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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DESPISED ICON, CEPHALIC CARNAGE, BEHEADED, INVERACITY, SUFFOCATE BASTARD
Ort Essen, Turock
Datum 16.08.2008
Autor David Lang
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"Der Metzger und das Schwein" (hi Steff!); unter diesem oder einem hnlichem Motto htte diese Tour gut und gerne statt finden knnen. Fnf Bands waren nach Essen gekommen um ein musikalisches Schlachtfest abzuhalten. Dass bei einem solchen Aufgebot nicht jedes nieder gemetzelte Vieh auch famos schmecken wrde durfte man natrlich befrchten. Doch wenigstens war kein Gammelfleisch dabei.

Doch der Reihe nach: SUFFOCATE BASTARD fielen bedauerlicherweise einer ewig langen Parkplatzsuche zum Opfer. Da sind wir diesmal schon extrem frh los gefahren und dann landet man im Stau. Besagte Ausschau nach einem Platz frs Automobil sorgte dann natrlich fr richtig gute Laune.

INVERACITY BEHEADED

INVERACITY waren auch leider kaum in der Lage diese zu verbessern. Brutaler Death Metal mit Grindschlagseite und rar gesten Moshparts fr die Kickbox-Fraktion; klingt nach dieser (langsam schon wieder ausgelutschten) Deathcore-Schiene?! Auf dem Papier tut es das, live war es dann aber "nur" langweilig. Nein, mit derzeit angesagten Bands wie WHITE CHAPEL oder SUICIDE SILENCE haben die Griechen kaum etwas zu tun. Leider haben sie aber auch nichts mit Innovation, Abwechslung oder gar Wiedererkennungswert zu tun. Dafr gibt es aber vllig kompromissloses Geballer, das sogar einige Nasen zum "Tanzen" motiviert. Bewegung auf der Bhne...? Marginal!
Fit sind sie, die Herren, aber um bei der heutigen Flut an Verffentlichungen zu bestehen braucht es schon etwas mehr.

BEHEADED dagegen haben neben einer dicken Portion Hass auch etwas Abwechslung im Gepck, so dass der Gig der Jungs wesentlich angenehmer auszuhalten ist. Neben schier erbarmungsloser Brutalitt hat der Turock-Besucher an diesem Abend nmlich auch gegen einen bestens aufgelegten Soundmann zu bestehen. Der scheint nach und nach smtliche Regler (allen voran den Lautstrke-Knopp) einfach nach rechts zu hauen, ohne Rcksicht auf Verluste.
Whrend BEHEADED neben Tempovariationen auch auf interessanteres Songwriting setzen als INVERACITY, scheint das einen Groteil der Anwesenden kaum zu interessieren. Sieht man sich nmlich um, wird schnell klar, dass die meisten Gste auf DESPISED ICON warten.
Im Konzertsaal selber herrscht alles andere als reger Betrieb und Action lsst sich auch keine ausmachen (sieht man mal von den Spezialisten ab, die schon zu INVERACITY herum spackten). Schade fr die Jungs, aber bezeichnend fr eine Szene, die sich zu einem groen Teil leider oft nur noch ber ihre Fhigkeiten im Kampfsport (Jungs) und / oder Styling (Jungs und Mdels) auszeichnet.

CEPHALIC CARNAGE kamen, zerstrten und verstrten... vor allem jenen Teil der Besucher, die aufgrund des Headliners hnlich klingende Bands vermuteten.
Doch CEPHALIC CARNAGE entziehen sich (Gott sei Dank) jeglicher Kategorisierung und prgeln ihren komplexen Sound in Schallgeschwindigkeit ins unglubig starrende Volk. Kaum hat sich ein gerade aus groovender Part fr einige Sekunden eingeschliffen, gibt es auch schon wieder mit der groben Kelle. Wie bei dieser Komplexitt auch nur irgendwas hngen bleiben kann, wird wohl auf ewig das Geheimnis der Amis bleiben. Mich jedenfalls konnte der bunte Haufen voll berzeugen.
Doof nur, dass gerade bei dieser Band ein differenzierterer Sound echt sinnvoll gewesen wre.

CEPHALIC CARNAGE DESPISED ICON

Sollte ich mit meiner Theorie Recht behalten, so msste mit den ersten gespielten Noten von DESPISED ICON das Turock zu Staub zerfallen. Doch Fehlanzeige: zwar ist es fr einen wenig kampfsporterprobten Menschen phasenweise schwierig nach vorne zu gelangen, doch selbst diese (selten dmlichen) Kickbox-bungen schweifen kaum aus und jeder achtet brav darauf den anderen nicht zu verletzen. Chief Chris brachte es ziemlich gut auf den Punkt: "Warum machen die Idioten das eigentlich wenn sie sich doch nich weh tun wollen?" Gute Frage, nchste Frage: warum sieht man auf Konzerten dieser Art immer hufiger einen riesigen Kreis im vorderen Drittel (hier war es sogar die vordere Hlfte) der Halle, in dem sich kein Mensch aufhlt. Um es einmal selbst zu beantworten; weil dieser fr smtliche Wochenendschlger der Veranstaltung reserviert ist. Diese werden es Rcksichtnahme nennen ("... da wei man direkt, wo man besser nich lang geht und kriegt so auch keine geballert"), ich nenne es tzend. Manche Menschen gehen zu solch einem Konzert um die Band zu sehen und eventuell sogar zu bangen (Kampfsport-Ddel bitte hier nachsehen: de.wikipedia.org/wiki/Headbangen), nicht um Musiker zu sehen, die vor einem leer gefegten Hallenboden zocken (man, da htte ich locker eine Hass-Kolumne draus machen knnen).
Zurck zu DESPISED ICON; die sind zur Zeit eigentlich die Vorzeigeband wenn es um (nennen wir es dann einfach mal so...) Deathcore geht. Nicht etwa, weil sie die buntesten Leibchen im Angebot haben, auch sind sie nicht die bsesten oder coolsten. Nein, die Kanadier haben einfach die besten Songs im Gepck und gehren abgesehen davon auch zu den Mitbegrndern dieser Welle. Mit mehr Action auf als vor der Bhne wissen die Cannucks zu begeistern und mit Hits wie "Furtive Monologue", "Immaculate" oder dem abschlieenden "In The Arms Of Perdition" drfte man auch Zweifler von diesem Sound berzeugen knnen.

Bleibt der fade Beigeschmack, dass man von der aktuellen Deathcore-Fanszene, die von DESPISED-ICON-Fronter Alex geforderte Toleranz und "unity" leider kaum erwarten kann. Deutlich zu erkennen, als das Konzert vorbei ist und Death Metal aus der Konserve schallt. Trockener Kommentar des Chiefs: "... kumma, wie schnell se gehen, jetz wo Metal kommt!" Is was dran...

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