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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DYING FESTUS, MONSTROSITY, HOUWITSER, INTERVALLE BIZARRE
Ort Trier, Exil
Datum 14.09.2002
Autor Andre Kreuz
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Am 14.09. war es wieder so weit, das Trierer Exil wollte ein weiteres Mal von uns beehrt werden. Zu sechst machten wir uns denn auch recht früh auf, um ausnahmsweise auch mal pünktlich anzukommen, doch es kam, wie es kommen musste, wir waren zu spät. Erzähl mir mal was Neues... Aber zu unserer Verteidigung sei gesagt, dass wir nix dafür konnten, ehrlich! Immerhin wurde der local support nirgends angekündigt, noch nicht mal auf der Homepage des Exils. Folglich konnten wir nur einen sehr kurzen Blick auf die Lokalmatadoren GORYFICATION werfen und bekamen leider nur das letzte Lied mit, das zu allem Überfluss auch noch ein Cover von irgendwelchen SIX FEET UNDERs gewesen war. Kam auch nicht schlecht rüber, wenn ich die Augen zugemacht hätte, hätte ich ganz bestimmt gedacht, der Barnes’se Chris würde höchstpersönlich auf der Bühne rumröhren... Aber im Ernst, war wirklich nicht verkehrt!
Nach der Umbaupause kamen dann die Tscheschen (wie zum Geier schreibt man das?!?!?!) von INTERVALLE BIZARRE an die Reihe, die ihrem Namen alle Ehre machten und reichlich verwirrenden, fast schon jazzigen Grindcore auf die Meute losließen. Da ich mich in diesem Metier noch nie richtig wohl gefühlt habe, konnte ich mich auch von deren Darbietung und dem behämmerten Sänger nicht vom Hocker reißen lassen, und das ist wörtlich zu verstehen.
Als das musikalische Inferno sich nach einiger Zeit dankenswerterweise Richtung Backstage verabschiedet hatte, sollte es nicht sehr lange dauern, bis die niederländischen Totschläger von HOUWITSER auf der Matte standen. Die Aufmachung der Burschen, denen von bösen Zungen ein leicht faschistoider Touch nachgesagt wird, konnte eigentlich keinen mehr wirklich überraschen: Basser und Gitarrist links und recht warteten mit einer Art Uniform-Jacke auf (was auch immer das darstellen sollte), während der Sänger wieder unter der obligatorischen Sturmmaske versteckt blieb und wohl seiner letzten Counterstrike-LAN-Session nachtrauerte.


                                                     (Houwitser)

Aber so was Hektisches wie den Kerl sieht man echt nicht alle Tage, wo andere Metaller sich Bier reinkippen dürfte dieser Freak wohl nur Kaffee in rauen Mengen zu sich nehmen, unglaublich! Der kann gar nicht mal zwei Sekunden ruhig stehen bleiben, auch zwischen den Songs nicht. Für Lacher (zumindest bei uns) sorgte auch sein Ausspruch „What the fuck is this?!?!?!“, als der Drummer ihm bei einer Ansage in die Parade fuhr. Muss man aber wohl gesehen haben, um das lustig zu finden... An Liedern wurde ein nettes Set runtergeholzt, in dem unter anderem die beiden Titeltracks „Embrace Damnation“ und das von der neuen CD zum Zuge kamen. Hier muss ich sagen, dass mir die Stücke vom zweiten Release, allen voran „Rage inside the Womb“ erstaunlich gut gefallen haben, womit ich nicht unbedingt gerechnet hätte, obwohl das „Embrace...“-Album schon ziemlich gut ist. Schade nur, dass sie dessen Oberdampfwalze „Unholy Orgasm“ außen vor gelassen haben...
So langsam aber sicher wurde es jetzt wieder Zeit, sich ein kühles Blondes zu genehmigen und etwas Frischluft zu tanken, da die göttliche Belüftungsanlage mittlerweile leider auch nicht mehr so ganz mit den schwitzenden Massen mithalten konnte. Danach sollten uns die Ami-Techniker MONSTROSITY beehren, worauf ein nicht zu verachtender Prozentteil des Publikums wohl auch sehnsüchtig gewartet hatte. Das kann ich für meinen Teil nicht behaupten, auch wenn das jetzt einigen als Blasphemie erscheinen wird. Wie schon auf dem dritten (oder war’s das vierte?) Fuck the Commerce konnte ich mit dem Gig der Jungs nicht viel anfangen, obwohl „In dark Purity“ schon ein selten geiles Stück Todesblei ist.


                                  (Monstrosity)

Aber es ist halt immer ein Unterschied, auf einer CD zu frickeln, oder das live zu präsentieren! Ich kann es nun mal absolut nicht leiden, wenn da irgendwelche Gitarreros anfangen, ihr Können unter Beweis zu stellen. Leute, ich glaub euch das auch so! Besonders ätzend ist das vor allem dann, wenn nur eine Klampfe zu Verfügung steht, wodurch einfach der Druck verloren geht. Aber was soll’s, ich hab mir die Show locker von weiter hinten gegeben und den meisten schien es gefallen zu haben! Zum Schluss feuerten MONSTROSITY noch den „Angel of Death“ von SLAYER in die Menge und damit war der Käse gegessen. Derweil harrten wir ungeduldig auf den eigentlichen Grund unserer Anreise, nämlich DYING FETUS!!!
Die traten an diesem Abend mit nur einem Gitarristen, dem Herrn Gallagher natürlich, auf, weil sie sich wohl erst kürzlich von dem zweiten getrennt haben und der Ersatz noch nicht vollständig „eingearbeitet“ ist. Wie dem auch sei, der Sound drückte trotzdem alles in Grund und Boden und man darf gespannt sein, wie das erst auf den X-Mas Festivals mit ZWEI Äxten knallen wird!! Bei dem Gig selber konnte man wieder wunderbar den faszinierenden Tidenhub beobachten, der besonders in warmen Clubs zum Vorschein kommt: Bei den ersten Tönen der Truppe tat sich noch recht wenig vorne, dann aber, nach nur wenigen Sekunden, raste der Mob und der Pit rotierte um alle Achsen. Nur wenige Lieder später aber ebbte dies wieder ab, da es schlicht und ergreifend zu heiß wurde!


Ist aber auch kein Wunder, denn die Tracklist war wirklich vorzüglich, zumal sowohl die alten als auch die neueren Sachen abgedeckt wurden. „Nocturnal Crucifixion“ (der vielleicht geilste FETUS-Song überhaupt), „Grotesque Impalement“, „Blunt Force Trauma“, „Bringin’ back the Glory“ (der hat echt ALLES plattgewalzt!!!!), „Kill your Mother, rape your dog“ sind so die Stücke, die mir im Ohr hängen geblieben sind. War echt ein gelungener Auftritt und ich freue mich jetzt schon auf Dezember! Cool fand ich auch, dass Gallagher ein T-Shirt von seinen Ex-Mannen, besser bekannt als MISERY INDEX anhatte, womit er seinen ehemaligen Mitstreitern Respekt zollte und somit alle Mutmaßungen über eventuelle Zwistigkeiten zwischen den beiden Truppen aus dem Weg geräumt sein dürften.
Ziemlich nass und zufrieden machten wir uns alsbald wieder Richtung Heimat, mit dem Wissen, in gut zwei Wochen wieder an Ort und Stelle zu sein um eine weitere USA-Legende begrüßen zu dürfen, CANNIBAL CORPSE. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...

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