Navigation
                
21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing NEAERA, AUGUST BURNS RED, ABORTED, TEXTURES, ANIMA
Ort Trier, ExHaus
Datum 22.10.2008
Autor Christoph Fllenbach
>> Als E-Mail versenden

Die "Suffer and Die Tour", die gerade durch halb Europa rollt, hat mit NEAERA und AUGUST BURNS RED zwei meiner absoluten Lieblingsbands dabei. Was wrde also nher liegen, als sich beide an einem Abend anzuschauen.
ANIMA live Nach zweistndiger Fahrt durch die rote, untergehende Sonne komme ich im schnen Trier an, wobei mir eines direkt auffllt: Selten habe ich ein Konzerthaus gesehen, welches so perfekt gelegen ist wie das ExHaus. Ohne mehrstndiges Abfahren von irgendwelchen Industriegebieten, direkt von der Autobahn in den Club, so muss das sein, dann ist das Ankommen doch gleich viel entspannter. Genug zur Location, gehen wir zu dem ber, was tatschlich interessiert, der Musik. Sechs Bands sollten an diesem Abend ihre Musik zum Besten geben. Als Opener waren die Trierer von INCISE geladen, welche ich zu meiner Schande vollstndig verpasst habe.

Gegen kurz nach Sieben im noch mig gefllten Gewlbekeller und den Straen von Trier angekommen, kam ich gerade noch rechtzeitig, um mir die letzten Songs von ANIMA anzuhren. Die fnf Jungspunde haben gerade bei Metalblade ihr Erstlingswerk "The Daily Grind" verffentlicht, welches ziemlich hohe Wellen geschlagen hat. Live muss ich leider sagen, dass die Show mich nicht berzeugt hat. Auch wenn Snger Robert sich Mhe gegeben hat die wenigen Leute vor der Bhne zu motivieren kann man nicht behaupten, dass er dabei viel Erfolg gehabt htte. Auch versuchte Sprungeinlagen von Gitarrist Andr konnte die Zuschauer nicht zum mitfeiern animieren. Vielleicht wollten diese sich die Energie noch fr die kommenden Bands aufsparen, man wei es nicht. Auch wenn Kollege David Lang in seinem Review zu den Knaben von der Reinkarnation der Kriegsfhrung spricht, kann ich mich mit dem Geballer nicht richtig anfreunden.

TEXTURES live TEXTURES live

Gegen Viertel nach Sieben war dann die Zeit gekommen, die Bhne fr die progressiven Death Metaller von TEXTURES frei zumachen. Die sechs Hollnder haben vor einigen Monaten ihr aktuelles Werk "Sillouettes" auf den Markt gebracht, welches von diesem auch dankend angenommen wurde und zum Groteil sehr ordentliche Bewertungen bekommen hat. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen an die Show, welche aber glcklicherweise nicht enttuscht wurden. Nichts an der hohen Komplexitt der Songs wurde verndert und trotzdem kamen die fnf Stcke so perfekt, als wrde man die CD hren. Gleich beim ersten Song "Sun's Architect" forderte Snger Eric das Publikum zum Mitmachen auf, was sich jedoch auch jetzt immer noch nicht richtig Verausgaben wollte. Es kam langsam etwas mehr Bewegung in die Sache und auch der Keller wurde immer voller. Ich hatte das Gefhl, dass der Groteil der Zuschauer aber eher daran interessiert blieb, sich den Auftritt in Ruhe anzuschauen, was mit Sicherheit auch an der Vertracktheit der Musik liegt, welche fr das vollstndige Ausrasten vielleicht nicht ganz gemacht ist. Mir hat die halbe Stunde Musik, die prsentiert wurde, sehr gut gefallen und auch unseren ksefabrizierenden Nachbarn, scheint der Auftritt eine Menge Spa gemacht zu haben. Einziges Manko neben dem sonst sehr guten Sound, waren die Keys von Robert, die leider nur sehr, sehr undeutlich zu hren waren.

Setlist:

  • Sun's Architect
  • Swandive
  • SOC
  • Storm Warning
  • Regenesis

ABORTED live ABORTED live

Gegen 20:00 Uhr waren dann auch ihre Minuten gezhlt und die Bhne wurde fr ABORTED vorbereitet. Bis zu diesem Moment war ich noch gnzlich unbelastet, was die Musik der sechs Belgier angeht und muss zugeben, dass sich das abgesehen von dem was mir Live in den Gehrgang gepumpt wurde auch in Zukunft nicht groartig ndern wird. Ohne groes intro oder sonstige Einleitung ging es erbarmungslos zur Sache. Die Mischung aus Goregrind und Death Metal holte zwar noch einen Schlag mehr Leute vor die Bhne, konnte aber auch nicht das vollstndige Publikum in seinen Bann ziehen. Unermdlich schmetterte Svench seine Hasstriaden ins Publikum, rannte wie von Bienen verfolgt ber die Bhne und gab sich redlich Mhe, Kontakt zu den Zuschauern herzustellen. hnliches gilt fr Gitarrist Seb, der zwar nicht viele Meter auf der Bhne machte, aber durch unentwegtes Headbangen mit Sicherheit auch die eine oder andere Kalorie verbraucht hat. Zustzlich hat mehr immer wieder eingeworfenen Black Metal-Shouts dem musikalischen Bild seinen Namen noch deutlicher aufgedrckt. Wo wir gerade beim Thema Gesang sind: Dieser war bei ABORTED nicht unbedingt das, was mir am Besten gefallen hat. Die Shouts klangen oft deplatziert und wirkten nicht so, als htten sie einen tieferen Sinn. Zwar gab es genug Abwechslung zwischen tiefen Grunzern und hohen Inhales, gut funktioniert hat das Konzept, zumindest bei mir, aber nicht. Stellenweise gab es in den Songs Parts, die im Vergleich zum Rest eine Menge Dynamik durchblicken lieen und so fr den ein oder anderen Ausraster im Moshpit sorgten. Bis auf diese dynamischen Unterschiede, boxte man sich durch ein musikalisch eintniges, dreiviertelstndiges Programm und verlie danach relativ unspektakulr die Bhne.

AUGUST BURNS RED live AUGUST BURNS RED live

Als dann gegen 21.15 AUGUST BURNS RED die Bhne betraten war mir eins klar, der eigentliche Headliner des Abends steht vor mir. Der Laden war mittlerweile rappelvoll und so wurde es verdammt eng, wenn man der Band nah kommen wollte. Nach kurzem gemeinsamen Gebet, glubige Christen sind sie, die fnf Amis (was sie wohl zum Bandnamen ihrer Vorgnger gesagt haben?), ging es mit "Composure" zur Sache. Noch baff von den ersten paar Takten, in denen Matt sein abartiges Talent am Schlagzeug zeigte, wurde ich von Jakes Gesang zurck in die Realitt geholt. Mal mit Shouts, mal gesprochenem Wort heizte er dem Publikum ordentlich ein, was zum Dank krftig Bewegung ins ExHaus brachte. JB und Brent zeigten dazu, dass sie keineswegs nur im Studio ihr Instrument beherrschen. Auch live sind sie Meister an der Gitarre und zocken jedes noch so halsbrecherische Detail in den Songs gnadenlos perfekt. Immer wieder bedanken sich die Fnf, von denen brigens drei FlipFlops trugen, bei den Zuschauern fr die Energie, welche ihnen entgegen gebracht wurde. ber die sieben Songs die gezeigt wurden, ebbte diese Energie nie ab oder wurde schwcher, eher strker und enthusiastischer wurden die Bewegungen vor der Bhne. Als dann zum Schluss "Back burner" angestimmt wurde, gaben alle noch mal richtig Gas, sodass der Auftritt von AUGUST BURNS RED bei mir als einer der besten Liveshows in Erinnerung bleiben wird. Eine Liveshow von einer Band, wie sie sympatischer, netter und engagierter kaum sein kann! Zwei Daumen hoch fr eine riesen Leistung.

Setlist:

  • Composure
  • Truth
  • American Dream
  • Elveventh Hour
  • Suburbia
  • Up Against
  • Back burner

Als dann um 22:30 Uhr NEAERA die Bhne enterten, hatten sie die schwere Aufgabe, das Vorhergegangene zu toppen . Dieser stellten sie sich, lieferten aber eine vollstndig andere Art von Show ab. NEAERA sind bekannt dafr, dass es bei ihren Clubshows keine Grenzen zwischen Publikum und Band gibt. Benni sucht immer wieder den Kontakt zu Zuschauern, holt sie auf die Bhne und nimmt sie in den Schwitzkasten oder berlsst ihnen ein paar Zeilen. Dies macht mit Sicherheit als Beteiligter einen Wahnsinnsspa, hat aber den Nachteil, dass die musikalische Qualitt darunter leidet. Da ich mittlerweile eher ein Freund des gediegenen Zuschauens als des deftigen Prgelns geworden bin, stt diese Art von Show bei mir persnlich natrlich negativ auf. So kam es whrend der Show immer wieder dazu dass Bennis Stimme in den tiefen Passagen den Geist aufgibt oder dass Parts eher schlecht als recht rber kommen. Zustzlich, wofr die Band aber nur bedingt etwas kann, war die Soundqualitt der Gitarren unter aller Sau. NEAERA live NEAERA live Wenn NEAERA fr eins bekannt sind, dann fr gehaltvollen, melodischen Death Metal mit den strksten Riffs und Gitarrenlufe der Szene. Kommen diese live aber nicht rber, fehlt es der Musik an Hand und Fu. Der Action im Moshpit hat dies bei Songs wie "In Loss" oder "Armamentarium" zwar keinen Abbruch getan, den "Zuhrern" ist es jedoch deutlich aufgefallen. ber mehr als eine Stunde geben die Mnsteraner eine wohl durchdachte Setlist zum Besten, welche jede der drei bisherigen Verffentlichungen anspricht und keinen wichtigen Song auslsst. Nach kurzer Aufforderung gibt es auch die obligatorische Wall of Death beim Klassiker "Walls Instead Of Bridges". Mhe haben sie sich gegeben und Spa hat es auch gemacht, jedoch ist bei mir der bittere Beigeschmack vom wirklich beschissenen Sound zu gro, als das ich sagen knnte, dass NEAERA die grte Show des Abends geliefert htten. Die zweite Gitarre wurde brigens von Alex Dietz, normalerweise bei den Kollegen von HEAVEN SHALL BURN im Einsatz, bernommen. Eins muss man NEAERA sehr positiv anrechnen: Keine Band, die ich kenne, vereint so ein durchmischtes Publikum vor der Bhne. Neben Jungspunden, lsst der letzte Metalhead seine Matte kreisen, um damit dem glatzkpfigen Hardcorefreund auf die Nerven zu gehen. Schn, dass man sowas heute auch noch sieht, wo sich die einzelnen Gruppierungen im Metal doch immer mehr hassen.

Setlist:

  • Mechanisms of Standstill
  • Paradigm Lost
  • Armamentarium
  • In Loss
  • Spearheading the Spawn
  • Plague Heritage
  • Tools Of Greed
  • Walls Instead Of Bridges
  • Let The Tempest Come
  • Synergy
  • The World Devours

Gegen 22:30 Uhr geht ein anstrengender Abend zu Ende und ich begebe mich, bepackt mit zwei schnen neuen Shirts, in Richtung Auto. Der Kartenpreis fr den Abend lag brigens bei 17,50 €, so und nicht anders sollte das Aussehen.

<< vorheriges Review
DISTURBED, SHINEDOWN - Karlsruhe, Europahalle
nchstes Review >>
3 DOORS DOWN, 3 DAYS GRACE,REDEEM - Offenbach, Stadthalle


Zufällige Reviews