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18. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing TROUBLE, SAHG, GORILLA MONSOON
Ort Frankfurt, Nachtleben
Datum 16.04.2008
Autor Christian Schfer
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Manche Sprichwrter sind richtig doof. Mir fllt spontan kein Beispiel ein. Andere sind gut. Zumindest treffen sie einfach zu und berzeugen somit durch einen gewissen Wahrheitsgehalt. Ein Sprichwort dieser Art lautet "nomen est omen"; der Name ist also -frei bersetzt- ein Zeichen. Daran htte ich denken sollen als ich am 16.4. zum Bahnhof eilte, um die legendre Doomband TROUBLE nebst geilem Vorprogramm in Frankfurt zu sehen bzw. zu hren. Trouble. Problem also. Das Problem war -wie so oft- die Deutsche Bummelbahn bzw. deren kleiner Ableger RMV. Der Dreckszug kam knappe 30 Minuten zu spt. Immerhin hat man sich entschuldigt.

Gorilla Monsson

Da ich ohnehin spt aus der Uni kam konnte ich von den Dresdner Stonergttern GORILLA MONSOON, der ersten Vorgruppe an diesem Abend, noch den Schlussakkord hren. Der Auftritt soll aber ein Oberabrumer gewesen sein, da waren sich alle einig. Schnen Dank auch, liebe Bahn. Gehrt dieses permanente Getrdel zum Sparprogamm von Holzkopp Mehdorn? Wenigstens habe ich noch rechtzeitig mitbekommen, dass das Konzert bedauerlicherweise von der Batschkapp im Norden Frankfurts in das vergleichsweise kleine Nachtleben im Zentrum verlegt wurde. Kann es denn sein, dass nur so wenige Leute noch echte Helden sehen und hren wollen? Okay, ist ein Mittwoch- na und!?

Immerhin bestand trotz Bahnterror die Chance, noch zwei Bands, die sich eher zum Doom zhlen und somit zu wenig hektischem Schaffen neigen, zu erleben. Nach einer echt langen Umbaupause ging's mit SAHG weiter. SAHG kommen aus Norwegen und haben im Frhjahr ihr zweites Album, sehr witzigerweise "SAHG II" betitelt, auf den Markt gebracht. Beim Hren der besagten Scheibe ist mir nicht ganz klar geworden, warum die drei (an diesem Abend waren's brigens vier) meinen, dass sie Doom spielen. Schubladenfeinde, aufgepasst! Das, was SAHG an jenem -ausnahmsweise regenfreien- Abend in der hessischen Hauptstadt (Meint Ihr nicht auch, dass Wiesbaden kacke ist und Frankfurt Hauptstadt sein sollte? Nicht so wichtig.) abliefern, ist fr mich kein Doom. Sahg Mich erinnert's eher an SOLITUDE AETURNUS und hnliche Epic-Power-Quietscher, sowas ist kein Doom, sowas ist doo- ach Mist, irgendwie steckt mir die Zugversptung immer noch quer.Mehr journalistische Objektivitt also!
SAHG sind eigentlich recht bekannte Leute aus Bands wie GORGOROTH, MANNGARD und AUDREY HORNE. Warum King, der sonst bei GORGOROTH schwarzes Metall fabriziert, an diesem Abend nicht dabei war, haben die Jungs nicht durchgesagt. Und auch nicht, wie der Ersatzmann am Bass hie. Das war allerdings nicht weiter tragisch; der Unbekannte beherrschte das Material, minimale Verspieler trbten das Hrvergngen im nahezu ausverkauften Nachtleben berhaupt nicht, und SAHG lieferten ein solides Programm aus ihren beiden bisherigen Alben ab. Der Akzent lag hierbei auf "SAHG II", das im Gegensatz zu seinem Vorgnger -"SAHG I" brigens, wer htt's gedacht!?- weitaus experimentierfreudiger ausfllt. Weg vom reinen Doom der Baustellen BLACK SABBATH und PENTAGRAM klingen jetzt auch Einflsse wie LED ZEPPELIN, und sogar NWOBHM-Heroen wie WITCHFINDER GENERAL und IRON MAIDEN durch. Frhe MAIDEN, versteht sich. Das gefllt mir persnlich zwar nicht; allerdings muss ich zugeben, dass SAHG hier nicht einfach geklaut haben sondern auf sehr ehrliche Art und Weise ihren alten Helden huldigen. Und das kommt sogar so gut an, dass die Nachtlebenden sogar massiv Zugaben fordern, die die brigens sehr sympathischen Mnner aus dem Norden aufgrund des straffen Zeitplans jedoch nicht spielen drfen. Was mir persnlich wenig ausmacht, aber das muss ich nach dem Gesagten sicher nicht mehr betonen.

Dann, nach gefhlt dreistndiger Umbaupause: endlich! Juhu! TROUBLE! Aus Chicago! Die Band, die nicht nur von harten Doomfans in einem Atemzug mit BLACK SABBATH, SAINT VITUS und PENTAGRAM genannt wird. An einem Mittwochabend in einem kleinen Laden, mitten in Frankfurt. Meine Freude knnte kaum grer sein.
Als Intro legen TROUBLE ein herrliches groovendes Instrumental vor, in dessen Verlauf Sangesbarde Eric Wagner, rockermig accessoireverziert (Bier, Kippe, Pornobrille) gemchlichen Tempos ans Mikro schlappt und gewohnt tenorlastig ins Geschehen eingreift. Trouble Trouble Wer so gepflegt auf's Rauchverbot scheit, wie der erste Mensch in die Umgebung rotzt, bei lngeren Soli am Bhnenrand weiterqualmt und verschiedene Hnde schttelt, hat sich den Begriff "entspannt" vermutlich ganz gro hinter's Ohr geschrieben. Reichlich durstig und offensichtlich bester Laune trllert der Gute sich durch ein Best-Of-Programm, das von Frhwerken ("Trouble", "The Skull") bis zur aktuellen Scheibe ("Simple Mind Condition") reicht.
Obwohl diese Band seit ca. Mitte der 1980er Jahre Qualittsdoom feinster Sorte produziert ist ihr der groe kommerzielle Durchbruch bisher versagt geblieben. Auf dem Heimweg den frage ich mich, warum. Geile Platten, live geil, routiniert zwar, aber nicht gelangweilt und top eingespielt gibt's an den Herren jedenfalls keine ernsthaften Kritikpunkte. Na, vielleicht beim nchsten Album...
Tja, mehr kann ich zu TROUBLE selbst nicht vermelden. Als sie bei "Goin` Nowhere" vom aktuellen Album und damit dem vierten Titel an diesem Abend sind, muss ich mich abseilen. Fahrplan- und Uni-bedingt. Manchmal kann man gar nicht so viel essen wie man gern kotzen wrde. Ach egal, man soll schlielich aufhren, wenn's am schnsten ist. Auch eines von den guten Sprichwrtern. Und beim nchsten Mal wird eh' alles besser, oder? Genug der Phrasendrescherei, nur noch 'ne abschlieende Bitte in die Runde: schaut Euch TROUBLE an, wenn sie mal wieder in der Gegend sind.

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