Navigation
                
22. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing KNORKATOR
Ort Andernach, JuZ
Datum 08.11.08
Autor David Lang
>> Als E-Mail versenden

Weg nach unten - Auf (Wieder) Hren

... war das Motto der finalen Knorkator Tour, inklusive eines durchgestrichenen "Wieder"s, womit auch klar sein drfte, dass die Berliner es durchaus ernst mit ihrem Ende meinen. Die letzten Trnchen verkniff ich mir dann hchst selbst im Jugendzentrum zu Andernach. Ich bin niemand der furchtbar hufig auf Konzerte geht und doch kann ich wohl behaupten schon einiges gesehen zu haben. Fast alle meine Lieblingsbands waren schon dabei + einige Bands, die man "gesehen haben sollte". Metallica, Maiden, Manowar, Priest und Slayer waren schon dabei, doch all das sollte an einem Samstag im November 2008 mal eben getoppt werden. Knorkator baten zum letzten Tanz (in unserer Gegend), und obwohl ich die Berliner als eine meiner absoluten Lieblingsbands schon einige male gesehen hatte, so kann ich hier bereits zu Beginn festhalten, dass dieses Konzert das beste war auf dem ich je gewesen bin. Knorkator live Knorkator live

Doch von vorne: Das JUZ in Andernach war, als wir (meine "Princesa" und ich) gegen 19 Uhr dort eintrafen bereits belagert von vielen Fans und schon hier zeigte sich wieder ein Teil des Phnomens Knorkator: vom "unscheinbaren Normalo", ber in Lack und Leder gewandte Freunde der Nacht, bis hin zum kuttetragenden Metaller war hier einfach alles vertreten. Knorkator machen keine Musik fr eine bestimmte Szene, Knorkator machen Musik fr Freunde der Musik. Damit meine ich gewiss keine Musikstudenten, sondern einfach nur Menschen, die einen fantastischen Musikgeschmack haben (war das jetzt mehr Eigenlob oder Bauchpinselei fr die Band???). Nachdem ich ein extrem unterhaltsames Interview mit Mastermind Alf gemacht hatte, sollte es gar nicht mehr lange dauern, bis "Deutschlands meiste Band der Welt" die Bhne betrat. Mit "Das Lied" vom Zweitwerk "Hasenchartbreaker" wurde der bunte Reigen erffnet. Wie zwei riesige Schneeflocken sahen Alf und Stumpen in ihren monstrsen Tllkleidern aus. Hand in Hand sangen sie die grandiosen Melodien und schon hier war mir klar, das der Abend etwas Besonderes werden sollte. Es dauerte nicht lange und schon gab es den ersten "Streit" mit einem Fan im Publikum. Charmant wie immer schrie Stumpen den Unruhestifter an, er solle die Show selber schmeien. Nachdem die Band geschlossen die Bhne verlassen hatte, betrat der Gute schlielich selbige, um sich an Alfs Requisiten zu vergehen. Das wiederum passte Monsieur Stumpen gar nicht und so fand sich der Pursche alsbald auf den Schultern des kleine Sngers wieder, wurde gefhlte 2 Minuten im Kreis gewirbelt und schlingerte danach ins Publikum. Wer Chef im Ring ist war somit geklrt, also konnte es auch gleich weiter gehen. Die Band feuerte einen Hit nach dem andern in den Mob und bercksichtigte dabei smtliche Schaffensphasen. Doch neben publikumswirksamen Krachern wie "Wir werden alle sterben", "Ich bin ein ganz besond'rer Mann" (und wieder hat die Konfetti-Kanone versagt... rgerlich, das) oder "Der ultimative Mann" war es heute Abend mehr denn je die Interaktion mit den Fans, die dieses Konzert unvergesslich machen sollte.

Knorkator live Knorkator live

So wurde z.B. ein weiblicher Fan auf die Bhne geholt, der eine kleine Laterne mit "dem Buchstaben" (Fans wissen Bescheid) gebastelt hatte. Das Mdel durfte mit Stumpen hchst selbst ein wenig Licht ins gedimmte Rund bringen. Eine andere Dame traute sich nicht in die Fans zu diven, bekam jedoch Untersttzung (im wahrsten Sinne des Wortes) von Deutschlands meistem Snger, der sich als Brcke zwischen Bhne und Zuschauerraum zur Verfgung stellte. Neben dem Schulter-Pogospektakel (habt ihr mit Sicherheit so bisher nur im Freibad gesehen) war jedoch die Wall Of Death ein klares Highlight. Knorkator wren nicht Knorkator, htte die Band hier nicht noch ein kleines Handicap vorbereitet. Nicht dass die Menge in der Mitte geteilt worden wre, nein, links von der Bhne standen geschtzte 300 Jungs und rechts, ihr habt es bestimmt schon erraten ein paar Mdels (ca. 30!). Die wurden fairer weise (!) jedoch von einer Reihe Mnner "beschtzt"... wenn man das dann so nennen mag. Auf Stumpens Kommando drckte die (reine) Mnnerseite nmlich den rechten Flgel beinahe durch die Toiletten. Sah von oben nicht ganz ungefhrlich aus. Apropos von oben: unser beider Superplan, das Konzert in Ruhe vom Balkon aus zu genieen, wurde jh von Sir Stumpen unterbrochen, der mir auch gleich zu ungewolltem Ruhm verhalf. Den Monolog mchte ich euch nicht vorenthalten:

Knorkator live Knorkator live

"Da oben, da stehen nur unbenutzte Frauen und unbenutzende Mnner. Seh ich das so richtig, Mdchen?". Steffi schttelt den Kopf. "Wirst du benutzt? Wird deine Scheide benutzt?". Steffi nickt stolz. "Von ihm?" (zeigt auf mich), "Du Sausack! Du Fotzeficker!", (dann zum Publikum) "Dreht euch ma wieder um und ruft jetzt im Chor: "Fotzeficker!". Der darauf erschallende Beleidigungs-Chor erfllte mich irritierender Weise mit ein wenig Stolz.

Natrlich hat diese Aktion nicht unwesentlich dazu beigetragen, dass dieses Konzert in meiner persnlichen Bestenliste die Pole-Position eingenommen hat, doch auch abgesehen vom Fotzeficker-Fauxpas war der letzte Stopp im JUZ meiner Wahl ein denkwrdiges Erlebnis. Da der reine Merchandising Verkauf offenbar nicht gengend Geld abwirft, bat El Stumpo die Fans um eine milde Gabe, die geflligst auf der Bhne zu landen habe. Der anschlieende (Klein-) Geldregen, der auf den Schwerst-ttowierten einprasselte, schmerzte schon vom reinen Hinsehen. Nach gefhlten 2 Stunden Entertainment de luxe (drfte tatschlich hin gehauen haben) ging der Abend leider seinem Ende zu, doch so werden Knorkator definitiv fr immer in den Herzen der Fans bleiben. Tausend Dank dafr!

<< vorheriges Review
OPETH & CYNIC & THE OCEAN - Kln, Live Music Hall
nchstes Review >>
LIZZY BORDEN, MARTYR & FATAL SMILE / VIRON - Essen, Turock / Frankfurt, Die Halle / H [...]


Zufällige Reviews