Der heutige Abend markierte das Ende einer ereignisreichen Konzertwoche; dienstags DELAIN, am Mittwoch ELÄKELÄISET und nun SHAKRA. Ich war dementsprechend müde und zudem ein wenig traurig, dass meine Begleitung und Fotografin krankheitsbedingt absagen musste.
In diesem Zusammenhang fand ich es dann auch nicht ganz so schlimm, dass die dritte für den heutigen Abend angekündigte Band - deren Namen mir im Vorfeld nicht geläufig war und der mir bereits entfallen ist - fehlte. Zuerst galt es allerdings ein kleines Problem am Einlass zu lösen, denn weder mein Name noch der meiner Begleitung stand auf der Gästeliste. Nach kurzem Hin und Her war die Sache aber schnell geritzt und ich durfte mich ohne weitere Schwierigkeiten in die Halle begeben. Mein Dank gilt an dieser Stelle nochmal dem netten Schweizer aus dem SHAKRA-Umfeld, der dies unkonventionell und unbürokratisch möglich gemacht hat.
Es war gerade noch Zeit für ein Bier, als gegen 20.30 Uhr die ebenfalls aus der Schweiz stammende Formation POLUTION auf die Bühne kam. Zu diesem Zeitpunkt war in der Halle jedoch noch nicht viel los und es sollte nur sehr langsam voller werden. Bei dem Fünfer handelte es sich um noch recht junge Burschen, die sich laut Sänger Pascal Gwerder auf ihrer ersten Tour befanden. POLUTION boten die nächsten 40 Minuten eine nette Riff-Rock-Vorstellung, welche stilistisch hervorragend zum Headliner passte und sich musikalisch irgendwo zwischen MOTÖRHEAD und AC/DC bewegte. Den bisher Anwesenden schien das allerdings weitestgehend egal zu sein, denn großartige Publikumsreaktionen waren nicht auszumachen. An der Performance und auch an der Ausstrahlung lässt sich zwar noch arbeiten, aber Potential war vorhanden und ist sicher ausbaufähig. Mir machten die Jungs jedenfalls Spaß - vor allem das MOTÖRHEAD-Cover "R.A.M.O.N.E.S" wusste zu gefallen - und so verging die Zeit wie im Flug. Erwähnt werden sollte hierbei das raue Organ von Pascal Gwerder, bei dem ich nicht sicher war, ob sich dies nur aufgrund seiner Erkältung so anhörte oder ob es seinem "Normalzustand" entsprach. Gegen Ende lies seine Stimme dann auch ein wenig nach, so dass teilweise nur noch krächzen auszumachen war (inwieweit hier Bier die richtige Medizin war, halte ich mal für diskussionswürdig). Egal, dass tat dem positiven Gesamteindruck keinen Abbruch und ich war aufgewärmt und bereit für mehr.
Nach einer erfreulich kurzen Umbaupause war es schließlich soweit und SHAKRA durften die Bühne entern. Eigentlich sollte ja bereits Februar vergangen Jahres eine Tour in hiesigen Gefilden stattfinden, welche jedoch aufgrund einer Erkrankung von Sänger Mark Fox verschoben werden musste. Nun ja, so kamen wir zwar mit etwas über einjähriger Verspätung zum erwarteten Live-Erlebnis, aber dafür immerhin in den Genuss des neuen, verdammt starken Outputs "Everest". Mit dem Opener dieses Albums "Ashes To Ashes" legten die Eidgenossen dann auch gleich eindrucksvoll los und mir fiel direkt der neue, noch sehr junge Bassist Dominik Pfister sowie der agile Mark Fox auf. Dieser machten einen verdammt fitten Eindruck, erinnerte aber mit seien geschminkten Augenpartien ein wenig an Ozzy Osbourne. Der Rest der Band agierte deutlich hüftsteifer und beschränkte sich weitestgehend auf Gesichtsposing. Vielleicht lag es aber auch einfach an der beengten Bühne der Halle, die mittlerweile ordentlich besucht war. Warum von den Fans kaum Reaktionen auszumachen waren, blieb mir wie sooft ein Rätsel. Erst bei "Done Me Wrong" vom Album "Rising" sollte so richtig Stimmung aufkommen. Nicht nachvollziehbar war daher für mich die Ballade im Anschluss, die dem Ganzen wieder ein wenig die Power nahm. Egal, denn danach war der Weg wieder frei für weitere Gute-Laune-Rocker, welche jedoch vorerst nur von einem Fan direkt vor der Bühne begeistert aufgenommen wurden. Mit zunehmender Spielzeit begann aber sowohl bei den Akteuren on Stage als auch beim Publikum das Eis zu schmelzen, denn sowohl auf als auch vor der Bühne lies sich bedeutend mehr Bewegung ausmachen und selbst die Mitsing-Spielchen funktionierten. Davon zeugte dann auch die Temperatur, denn mittlerweile war es verdammt warm. Daher verwunderte es nicht, dass das reguläre Set von 80 Minuten leider viel zu schnell ein Ende fand. Für die folgenden drei Zugaben gingen SHAKRA dann nicht mal richtig von der Bühne und so endete kurz nach 23 Uhr ein kurzweiliger Abend mit jeder Menge starker Musik. Schade allerdings, dass den Männern um die Gitarristen Thomas Blunier und Thomas Muster bisher nicht der gleiche Erfolg zuteil wurde, wie den Landsmännern von GOTTHARD. Verdient hätten sie's allemal, aber dafür müssten sie wohl Weichspülerrock abliefern, was uns hoffentlich erspart bleibt!