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23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing SCHANDMAUL, LETZTE INSTANZ
Ort Mainz, Phnix-Halle
Datum 27.11.2008
Autor Thorsten Ritter
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SCHANDMAUL in der Mainzer Phnix-Halle, warum eigentlich nicht? Mein letztes Hallen-Konzert mit dieser sympathischen Folk-Rock-Truppe war damals noch im winzig kleinen Nachtleben in Frankfurt am Main zur "Narrenknig"-Tour. Seitdem sind ein paar Jahre vergangen, in denen die Band zwar erfolgreicher wurde, mich die letzten Verffentlichungen aber immer weniger berzeugen konnte; allen voran die aktuelle Scheibe "Anderswelt". Egal dachte ich mir, fand doch am 14.11.2008 im Mnchner Zenith das Jubilums-Konzert anlsslich des zehnjhrigen Band-Bestehens statt, so dass keine zwei Wochen spter sicher auch ein paar olle Kamellen Bestandteil des Sets sein sollten.

Eine berraschung an diesem Abend war fr mich, dass die LETZTE INSTANZ als Vorgruppe spielen durften. Seit dem Ausscheiden des alten Sngers Robin Sohn hatte ich die Truppe ebenfalls ein wenig aus den Augen verloren, denn die letzten Silberlinge hatten mich auch nicht mehr vom Hocker gehauen; ich war also gespannt. LETZTE INSTANZ live LETZTE INSTANZ live Zu Beginn - gegen 19.45 Uhr - ist es bereits angenehm voll gewesen und das Septett erwischte mit "Mein Todestag" einen fulminanten Einstieg und auch der Song "Sonne" konnte mich noch begeistern. Im Anschluss wurde es jedoch - zumindest fr mich - ein wenig langweilig, denn den folgenden Liedern fehlte der letzte Biss. Irgendwie konnte ich mich auch der Tatsache nicht erwehren, dass es sich zwischenzeitlich ein wenig nach Falco anhrte. Das Publikum strte das aber nicht weiter und es herrschte - vor allem in den ersten Reihen - eine gute Stimmung. Auch das Lichtermeer aus Feuerzeugen machte bei den ruhigeren Songs durchaus was her. Mich lie allerdings erst wieder "Wir Sind Allein" aufhorchen, welches sich nach genauerem Hinhren als Coverversion von "You Chained Me Up" der INCHTABOKATABLES outete, wobei ich fr meinen Teil das Original vorziehe. Der Hit "Rapunzel", welcher leider viel zu schnell gezockt und durch Song-Zitate ("Poison", "I Was Made For Loving You" und "Eye Of The Tiger") in meinen Ohren vorstzlich verhunzt wurde, beendete dann den knapp 50-mintigen Gig und hinterlie eine tobende Menge.
Mich konnten die Jungs letztlich nicht berzeugen, was aber am neuen Material und nicht an der Performance lag, bei der vor allem Snger Holly, Violinist M. Stolz und Cellist Benni Cellini immer mchtig Gas gaben. Mir fehlten nun mal weitere Klassiker von "Das Spiel" und "Kalter Glanz". Viele Fans sahen das aber anders und mit zunehmender Spielzeit konnten die Jungs immer mehr Anwesende auf ihre Seite ziehen. Dies zeigten auch die vehementen "Zugaben"-Rufe am Schluss.

Nach dieser kleinen Ernchterung war ich dann doch ein wenig skeptisch, ob sich dass bei SCHANDMAUL nicht wiederholen sollte, aber diese Befrchtungen blieben fast gnzlich aus.
Mittlerweile war es noch ein wenig voller geworden, wobei sich die Menge aber gut verteilte, da einige Fans auch auf der am Ende der Phnix-Halle befindenden Tribne Platz genommen hatten. Es blieb daher immer noch gengend Raum zum Tanzen, als der Headliner um 21.05 Uhr die Bhne betrat. Der Sechser aus dem Sden Deutschlands erwischte mit "Vor der Schlacht" ebenfalls einen tollen Auftakt in den Abend, bevor es im Anschluss - hnlich wie bei der LETZTEN INSTANZ - stimmungstechnisch ein wenig abfiel. Ich fand es auerdem schade, dass der freie Bhnenhintergrund nicht mit einem tollen Backdrop versehen wurde, denn Platz wre mehr als genug gewesen.
Der nchste Lichtblick fr mich sollte dann auch erst nach dem Song "Lichtblick" in Form des "Die Letzte Trte / Mitgift-Medleys" kommen, bei welchem auch ein deutlicher Stimmungsanstieg auszumachen war. Sptestens ab dem Drachen-Medley gab es aber kein Halten mehr, reihte sich doch im Anschluss - mit Ausnahme von "Drei Lieder" - Hit an Hit bzw. Klassiker an Klassiker. Das Bass/Drum-Solo htte ich zwar nicht unbedingt gebraucht; Geschmackssache. SCHANDMAUL live SCHANDMAUL live Der kleine Verspieler von Thomas Lindner in der "Der Kurier", bei dem er den Fltenpart von Birgit Muggenthaler-Schmack einfach berging und direkt weitermachen wollte, sorgte ebenso fr Unterhaltung wie seine teilweise vor den einzelnen Songs erzhlten Mini-Einleitungen. Schade war indes, dass der Gesang sowie die Akustik-Gitarre von Herrn Lindner im Gesamt-Sound ein wenig untergingen, denn - zumindest weiter hinten - war es definitiv zu leise. Des weiteren wre die Abstimmung, wer im Anschluss an das Konzert duschen darf - er oder Gitarrist Martin "Ducky" Duckstein - ebenfalls nicht ntig gewesen.
Der fr mich einzig gute Song der aktuelle Platte "Frei" sowie die Gnsehaut-Nummer "Dein Anblick" beendeten nach 90 wie im Fluge vergangenen Minuten vorerst das Konzert. Die Damen und Herren von SCHANDMAUL lieen sich jedoch nicht lange bitten und so kamen sie kurze Zeit spter wieder auf die Bhne. Warum allerdings - hnlich wie beim SUBWAY TO SALLY-Konzert im Schlachthof dieses Jahr - einige Fans schon whrend der ersten Zugabe den Saal verlieen, kann ich nicht nachvollziehen, verpassten sie doch mit "Walpurgisnacht" ein echtes Highlight.
Danach sollte erneut kurzfristig Schluss sein, bis die Truppe fr zwei weitere Songs zurckkam. Das Instrumental "Sturmnacht" mit seinem Dudelsack rockte ohne Ende und der Trnentreiber "Willst Du" beendete den knapp zweistndigen Auftritt. Ein groes Lob galt an dann dieser Stelle Violinisten Anna Katharina Krnzlein, die trotz Unwohlsein (es grassierte wohl ein Virus innerhalb der Band) und einem neben der Bhne stehendem Eimer die komplette Spielzeit durchhielt; Respekt!
Glcklicherweise hatten SCHANDMAUL - im Gegensatz zur LETZTEN INSTANZ - mehr alte Klassiker im Gepck, so dass es doch noch ein vergnglicher Abend wurde. Die Songs vom aktuellen Album - von "Frei" mal abgesehen - haben zwar nicht unbedingt das Zeug zu Evergreens, fgten sich aber nett in den Set ein. Ich konnte mich trotzdem des Gefhls nicht erwehren, dass das Feuer und der Spirit frherer SCHANDMAUL-Konzerte nicht mehr erreicht wurde, denn stellenweise empfand ich die Performance als steril und Einiges wirkte einstudiert, aber vielleicht bin ich auch nur ein hoffnungsloser Nostalgiker.

Setliste SCHANDMAUL:

  1. Vor der Schlacht
  2. Wolfsmensch
  3. Der Hofnarr
  4. Missgeschick
  5. Lichtblick
  6. Die Letzte Trte / Mitgift-Medley
  7. Anderswelt
  8. Drachen-Medley (Der Junge Siegfried / Drachentter / Krieger)
  9. Der Kurier
  10. Trinklied
  11. Teufelsweib
  12. Drei Lieder
  13. Feuertanz
  14. Bass/Drum-Solo
  15. Gebt Acht!
  16. Vogelfrei
  17. Herren Der Winde
  18. Frei
  19. Dein Anblick
Zugaben:
  • Leb!
  • Walpurgisnacht
  • Sturmnacht
  • Willst Du

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