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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PESTILENCE, VREID, THE NEW DOMINION, INTO DARKNESS
Ort Mhltal, Steinbruch Theater
Datum 22.04.2009
Autor Andreas Goericke
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An einem wunderbaren Abend im April luden New Evil Music im Steinbruch-Theater bei Darmstadt zum festen feiern mit einem irrsinnigen Headliner: PESTILENCE. Erstaunlich, dass es dieses Paket nicht nach Frankfurt in die greren Clubs schaffte, bei nherer Betrachtung der Anwesenden war dies aber scheinbar die richtige Entscheidung des Managements, denn der Bruch war ordentlich besucht und in den greren Clubs htte sich die Meute wohl eher verlaufen. The New Dominion Ich war dennoch berrascht, dass sich vielleicht gerade mal 250 Nasen fr solch einen Superact blicken lassen, den man ja nun wirklich nicht alle Tage sehen kann und konnte. Auch die neue Platte lie sich ja sehr gut an, so dass ungetrbter Vorfreude nichts im Wege stand.

Vreid

Als erste Band des Abends enterten INTO DARKNESS aus Mannheim die Bhne. Die Herren sahen auf den ersten Blick schon leicht verbraucht aus, dass Durchschnittsalter drfte sich im Vierzigerbereich bewegt haben. Die Shirts der Kerle allein waren sicher lter als einige der Besucher im Club. Allerdings trmmerten sie sofort einen kruden Death-Metal Mix in die Leute, der musikalisch betrachtet sogar recht interessant war. Nicht das neue Rad, aber eine solide Mischung aus brachialen und teilweise ziemlich flotten Blastparts, gefllt mit ein paar coolen rhythmischen Spielereien oder schnen Fills des Bassisten. Leider war die Show per se nicht ganz so agil wie die gelegentlich etwas holperig vorgetragene Musik, aber zur Einstimmung waren INTO DARKNESS schon mal ganz tchtig gewhlt.

Nach dem Changeover betrat ein recht seltsamer Haufen die Bretter, THE NEW DOMINION aus den Niederlanden. Rein optisch waren sie leider eine Katastrophe, da passte nichts zueinander und sie sahen aus wie Leute aus 5 verschiedenen Metal-Richtungen, von Hardcore bis MANOWAR. Allerdings machten sie musikalisch und in der Performance ein tierisches Fass auf. In Ihrer Musik kommt so alles, was zwischen Hyperblast und Cleangesang geht, zum tragen. Ein Bisschen durchwachsen ist das zwar, aber durch das spielerische Geschick und die energetische Show machte der Auftritt mchtig Spa. Das Cover "Deathcrush" von MAYHEM war wohl auch etwas unglcklich, da die Songstrukturen ihrer eigenen Stcke wesentlich interessanter waren. Besonders hervorzuheben war der Snger, welcher mal eben mit 5! verschiedenen Brll- und Kreischstimmen arbeitet, nebenbei prima sauber singen kann und das dann auch noch teilweise mit einem Gitarristen und dem Basser gemeinsam abzieht. Wenn die mal nicht ihren Marktwert in die falsche Richtung lenken. Mit so einem Sangespotential lsst sich durchaus etwas anfangen.

Als nchstes waren die Black'n'Roller von VREID am start, die schon gleich ein viel homogeneres Bild lieferten. Im Bezug auf ihr Haupthema, der norwegische Widerstand im 2. Weltkrieg, trugen sie einheitliche Uniformen und kamen dadurch authentisch rber. Ob die Dinger historisch verbrgt waren, ist unbedeutend. Dazu noch schne Stellbanner und schon sah die Bhne wieder um einiges professioneller aus. Pestilence VREID hauten dann eine ordentliche Garbe ihrer Songs quer ber ihre Diskografie heraus, allerdings wollte der Funke auch bei ihnen nicht richtig znden. Obwohl das Bhnenbild etwas hergab, waren die Mannen doch recht stoisch und bewegungsarm und die Musik kam leider auch keineswegs so roh und rudig, wie auf der Konserve. Gefielen mir VREID auf der Platte doch recht gut, muss ich hier meine Enttuschung kundtun. Auch das verkrampfte Bemhen des Sngers und Gitarristen, die Leute zu bewegen und vor die Bhne zu winken, war reichlich deplatziert. Schlielich haben die Bengels auer Kopfschtteln so keinen Schritt gemacht. Sie bekamen also genau, was sie gegeben haben. Etwas mehr Feuer htte sicher geholfen.

PESTILENCE traten dann endlich mit einer Art Alltime-Line Up auf die Bhne. Faxen wie Intro oder hnliches wurden simpel ausgespart, lediglich ein beeindruckender Line-Check von Drumtier Peter Wildoer von DARKANE machte den Auftakt. Die Niederlnder starteten dann sogleich mit dem Opener ihrer neuen Platte "Devouring Frenzy", dicht gefolgt von "Horror Detox" und "Chemo Therapy", womit schon mal ein schner Rundumschlag durch die Historie der Urgesteine aus dem Tulpenland geschwungen wurde. Der Sound im Bruch war an diesem Tage auch endlich mal wieder brutal laut, so dass auch in der Magengrube die schiere Hrte ankam. Bhnenprsenz kann man den Jungs um Mastermind Patrick Mameli nicht unbedingt absprechen, obwohl sie sich vielleicht ein bichen htten bewegen knnen und die Ansagen waren zwar freundlich und heavy im Inhalt, wirkten aber doch etwas abgespult. So wahre Begeisterung schien zumindest Mameli nicht mitzubringen, spielte und kreischte dennoch einwandfrei. Atemberaubend allerdings war die Performance vom Gespann Wildoer und Tony Choy, die in der Rhythmus-Fraktion ein Feuerwerk nach dem anderen loslieen. Besonders geil war Ex-Cynic-Mann Choy, der ernsthaft jeden einzelnen Ton mit einem Gesicht kommentiert. Und er spielt VIELE Tne! Es war ein Riesenvergngen, besonders als nach "Hate Suicide" aus dem Drumoutro heraus in ein furioses Solo von Wildoer bergegangen wurde, in das Choy spter mit einstieg und die Mannen herumjazzten, dass es nur so rauschte. Die Kerle waren unglaublich! Nach weiteren Smashits wie "Fiend" vom neuen Album, dem berhammer "Secrecies Of Horror" und nach wie vor einer angenehmen Mische aus allen Platten quer durch ihr Schaffen, wurde mit "Lost Souls" das vorlufige Ende eingeleitet. Natrlich brllte das Publikum die Kskppe zurck, schlielich kam ohne "Out Of The Body" niemand lebend aus dem Bruch heraus. Mit dieser letzten bernummer verabschiedeten PESTILENCE die ausgetobten Gste und wir traten zufrieden den Heimweg an. Alles in allem durchaus sehenswert, auch wenn man sich etwas mehr Begeisterung von manchen Muckern gewnscht htte. Aber zumindest die Hollnder machten das eben durch die grandiose Qualitt ihrer Musik ohne Schwierigkeiten weg. Durchaus sehenswert also.

Pestilence
Setlist: PESTILENCE
  • Devouring Frenzy
  • Horror Detox
  • Chemo Therapy
  • The Process of Suffocation
  • Hate Suicide
  • Chronic Infection
  • The Secrecies of Horror
  • Mind Reflections
  • Synthetic Grotesque
  • Lost Souls
  • Out of the Body

Bilder: Katrin Ntling
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