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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ENTOMBED, MISERY SPEAKS, VERDICT
Ort Fankfurt, Nachtleben
Datum 05.10.2008
Autor Cristin Pastr
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Weihnachten fiel in diesem Jahr auf Anfang Oktober. Und da auf einen etwas trben Sonntag. Zumindest Weihnachten fr alle, die auf komplexen, melodischen Death stehen. Und auf ENTOMBED.

VERDICT live VERDICT live

Los ging's an diesem Abend mit VERDICT aus Miltenberg. Innerhalb weniger Minuten gelang es dem flotten Fnfer, Bewegung in das bis dato gelangweilt im Saale verteilt herum stehenden und in der Nase bohrenden Publikum zu bringen. Deutlich beeinflusst von deutschen Thrashgren wie DESTRUCTION und vor allem KREATOR legten die Odenwlder los als wollten sie das Nachtleben in Schutt und Asche legen. Tolles Zusammenspiel, pfeilschnelle Synchronlufe der Saitenfraktion, ein wildes Tier auf dem Schlagzeughocker und ein agiler, gut auf das Publikum eingehender Frontmann machten mchtig Spa. Besonders begeistert war ein ca. 45 Jahre alter Herr, der mit kurzen Haaren und Jeansjacke nicht gerade wie ein Thrashfan aussah und bereits zu Beginn des Auftrittes von VERDICT stark von den lokalen Brauereiprodukten profitiert hatte. Dieser animierte das restliche Publikum immer wieder zum Springen und Bangen und hatte permanent mindestens eine pommesgabelnde Hand zur Decke gereckt. Auch VERDICT freuten sich ber diesen Fan, schttelten Hndchen und erffneten diesen Abend einfach so geil, dass sie beim verlassen der Bhne lautstark zu Zugaben aufgefordert wurden. Eine Band, die man sich merken muss!

MISERY SPEAKS live MISERY SPEAKS live

Weiter ging's dann mit MISERY SPEAKS. Kaum eine Band schafft es derzeit wie diese vier, Melodien, Geschwindigkeit und gnadenlose Brutalitt zu verknpfen. Ihr Album "Catalogue Of Carnage" hatte mich seinerzeit so sehr beeindruckt, dass ich meine Ansicht, nur langsamer Metal sei guter Metal, grundstzlich revidieren musste. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen. Als dann fnf junge Kerle, die wie Sozialpdagogen in museumsreifen Metalshirts aussahen, die Bhne betraten, wre ich beinahe skeptisch geworden. Doch dann lieen die Jungs aus Braunschweig dermaen den Knppel aus dem Sack, dass es eine wahre Freude war. All das, was mich bereits bei VERDICT so begeistert hatte, gab's hier auch - nur eben einen Tick hrter, schneller, vertrackter, prziser, geiler. Pltzlich sah ich mich selbst beim Haupthaar schtteln, und das, obwohl ich schnellem Metal - ich erwhnte es- eher verhalten gegenber stehe und frickelige Gitarren zwar qualitativ schtzen, subjektiv jedoch nicht ausstehen kann. Oder eben konnte. Das Nachtleben fllte sich nun zusehends, die Stimmung war richtig gut. An einem verregneten Sonntag, unglaublich. Allzeit ganz vorn dabei der bereits erwhnte Herr, der sich inzwischen beim Pogen mit einigem Jungvolk Respekt zu verschaffen wusste und hinsichtlich Bierkonsums weiterhin enorme Nehmerqualitten bewies. Viel zu schnell ging auch der Auftritt von MISERY SPEAKS vorber, aber angesichts der Tatsache, dass danach die gttlichen ENTOMBED die Hlle loslassen wrden, war dies zu verschmerzen.

ENTOMBED live ENTOMBED live

Nachdem die Bhne ein weiteres Mal umgerumt worden war und Licht und Musik ausgingen, war es so weit. ENTOMBED, die Gtter, sie waren gelandet. Los ging's mit "Living Dead" vom Album "Clandestine". Vom ersten Ton an wurde hier nach Leibeskrften mitgebrllt, gebangt und stellenweise gepogt. Das Nachtleben war inzwischen zum Brechen (Zerbrechen, meine ich) voll, Snger Lars Gran rchelte den nchsten Titel an, irgend was von "Left Hand Path", Juuubel, und weiter ging's, als wren den vier Schweden smtliche ausgehungerten Bren ihrer Heimat auf den Fersen. Hiernach gnnten ENTOMBED ihrem Publikum ein kleines Verschnaufspuschen, in dem der Mann mit der Rotzkehle das Publikum begrte: "Gute' Abend, Dame' und Headbangers! Geht's gut, deutsche Leute?" Was fr eine Frage! Natrlich ging's gut, deswegen ging's auch gleich weiter. Der inzwischen restlos ausverkaufte Saal kochte ber, als "Wolverine Blues" und "Chief Rebel Angel" ertnten. Immer wieder feuerten die Skandinavier die Ausrastenden zum Pogen an und sorgten mit ihren witzigen Ansagen ("Was fr eine schne Samstag Abend! Oh, ist Sonntag? Und so viele hier? Seid ihr arbeitslos, ihre geile' Leute?") fr zahlreiche Lacher. Whrend Gitarrist Alex links vorn recht stoisch seine Flying V bediente, schenkten Lars und Bassist Nico sich nichts, nutzten den engen Raum optimal aus, waren berall zugleich gaben nur selten den Blick auf Trommelmonster Olle Dahlstedt frei. ENTOMBED spielten eine klasse Mischung aus traditionellem schwedischem Death und groovigen Rock'n'Rollnummern, verschenkten ihre persnlichen Cola-Wodka-Reserven und lieen keine Wnsche offen. Muss ich erwhnen, dass der Herr in Jeans jetzt erst richtig Gas gab, sein vermutlich 23. Bier kippte und dennoch zum Herrn des Ringes der Pogofront avancierte? Kaum.

An diesem Abend ging fr mich persnlich ein echter Traum in Erfllung: ENTOMBED zu sehen. Auch wenn die groe Zeit dieser Band vorbei sein mag, an Klasse und Energie haben sie Nichts verloren und schaffen es auch heute noch, mit ihrem Death'n'Roll zu begeistern und musikalische Flchenbrnde zu entfachen. Hoffentlich sind sie bald mal wieder in der Gegend!

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