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17. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BÖRSENCRASH FESTIVAL 2008
Ort Wuppertal, Börse
Datum 31.05.2008
Autor Torsten Butz
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Schattenspieler The Mystery

Am letzten Tage des Monats Mai machten wir uns zu zweit auf den Weg in das Tal der Wupper, anlässlich des Börsencrash-Festival in der Börse Wuppertal. Es war unser erster Besuch in dieser Lokation und wir waren und sind immer noch beide sehr angetan von dieser Halle und der familiären Atmosphäre. Ein toller Ort für Konzerte bis maximal 800 Personen, den ich Fans der Live-Musik nur ans Herz legen kann. Allerdings sieht die Veranstaltungsliste im Bereich Metal für den Rest des Jahres eher schlecht aus.

Die Ehre den Abend zu eröffnen hatten die Melodic-Dark-Rocker von SCHATTENSPIELER, deren Musik mir bisher zwar unbekannt war, mich aber überaus positiv überraschten. Vom ersten Song an überzeugte das intensive und druckvolle Spiel, gefüllt vom ergreifenden Gesang von Sänger Dave. Zum Repertoire gehörten nicht nur englische, sondern auch deutsche Texte, was zuerst verwunderte, der Band aber sehr gut zu Gesichte stand. Obwohl sie die erste Band waren, herrschte in der Halle bereits Partystimmung. Gänsehaut kam bei der Ballade „Let Me Go“ auf, welche mit sehr viel Emotion dargeboten wurde. Dann betrat Korry, die Sängerin der nachfolgenden Band noch die Bühne, um gemeinsam mit Dave das Duett „Sister Terror“ zu singen. Toller Song und krönender Abschluss eines gelungenen Gigs.

Korry, Sängerin von THE MYSTERY, die ja bereits Gelegenheit hatte sich warm zu singen, konnte somit sofort als die kleine, sympathische Power-Frau mit der Wahnsinns-Röhre voll durchstarten und die Gäste in ihren Bann ziehen. Die Band hatte erst einen Tag zuvor ihr neues Album herausgebracht und hier die beste Gelegenheit das neue Material live zu testen und unter die Leute zu bringen. Die Spielfreude war der Truppe sichtlich anzusehen und übertrug sich fast schon infektiös auf die Meute. Ganz besonders ist mir der Song „Judas Betrayed“ im Ohr geblieben, der auch als Track auf der neuen Platte zu finden ist. Dave von SCHATTENSPIELER konnte sich für den Besuch von Korry revanchieren und seinerseits THE MYSTERY für ein weiteres Duett beehren.

Die Kölner GUN BARREL kickten - mal salopp formuliert - direkt Arsch. Der Funke sprang sprichwörtlich zum Publikum über und die Band selbst war voller Elan und einem regelrechten Bewegungsdrang unterworfen, den der Gitarrist auf der Bühne in zahlreichen Pirouetten auslebte. Kölsche Einlagen von Sänger Xaver sorgten für zahlreiche Lacher. Songs wie „Dear Mr. Devil“ oder „Brother To Brother“ lassen einfach aufhorchen und die Energie der Songs steckt an: man wurde mitgerissen und musste sich zwangsläufig im Takt der Musik bewegen. Von Zugabe-Chören begleitet, gaben GUN BARREL mit „Battle Tested“ die erste Zugabe des Abends.


Setlist GUN BARREL:
  • Front Killer
  • Dear Mr. Devil
  • Roll Of The Dice
  • Keep On Moving
  • Cheap Wild & Nasty
  • Brother To Brother
  • I’m Alive
  • Outlaw Invasion
  • The Redeemer
  • Turn To Black
  • Lonely Rider
  • On The Road Again
  • Battle Tested
Gun Barrel Orden Ogan

Zeit für den Bombast-Metal von ORDEN OGAN. Sicherlich ist die Komplexität der Songs live schwierig darzubieten, doch hatte die Band das nach einem holprigen Einstieg schnell im Griff. Wie erzeugt man die ganzen Chöre die auf Platte zu hören sind? Ganz einfach, man macht das Publikum zum Chor, was der Band bestens gelang und so herrschte schnell gute Laune vor der Bühne. Mit dem RUNNING WILD Cover „Riding The Storm” kam die Band ebenfalls gut an und hisste imaginär die Piratenflagge, bevor sie sich mit dem Song “Angels War” verabschiedeten und unter verdientem Applaus die Bühne verließen.

Nun betrat die erst 2006 gegründete und somit noch relativ junge Band CIVILIZATION ONE die Bühne. Sänger und Gründungsmitglied Chitral „Chity“ Somapala ist jedoch in der Metal-Szene kein unbeschriebenes Blatt und hat sicherlich auch deshalb schnell eine erlesene Schar von Musikern um sich versammelt. Der anspruchsvolle melodische Power-Metal der fünf Recken war ein akustischer Leckerbissen, doch auch optisch ließ sich die Band nicht lumpen: Chity war überaus agil auf der Bühne und auch davor, denn er ließ es sich doch nicht nehmen, sich unter das Publikum zu mischen. Unterbrochen wurde der Gig von einem Heiratsantrag! Die Braut nahm den Antrag an und wir wünschen den Glücklichen alles Gute. (Anm. d. Red: Kai Pflaume wäre wahrscheinlich nur unbedeutend weniger peinlich gewesen.) Weiter ging es dann mit CIVILIZATION ONE, die mit Songs wie „The Lost Souls“, „16“ und „Scared“ punkten konnten und meinen Musikgeschmack zielsicher trafen. Ich halte schon mal Ausschau nach weiteren Konzerten: Chity, wir sehen uns!


Setlist CIVILIZATION ONE:
  • Intro (Celestial Sunrise)
  • Life Of Agony
  • The Lost Souls
  • Welcome To Paradise
  • 16
  • Dream On
  • Sacred
  • Time Will Tell
  • Wishing Well
  • Legends Of The Past
Civilization One Axxis

AXXIS starteten ihren Set mit dem Titelsong der aktuellen Scheibe „Doom Of Destiny“. Die Luft war schnell so energiegeladen, dass einem ganz schwindlig wurde. Die nun durch das abgebaute Equipment der anderen Bands größer gewordene und mit einem riesigen Backdrop verzierte Bühne wurde zur Spielwiese von Sänger Bernhard Weiß, der wenn er nicht Sänger geworden wäre, einen prima Entertainer abgeben würde. Er unterhielt das Publikum nicht nur mit den Songs, sondern wusste dieses auch mit seinen lustigen Sprüchen zu unterhalten und hatte so die Lacher stets auf seiner Seite. Auch wenn das Material der neuen Platte vielleicht nicht jedem bekannt war, der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Die Menge gierte nach Klassikern wie „Kingdom Of The Night“ oder „Living In A World“ und wurde an diesem Abend nicht enttäuscht.


Setlist AXXIS:
  • Doom Of Destiny
  • Tales Of The Glory Island
  • Little War
  • Lady Moon
  • Stay Don’t Leave Me
  • She Got Nine Lives
  • Bloodangel
  • Astoria
  • Angel Of Death
  • Instrumental
  • Akustik-Set: Heaven In Black, Fire And Ice, Touch The Rainbow
  • Wind In The Night
  • My Little Princess
  • Little Look Back
  • Kingdom Of The Night
  • The Fire Still Burns
  • Flashback Radio
  • Living In A World
  • Nana Hey Hey Goodbye

Gratulation an das Börsencrash-Team, die dieses kleine, aber überaus tolle Festival auf die Beine gestellt und bei der Wahl der Bands guten Geschmack bewiesen haben.

Fotos: Jennifer Laux

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