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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing TURBONEGRO
Ort Weese/Bizarre-Festival
Datum 17.08.02
Autor Markus Sausen
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Oooooohhhhh, I got erection, yes. Endlich war es soweit. Nachdem mein dreiwöchiger Urlaub dank beschissenen Wetters doch sehr unspektakulär verlief, sollte sich nun am letzten Wochenende meines Urlaubes, bei bestem Wetter der absolute Höhepunkt dieser drei Wochen auf dem Bizarre abspielen. Klar, dass man sich dieses Ereignis nicht entgehen lassen kann. Schon Wochen vorher musste ich fasst mein ganzes Hab und Gut verkaufen, um den horrenden Eintrittspreis von 47 € für die Tageskarte zu bezahlen.
Frisch ausgeruht fuhr ich dann morgens noch zum Supermarkt um den Burgener Schwachis, die schon seit Donnerstag dort verweilten und unser Basislager aufgebaut hatten, noch eine Palette Gerstensaft zu besorgen.
Nachdem ich diese verantwortungsvolle Aufgabe mit bestem Gewissen erledigt hatte, holte ich meinen Navigator Dave ab, um in Mendig noch jemand einzuladen. Auf zum Bizarre! Als wir ankamen, fanden wir den Rest des Basiscamps sehr schnell, so dass uns noch ziemlich lange Zeit blieb, um uns seelisch und moralisch auf die Dunkelheit vorzubereiten.
Gegen halb sieben peilten wir dann zur Bühne, denn TURBONEGRO sollten endlich um zehn vor sieben spielen. Eine ziemlich beschissene Uhrzeit, denn wenn die Meister der Dunkelheit spielen, dann sollte es auch gefälligst dunkel sein und nicht helligster Tag.
Es war schon krass, wie viel Leute mit Matrosenmützen oder Turbojugendjacken herumliefen. Sämtliche Turbojugends des halben Erdballs waren vertreten. Auch leider vertreten war eine Horde bespackter Kornfreaks, die wie die Irren vor der Bühne mit ihren Kornfahnen herumschwangen. Es ist sowieso schon eine Unverschämtheit, das Turbonegro als Vorband für solch grauenhafte Kinderbands wie Korn oder hängen gebliebenen Technoaffen wie Faithless spielen müssen, aber dass die minderbemittelten Fahnenschwinger sich bei Turbonegro vor die Bühne wagten, grenzt doch schon fast an Blasphemie.
Um ihre Verbundenheit zum „FC ST. PAULI“ zuzeigen, ließen Turbonegro erst einmal die Fußballhymne „Football is coming home“ laufen, um danach zum Intro von „The Age of Pamparius“ aufzumarschieren und mit besagtem Song loszurocken. Nach „Hello, it’s good to be back!“ erkundigte sich Hank in gewohntem King-Diamond-Look ob das Publikum ihn vermisst habe. Der Rest der Truppe war nicht weniger gestriegelt als Hank, denn Happy Tom kam im Matrosenoutfit, Rune Rebellion als Farmer, Paul Pot Pamparius als Feuerwehrmann und Euroboy mit einer unnötigen SS-Mütze. Das Publikum bekundete die vorher gestellte Frage mit einem lauten „Ja!“, so dass TURBONEGRO direkt mit „Deathtime“ weiterholzten.
Leider ging das Publikum zu diesen Hammer-Songs nicht so sehr ab, was nicht an TURBONEGRO lag, denn diese rockten das Haus, sondern eher an den total schwachsinnigen Wellenbrechern lag. Der nächste Song war „Selfdestructo Bust“, direkt gefolgt von „Back to Dungaree High“. Mit „Are you ready for some Darkness“konnte der absolute Oberhammer folgen, welcher aber live einen Tick zu langsam war.
„Don´t say motherfucker „ und „Just Flesh“sollten als nächstes kommen. Mit dem Kommentar „Kinderficken ist sehr strafbar, aber Happy Tom Are you ready?“wurde von Hank „Midnight Gambola „ angestimmt. Der Turbojugend St. Diago widmete die Band „Zillion dollar Sadist“. „Rendezvous with Anus“ und „Hobbit Motherfuckers“ schloßen sich als nächtes an dieses Bühnenfeuerwerk rotzigstem Deathpunks an. „The Knights with the Sailorcaps“(Turbojugend Deutschland) wurde dann „Sailorman“ gewidmet.Mit Hanks nachpfeifen von „WIND OF CHANGE“began das ihrem Tourmanager gewidmete „BAD Mongo“. Als nächstes folgte mit „Prince of the rodeo“mein persönlicher Lieblingssong, bei dem Euroboy auf Paul Pot Pamparius Schultern sitzend die Finger wund spielte. Mit einem kurzen Fingerzeig auf Euroboy und den Worten „The prince of this homosexual circus“ beendete Hank diesen Hammersong und widmete dann „Good Head“, den vorerst letzten song dem weiblichen til des Puplikums. Nach „Good Head“ verließen die Turboneger die Bühne, konnten jedoch nicht alzulange hinter der Bühne verweilen, da das aufgebrachte Puplikum nach einer Zugabe verlangte. Binnen kürzester Zeit stolzierte dann Hank mit einem Dreispitz und einem Fernglas auf der Bühne herum um Ausschau nach einigen barbusigen Frauen ausschau zu halten. Als diese Mission mangels breitwilliger Frauen zu scheitern schien, wurde erstmal „Get it on“ gespielt, wobei Paul Pot sich bei diesem Lied und der nächsten Zugabe extra noch einmal die Klampfe umhing. Der absolute Höhepunkt des Abends sollte jedoch jetzt erst auf dem Programm stehen.“ I got erection“ wurde angestimmt, und es war in der Tat ein „hocherotisches“ Erlebnis auf Großleinwand zu verfolgen, wie Hank seine Hosen herunter ließ um sich den Feuerwerkskörper in den Anus zu schieben und seine Arschrackete starten zu lassen. Mit „I got erection endete dann auch dieser „gaygantomanische“ Auftritt der Turboneger, die zu guter Letzt natürlich nicht umhin kamen, jedem die frohe Botschaft ihrer Reunion mitzuteilen. Hoffentlich werden noch einige Gigs in diesem Jahr folgen.

Fazit: Ein ultrahammergöttlicher Gig! Mit eines der besten Konzerte, die ich je gesehen habe. Einzigst „Are you ready...“ war eine Spur zu langsam und es hätten noch einige ältere Hits kommen können.

Nachdem das Thema TURBONEGRO jetzt abgehandelt ist, will ich euch den Rest meines Abends auf dem Bizarre nicht vorenthalten. Weil ich mir noch ein T-Shirt der Skandinavier kaufen wollte sammelte ich zur Aufbesserung meiner Finanzen noch einige Pfandbecher ein und konnte so doch noch einige Eindrücke von dem ach so bizarren Bizarre Festival ergattern. So kam ich auch in den ultimativen Genuss während der Finanzierung meines Shirts noch nebenbei die Urväter des Nu Metal KORN live zu sehen. Da Nu Metal aber sowieso unnötig ist folgt daraus, dass dieser Gig natürlich auch unnötig war. Zehntausend tanzwütige Vollgasidioten taten es dem Sänger gleich und verschränkten die Arme über dem Kopf, während sie rumbangten. Die ganze Situation ließ mich dann doch sehr an „Follow the blind“ denken. Von diesem ganzen Elend hatte ich schon nach weniger als 5 Minuten genug (allesamt in einen Sack gesteckt und mit einem Knüppel draufgehauen, es hätte immer den Richtigen getroffen) und so peilte ich noch ein wenig über das restliche Gelände. Was dort alles für unnötige Stände auf dem Festivalgelände verteilt war, geht auf keine Kuhhaut. Von Hippie-Klamotten über Smirnoff-Eis bis hin zu „haste nicht gesehen“ was weiß ich nicht noch für unnötigem Scheiß konnte man hier alles käuflich erwerben. Das „Kaufhaus des Westens“ wirkt wie ein Tante Emma Laden im Vergleich zu diesem gigantischen Warenangebot. Selbst die „TUI“ hatte einen Stand aufgebaut, was aber nicht schlecht war, denn wenn sich jemand drei Tage bis auf wenige Ausnahmen grottenschlechte Musik reinzieht, ist der wirklich reif für die Insel. Auch von diesem Elend überdrüssig, begab ich mich wieder an die Arbeit einige Becher einzusammeln. Als ich an einem Hangar vorbeipeilte, hatte ich das „Vergnügen“ den fetten Beats und Rhymes von „Sammy Deluxe“ zu lauschen (für ihn wäre bestimmt auch noch Platz in dem Sack gewesen). Als ich dann noch dazu zig Horden „Hip-Hopper“ herumtanzen sah, hatte ich endgültig die Schnauze voll, so dass ich mich schnurstracks am Bungee-Kran und der Kartbahn vorbei direkt zum Ausgang ging und zum Basiscamp begab. Gegen 10 Uhr hatte dann mit „Faithless“ auch für die Techno-Affen-Gemeinde die Stunde zum Abraven geschlagen. Knapp 2 Stunden lang war nichts anders als „bumm, bumm, bumm, drerrrrrrr“ und beschissenen Wortfetzen wie „God is a DJ“ zu hören. Was bitte schön haben Faithless auf solch einem Festival zu suchen? Wenn ich Techno hören will (was ich nie tat, nicht tue und auch nie tun werde), fahr ich auf die „Nature-One“ und nicht aufs „Bizarre“. Gegen halb 2 war ich des ewigen Abhängens am Basiscamp und der schlechten Musik absolut überdrüssig und so trat ich mit meiner Crew den Heimweg an

Fazit: Ein Durch und Durch kommerzielles Fest mit Preisen, die sich gewaschen haben. 47 Euro für eine Tageskarte sind schon Wucher, aber 85 Euro für 3 Tage und fast nur „lari-fari Weicheigeseiermusik sind der Hass. Tja werte Leserschaft, wer nicht von Beruf Sohn oder Tochter ist, seinen Körper für teures Geld auf dem Strich verkauft oder sonst einen Sponsor hat, der ist hier schon ziemlich arm dran. Aber bei dem größten Teil des Publikums ist dies relativ egal, denn es macht schon Eindruck mit einem Bizarre-Armband vor seinem minderbemittelten NU-METAL- oder ach so ALTERNATIV-Freundeskreis herum zu prolletieren (außerdem hat Papa ja ein dickes Portemonnaie). Da ich leider nicht von Beruf Sohn bin und auch keinen sonstigen Sponsor habe, werde für einen solch kommerziellen Mist nicht meinen gestählten Körper verkaufen und dies war somit mein letzter Besuch auf dem Bizarre-Festival.

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