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24. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing HEIDENFEST 2008: FINNTROLL, PRIMORDIAL, ELUVEITIE, EQUILIBRIUM, CATAMENIA, MANEGARM
Ort Frankfurt, Batschkapp
Datum 13.11.2008
Autor Sabine Jordan & Gabriele Waurick
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Bereits einige Tage vor dem dem sogenannten Heidenfest, dem Nachfolge-Event zum Pagan Fest war die Batschkapp ausverkauft. Das war eigentlich auch zu erwarten, da das Pagan Fest im Frhjahr ebenfalls groen Zuspruch fand und auch ausverkauft war. An diesem Herbsttag erwarteten uns 6 Bands aus dem Pagan Metal Bereich, bei einem doch recht fairen Kartenpreis von 30 EUR im VVK, sogar CDs konnte man fr nur 10 EUR kaufen, daran sollten sich andere einmal ein Beispiel nehmen. Natrlich muss man angesichts so vieler Bands auch frher anfangen und so sollte bereits um 18:00h Einlass sein und fast wren wir aufgrund einer spontanen Krzung der Gsteliste des Veranstalters gar nicht rein gekommen. Aber nach einem Anruf beim Tourmanager hat uns Gnther von Rock The Nation dann freundlicher Weise doch hineingelassen. Unser Hauptinteresse galt zwar den Iren Primordial, wir waren aber dennoch sehr gespannt was uns erwarten wrde und in voller Hoffnung, dass sich das Extrem-Gedudel doch irgendwie in Grenzen halten wrde. Instrumente, wie Fiedel, Dudelsack, oder Schalmei sind im Pagan Metal ja nicht ungewhnlich, stellt das ganze ja oft eine Untermalung von Trinkgelagen dar. Aber wir wrden schon sehen.

Manegarm live

Dir mir unbekannten Manegarm aus Schweden starteten auch bereits um kurz vor halb Sieben mit ihrem Viking-Metal. Manegarm haben Ihren Namen aus der nordischen Mythologie, demnach ist Manegarm ein Hund, der auf der Erde wandelt und das Fleisch der Toten verschlingt. So bse sahen die Schweden aber gar aber nicht aus und es gab sogar stellenweise zu den Growls auch den klaren Gesang von Snger Erik Grawsi zu hren. Besonders auffallend war aber Janne Liljekvist, der sich mit seiner Geige als echter Derwisch entpuppte wild fidelnd auf der Bhne umher wuselte, sehr schn! Leider kann ich kein schwedisch und konnte keine Songtitel mitschreiben. Nach einer guten halben Stunde melodisem Viking Metal und noch nicht ganz warmgelaufenen Publikum in bereits voller Halle endete die erste Band des Abends.

Catamenia live

Catamenia aus Oulu in Finnland boten uns danach schnellen und melodischen Black Metal mit eingngigen Melodien zwischen Mid-Tempo und sehr schnellen Parts. Ich war zwar etwas traurig, dass Catamenia schon um 19:15 als zweite Band spielen mussten, aber das tat der Musik auch keinen Abbruch. Der klare Gesang von Kari Vhkuopus und das Grunzorgan von Bassist Toni Kansanoja und nicht zu vergessen das Kreischen von Gitarrist Ari Nissil lieen keine Langeweile aufkommen. Auerdem waren die Kerle sehr lustig, mitten im Set kam ein groer Roady mit einer Flasche Hochprozentigem auf die Bhne und verschwand dann wieder. Bei der Songauswahl war man sich auch nicht immer so sicher, zumindest bei einer falschen Songansage, die aber sofort korrigiert wurde. So eine Tour ist offensichtlich schon anstrengend. Nun aber wieder zur Musik. Da es seit dem aktuellen Album "VIII - The Time Unchained" - von dem auch Songs wie "Alive...cold...dead!" und "Fallen" gespielt wurden - bei Catamenia keine Keyboards mehr gibt, gab es dementsprechend auch keinen Live-Keyboarder. Catamenia vereinen einige finnische Folkelemente, wie Mnnerchre und heraus kommt dabei eine Mischung zwischen Black, Death und vielleicht Heavy Metal, was nicht zuletzt durch die 3 Snger live sehr abwechslungsreich war. So verging die Zeit bis 20 vor acht recht schnell.

Equilibrium live Equilibrium live

Equilibrium aus dem Mnchner Raum prsentieren Ihre aktuelle Scheibe "Sagas", die im Sommer sogar auf Platz 30 der deutschen Albumcharts einstieg. Gar nicht mal so schlecht fr deutschen Pagan/Epic Metal. Die deutschen Texte, die man allerdings kaum versteht, handelten frher passend zum Genre von der nordischen/skandinavischen Mythologie, wobei die neuen Stcke hauptschlich frei erfundene Texte haben. Die Musik ist sehr melodisch, wird dabei von Keyboard und Gitarre getragen, das Tempo ist durchgngig sehr schnell und der Gesang, wie erwhnt ganz schn krchtzend. An diesem Abend mussten Equilibrium ihr Set nur mit einem Drumcomputer bestreiten, da Ihr Drummer zu der Zeit in Mnchen im Krankenhaus lag. Das tat der Stimmung aber keinen Abbruch und so gab es ganz schn viel Action und Geschubse im wilden Moshpit bei Songs wie "Unbesiegt" vom aktuellen Album. Um kurz nach halb Neun war es noch heier und stickiger in der meiner Ansicht nach berverkauften Batschkapp. Mir war nicht wirklich wohl, als ich whrend dem Auftritt von Equilibrium nach hinten in "Sicherheit" verschwinden zu versuchte. Luft und eine Brezel - letzere zu auch hier fairem Preis - mussten her!!!

Eluveitie live

Halbzeit: Eluveitie sind auf Grund der groen Nachfrage nun auch wieder beim Heidenfest dabei, dieses Mal sogar mit lngerer Spielzeit, was von mir aus nicht notwendig gewesen wre. Die achtkpfige Band aus der Schweiz mixt keltische Folklore und Metal, wobei Instrumente wie Drehleier, Fidel, Dudelsack, diverse Pfeifen, sowie Bodhran zum Einsatz kommen. Auerdem gibt es 2 weibliche, sowie 2 mnnliche Snger/innen. Natrlich wurden Songs vom aktuellen Album "Slania" gespielt, so z.B. Somber Lay und Inis Mona. Mir persnlich erschien die Musik eher als eine Untermalung zum Saufgelage bei Met und Wikingerblut zu sein, dass es in der Batschkapp zu kaufen gab. Demnach war das vermutlich genauso passend, wie die Sprachlektion in Altkeltisch von Snger Chrigel - dessen Friseur man brigens verklagen sollte - der dem Publikum drei Worte beizubringen versuchte: "nata vimpi curmi" (oder so hnlich) - was soviel heissen sollte, wie "schne Frau, bringt mir ein Bier". Albern! Die Meute allerdings tobte von der ersten Minute an und konnte sicherlich auch nicht verstehen, dass wir froh waren, als um kurz vor halb zehn endlich Ende war.

Nachdem sich die Menschenmengen nach Eluveitie endlich Richtung Theke bewegten, war es doch - entgegen anfnglicher Bedenken - ein Leichtes einen guten Platz vor der Bhne zu bekommen. Woran mochte es liegen, dass das Interesse an Primordial - den Co-Headliner dieser Tour - nicht so gro war? Equilibrium live Equilibrium live Dass sie so gar nicht in das brige Konzept der Heidenfest-Tour passten, trotz Folk- und Black-Metal-Verwandschaft? Ihre Songs sind eben doch schwer zugnglich mit ihren rhythmisch-monotonen Gitarren-Riffs und meist fehlendem Chorus; ihre aufwendigen Strukturen und ausgefeilte Sprachvertonung erst bei mehrmaligem Hren genau zu durchschauen. Die patriotischen Iren begannen gleich mit dem Opener "Empire Falls" ihrer neuen Scheibe "To The Nameless Gods". Danach begrsste uns Snger Nemtheanga mit den Worten: "We are Primordial from the Republic of Ireland" - Wie so oft erschrickt man vor dem Erscheinungsbild des Sngers, der mit kahlem blutverschmiertem und tribal-verziertem Haupt einen aufflligen Kontrast zu seinen langhaarigen unscheinbaren Bandgenossen bildet. Einem Neandertaler gleich brstete sich Nemtheanga auf der Bhne mit "primordial-primitiver" Gestik und glotzte heroisch ins Publikum! Leider hatte der Rohling heute Abend nach eigener Aussage Stimmprobleme, was sptestens beim zweiten Song auch der Hrer merkte. Das gelegentliche Geschnaube konnte der Eindringlichkeit seiner Stimme - dem Wechsel aus mitfiebernder Melancholie bei "Gallows Hymn" und standhaftem Stolz bei "As Rome Burns" - jedoch in keiner Weise etwas anhaben. Etwas eklig war allerdings sein auf die Bhne Gerotze. Der Hhepunkt des Auftritts war fr mich persnlich "The Coffin Ships" - eine Anspielung auf die irische Potato Famine (Anm.: Groe Hungersnot, 1845-1849, aufgrund mehrerer Kartoffelmiernten, bei der 500.000 bis 1.000.000 Iren starben und viele auswanderten). Es war nachvollziehbar, dass sich Nemtheanga durch unqualifiziertes Zugebrlle des Publikums in seiner Ansage gestrt fhlte und sein Mifallen auch deutlich uerte. An der Stelle "It feels like I've been here before, here to where the animals lay down to die" fiel Nemtheanga auf die Knie; besser htte man die Hingabe an diese Passage nicht unterstreichen knnen. Solch intensive Ausdruckskraft lie dann auch das seltsame Ritual seines kostmierten Auftritts verzeihen. Auerdem sollte noch erwhnt werden, dass "Song of The Tomb" ausdrcklich dem verstorbenen Snger Quorthon von Bathory - ihrem Seelenverwandten - gewidmet wurde. Den Abschluss fanden Primordial dann mit zwei ihrer besten Songs "Gods to the Godless" von der "Spirit the Earth Aflame"-Platte und "Heathen Tribes". So wie uns Nemtheanga begrsste, so verabschiedete er sich auch wieder, seinen Patriotismus betonend, mit "We are Primordial from the Republic of Ireland". Insgesamt in der Tat ein gelungenes Spektakel mit abwechslungsreichem Programm.

Finntroll live

Finntroll die Headliner des Abends sind wohl eine der bekanntesten, wenn nicht die bekannteste Folk Metal Band. Mit Ihrem dritten Snger Mathias Vreth Lillmans, der bereits seit 2006 mit an Bord ist und erstmals auf dem aktuellen Album "Ur Jordens Djup" ("Aus den Tiefen der Erde") zu hren ist, bestritten sie den Abschluss des Abends. Die Musik eine Mischung aus Humpa, Black, Death, Viking Metal beschftigt sich textlich Trollmythen und anderen heidnischen Themen, sehr passend zum Heidenfest und wohl eher im Interesse der meisten Anwesenden. Interessanterweise sind die Texte der Finnen alle schwedisch, angeblich weil sich diese Sprache eher trollisch anhrt. Mir persnlich ist zunchst sehr positiv aufgefallen, dass Mathias, der neue Snger, schmal, ansehnlich und nicht vollbrtig - wie sein Vorgnger - ist. Im ganzen wirkten Finntroll mit Ihrem neuen Erscheinungsbild viel positiver auf mich, aber eben auch nicht mehr nach Trollen, die sind ja bekanntlich eher hlich. Auch die Musik kam mir viel frhlicher vor. Die Menge schien jedenfalls begeistert zu sein, mehr noch als ich, da ich mich zunchst nach hinten verkrmelte, um dem Gerangel in den vorderen Reihen zu entkommen. Fr viele waren Finntroll neben Eluveitie sicherlich die Helden des Abends, auch wenn wir damit nicht so viel anfangen konnten. Hinzu kommt, dass ich durch das Fotografieren, mit der neuen Kamera und bei diesen Bedingungen zu der Zeit auch schon etwas ausgelaugt war. Wir hielten auch nicht bis ganz zum Ende durch. An dieser Stelle gebhrt aber jetzt Rudi Brand von Regioactive ein besonderer Dank, der mir sehr freundlich mit meinen Kameraeinstellungen behilflich war. Danke!

Irgendwie war der ganze Abend - auch wenn sich die Strapazen fr Primordial wirklich gelohnt haben - schon etwas anstrengend und stellenweise war mir auch nicht wirklich wohl. Die Batschkapp war sehr, sehr voll und - wie bereits erwhnt - womglich zu voll. Denn auch wenn es Innen proppenvoll war, so standen drauen auf dem Treppenabgang und vor dem Eingang am Merchandise-Stand sowie am Outdoor-Getrnkestand und der Garderobe immer noch recht viele Leute. Ich wollte mir nicht wirklich vorstellen, wie es gewesen wre, wenn die sich alle noch drinnen aufgehalten htten. Wirklich sicher fhlte ich mich nicht, der Weg zum Ausgang in der engen Halle mit den Stufen nach oben ist bei vollem Haus schon lange und stellt vermutlich sogar ein Sicherheitsrisiko dar. Hm... Ob das sein muss? Auerdem scheint es mir ganz so, als sei Pagan-Metal fr viele eine Ausrede sich nicht Waschen zu mssen, mit fettigen Haaren und einfach ungepflegt herumrennen zu knnen. Bh! Da besttigen sich mal wieder einige Vorurteile. Zum Glck gab es Ausnahmen!

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