Die deutsche Metalinstitution Grave Digger machte schon des öfteren einen Stop im Juz in Andernach. Der Gitarrist Manni Schmitt ist schließlich ein geborener Andernacher und man scheint sich in dem Schuppen auch recht wohl zu fühlen. Circa 370 zahlende Gäste lockte das Dreierpackage mit zwei jungen Vorbands auch 2009 an, wo das Konzert im VVK faire 18 € kostete.
Der Reigen startete mit den Mitzwanzigern Taletellers einem ungestümen deutschen Quartett, welches musikalisch eine Mischung aus Rotzrock skandinavischer Bauart der Marke Turbonegro, Hellacoptersund klassischem Metal spielte. Diese leicht mitgrölbare Mischpoke animierte auch das zunächst reservierte Publikum zu kleinen Animationen und mit Songtiteln wie "Bad Motherfucker" oder "Rock 'n Roll Detonator" weiß man ,wenn man die CD in der Hand hat direkt was Sache ist. Musikalisch war die Chose sicherlich nett, aber gepackt haben mich die Kompositionen nicht! Taletellers sind nicht schlecht, aber irgendwie etwas vorhersehbar, so dass nach zwei, drei Liedern alles gesagt war. Für einen Gig von einer halben Stunde ist das in Ordnung, aber für mehr (noch) nicht.
Die Schotten von Alestorn haben schon etwas Wirbel in der Metalszene ausgelöst und das liegt meiner Meinung nach viel am Artwork und ihren Promofotos, wo sie frech bei Running Wild klauen und es etwas auf Schottland ummünzen. Textlich beschäftigen sie sich auf ihrem Album und der neuen EP ebenso mit diesem Thema. Sie nennen sich selber "True Scottish Pirate Metal" und einige junge Fans sind in vollem Piratenkostüm angetreten. Karneval ist ja auch bald! Deshalb habe ich viel erwartet!Doch es kam ganz anders, zwei junge, schmächtige und nicht sehr große Kerlchen kamen auf die Bühne. Der eine, Sänger Christopher Bowes hat sich ein tragbares Keyboard umgeschnallt, was mich an die Faves meiner Kindheit Modern Talking erinnerte. Gitarrist und Bartträger Dani Evans ist erst seit 2008 dabei und ein kleines, dicker Männchen, quasi das Alefässchen der Band. Alestorm ziehen dann geschätzte 40 Minuten ihr Ding durch und hören sich für mich sehr unspektakulär an. Man mische finnischen Battle Metal a la Turisas mit etwas schottischem Flair und klauen den auf CD sehr penetranten Keyboardsound von Turisas 1:1. Der dudelte dann so nervig durch die ganzen Songs, die übrigens gar nichts von Running Wild haben, dass es mir noch langweiliger als bei der ersten Vorband wurde. Bis 2006 nannten sich die Musiker noch Battleheart. Optisch boten die vier Buben nichts! Die Bühne war wegen der Aufbauten des Headliners dazu super eng und es bot sich folgendes Bild: Der Drummer arbeitete, die restlichen Drei hatten das Charisma von Einkaufstüten. Wer solche Promofotos macht und dann so dröge agiert, enttäuscht. Im Endeffekt war das im Vergleich zu früheren Grave Digger Touren, wo schon Hammerbands wie Symphorce und Wizard dabei waren ein kleines Ärgernis. Da konnten die Grabschaufler nur gewinnen und taten das auch!
Grave Digger sind seit einiger Zeit zu sechst und haben mit Thilo Hermann (ex Running Wild) einen starken Songwriter in der Band, der schon auf dem neuen Album gute Impulse und Riffs platzieren konnte. Hermann durfte auch bei Alleinschreiber Rolf Kasparek und seiner Fregatte in der Vergangenheit als einziger Musiker etwas zu der Musik von Running Wild dazu steuern. Auf der Bühne war so wieder mehr los. Den armen Keyboarder HP Katzenburg ließen die Bühnenaufbauten (?) hinter zwei Boxen verschwinden und so stapfte er nur zu Beginn des Konzertes ohne Makeup, aber mit Reaperkutte über die Bühne und ward danach nicht mehr richtig gesehen. Die 2 Metallträger in Form von Rechtecken erinnerten an die Aufbauten, die Gamma Ray vor paar Jahren in Bonn hatten und holten meiner Meinung nach der Bühne einiges an Platz weg. Auf dem Balkon des Clubs hatten viele Freunde und Verwandte der Band nebst Kinder Platz genommen und bekamen eine sehr außergewöhnliche Setlist geboten, die einige Überraschungen enthalten hat. Neben unverzichtbaren Standards sorgten B-Seiten und "unbekanntere" Stücke wie "Wedding Day" und "The House" oder das ausgegrabene "Witch Hunter" für Kurzweil. Die Jungs haben so viele Alben, da kann man schon mal gut mischen. Zwei oben auf den Boxen drapierte Feuersäulen (Pyros) sorgten für Hitze, während die Lichtshow relativ gut war. Dreh-und Angelpunkt der Show ist natürlich Sänger Chris Boltendahl und der freundliche wie stattliche Manni Schmitt, die einfach eine starke Bühnenpräsenz haben. Unauffällig und nordisch stoisch wie immer ist Bassist Jens Becker. Seinen Platz noch finden muss der neue Gitarrist Thilo, der ja einige Jahre in "Rente" war. Erst hätte ich ihn mit der Kurzhaarfrisur und den Kilos mehr auf den Rippen gar nicht erkannt! Er wirkte (noch) etwas unsicher auf mich und war am Ende doch etwas aus der Puste. Aber mit zwei Klampfen klangen Grave Digger einfach besser und knalliger. Frontmann und letztes Originalmitglied, die graue Eminenz, Chris Bolthendahl wirkte vital und laberte nicht unnötig rum. Auch ist der abstinente Musiker nicht mehr so dürr und klapprig wie früher, aber immer noch mit einer markanten Röhre gesegnet. So war es dann ein gutes, sehr lautes Konzert, wo als letzter Song natürlich "Heavy Metal Breakdown" intoniert wurde!
Setlist Grave Digger
Ballad Of A Hangman
Valhalla
Hallo Of Disillusion
Wedding Day
Witch Hunter
Lionheart
Silent Revolution
Stormrider
The Last Supper
Headbanging Man
The House
Knights Of The Cross
My Blood Will Live Forever
The Dark Of The Sun
Excalibur
Rebellion
The Reaper
Pray
HM Breakdown