bierstand um uns ein weiteres Trierer Lwenbru zu genehmigen, das mit 2,50 Euro fr den 0,3-er Becher brigens preislich gerade noch akzeptabel war. Das recht frhe Ende um gerade mal 23 Uhr gab uns danach noch ausreichend Gelegenheit, in das kneipenlastige Trierer Nachtleben einzutauchen. Eine Idee, die am nchsten Tag zu einem Frettchen im Mund und drhnenden Kopfschmerz fhrte.
Insgesamt hat uns das Summerblast Festival trotz diverser kleiner Mngel berzeugt, und sollte das Line-up im nchsten Jahr noch eine Portion Metal-lastiger werden, sind wir auf jeden Fall wieder dabei.

Fotos: Simon Weber



Zur Galerie >>
<< vorheriges Review
LAMB OF GOD & MISERY SPEAKS - Kln, Stollwerk
nchstes Review >>
BEASTFEST - Wiesbaden, Schlachthof


Zufällige Reviews