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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ANTIMATTER, LISA CUTHBERT, MONOCHROME CREEKS
Ort Frankfurt, Die Halle
Datum 14.04.2009
Autor Andreas Goericke
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"Die Halle" im Frankfurter Riederwald ist leider der denkbar schlechteste Club fr ein alternatives Akustikpaket, vor allem mitten unter der Woche. Als wir uns frohgemut in die gottverlassene Industriegegend Frankfurts begaben, hatte ich schon mit wenigen Besuchern gerechnet. Als wir ankamen, stand tatschlich freies Parken im Angebot und ich fragte erstmal einen der zwei Menschen vor dem Club, ob denn wirklich heute das Konzert von ANTIMATTER stattfindet. Monochrome Creeks Lisa Cuthbert Dem war so, doch tauchten innerhalb der nchsten Zeit insgesamt nur etwa 30 zahlende Gste auf. Sehr traurig eigentlich, bekommt man solche Weltklasse Musik doch wirklich nicht alle Tage zu sehen. Zuletzt sah ich Duncan Patterson brigens 1994 in Frankfurt, was wir spter bei einem gemtlichen kurzen Plausch noch austauschten und er mich mit einem: "See you in 15 Years!" verabschiedete.

Erffnet wurde das Konzert von Masi Kriegs dessen Projekt sich MONOCHROME CREEKS nennt, auerdem ist er Gitarrist der Rock-Band DUST OF EVERYDAY, welche mir leider unbekannt waren. Er machte es sich auf einem Hocker bequem und spielte 4 Songs, darunter ein QUEEN Cover, bei dem es laut Masi ausreichte, zu singen wie Bryan May und Gitarre zu spielen wie Freddy Mercury. Alles in allem waren die Songs schn melancholisch und die schnodderige Rheinlnder-Art des Sngers sorgte fr einen lauschigen Einstand. Htte ich ihm auf den ersten Blick nicht zugetraut, aber so kann man sich irren. Man sollte wohl mal ein Ohr fr seine weiteren Projekte offen halten.

Als zweiter Act enterte LISA CUTHBERT aus Irland die Bhne, die etwas eingeschchtert hinter ihrem, im Verhltnis riesigen Keyboard beinahe versank. Sie begann sogleich mit einer Eigenkreation und wurde dadurch doch um einiges Grer. Sie hatte eine wahnsinnig kraftvolle Stimme, wirkte sehr sympathisch und mit ihrer Begleitung am Klavier erzeugte sie tchtige Gnsehaut. Die Musik an sich war auch hier wieder schwer melancholisch. Sie berzeugte weiter mit einer Version von "Material Girl" von MADONNA, in der auch noch der Chorus von "Genie In A Bottle" eingebaut war. Dieser Ausflug in Popgefilde war zwar etwas seltsam, aber durchaus reizvoll. Den Vogel schoss sie allerdings mit einem phantastischen Cover von "Fragile Dreams" von ANATHEMA ab, die an diesem Abend noch fter zitiert werden sollten. Interessanter Weise habe ich diesen Song in der Gitarrenversion niemals so dermaen gefhlsintensiv erlebt. Eine deutliche berraschung!

Antimatter

Nun war es endlich Zeit fr den Headliner des Abends, ANTIMATTER. Sie starteten gleich mit Ihrem Opener "Eleanor Rigby", dicht gefolgt von "Over Your Shoulder" und verbreiteten von Anfang an eine unglaubliche Atmosphre. Ich bin eher mit den lteren, elektronischeren Platten verhaftet, somit hatte ich durch die alternative akustische Spielweise gelegentlich Probleme, die Songs zu indentifizieren. Allerdings tat das dem Genuss berhaupt keinen Abbruch. Antimatter In grerer Lautstrke htte auch das Ambiente nicht so wirkungsvoll funktioniert. Duncan Patterson bediente brigens die meiste Zeit eine Mandoline und Mick Moss die Gitarre, gelegentlich kam auch Frau Cuthbert noch fr gesangliche bzw. Pianoeinstze auf die Bhne. Natrlich war all dies gekrnt von der unfassbar gefhl- und gehaltvollen Stimme von Mick. Obwohl er stndig Witze riss und oft auf sein Handy schaute und wst fluchte, weil sein Lieblingsfuball-Club gerade auf die Nase bekam, kam eine grandios deprimierte Stimmung auf, die in dem kleinen und nahezu leeren Club noch viel beklemmender war. Die Musik fllte und verdunkelte den Raum und das Publikum verhielt sich fast andchtig still und lauschte gebannt bis die Songs endgltig verklungen waren, erst danach beklatschten wir alle ehrfchtig die dramatische Performance. Unbedingt erwhnenswert waren aber auch die Coverversionen, die an diesem Abend von ANTIMATTER darfeboten wurden. Die Jungs brachten eine herrliche Version von John Lennons "Working Class Hero" mit und natrlich die erwarteten ANATHEMA-Stcke in Gestalt von "Feel", "Lost Control" und zuletzt das wundervolle "Eternity III", welches ja als Bonustrack auf der Platte aus den Neunzigern ebenfalls akustisch vorhanden war. Albern ist nur, dass ich den Track von ANATHEMA selbst Live noch nie gehrt habe, zumindest nicht in der Bonusversion. Mit diesem brillanten Stck war der wunderbare Abend dann auch leider beendet, ich war sehr nahe am Suizid aufgestellt und die Jungs entlieen das sichtlich ergriffene Publikum in die Nacht, wobei nahezu jeder Gast aber noch brav die frisch erschienene akustik Live-CD kuflich erwarb. Ich habe selten solch ein intensives Konzert erlebt.


Bilder: Katrin Ntling
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