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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing FEUERTANZ FESTIVAL - SUMMER'S END OPEN AIR 2002
Ort Andernach, JuZ
Datum 30.08.2002
Autor Andreas Frost
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Bands:
  • IN EXTREMO
  • SALTATIO MORTIS
  • THE COUNT
Das Wetter der vergangenen Tage lie eigentlich darauf schlieen, dass das diesjhrige Summers End Open Air buchstblich ins Wasser fllt. Aber der Metal-Gott hatte Mitleid mit den vielen Langhaarigen und Schwarzkitteln (ngewhnlich viele an der Zahl) und lie uns die pralle Sonne aufs Geweih scheinen. Aber auch schnes Wetter hat so seine Tcken. Da - wie der Name Open Air schon sagt - die ganze Veranstaltung drauen stattfand, befanden sich auch jede Menge metalbegeisterte Bienen und Wespen unter den Besuchern. Thats life!
Um ca. 19.15 Uhr betraten dann THE COUNT die Bhne, um in knapp 20 Minuten zu beweisen, was in ihnen steckt. Die ihnen zugestandene Speilzeit war zugegebener Maen sehr knapp. In dieser Zeit spielten sie - wenn ich mich recht erinnere - sechs oder sieben Songs. Der Sound war klasse und die Songs kamen mit viel Druck aus der P.A. Stilistisch liegt die ganze Melange irgendwo zwischen Industrial-Metal und EBM. Wobei das bergewicht klar auf den Klampfen liegt. Aber irgendwie wollte der Funken heute abend nicht so recht auf das Publikum berspringen. Die Band erntete bestenfalls extatisches Fuwippen und Anstandsapplaus. Wirklich schade. Teilweise kann man dass aber meines Erachtens auf die statische und distanzierte Performance der Band und ihren nervs und schchtern wirkenden Frontmann zurckfhren. Daran sollte die Band dringend arbeiten, aber musikalisch war alles soweit im grnen Bereich.
Nach 20 Minuten rumten THE COUNT dann (nach langer Umbaupause) das Feld fr SALTATIO MORTIS. Von der Livedarbietung waren sie aus einem ganz anderen Holz als ihre Vorgnger geschnitzt. Die Band versprhte jede Menge Energie und deren Frontmann hatte das begeisterte Publikum jederzeit im Griff. Jedoch polarisierten sie mit ihrer recht verwegenen Mixtur aus Mittelalter-Metal a la IN EXTREMO und stumpfen Ufftata-Techno-Beats das Publikum wie keine andere Band an diesem Abend. Von der musikalischen Seite war das ganze fr mich nur solange unterhaltsam, solange das Technofeeling nicht prsent war. Aber sobald Mittelalterklnge mit Kirmestechno gekreutzt wurde, war ich der Raserei nahe! Furchtbar! Aber einem Groteil der Leute schien es zu gefallen und feierten die Band nach Strich und Faden ab. Na ja, wenns scheee macht.. Gegen Ende des Sets intonierte die Band dann noch geschlossen "Eine Insel mit zwei Bergen,...". Ne recht witzige Einlage, jedoch waren nicht alle der Ansicht (Hallo Thorsten!). Dann war nach gut 50 Minuten der Spuk vorbei. Nach einer ultralangen Umbauzeit (ber 1 Stunde!!! Arrgh!) enterten endlich IN EXTREMO die Bretter, die die Welt bedeuten.
Von da an war kar, wegen welcher Band 99% der Besucher gekommen waren. Ich habe IN EXTREMO bis dato noch nicht live bewundern drfen, aber seit diesem Open Air wei ich, was ich bisher verpasst habe! Einen solchen Hammergig hab ich seit SUBWAY TO SALLY nicht mehr gesehen. Diese Band entfacht ein wahres Feuer von purer Lebenslust, Spielfreude und bringt noch eine groe Portion positiver Beklopptheit mit. Zu Beginn des Sets spielten sie ein paar neue Nummern vom Album "Snder Ohne Zgel", die ich noch nicht so gut kannte und mir nicht so gut gefallen wie das alte Material. Das Publikum schien sie aber sehr wohl zu kennen und es wurde gebangt und gesprungen, was das Zeug hielt! Die Mannen rund um den einzigartigen Frontmann "Das Letzte Einhorn" hatten die Meute von der ersten Note an fest im Griff. Manchmal erinnerte er mich von seiner Art her ein wenig an Campino von den Toten Hosen. er versteht es wie kein anderer (ich meine jetzt selbstredend vom Letzten Einhorn), die Leute zu fesseln, mit ihnen zu kommunizieren und sie in die Show zu integrieren. Klasse! Aber auch die restliche Band rackerte sich bis zum letzten ab und bot eine atemberaubende Show von Pyaroeffekten bis zu artistische Kabinettstckchen. Und dass die drei Dudelsackspieler bei so einem Laufpensum noch Luft zum blasen (...) hatten. war schon bewundernswert! Hut ab! Zwischendrin wurden auch mal ruhigere Tne in Gestalt dr Songs "Rotes Haar" und "Merseburger Zaubersprche" angeschlagen und sorgten fr eine Gnsehautatmosphre, die ihresgleichen sucht. Im weiteren Verlauf des Abends kramte man dann Sachen aus lteren Releases aus dem IN EXTREMO-Schatzkstchen. Songs wie "Totus Floreo", "Ai vis lo lop", "Villeman Og Magnhild" und "Spielmannsfluch" wurden vom Publikum so frenetisch abgefeiert, so dass es kein Halten und kein Entkommen mehr gab! berall schwingende Matten und Party pur! Die lteren Sachen gefiehlen den meisten (wie mir) scheinbar besser als die neuen Ergsse. Als die Band am Ende des Sets nochmal fr drei Zugaben zurck auf die Bhne geholt wurde, schien aber immer noch keine ans Heimgehen zu denken und wollte die Band scheinbar berhaupt nicht mehr gehen lassen. Doch nach Ende der Zugaben verabschiedeten sich die vllig am Ende und trotzdem glcklich wirkenden IN EXTREMO mit der Gewissheit, ein hochzufriedendes Publikum hinterlassen zu haben. Mich inklusive. Amen.
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