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11. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MASTERSTROKE, MANTICORA, JON OLIVA'S PAIN
Ort Aschaffenburg, Colos-Saal
Datum 28.04.2008
Autor Thorsten Ritter
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Nach der von Jon Oliva verkndeten Hiobsbotschaft vergangenes Jahr, SAVATAGE seien endgltig Geschichte und wrden nie wieder live zu sehen sein, war ich ber die Ankndigung im Vorfeld dieser Tour, der aktuelle Set bestnde zu 60 % aus SAVATAGE-Songs, natrlich sehr berrascht und mehr als begeistert. Bevor allerdings der Mountain King seinen Worten Taten folgen lassen konnte, hatten MASTERSTROKE und MANTICORA die ehrenvolle Aufgabe, dass Publikum auf Betriebstemperatur zu bringen.

Zu MASTERSTROKE kam ich ordentlich zu spt, da der fr 21 Uhr angekndigte Beginn ein ganzes Stck vorgezogen wurde. Ich habe daher nur die letzten 2 Songs des Sets mitbekommen, welche natrlich nicht ausreichend gewesen sind, um sich einen respektiven Gesamteindruck machen zu knnen. Das bereits recht ordentlich gefllte Colos-Saal reagierte jedenfalls ziemlich verhalten auf den keyboardlastigen, leicht progressiven Melodic-Metal.

Manticora Manticora

MANTICORA legten nach einer kurzen Umbaupause gegen 21 Uhr los und es wurde ziemlich schnell klar, dass sie keinen leichten Stand haben wrden. Trotz bereits sechs verffentlichter Longplayer war mir die Band bisher vllig unbekannt. Das Material der Dnen klang zu gleich und auf Dauer zu uninspiriert und kein Song wollte richtig znden. Die Jungs konnten sich zudem nicht entscheiden, ob sie Power- oder Prog-Metal spielen wollen. Es fehlte dem Ganzen eine gewisse Portion Harmonie. Das Quintett hat zwar mit Snger Lars Larsen einen agilen Frontmann in seinen Reihen, der es mit seiner Performance jedoch trotzdem nicht schaffte, die Anwesenden an diesem Abend auf seine Seite zu ziehen. Welche Drogen er genommen haben muss bzw. was ihn vermuten lies, am Ende der Tour vor mehreren tausend Fans zu spielen, bleibt sein Geheimnis und mir ein Rtsel. Erschwerend hinzu kam, dass MANTICORA whrend des gesamten Konzerts mit diversen Soundproblemen zu kmpfen hatten. Ich wurde aber das Gefhl nicht los, dass die Menge sowieso nur noch auf den Mountain King wartete. Knappe 45 Minuten jedenfalls dauert es und der Spuk war vorbei.

Erwartungsgem wurde es zum Headliner richtig voll und nach einer erneut erfreulich kurzen Umbaupause ging zu den Klngen von "Temptation Revelation" das Licht aus und Jon Olivas Mitstreiter betraten die Bhne. Mit tosendem Applaus wurde zum Schluss Jon Oliva selbst begrt, der mit seiner Statur seinem Spitznamen "Mountain King" alle Ehre machte, welche Meat Loaf in seinen Glanztagen wie ein magerschtiges Schulmdchen htte aussehen lassen. Freudestrahlend und mit einem Krckstock bewaffnet betrat er die Bhne, mit welchem er die jubelnde Menge wie ein Maestro dirigierte. Fr das zustzliche und ungewhnliche Accessoire machte er durch einen Unfall bestehende "hllische" Schmerzen verantwortlich. Er nahm dann an seinem Keyboard Platz und erffnete den Set mit dem SAVATAGE-Klassiker "Sirens". Einen besseren Opener htte er sich nicht aussuchen knnen, denn so hatte er das Publikum direkt auf seiner Seite. Beim anschlieenden "Unusual" musste er allerdings feststellen, dass sein Instrument nicht funktionieren wollte und selbst seine Stogebete gen Himmel nicht helfen sollten. Das schien ihm jedoch einerlei zu sein, so dass "Eyes Of The King" und das Titelstck der vorletzten Scheibe, "Maniacal Renderings", kurzerhand ohne Jons Keyboard und von ihm im Stehen gespielt wurden. Danach war das defekte Gert durch das von MANTICORA ausgetauscht und angeschlossen. Das Publikum wurde fr diese Unannehmlichkeiten dadurch belohnt, dass im Anschluss mit "Gutter Ballet" ein weiterer Klassiker vom Stapel gelassen wurde, welcher ebenso frenetisch abgefeiert wurde wie das anschlieende, Jons verstorbenem Bruder Chris gewidmete, "Hounds". Mit dem noch aus der Feder von Chris stammenden "Firefly" prsentierte man den ersten Song vom aktuellen Output "Global Warning", welcher auch von einem SAVATAGE-Album htte stammen knnen. Mit "Jesus Saves" und dem durch "Mentally Yours" eingeleiteten "Tonight He Grins Again" gab es zwei weitere Hits zu hren, bevor Jon kurz die Band vorstellte. Die Jungs sind zwar nicht SAVATAGE, aber dennoch gut aufeinander eingespielt und berzeugten sowohl bei den eigenen, als auch bei den SAVATAGE-Songs. Auer Bassist Kevin Brothney, welcher hin und wieder seine Position wechselte, hielt sich der Bewegungsradius der Band allerdings in Grenzen. Gitarrist Shane French schttelte gelegentlich seine imposante Matte und Lead-Gitarrist Matt LaPorte prsentierte seine perfekte Gitarrenarbeit mit stoischer Ruhe und einem Gesichtsausdruck, welcher irgendwo zwischen Langeweile und Arroganz lag. Manticora Manticora Zum Mountain King selbst viele Worte zu verlieren, wre wie Wasser in die Wste tragen. Er sa den grten Teil des Sets hinter seinem Piano und hatte das Geschehen mit seiner sympathischen Ausstrahlung fest im Griff. Immer wieder hatte er einen lockeren Spruch auf den Lippen und paarte dies mit seiner unverkennbaren Mimik (seine Grimassen sind einfach unvergleichbar!). Es war beeindruckend zu beobachten, wie er die Szenerie jederzeit beherrschte und die Aufmerksamkeit auf seine Person fokussieren konnte. Man merkte immer noch, dass er hungrig war und Freunde sowie Spa bei seiner Arbeit hatte. Die drei darauf folgenden neuen Stcke wurden dann in Form eines Medley gezockt, bevor nach diesem Abstecher mit Chance ein weiteres Highlight folgte, welches von Jon augenzwinkernd mit den Worten I wrote it for Zak, but sorry Zak, I sing it better angekndigt wurde. Zak Stevens wurde in der Tat nicht vermisst, was sicherlich auch daran lag, dass der Chor-Part des Stcks hervorragend umgesetzt wurde. O To G widmete Jon im Anschluss dem krzlich verstorbenen Producer Greg, bevor mit dem stimmungsvollen und hymnenhaften Believe der nchste Hammer zum Zuge kam. You Never Know und das flotte Adding The Cost beendeten dann nach 100 sehr unterhaltsamen Minuten den regulren Set. Kaum richtig von der Bhne kam der Mountain King, Gitarrist Matt LaPorte mit seinem Stock wieder auf die Bhne treibend, erneut zurck, um mit Hall Of The Mountain King die SAVATAGE-Hymne schlechthin von allen Anwesenden abfeiern zu lassen und somit ein zufriedenes Publikum in die restliche Woche zu entlassen.

Jedem SAVATAGE-Fan, der an diesem Abend nicht zu gegen gewesen ist, sei gesagt, dass er etwas verpasst hat. JON OLIVAS PAIN hinterlieen einen hervorragenden Eindruck, denn Jon hat immer noch eine grandiose Stimme und auch seine unverkennbaren, eindringlichen Schreie haben nichts von ihrer Intensitt verloren. Zwar konnte nicht jeder neue Song die Magie der SAVATAGE-Klassiker entfalten, aber sie fgten sich in den Set ein ohne dabei strend zu wirken. Ein bisschen Wehmut kam allerdings schon auf, SAVATAGE eventuell nie wieder sehen zu knnen, aber es gibt ja noch JON OLIVAS PAIN, welche das Erbe von SAVATAGE genauso wrdig verwalten wie U.D.O. das von Accept!


Setlist:

  • Temptation Revelation (Intro)
  • Sirens
  • Unusual
  • Eyes Of The King
  • Maniacal Renderings
  • Gutter Ballet
  • Hounds
  • Firefly
  • Jesus Saves
  • Mentally Yours / Tonight He Grins Again
  • Medley: Before I Hang / Global Warning / Look At The World
  • Chance
  • O To G
  • Believe
  • You Never Know
  • Adding The Cost
  • Hall Of The Mountain King
  • Silk And Steel (Outro)
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