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23. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MOTÖRHEAD, SAXON, DANKO JONES
Ort Stadthalle, Offenbach
Datum 02.12.2008
Autor Christian Schäfer
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Anfang Dezember war Mutter in Offenbach. Nicht meine leibliche Mutter und auch nicht Mutter Theresa Kalkutta oder Mutter Jutta vom Krabbenkutter (Höhö! Witzig, gell?), sondern die Mutter aller zeitgenössischen, wenn auch nicht bzw. vor allem nicht zeitgemäßen Röck'n'Röllbands. MOTÖRHEAAAAD! Und da keine Mutti allein durchs gefährliche Offenbach marschieren sollte - immerhin ist dies die Stadt mit den meisten Privatinsolvenzen in Deutschland -, kamen MOTÖRHEAD in Begleitung zweier Kapellen, die für sie die ohnehin gute Stimmung des Abend zusätzlich befeuern durften: SAXON und DANKO JONES.

Saxon live Saxon live DANKO JONES waren es auch, die den Abend um kurz nach 19:00 eröffneten. Rock'n'rolliger Punk mit markigen Sprüchen und großen Gesten vor weitgehend leerer Hütte - nicht schlecht, aber auch nicht so richtig toll. Und schon gar nicht das, wofür ich an diesem Sauwettertag aufgestanden bin. So pünktlich wie sie kamen verschwanden sie auch wieder, die drei Rabauken aus Kanada, und das war gut so.

Nach ca. 20-minütiger Umbaupause kamen SAXON. Bei bester Laune und Spielfreude boten die ehrenwerten Veteranen des cock rock, wie man ihre Musik in England mit leichtem Augenzwinken nennt, ein tolles Programm. Alte und neue Hits wurden spontan abgewechselt - kein Wunder, von beiden haben SAXON im Laufe ihrer langjährigen Karriere genügend geschrieben und aufgenommen. Kalkuliert man das Alter der Sachsen ein, so verwundern und beeindrucken deren noch immer große Fitness und die immer präsente Stimme von Mr. Byford gleichermaßen. Auch wenn diese - es mag am bereits genannten Alter oder den doch sehr knapp bemessenen Beinkleidern liegen - die hohen Töne nicht mehr so sicher trifft und immer wieder von einer echt lauten Schießbude übertönt wird. Offenbar war der Mann im Mixer kurz auf dem Pott oder am Telefon, aber hier hätte der echt mehr für Band und Publikum tun können. Drauf gepfiffen, die Anwesenden im Saal störte es nicht, und so wurden "Wheels Of Steel", "Princess Of The Night", die Überhymne "Denim And Leather" und die neue Single "Live To Rock" gleichermaßen abgefeiert. Herrlich, herrlich. Dann erneute Umbaupause, kurzer Soundcheck, Licht aus, Stimmung hoch!

Motörhead live Motörhead live MOTÖRHEAD betreten die Bühne. Mit der üblichen Begrüßung "We are MOTÖRHEAD and we play Rock'n'Roll! 1-2-3-4!" geht's los. Die gesamte Lautstärke wurde noch mal deutlich angehoben, der Sound standesgemäß etwas breiiger und die Stadthalle kochte. Das sehr gemischte Publikum brüllt die großen Hits ("Metropolis, "Stay Clean", "Bomber") wie ein Mann mit, in Ehren ergraute Headbanger stehen mit speckigen Kutten neben ihren Kindern oder Enkelkindern und alle zusammen haben richtig viel Spaß. Genau wie die drei alten Recken auf der Bühne, die sie immer wieder anfeuern. Ein kleiner Schwachpunkt in dem grundsoliden Set der MOTÖRHEADs war das an sich nicht richtig schlechte, allerdings völlig überflüssige Gitarrensolo von Mr. Campbell. Sorry, guter Mann, aber die Kitschnummer brauchte nun wirklich kein Mensch. Ganz abgesehen von dem Bild mit dem Pferd, das während der Nummer auf den drei Leinwänden eingeblendet wurde. Zum Glück währte der Spuk nur kurz und es ging weiter wie gewohnt. Zu erwähnen ist an dieser Stelle "Another Perfect Day" vom gleichnamigen Album. Diese Platte wurde seinerzeit nahezu ausnahmslos verrissen und ist auch heute vielen Fans eher unbekannt. Dennoch war die Resonanz nicht schlecht, ebenso wie beim Gassenhauer "Killed By Death", bei dem Mr. Jones aus dem Vor(abend)programm mit auf die Bühne und dort ein wenig rumposieren durfte. Das Mikro, das er vermutlich zum Singen mitgebracht hatte, war entweder nicht eingestöpselt oder unser Freund vom Mischpult war gerade Bier kaufen, jedenfalls hörte man den armen Kerl nicht und die meisten der rund 4500 Zuschauer dürften sich gewundert haben, wer der Glatzkopf mit den weiten Hosen war.

Motörhead live Motörhead live Später folgte dann noch die Gänsehautnummer "In The Name Of Tragedy", bei der Trommelgott Mikkey Dee beweisen durfte, dass er in Metalkreisen nicht umsonst als einer der besten seines Faches gehandelt wird. Sagenhaft, was der Mann hier abzog! Nach einem kleinen Pillerpäuschen traten MOTÖRHEAD noch mal an um den Sack zu zumachen: Mit "Whorehouse Blues" vom Album "Inferno" gab's eine Akustiknummer, bei der Phil Campbell und Mikkey Dee Gitarre bzw. Gitarre und Bassdrum spielten, während His Lemmyness himself sang und Mundharmonika spielte. Obergeil, völlig anders, ein Bekenntnis zu ihren Wurzeln und den Wurzeln des Rock'n'Roll überhaupt: ein klassischer, zwölftaktiger Blues. Dargeboten auf blutrot ausgestrahlter Bühne war dies mein persönliches Highlight an diesem Abend. Die hierauf folgenden Rausschmeißer "Ace Of Spades" und "Overkill" durften nicht fehlen und rundeten einen ohnehin schweinegeilen Abend sauber ab. Wir freuen uns auf's nächste Mal!

Bilder Saxon: Christian Schäfer
Bilder Motörhead: Britta Stippich
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