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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ROCK HARD FESTIVAL 2009
Ort Gelsenkirchen, Amphitheater
Datum 29.-31.05.2009
Autor Torsten Butz, Michael Kmmet, Thorsten Schwalbach
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Dieses Open Air, welches eigentlich als einmalige Jubilumsveranstaltung des fhrenden Szenemagazins "Rock Hard" begann, geht nun in die verflixte siebte Runde. Bis auf die hheren Besucherzahlen, einem zustzlichen Festivaltag und einem vollkommen unntigen sowie ebenso peinlichen Karaoke-Wettbewerb mit unglaubwrdigen Musikern hat sich eigentlich nichts gendert. Ok, die Preise sind gestiegen, was aber mit der allgemeinen Teuerungsrate leicht zu erklren ist. Fangen wir also ganz von vorne an:
Wer noch eines der begehrten und ausverkauften Parktickets, die bei Ebay teilweise fr 50 Euronen und mehr ber den Tisch gehen, ergattern konnte, kann den Vorteil des nahe liegenden Hauptparkplatzes nutzen, ansonsten sind mehr oder weniger lngere Fumrsche von dem irgendwo auf ffentlichen Pltzen oder in den umliegenden Straen abgestellten Fahrzeuges ntig. Um dem Besucher hier einen kleinen Komfort zu bieten, wurden dieses Jahr erstmalig eine begrenzte Anzahl von Schliefchern angeboten - eine gute Idee, die dennoch diesen einzigen Nachteil der ansonsten idealen Location nicht ganz wettmachen kann. Auch werden auf dem teilweise steinigen fast schon gebirgsartig felsigen Campingplatz Toilettenwagen mit Wassersplung, sowie warme und kostenlose Duschmglichkeiten geboten, welche selten bei Events dieser Grenordnung zu finden sind. Organisatorisch gibt es ohnehin nur wenig zu beklagen. Allerdings ist es immer wieder unverschmt, dass man Eintritt fr den Besuch im Metal Market zahlen muss. Diesen bekommt man zwar ab einem Kaufwert von 40 Euro zurckerstattet, doch findet man nichts passendes ist das Geld weg. Mit solchen neuartigen Methoden werde ich mich wohl nie anfreunden knnen. Wiederum ist es schn, dass man beim Passieren des Eingang geschmckt mit gngigen Accessoires wie Nieten oder Patronen von der wirklich freundlichen Security nicht wie Schwerverbrecher behandelt wird. So kann man entspannt ein nettes Wochenende mit Gleichgesinnten verbringen, wobei das ausverkaufte Amphitheater zu den jeweiligen Headlinern schon etwas zum Zusammenrcken mahnt. Doch diese fr ein Konzert ideale Location bietet fast von jedem Standort aus freie Sicht auf die Bhne, was auch fr Kleingewachsene als wirklicher Komfort gesehen wird. Auch kann man von den Stufen aus im bequemen Sitzen das Geschehen verfolgen, denn dieses ist das Wesentliche an einem Festival, nmlich das Billing. Jenes ist dieses Jahr grandios und bietet fr annhernd jeden Musikgeschmack etwas. Lediglich die Black Metal-Fraktion, welche die letzten Jahre auch bedient wurde, wird an diesem Wochenende etwas vernachlssigt. Sonst war auch immer eine Progressive-Formation am Start, welche ich 2009 persnlich auch vermisse, wobei der Freitags-Headliner OPETH schon die Sparte fllen knnte. Ansonsten gibt's wirklich drei Tage das volle und abwechslungsreiche Programm mit beispielsweise ANGEL WITCH, PRONG, JAG PANZER, GRAND MAGUS, FORBIDDEN, BULLET, HEATHEN, SACRED REICH, UFO oder auch SAXON! (Michael)

Nach schnrkellosem Oldschool-Thrash Metal vom Festival-Opener WITCHBURNER sind die Mitbegrnder der NWOBHM-Bewegung ANGEL WITCH am Start, jedoch wirkt der Gig ziemlich unauthentisch, denn mit nur einem einzigen Original-Mitglied, nmlich Frontmann Kevin Heybourne will nicht so richtig die ntige Atmosphre aufkommen. Zwar sind Hits wie "Sweet Danger" oder "Angel Of Death" die reinsten Granaten, doch nur wenige Leute im Moshpit wissen diese Juwelen zu schtzen. Die Zuschauer auf den Sitzpltzen knnen mit der Band anscheinend berhaupt nichts anfangen. So ist die Stimmung whrend ANGEL WITCH etwas enttuschend, und mit jener vom "Bang Your Head"-Gig 2003 keinesfalls zu vergleichen. Doch mit dem obligatorischen "Angel Witch" gegen Ende des Auftritts knnen die Jungs aus London doch noch mal kurz Auftrumpfen. Die Vermutung, dass "You're an angel witch" sich zur Festival-Hymne dieses Jahr mausern wird, kann man leider nicht sagen. Schade, vielleicht wre ein Club-Konzert effektiver fr die doch netten Briten gewesen. (Michael)

ANGELWITCH

Das erste Highlight fr mich an diesem Abend. Mit den vorherigen Bands kann ich nicht sonderlich viel anfangen. Doch JAG PANZER treffen mitten hinein in meinen musikalischen Horizont. Die Metal Veteranen aus den Staaten zeigen im Amphitheater, dass sie nichts verlernt haben. Allen voran Harry "The Tyrant" Conklin. Dieser Mann hat die Power-Metal-Stimme schlechthin. "Chain Of Command" ist der Opener und lsst keine Fragen offen. Eine Metal-Hymne par Excellence, direkt gefolgt von "Future Shock"! Da gibt es kein Halten mehr, die Metal-Meute vor der Bhne tobt, singt lauthals mit, mich eingeschlossen. Harry strahlt ber beide Backen. Der Rest der Band nicht weniger und spielen sich die Seele aus dem Leib, als wre es der letzte Auftritt. 25 Jahre "Ample Destruction", klar, dass das hier gefeiert werden muss. Mit "Take To The Sky" von der "Mechanized Warfare"-Scheibe wird auch einer meiner persnlichen Favoriten gespielt, links und rechts von mir freudige Gesichter, rotierende Mattenpracht. Ein toller Gig bei aufkommender Dunkelheit. JP sind immer einen Besuch wert. Die Herren sind unglaublich bodenstndig und lassen es sich nicht nehmen nach dem Konzert noch ber das Gelnde zu schlendern und mit Fans zu reden. Vorbildlich! (Torsten Butz)

OPETH sind mein persnlicher Headliner des ganzen Wochenendes. Ganz frisch von der US-Tournee eingetroffen, mit Rndern unter den Augen, erffnen sie mit "Heir Apparent" ihren Gig. Der Song ist so kraftvoll, steckt voller Energie, ein wrdiger, mchtiger Opener. Wenn die Fotos etwas verwackelt sind, muss ich um Entschuldigung bitten, ich kann bei solcher Musik einfach nicht stillhalten. OPETH schon eher, viel Bewegung ist nicht auf der Bhne. Im Hintergrund werden auf einer groen Leinwand Grafiken projiziert, welche die Musik der Schweden unterstreichen. Die Musik ldt nicht dauerhaft zum Bangen ein, vielmehr muss man die zahlreichen Facetten der Songs wirken lassen. Doch die Songs haben eine solche Hrte, eine subtile Kraft auch in den langsamen Passagen und ich hre ganz genau hin um nichts zu verpassen. Kaum vorstellbar, dass mir bekannte Personen auf dem Weg zu OPETH an einer schnden Bierbude hngen bleiben und lieber Leute beleidigen. Das kann man doch nach dem Konzert machen. Banausen. Fakt ist jedoch, dass OPETH ungemein polarisieren. Wurde man durch die Musik aber erst einmal gepackt, dann gibt es keinen Weg zurck. Die Art und Weise wie diese Band Genialitt, Knnen, diesen musikalischen, hoffentlich niemals enden wollenden Erfindungsreichtum miteinander vereinen, ist einfach unerreicht. Mit 3 Songs ist das aktuelle Album "Watershed" am hufigsten vertreten. berhaupt werden Stcke aktuellerer Alben aufgefhrt, mit Ausnahme von "Godhead's Lament" vom "Still Life"-Album. Was heute auch auffllt: Mikael ist sehr ruhig, ist nicht zu den blichen Spen aufgelegt. Ich vermute, der Jetlag fordert seinen Tribut. Dennoch bieten OPETH eine erstklassige Live-Performance, jedes Stck ein Ohrenschmaus, ein wahrer Genuss. Viel zu schnell kommt das Ende, die Bhne wird leer, doch erst nach der Zugabe "Deliverance" ist wirklich Schluss. Jetzt gehe auch ich an die Bierbude, der Staub des Tages muss hinfortgesplt werden. (Torsten Butz)

Setlist: OPETH

  • Heir Apparent
  • Ghost Of Perdition
  • Godheads Lament
  • The Leper Affinity
  • Hessian Peel
  • Closure
  • The Lotus Eater
  • Zugabe:
  • Deliverence

GRAND MAGUS sind schon lange ein Geheimtipp in der entsprechenden Szene, doch die groe Aufmerksamkeit wurde dem Trio um Janne "JB" Christoffersson erst nach dem Soundcheck-Sieg im "Rock Hard"-Magazin mit ihren aktuellen und grandiosen Album geschenkt. Dass es hier noch einen Backkatalog mit drei Kapiteln gibt, wissen viele nicht. So war selbst meine prominente Begleitung der Meinung, dass es sich bei "Iron Will" um das Debt der Schweden handelt, was selbstverstndlich schnell geklrt wurde. Doch aufgrund dieses erfolgreichen Werkes, war es geradezu Pflicht, dass die drei Jungs von GRAND MAGUS dieses Festival begleiten sollten, zumal die geplante Europa-Tournee im Sptsommer des letzten Herbstes abgesagt werden musste. Los geht's mit den Opener der besagten Scheibe "Like The Oar Strikes The Water" und schon sind fliegende Matten zu beobachten. Alleine schon das Auftreten von JB, Fox und Seb machen diesen Auftritt authentisch. Der Frontmann erscheint im "Welcome To Hell"-Shirt, mit kultiger Sonnenbrille und Patronen, spielt eine beige "Edwards"-Flying V, die mit dem Schwarz der Kleidung einen sehenswerten Kontrast bildet. Bassist Fox, selbstverstndlich auch mit Patronen, dezenten Nietenarmbndern und mit einen wunderschnen Rickenbacker, der zwar viersaitig bespannt ist, doch die Mechanik eines Achtsaiters bietet. Im Hintergrund thront Seb vor dem alten Banner. Die Optik stimmt schon mal! Musikalisch und akustisch gibt es auch keinen Grund zum Zweifel. ltere, wie auch aktuelle Stcke werden zum Besten gegeben, und somit versucht man in relativ kurzer Zeit einen Querschnitt durch smtliche Schaffensphasen zu bieten. Fazit: Mit ihrem doomigen Heavy Metal haben GRAND MAGUS sicherlich einige neue Fans hinzugewonnen. Nur war die Spielzeit leider mit bescheidenen 40 Minuten einfach zu kurz um die Intensitt dieser Musik vollkommen zu erleben. (Michael)

Die folgenden DRAGONFORCE kann ich eigentlich mit drei Worten beschreiben: "Einfach nur genial!" Allerdings sind die Jungs eine dieser typischen Bands, die man halt liebt oder hasst. Das liegt zum einen an der Musik, die fr mich wie "HELLOWEEN on Speed mit Videospiel-Keyboards" klingt. Zum anderen ist ihre Bhnenshow schon sehr eigenwillig. Die Jungs rennen und hpfen pausenlos ber die Bhne und tragen teilweise seltsame Kleidung, Keyboarder Vadim Pruzhanov z.B. scheint irgendwo alte Bhnenklamotten irgendwelcher 80er-Jahre-Poser gefunden zu haben. Die Jungs haben einfach ihren Spa und den bertragen sie auf ihre Fans. Und das sind mehr, als ich gedacht hatte, der Bereich vor der Bhne ist richtig voll. Trotz ihrem Spafaktor spielen DRAGONFORCE ihre komplizierten und teilweise sehr schnellen Songs mhelos runter, und Gitarrist Herman Li ist einfach nicht von dieser Welt. Mit Songs wie "Valley Of The Damned" oder "Fury Of The Storm" geben DRAGONFORCE einen gelungenen berblick ber ihre Alben. Snger ZP Heart luft zwischendurch mal komplett durch die Treppen des Amphitheaters, singt dabei einfach weiter und animiert sogar einige eher gelangweilt wirkende Besucher zum Mitmachen. Zum Schluss gibt es noch den Hit "Through The Fire And The Flames", den Sam Totman sehr gekonnt auf der Akustikgitarre beginnt. Die Fans geben nochmal alles, und nach rund 45 Minuten ist alles leider viel zu schnell vorbei. DRAGONFORCE werden verdient mit starkem Applaus verabschiedet und hinterlassen erwartungsgem glckliche Fans und eben Leute, die mit der Band halt gar nichts anfangen knnen. Ich freu mich schon jetzt auf die Tour im Oktober. (Thorsten Schwalbach)

Man spielt wie angekndigt nur Stcke der ersten beiden Alben "Forbidden Evil" und "Twisted Into Form". Diese beiden ewigen Thrash-Klassiker genieen zurecht einen ausgezeichnet guten Ruf in der Szene, so kann man sich auf ein Feuerwerk vorzglicher musikalischer Meilensteine einstellen. Los geht's vehement mit "Infinite". Nahtlos und ohne Ansage knallen jetzt FORBIDDEN den Titeltrack ihres fulminanten Debt dem Konsumenten um die Ohren. Dies ist der Augenblick in welchem mich der nette junge Mann vom Ordnungspersonal hflichst darauf hinweit, dass man im Fotograben nicht Bangen drfte. Nun ja, die Erklrung, dass gerade FORBIDDEN spielen, rettet mich gerade noch vor einer wohlmglich blen und strengen Strafe. Doch wie soll man whrend diesem Riffgewitter ruhig bleiben? Und ja, Russ Anderson trifft den Ton whrend den hohen Screams! Mittlerweile hat sich auch beeindruckender Circle Pit im Publikum gebildet und direkt vor der Bhne wird gebangt was das Zeug hlt, selbst auf den Rngen entdeckt man so manche beeindruckende Matten whrend dem Fliegen. Klar, schaut man sich den gespielten Set an, wei man was Sache ist. Man erlebt hier eine gut gelaunte Band, die ihre fabelhafte Stimmung spielend leicht auf die Leute bertrgt. Dieser Auftritt ist einfach nur schn, zumal die beiden schon erwhnten Scheiben auch zu meinen All Time-Faves zhlen. So macht diese heute erlebte beraus energiegeladene Performance richtig Lust auf ein neues Album, welches tatschlich derzeit in Arbeit ist. (Michael)

Setlist: FORBIDDEN

  • Infinite
  • Forbidden Evil
  • R.I.P.
  • Off The Edge
  • Step By Step
  • March Into Fire
  • Follow Me
  • Twisted Into Form
  • Tossed Away
  • Through Eyes Of Glass
  • Chalice Of Blood

Wegen dem Konzert von JON OLIVA'S PAIN im JUZ Andernach, das mich damals nicht sehr begeisterte, sind meine Erwartungen an diese Band beim "Rock Hard"-Festival eher gering. Und deshalb bin ich einfach nur positiv berrascht, als die Jungs in Gelsenkirchen die Bhne betreten und vom ersten Song "The City Beneath The Surface" an eine enorme Spielfreude an den Tag legen. Natrlich singt Jon nicht mehr wie in alten Tagen, aber das erwartet doch auch niemand wirklich. Trotzdem ist er einigermaen gut bei Stimme. JON OLIVA'S PAIN schaffen hier, Songs von SAVATAGE so zu umzusetzen, dass die gewisse Magie rberkommt. JON OLIVAS PAIN Die Gitarristen Matt LaPorte und Tom McDyne spielen die Stcke mit dem notwendigen Gefhl. Geboten wird ein Querschnitt durch Songs von SAVATAGE Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre, wobei mich besonders die von der ganzen Band kompetent rbergebrachten "Tonight He Grins Again" und "Believe" berzeugen. Aber auch "hrtere" Stcke wie "Sirens" oder "Jesus Saves" znden richtig gut und schaffen gute Stimmung beim Publikum. Eine besondere Atmosphre schafft Jon auch durch das Klavier mitten auf der Bhne, an dem er einige Songs spielt und damit das alte Feeling noch verstrkt. Alles in allem ein wirklich begeisternder Auftritt, den ich dieser Band so nicht zugetraut htte und der auch entsprechend abgefeiert wird. Und trotzdem stellt man sich wieder die zwei typischen Fragen zu JON OLIVA'S PAIN. Zum einem nmlich, warum die Band bei mittlerweile drei Alben mit "Eyes Of The King", "Maniacal Renderings" und "All The Time" gerademal drei eigene Stcke spielt. Und zum anderen, warum Jon diese Band braucht, um die Songs von SAVATAGE zu spielen. Denn die Lust an den Stcken hat er ja immer noch, wie seine Setlist zeigt. Die Hoffnung bleibt also weiterhin, und JON OLIVA'S PAIN knnen doch auch parallel ihr Ding durchziehen, was ich ihnen nach diesem Konzert auch zutraue. (Thorsten Schwalbach)

Setlist JON OLIVA'S PAIN:

  • City Beneath The Surface
  • Sirens
  • Through The Eyes Of The King
  • Of Rage And War
  • Chance
  • Maniacal Renderings
  • Gutter Ballet/All The Time
  • Tonight He Grins Again
  • Hounds
  • Believe
  • Jesus Saves
  • Hall Of The Mountain King

Nach diesem begeisternden und auch eher emotionalen Auftritt haben es die nachfolgenden CHILDREN OF BODOM natrlich eher schwer, da ihre Musik doch in eine ganz andere Richtung geht. Auf groen Bhnenaufbau haben die Jungs auch verzichtet. Die fnf nicht so gro gewachsenen Herren wirken auf mich vor ihrem eher schlichten Backdrop fast ein bisschen verloren. Hinzu kommt, dass sich Snger und Gitarrist Alexi Laiho wohl kurz vorher noch die Schulter gebrochen hat und auch ein bisschen eingeschrnkt wirkt. Alles keine guten Vorzeichen fr einen Headlinergig, aus dem die Kinder vom Bodensee doch noch das Beste machen. Alexi schreit, keift und faucht sich in seiner eigenen Art durch die Songs und kommuniziert zwischen den Stcken ausgiebig mit dem Publikum. Seine Wortwahl dabei wrde bei "The Osbournes" eindeutig zu einem Dauerpiepton fhren. Trotz seines Handicaps spielt er seine nicht gerade einfachen Gitarrenparts makellos. Der Rest der Band ist etwas mehr in Bewegung und post, was das Zeug hlt. Insbesondere ltere Stcke wie "Bodom After Midnight", "Bed Of Razors", "Kissing The Shadows" oder "Hate Me!" werden begeistert angenommen und sorgen fr wirklich gute Stimmung in Gelsenkirchen. CHILDREN OF BODOM begeistern ihre Fans an diesem Abend, spielen ihre Songs kompetent und ziehen ihr Ding durch trotz aller Schwierigkeiten, weshalb sie auch Leute wie mich berzeugen, die nicht gerade Fans der Band sind. Ob vielleicht im Hinblick auf die Resonanz beim Publikum nicht doch die umgekehrte Reihenfolge von JON OLIVA'S PAIN und CHILDREN OF BODOM besser gewesen wre kann ja noch diskutiert werden, obwohl auch die finnischen Kinder ihrer Headlinerrolle wirklich gerecht werden. (Thorsten S.)

Setlist CHILDREN OF BODOM:

  • Needled 24/7
  • Bodom Beach Terror
  • Smile Pretty For The Devil
  • Living Dead Beat
  • Are You Dead Yet?
  • Banned From Heaven
  • Hate Me!
  • Kissing The Shadows
  • Bodom After Midnight
  • Blooddrunk
  • Angels Don't Kill
  • In Your Face
  • Bed Of Razors
  • Downfall

Zu meiner eigenen Verwunderung schaffe ich es dann, sonntags um 13:00 Uhr vor der Bhne zu stehen, um mir FIREWIND anzusehen, was die mit einem wirklich mitreienden Auftritt belohnen. Die Band beschrnkt ihre Songauswahl fast ausschlielich auf ihre letzten beiden Alben und geht nach kurzem Intro, bei dem die Jungs nacheinander auf die Bhne kommen, mit dem schnellen "Head Up High" direkt richtig in die Vollen. Gitarrist Gus G. ist in Hochform. Seine Soli, die irgendwo zwischen Yngwie Malmsteen, Uli Jon Roth und klassischem Metal liegen, berzeugen komplett und nehmen einem schnell die Mdigkeit. Auch Snger Apollo Irgendwas berzeugt durchgehend, singt tadellos und kommuniziert mit dem Publikum, das fr diese Zeit schon ganz annehmbar gro ist. Bei dem an Gary Moore/Phil Lynott erinnernden "Mercenary Man" wird begeistert mitgesungen. Mitten drin stellen FIREWIND den neuen Song "Loosing Faith" vor, einen typischen melodischen Knaller mit einem fast schon rockigen Gitarrensolo und machen neugierig auf ihr wohl in 2010 erscheinendes neues Album. Am Ende gibt es den Coversong "Maniac" sowie die Mitsingnummer "Falling To Pieces", bei der Band und Publikum gemeinsam nochmal alles geben. Leider ist nach 40 Minuten schon wieder Schluss und die Band wird verdient abgefeiert. Ich bin mir aber sicher, dass FIREWIND wesentlich spter spielen werden, wenn sie hoffentlich bald wieder in Gelsenkirchen aufkreuzen. Auf jeden Fall einer der Gewinner des diesjhrigen Festivals. (Thorsten Schwalbach)

Setlist FIREWIND:

  • Intro / Head Up High
  • Between Heaven And Hell
  • Angels Forgive Me
  • Mercenary Man
  • Loosing Faith (neuer Song)
  • I Am The Anger
  • Maniac
  • Falling To Pieces

Anschlieend folgt mit den Schweden BULLET eine Band, deren stampfender partytauglicher Heavy Metal als solide Mischung aus AC/DC und ACCEPT gar nicht meine Richtung ist. Trotzdem muss ich zugeben, dass die Band beim Publikum gut ankommt und fr ausgelassene Stimmung sorgt. Die Musik ist auf jeden Fall absolut festivaltauglich. Snger Hell Hofer ist mir halt einfach ein bisschen zu kreischend und eintnig, aber das Publikum hat er voll im Griff. Auch die Gitarren begeistern mich nicht wirklich. Die eingngigen Songs wie "Dusk Til Dawn", "Bite The Bullet" oder die abschlieende Bandhymne "Bang Your Head" werden vom Publikum regelrecht abgefeiert und begeistert mitgesungen. Wenn man bedenkt, dass die Band vor zwei Jahren noch Opener und absoluter Geheimtipp bei diesem Festival war, muss man den Aufstieg von Bullet auf jeden Fall anerkennen. (Thorsten Schwalbach)

In eine hnliche Richtung gehen fr mich die anschlieenden D-A-D. Auch diese Band spielt eher Partymusik, ist absolut festivaltauglich, hat ihre Hits, die zum mitsingen anregen und ist wieder nicht mein Fall. Auch wenn der Background der Dnen ein ganz anderer ist. Stammen BULLET eindeutig aus dem Heavy Metal-Lager, kommen D-A-D doch eher aus der Punkrock-Ecke. Auffallend sind bei D-A-D natrlich Bhnenaufbau und -optik. Hinter dem Schlagzeug stehen riesige LED-Leuchtstreben, die fr eine Art Jahrmarktatmosphre sorgen. Mit deren Aufbau wird bereits whrend des Auftritts von BULLET begonnen, was dort nicht unbedingt fr Stimmung sorgt. Vor dieser Kulisse sitzt Laust Sonne im Anzug mit Krawatte an seinem Schlagzeug und schafft Rockabillyfeeling. Bassist Stig Pedersen knnte bei RAMMSTEIN entlaufen sein und fllt natrlich besonders durch seine zahlreichen eigenwilligen 2-Saiten-Bsse auf, z. B. in Raketenform. Die Brder Binzer an den Gitarren tragen ebenfalls grelle Anzge. Hier gilt wieder der Grundsatz "lieben oder hassen", doch im Gegensatz zu DRAGONFORCE ist mir hier die Bhnenprsentation eindeutig zuviel. Natrlich kommen auch D-A-D super an und schaffen eine ausgelassene Stimmung im Publikum. Die Hits der Band wie "Isn't That Wild", "Jihad" und besonders natrlich "Sleeping My Day Away" werden gnadenlos abgefeiert, was teilweise auch in einer Karawane durch die Reihen ausartet. Insgesamt sind auch D-A-D objektiv gesehen einer der Gewinner des Festivals und drften mit diesem Auftritt einige Fans dazugewonnen haben. (Thorsten Schwalbach)

Mit UFO und SAXON kreuzen dieses Jahr auch zwei echte Hardrock-Dinosaurier in Gelsenkirchen auf. Nachdem im Lager von UFO seit dem Einstieg von Gitarrenmagier Vinnie Moore auch eine gewisse Konstanz Einzug gehalten hat, ist der Auftritt dieser Veteranen einer der Hauptgrnde fr mich, zum ROCK HARD FESTIVAL zu fahren. Und die Jungs enttuschen mich mal wieder nicht. UFO bauen natrlich auf ihre Hits wie "Mother Mary", mit dem sie wie gewohnt in ihr Set einsteigen, oder "Too Hot To Handle". Sie vergessen aber auch nicht, neue Songs wie "When Daylight Goes To Town" oder "Saving Me" vom erst zwei Tage vorher erschienen neuen Album "The Visitor" in ihre Setlist einzubauen. Snger Phil Mogg ist gut bei Stimme und berzeugt komplett. Und Vinnie Moore zeigt in Gelsenkirchen mal wieder, dass er einfach einer der besten Gitarristen dieses Planeten ist. Er spielt mal technisch und schnell und dann wieder gefhlvoll und melodis. Sehr oft baut er auf den bekannten Motiven seines groen Vorgngers Michael Schenker auf, die er allerdings mit seinem eigenen Stil leicht verndert. In "Love To Love" begeistert er auf der Akustikgitarre. Und seinen grten Auftritt hat er natrlich im Knaller "Rock Bottom", dessen Solo er auf fast 10 Minuten Lnge ausbaut. Hier improvisiert er gekonnt zwischen den verschiedenen Stilen hin und her und baut auch einige jazzig klingende Melodien ein. Fr mich definitiv der Gitarrist dieses Festivals. Leider ist nach "Rock Bottom" ohne die Bandhymne "Doctor Doctor" auch schon Schluss. Keine Ahnung, ob dass so gewollt ist oder ob Vinnies Solopart einfach ein bisschen zu lang ist. Insgesamt kommen UFO super an und begeistern ihre Fans direkt vor der Bhne. Aber auch auf den Treppen des Amphitheaters sorgen sie fr gute Stimmung. Hoffentlich bleibt uns diese Band noch sehr lange erhalten. (Thorsten Schwalbach)

Setlist UFO:

  • Mother Mary
  • Long Gone
  • When Daylight Goes To Town
  • Saving Me
  • Ain't No Baby
  • Too Hot To Handle
  • Cherry
  • Only You Can Rock Me
  • Love To Love
  • Rock Bottom

Das "Rock Hard" ist fr mich ein Festival der Premieren. Neben FORBIDDEN und SACRED REICH sehe ich auch HEATHEN zum ersten Mal. Nicht ohne Vorspannung erwarte ich den Auftritt der Bay-Area-Thrash-Veteranen. Schnell ist klar, dass Snger David White es immer noch drauf hat. "Open The Grave" schlgt ein wie ein Komet. Brachiales, rdes, brutales Thrash-Bombardement ohne Gnade. Ein Riffgewitter nach dem anderen. In das neue Album darf man an diesem Tag auch hineinhorchen. HEATHEN spielen exklusiv einen Song vom kommenden Werk. Wenn dieses Platte die dargebotene Energie widerspiegelt, dann darf man sich auf ein edles Stck Metall freuen. Mit "Death By Hanging" verabschieden sich die Herren schlussendlich mit einem deftigen Paukenschlag. (Torsten Butz)

SAXON

Ein weiteres Relikt aus der guten, alten Thrash-Zeit sind SACRED REICH, die ebenfalls ihr Stell-Dich-Ein auf dem RHOA geben. SACRED REICH konzentrieren sich ganz gewaltig auf die alten Scheiben. Persnlich htte ich gerne was "aktuelleres" gehrt. Auch wenn die mittlerweile schon etliche Jahre alte "Heal"-Platte umstritten ist, hre ich diese immer wieder gerne. Aber auch so ist es ein gelungener Gig mit einem uerst sympathischen und redseligen Snger/Bassisten. Und der Bass der drckt und schiebt, ein wahnsinniger Sound, der einem die Hosenbeine flattern lsst, was bei einer Lederhose schon was heien soll. Nicht nur SR Songs werden intoniert. Begeisterte Zuhrer hatten auch die Gelegenheit Phil Rind bei BLACK SABBATH's "War Pigs" lauthals zu untersttzen. Whrend der Circle Pit bei anderen Bands schon recht beeindruckend war, bei SACRED REICH ging es richtig ab. Ich vermutete schon Jon Oliva in der Mitte, um die sich die Meute wie ein Asteroidenfeld bewegt. Beim abschlieenden Song "Surf Nicaragua", wie sollte es auch anders sein, ging es in dem Pit nochmal richtig rund. Einige Metaller nutzen die letzte Gelegenheit, um noch einmal ber die Kpfe der wild bangenden hinweg zu surfen. Das Konzert ist vorbei. SACRED REICH verlassen, ein zufriedenes Publikum zurcklassend, die Bhne. (Torsten Butz)

Was jetzt spezial daran sein soll, dass SAXON wieder einmal einen Klassik-Set mit Adler ankndigen, wei kein Mensch. Das machen SAXON doch schon seit gut fnf Jahren. Doch was sie machen, machen die Jungs um Peter "Biff" Byford verdammt nochmal gut! So zelebrieren Biff und Co. auch heute diese guten alten Zeiten des NWOBHM, ohne jedoch auf so manches aktuelle Stck zu verzichten. Die Metal-Veteranen sind ohne Zweifel eine "Gute Laune"-Band, denn gerade diese ist bis hoch in die Rnge des Amphitheaters zu spren. Selbst noch am Soundturm kann man wild mitsingende und Haare schttelnde Fans erleben. Klar, denn zu Stcken wie "Dallas 1 p.m.", "Strong Arm Of The Law", "Motorcycle Man", "Power & The Glory", "Wheels Of Steel", "20,000 Feet" oder selbstverstndlich "The Eagle Has Landed" bleibt garantiert keiner ruhig, es sei denn er htte kurz vor dem Gig eine gute Portion Valium verabreicht bekommen. Wie immer hat der blonde (oder ist es schon grau?) und beraus sympathische Biff auch ein paar lockere Sprche parat und Bassist Tim "Nibbs" Carter bentigt durch pausenloses Seitenwechseln die komplette Bhne. Und obwohl man die Briten schon reichlich oft sehen konnte, selbst habe ich zwar nicht mitgezhlt, doch im zweistelligen Bereich drften meine erlebten SAXON-Konzerte schon liegen, berzeugt diese Institution wieder mal auf ganzer Linie. Ok, routiniert, und ebenso souvern ist das Auftreten des Quintettes schon, doch nach gut dreiig Jahren Bhnenerfahrung geht ein Gig einfach ins Blut ber, denn auch nach dieser langen Zeit zeigen SAXON wieder einmal, dass genau dieses Herzblut in ihrer Musik steckt. Zu guter Letzt gibt es noch die "Princess Of The Night" mit welcher sich die verschwitzte Band dann auch verabschiedet. Ein klasse Gig auch ohne den "Crusader"! (Michael)

Bei fast schon zu sonnigem Wetter, denn dieser hartnckige Staub klebt auf Schwei besonders gut, haben wir einen Blick in das Paradies gewhrt bekommen, doch auch kurzen Schmerz sollte Maschine vertragen knnen. Zum Abschluss noch ein kleiner Reinigungstipp von Genosse Butz: "Mit Druckluft geht der Staub besonders gut aus der Lederhose." Und ich muss sagen: "Recht hat er!" (Michael)



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