Navigation
                
19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing PARTY.SAN OPEN AIR XIII
Ort Bad Berka
Datum 08.-10.08.2002
Autor Andre Kreuz
>> Als E-Mail versenden
Eins vorne weg: Wir haben den Donnstag, also den ersten Tag des Geschehens leider komplett verpasst, da mein Kumpel und Fahrer Stephan Donnerstags noch nicht von der Schaffe wegkam und ich, sozial- und sprittechnisch hoffentlich verständlich, keinen Bock hatte, allein zum Friedensfest zu gurken.
Ich kann also dementsprechend nur auflisten, wen ich denn da gesehen hätte, wäre das Schicksal gnädiger mit mir gewesen: GOMORRHA (D), PROFANITY (D), NIGHT IN GALES (D) und HYPNOS (CZ). Richtig geärgert hat mich das wegen der letztgenannten Combo, HYPNOS, da die Jungs für mich eine der geilsten und frischsten Death-Metal-Truppen der Gegenwart sind und ich die wirklich verdammt gerne mal auf der Brettern erlebt hätte... Aber es hat nicht sollen sein, echt schade!
Der Freitag ging denn auch direkt gut los, nämlich mit einer ganzen Menge Dosenbier auf dem Weg in den Osten und so kam es, dass meine mittlerweile schon als legendär zu bezeichnenden Navigationskünste uns dummerweise zu einer Stadtrundfahrt durch Frankfurt einluden, grandios! War aber nur ein kleiner Umweg von ca. 150km oder so und da der Sprit ja bekanntlich nix kostet... Wer sich das mal veranschaulichen will: Man nehme eine Landkarte und suche die kürzeste Strecke zwischen Koblenz und Erfurt raus und -oh Wunder!- weit und breit kein Mainhattan in Sicht! Dementsprechend spät kamen wir dann auch am vorgerückten Abend auf dem Festivalgelände an, das sich doch erheblich von der Location des Fuck the Commerce unterschied: Eine Riesen-Wiese kurz außerhalb des Örtchens Bad Berka, auf dem man das Campinggebiet und den Bühnenbereich errichtet hatte. Konnte man also ohne Umschweife sein Zelt aufbauen und musste dafür, wie sich das in meinen Augen gehört, keine zsätzlichen Gebühren bezahlen. Theoretisch könnte man sich also ein lockeres Campingwochenende machen und sich von der nicht weit entfernten Bühne beschallen lassen, ohne auch nur eine müde Mark loszuwerden. Aber dafür sind wir sicher nicht 350km gefahren und obwohl der Abend schon recht fortgeschritten war und der Sound an unserem Zeltplatz (und erstaunlicherweise im Auto noch mehr) richtig gut war, sind wir dann mal zur Kasse getingelt und haben angefragt, ob wir denn mit einem Ticket für morgen (Samstag) auch heute (Freitag) noch reinkämen, da schließlich nur noch zwei Bands spielen würden. Aber nix da! Ordnung muss sein! Entweder das Ticket für das komplette Wochenende oder das für Sonntag, preislicher Unterschied sieben Euro. Da ich aber DIE APOKALYPTISCHEN REITER und BORKNAGAR doch ganz gerne sehen wollte, bissen wir also in den sauren Apfel und zahlten. Eins muss hier allerdings noch erwähnt werden: Das Personal, auch das vorne am Eingang, war absolut freundlich und zuvorkommend! Da war ich wirklich mehr als positiv überrascht, meinen Respekt!
Vor dem eigentlichen ersten Ansatz eines Liveberichtes meinerseits muss ich aber wiedermal kurz klären, was uns auch heute (Freitag) durch die Lappen gegangen ist: VENERAL DISEASE (D), ATANATOS (D), HOUWITSER (NL), VIU DRAKH (D), BEWITCHED (SWE) und DEFLESHED (SWE). Man sieht: Wieder fast der ganze Tag für den Eimer... Angekommen sind wir kurz vor BEWITCHED auf dem Campingareal und das, was ich von den Black'n'Rollern mitbekommen habe, hat sich echt cool angehört! DEFLESHED hingegen waren mir vom letzten FTC bekannt und bis auf einen Song, dessen Titel ich jetzt leider vergessen habe, kann ich mit den Schweden eh nicht besonders viel anfangen. Ärgerlicher war da schon, dass wir HOUWITSER verpasst haben, die ich gerne mal mit richtig fettem Sound gehört hätte, das letzte mal in Ludwigshafen hatte es daran leider etwas gekrankt. Aber et is wie et is, en krumme Arsch gibt krumme Schiss! Blieben folglich nur noch die REITER und BORKNAGAR und die wollte ich nicht auch noch verpassen! Von den REITERN hatte ich zwar schon einiges gelesen, was von ihnen gehört, geschweige denn sie mal live gesehen allerdings nicht. Und was habe ich da verpasst!!! Schon der Aufzug der Truppe war sehenswert: Energetischer Gitarrist (oder war's der Basser?), ein Sänger, der mich stark an irgendwelche Hare-Krishna-Hampelmänner erinnerte und ein Keyboarder, der so stoisch unbewegt da stand wie eine Schaufensterpuppe. Lediglicher der Mann am Bass (oder Gitarre??) erschien etwas bleich. Die Truppe, die in ähnliche Richtungen schielt wie beispielsweise IN EXTREMO (und doch ganz anders ist) hatte die Menge vom ersten Ton an fest im Griff und die Stimmung vor der Bühne kann man einfach nur als hammergeil bezeichnen! Obwohl ich keinen einzigen Song kannte, war ich doch recht schnell von der Energie und dem Spaß der Truppe begeistert und erwischte mich dabei, die Chose von vorne bis hinten mit einem breiten Grinsen beobachtet zu haben. Die Höhepunkte der Show hatten sich die REITER anscheinend für den Schluss aufgehoben. Los gings mit "Heavy Metal will never die", MANOWAR wären stolz auf die Burschen gewesen! Die Stimmung und die allgemeine Atmosphäre wurde noch mehr angeheizt, mitgrölende Fans allerorten, selten geiles Lied, muss ich haben! Und als wäre das noch nicht der emotionale Overkill, setze die Combo mit zwei Covern der besonderen Art noch einen oben drauf: "Dschingis Khan" und "Was sollen wir trinken"! Besonders ersters war ein Hammer vor dem Herrn, alleine sich den Sänger anzugucken, wie er da auf der Bühne rumgeflitzt ist, war schon mehr als sehenswert! Und dementsprechend ging denn auch nochmal richtig die Post ab. Eben wie die Band selber sagt: "Reitermania is good for you!" Auf jeden Fall! Kann man so stehen lassen! Ich weiß schon, welche CD ich mir als nächstes kaufen werde!!
Tja, da sollten es BORKNAGAR dann recht schwer haben und das hatten sie es zweifellos auch! Ich find die Mucke der Norweger echt gut, aber ganz verstanden, warum ausgerechnet die auf dem Party.San den Freitags-Headlinder stellen, hab ich nicht. Dafür ist die Musik meiner Meinung nach zu unpassend und auch die Stimmung, die kurz vorher noch die Wiese zum Kochen gebracht hatte, war größtenteils den Bach runter. War zwar immer noch gut was los, aber das sah doch recht dunkel gegen ihre Vorspieler aus. Als Opener fungierte der Opener des letzten Meisterwerkes "Empiricism", und zwar "The genuine Pulse". Im weiteren Verlauf des Sets musizierten sich die Skandinavier munter durch ihre mittlerweile schon fünf Platten und ließen dabei, sehr zu meiner Freude, nicht mal das noch recht Black-Metallische selbstbetitelte Debüt aussen vor. Vom aktuellen Album kamen neben dem erwähnten noch "Gods of my World" und "Soul Sphere" zum Zuge.


                                                      (Borknagar)
Was ich bisschen vermisst habe, war "Inherit the Earth", zumal der Track zu den besten auf "Empiricism" zählt. Auffallend an der Truppe war allerdings, dass alle Mitglieder doch recht füllig aussahen, was daherkommen könnte, dass -Achtung! Gemeingefährlicher Kalauer!- sie zuviel an der BORKe geNAGt haben! Hahahahaaaaa, haha, ha. Und dass sie irgendwie nicht die tollste Live-Band zu sein scheinen, das Stageacting kam doch etwas steif rüber. Besonders der Keyboarder schien, wenn er nicht grade den Klimperkasten am Bedienen war, nicht recht zu wissen, was er mit seiner freien Zeit anfangen sollte. Also Bangen bis der Arzt kommt.
Nach dem Gig ging ich zum Zelt zurück, um meine Mitstreiter wieder aufzugabeln, die ich irgendwann verloren hatte und mit ihnen den Abend Richtung Dilirium zu verabschieden. Im Bühnenbereich war derweil noch Metal-Disco, so dass wir uns sehr zu meinem Vergnügen und zum Leid meiner beiden Kumpels noch schön von den Warriors of the World beglücken lassen konnten.
In der (kurzen) Nacht ist dann unser Zelt fast weggeflogen, so übel hatte es da draußen im Gebälk gekracht und der Regen trug sein übriges dazu bei, die Angelegenheit noch etwas kuscheliger zu machen... Aber das war mir zu dem Zeitpunkt relativ egal!
Was sich in der Nacht angedeutet hatte, sollte sich Samstags in aller Frische bewahrheiten: Regen, Regen und noch mehr Regen! Schöne Scheiße. DRAUTARN (D) haben wir uns deswegen nicht gegeben und sind erst kurz danach, als es mal etwas weniger schiffte, gen Bühne gematscht. Eine Wiese zum Campen ist ja gut und schön, aber die Wege verwandelten sich ob des Wetters recht schnell in Woodstocksche Schlammbäder. So begutachteten wir erst einmal die Merchandise-Stände und hofften inbrünstig, dass bald mal Schluss mit dem Mistwetter sei. Aber von wegen, OBSCENITY standen auf der Bühne und das goss immer noch munter weiter! Dennoch hielt uns nix mehr im Trockenen, da die Jungs einfach nur ballern wie die Hölle! Vor der Stage ging wetter- und uhrzeitbedingt allerdings nur wenig ab, was mich aber dennoch nicht davon abhielt, meinen Spaß zu haben. I'm banging in the rain... Und ich sage euch: Petrus steht auf OBSCENITY! Denn kurz drauf hatte der Murks ein Ende und der Regen hielt mal kurz inne, so dass Granaten wie "Disgrace over you", "Sensation mongering", "Utter disgust", "Bleed for me", "The Arrival", "Blessed by Nature" oder "Cold blooded Murder" doppelt Laune machten! Und, wie man an den Tracks hier sieht, boten auch OBSCENITY einen Rundumschlag durch alle bisherigen Alben zum Besten, was auch dankbar angenommen wurde.


                                                      (Obscenity)

MAZE OF TORMENT (SWE) haben wir verpasst, weil wir Bier oder Essen oder Kippen oder alles auf einmal tanken mussten, zu den deutschen MY DARKEST HATE waren wir aber glücklicherweise wieder rechtzeitig am Start. Und das coole bei relativ neuen Bands, die erst ein Album draussen haben, ist immer, dass man eigentlich jeden Song kennt und dementsprechend abgehen kann! Wenn man die Kerle da so auf der Bühne posieren sieht kann man sich allerdings schon fragen, warum zum Geier die sonst Power Metal machen?! Denn Fakt ist, dass die ihr Set einwandfrei runterholzten und dabei ne Menge Fun gehabt zu haben schienen. So wurden auch zwei oder drei Stücke vom in Bälde erscheinenden Nachfolger vorgstellt, die nahtlos an das "alte" Material anknüpfen und dementsprechend positiv aufgenommen wurden.


                                                      (My darkest Hate)

Bei DEW SCENTED (D) traten wir wegen fortschreitender Nässe ein weiteres Mal den Rückzug an, um uns auch von innen nass zu halten. Eigentlich schade, denn der frische Thrash der Band hat schon was für sich. Danach war ich allerdings sehr gespannnt, wie sich et Rachel bei den SINISTERs machen würde! Und wie die sich macht! Echt erstaunlich, dass das Gegrunze tatsächlich von einer Frau kommt, und zwar richtig gut! Da muss wohl mancher männliche Konkurrent zurückstecken und den Hut ziehen, das steht mal fest. Gespielt wurde das, was die Holländer eigentlich immer zum Besten geben, sprich "Diabolical Summoning", "Aggressive Measures", "Sadistic Intent" und "Bastard Saints". Dass hier technisch kompromiss- und fehlerlos zu Werke gegangen wurde, brauche ich wohl keinem sagen. Die Meute nahm den Auftritt begeistert entgegen, so dass eigentlich keine Wünsche offen blieben.
Danach sollten die Landesgenossen CALLENISH CIRCLE an der Reihe sein und jetzt natürlich einen schweren Stand haben. Dennoch wussten sie zu überzeugen, zumal sich ihr Songmaterial wirklich nicht verstecken muss! Allerdings stach der stilistische Unterschied schon ziemlich hervor, vom brutalen zum eher melodiösem Todesblei eben. Das Erstlingswerk wurde (mal wieder und wenn ich mich nich irre) aussen vor gelassen, der Schwerpunkt lag ganz klar auf dem aktuellen Silberling "Flesh_Power_Dominion". Hiervon gab es u.a. "Obey me", "Witness your own Oblivion" (geil, geil, geil!!!!) und das fast schon obligatorische DEATH-Cover "Pull the Plug" auf die Lauscher. Vom in meinen Augen besseren Vorgänger "Graceful... yet forbidding" stach besonders dessen Opener "No Reason" hervor, der nach wie vor zum Besten gehört, was CALLENISH CIRCLE bisher verbrochen haben.
Um kurz vor Neun standen dann die Norweger RAGNAROK auf der Stage. Übelst blutbeschmiert, ketten- und antikreuzbehangen und natürlich mit Corpsepaint versehen. Ich kenne leider nur das letzte Album der Black Metaller, "In Nomine Satanas", das genauso kompromisslos wie der klischeehafte Titel ist. Klirrend schneller und oftmals auch highspeedmelodischer BM gaben die Burschen zum Besten, die ein weiteres Mal mit dem beschissenen Wetter zu kämpfen hatten. Dementsprechend mau sah es da auch wieder unter den Brettern aus, aber die die da waren, genossen den Auftritt zweifellos.


                                                      (Ragnarok)

Und dann, nach langer Warterei, hatte das Warten endlich ein Ende: NECROPHOBIC standen auf dem Plan! Einer der Hauptgründe, warum ich überhaupt nach Bad Berka gebrummt bin, hier handelt es sich schließlich um eine der geilsten Bands dieses verkommenen Planeten!! Und die ließ es sich auch nicht nehmen, sich entsprechend feieren zu lasssen. Vor allem nach dem Gig nahm das schon recht krasse Züge an. Klar spielen die Schweden nicht so oft in unseren Breitengraden, aber da so einen auf Rockstar zu machen... Fand ich ziemlich dämlich, auch wenn ich zugeben muss, genau wie alle anderen stundenlang gegrölt und applaudiert zu haben... Der Auftritt selber ließ dagegen natürlich keinerlei Wünsche offen, jedes Album wurde liebevoll beackert und ich spare mir jetzt mal eine weitere Trackaufzählung. Was mich aber, und offensichtlich den Großteil der übrigen Fans auch, bitter enttäuscht hat war, dass sich die Jungs auch nach nachdrücklichsten Forderungen nicht dazu überreden ließen, den Überknaller schlechthin zu spielen. Die Rede ist logischerweise von "Spawned by Evil", erstmalig auf gleich betitelter MCD zu hören gewesen. Das war echt hart und fuchst mich jetzt noch, da ich hier meine Tastatur malträtiere! Verdammte Penner, ich hatte mich auf diesen Song gefreut wie ein kleines (Andreas) Kind!!!!!!! Das ist echt so, als würden BLIND GUARDIAN den "Bard's Song" mit Füßen treten und CANNIBAL CORPSE das "Hammer smashed Face" nicht spielen... Dafür gab's dann als Zugabe "Nailing the holy One". Ist ja auch ein netter Song, kein Zweifel, aber ich motz jetzt trotzdem noch was vor mich hin, so!
Und dann, tja, dann gingen die Lichter so langsam aber totsicher aus und ich kann meiner journalistischen "Pflicht" leider nicht mehr wirklich nachkommen... THE CROWN bretterte irgendwo im Hintergrund unseres Saufgelages vorbei, was ich allerdings auch nicht wirklich schlimm finde. Und an WITCHERY kann ich mich nur gaaaaanz dunkel erinnern. Das war ganz, ganz weit weg und als ich um halb vier so rum allein im Auto aufgewacht bin, waren die wohl auch fertig, genau wie ich! :-)

Fazit: Eigentlich ein cooles Festival, auf das es sich für jeden Fan härterer Klänge lohnt, hinzufahren. Nur sollte man dann schon Donnerstags da sein, wie sich das gehört und etwas Glück mit dem Wetter haben. Sonst gibt es wirklich nix zu meckern, weder am Line-Up, dem Preis, der Location noch dem Personal! Daumen hoch und ich hoffe, dass ich nächstes Jahr unter besseren Vorzeichen (und ohne Cityrundfahrt in Frankfurt) wieder da sein kann!

<< vorheriges Review
DEATH THREAT, BORN FROM PAIN, DRIFT, END OF DAYS - Mnchengladbach, JZ Westend
nchstes Review >>
OVERKILL, BLAZE, SILENT FORCE, WICKED MYSTIC - Offenbach, Hafenbahn


Zufällige Reviews