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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WACKEN OPEN AIR 2002
Ort Wacken
Datum 01.-03.08.2002
Autor Flo
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Wie jedes Jahr war auch diesen August mal wieder das Wacken Open Air angesagt. Wieder einmal pilgerten Metaller aus ganz Europa in den kleinen Ort in Schleswig-Holstein um dort ein gemütliches Wochenende im gepflegten Siff mit entsprechendem Soundtrack zu verbringen. Auch ich gehörte dieses Jahr mal wieder dazu, wohl gemerkt als einziger der für das My Revelations Schreibenden. Da ich auch keine Akkreditierung oder ähnliches hatte liegt es Nahe, dass dieser Bericht absolut subjektiv ist. Ich schreibe meine Meinung über das Festival, das Umfeld und die Bands die ich gesehen habe. Die mag zwar teilweise nicht gerade zimperlich sein, aber wer sich daran stört wird von niemandem gezwungen weiter zu lesen, unkritische und schönschreibende Wacken-Berichte sind ja weder im Internet noch in der Printpresse Mangelware, Namen spare ich mir.

Donnerstag, 1.8.2002

Nach einer absolut nervigen Autofahrt durch Stau und strömenden Regen (9 Stunden für knapp 600 km) kamen wir endlich in Wacken an. Nach einiger Warterei am Einlass auf das Campinggelände waren wir dann privilegiert ein Parkticket zu erwerben, zum idealistischen Fanpreis von nur 20 Euro (man beachte die Umrechnung im Vergleich zum D-Mark-Preis vom letzten Jahr, 100% Aufschlag sind nicht schlecht, das nennt man wohl Teuro, Inflation oder einfach blanke Abzocke). Na ja, immerhin hat der Veranstalter ja ausschließlich Rasenplätze versprochen, immerhin eine Verbesserung zum Acker vom letztens Jahr. Allerdings scheinen meine Vorstellung von Rasen und die der Wacken-Orga leicht voneinander zu differieren. Unter Rasen verstehe ich jedenfalls keinen abgeernteten Acker. Für alle potentiellen Widersprecher, wir waren auf R2, und wer da Gras gesehen ist offenbar mit seinem Stoff gut an den Polizeikontrollen vorbei gekommen. Das Wetter war auch bei der Ankunft und beim Aufbauen unter aller Sau, aber dafür kann niemand was, ich wollte es lediglich erwähnen. Von den Bands am Donnerstagabend habe ich zum Glück wenig mitbekommen, allein das bisschen Doro, was an die Bändchenausgabe durchgedrungen ist hat mir schon gereicht.

Freitag, 2.8.2002

Immer noch Regen, langsam fangen die Reste der Agrikulturgüter auf unserem Rasenplatz an gehörig zu stinken. Na ja, Metal ist wenn man trotzdem trinkt, oder so. Auf alle Fälle waren erst mal Vomitory angesagt...allerdings von draußen, da die Frankfurt Security sich beim Durchsuchen der Einlass Suchenden ordentlich Zeit gelassen hat, immerhin mussten ja potentielle Mordinstrumente wie Regenschirme konfisziert werden, bei dem Wetter ein Erstschlag gegen den gesunden Menschenverstand. Zum Glück hat das Kontaktbedürfnis der freundlichen Damen und Herren in schwarz mit dem Verlauf des Festivals immer mehr nachgelassen, weshalb man die meiste Zeit recht zügig auf das Festivalgelände konnte. Übrigens, wo ich gerade bei den Ordnern bin, einen angenehmen Gegenpol zu den Frankfurt Securities (waren das nicht die, über die sich 99 alle aufgeregt hatten, weil sie teilweise Diver verprügelt haben, und die laut Orga nie mehr kommen sollten?) bildeten die Metal Guards auf dem Zeltplatz (Kommentar zum Namen ist überflüssig), die wirklich sehr freundlich und zuvorkommend waren, fand ich gut. Aber nun zum Wesentlichen...

Domine

Zu meiner Verteidigung: Ich habe diese Band nicht freiwillig gesehen, ich habe nur nebenan an der Black Metal Stage auf Necrophobic gewartet. Aber was da auf der True Metal Stage abging war in meinen Augen die schlimmste Menschenrechtsverletzung, die Italien seit Benito Mussolini hervorgebracht hat, von Epic Hollywood Metal-Duce Luca Turilli und seinen Schergen mal abgesehen. Widerlich kitschiger Power Metal mit fabulösen Songtiteln wie "Thunderstorm" (und noch so ein paar Dinger, hab ich leider vergessen), Klimper- Keyboards und einem Sänger, der "Balls to the walls" von einer Band bzw. einem Menschen, über den ich im Verlauf des Berichtes auch noch herziehen werde, mit Sicherheit zu wörtlich genommen hat. Na ja, für Amüsement war gesorgt, und der Sound war wirklich fett, was für Necrophobic einiges erhoffe lies.

Necrophobic

Potentielles Highlicht Nr. 1. Die vier Schweden sind ja auf Platte absolut geil, trotz der tödlichen Überdosis an lyrischem Schwachsinn, obwohl "666, we vomit on the crucifix" eigentlich schon wieder der totale Kult ist. Live kam der rotzige Black/Death-Metal wirklich cool rüber, die nietengespickten Kollegen auf der Bühne boten die entsprechende optische Umsetzung von Songs wie "Nailing the holy one" oder "The third of arrivals". Leider war nach einer halben Stunde incl. dem abschließenden "The nocturnal silence" schon Schicht. Leider haben sie "Spawned by evil" nicht gespielt, was aber wohl an der Spielzeit gelegen hat. Auf einem Festival wie dem Wacken sind Necrophobic aber an Popularität eher eines der kleineren Lichter, deshalb ging die Spielzeit in Ordnung, ich kann meinen Musikgeschmack ja nicht als allgemeingültig ansehen. Der geneigte Hörer sollte sich die Band auf dem Party-San mit Headlinersetlist geben, die scheinen da ja eh jedes Jahr zu spielen. Achja, der Sound war auch nicht grade der Knüller, mal wieder das Wacken-Syndrom: Mit extremeren Bands oft völlig überforderte Soundleute. Man erinnere sich an das Krisun-Desaster im letztens Jahr, von Nasum ganz abgesehen, und was bei Vomitory bis an die Warteschlange durchkam klang auch nicht grade toll.

Metalucifer

Die nicht wirklich japanischen Retro-Metaller (außer dem Sänger sind glaub ich nur Leute aus dem Desaster-Umfeld dabei, halt Tormentor an den Drums, Blumi von Metal Inquisitor an der Gitarre und noch ein Gitarrist, den ich nicht erkannt hab, aber definitiv kein Asiat) sind ja schon irgendwie witzig. Ich hab es halt nicht so sehr mit diesem Sound, dafür bin ich einfach zu jung, aber eins muss man sagen: was Metalucifer machen, machen sie wirklich cool. Irgendwie klingt das für meine ungeschulten Ohren tierischen an uralten Maiden, mit kultigem Uffta-Drumming und noch mal viel kultigeren Songtiteln à la "Heavy Metal chainsaw" oder "Heavy Metal hunter", aber definitiv um Längen besser als die ganzen Eunuchen-Bands, die sonst noch in Wacken ihr Unwesen getrieben habe. Irgendwie hat es mir gefallen, auf alle Fälle OK.

Dying Fetus

Wie ehrlich und authentisch Dying Fetus nach dem quasi-Split und der Geschichte mit Misery Index noch sind ist fraglich, aber live sind die vier Amis (diesmal leider ohne den Next Step Up-Gitarristen) auf alle Fälle mächtig! Fetter, brutaler, grindiger Death Metal mit alles plättenden Moshriffs und krassem Doppelgesang (tief und noch tiefer). Der Sound war ordentlich, auch wenn die Snare bei den Hyperblasts teils ein bisschen leise war, aber bei der Geschwindigkeit ist das kein Grund zum Motzen. Einziger potentieller Kritikpunkt ist, dass bei einigen Passagen die zweite Gitarre schon etwas gefehlt hat, von wegen Druck und so. Gespielt haben Dying Fetus Songs von fast alles Veröffentlichungen ("Grotesque impalement", "Blunt force trauma", "Epidemic of hate" etc.) und einige Sachen vom nächsten Album, die alle soweit auch fett klangen. Die Frage ist nur, ob sie das textliche Niveau der letzten beiden Alben halten können. Nach dem Ausscheiden von Jason Netherton, der für die enorm guten Texte, die Dying Fetus für mich persönlich im Death Metal Bereich immer zu etwas Besonderem gemacht haben, da die Zahl der Bolz-Bands mit politischen Texten leider viel zu klein ist (mir fallen sonst noch Internal Bleeding oder Spawn ein), habe ich leider die Befürchtung, dass man wieder auf "Nocturnal crucifiction"-Niveau degeneriert und so textlich im Einheitsbrei der Death Metal Bands versinkt. Solange sich Dying Fetus musikalisch jedoch weiterhin so daraus hervorheben wie sie es derzeit tun ist das zu verkraften. Aber schade wär´s trotzdem...

Fleshcrawl

Die Schwaben habe ich bereits zweimal live gesehen, deshalb musste ich mir nicht den kompletten Auftritt geben. Was ich gesehen hab hat mir aber mal wieder gefallen. Old school Death Metal, stumpf, mit Uffta-Drumming und gegrunzten Ansagen, der mir auf Platte zwar nicht wirklich gefällt, aber live sind Fleshcrawl wirklich eine sehr unterhaltsame Sache, da die Band ihr Material immer mit jede Menge Energie rüberbringt. Gratulation übrigens an den neuen Gitarristen, erster Gig, dann direkt auf einem Festival wie Wacken, dafür hat sich der junge Herr (vielleicht mein Alter) wirklich ordentlich aus der Affäre gezogen. Fleshcrawl live ist immer eine gute Sache, Daumen hoch.

Alabama Thunder Pussy

Soso, Relapse signen eine Band mit so einem Namen, was mag das wohl sein. Eins steht fest: Relapse signen keinen Schrott, alles was das Label rausbringt hat Hand und Fuß. Mir fällt bei denen wirklich auf, dass sie auf Qualität achten, besonders das szeneübergreifende Angebot des Labels von Neurosis, Burnt By The Sun über Deceased oder Exhumed bis hin zu Zeug wie Bastard Noise (mit einem Verkaufspotential, das ungefähr dem Moselland Trio gleichkommt). Na ja, ich bin von deren Labelpolitik echt angetan, nichts für ungut. Aber zurück zum eigentlichen Thema: ATP. Als ich im Zelt ankam waren die Kollegen grade am Aufbauen, und mein Grinsen wurde immer breiter: Gitarrist und Drummer sahen so was von sludgig aus (ZZ Top-Bart, die kompletten Arme zutätowiert, Filzmatte, Truckermütze), ich hab mir im Kopf schon einen Eyehategod meets Down-Sound ausgemalt und mir einen abgefreut. Na ja, eigentlich klang das ganze eher etwas nach Kyuss oder The Obsessed, eher Midtempo-mäßig, rockiger Sänger, Groove. Ganz cool, aber ich bin nach drei Songs gegangen, weil ich für solche Musik in dem Moment nicht so die Motivation hatte. Aber was ich mitbekommen habe hatte auf alle Fälle Stil und war gut gemacht.

Pungent Stench

Ösis haben alle einen an der Waffel. Nachdem Belphegor auf dem Fuck The Commerce IV dieses Vorurteil völlig bestätigt haben gaben sich nun Pungent Stench (mit neuem Bassisten, der irgendwie Ähnlichkeit mit dem hatte, der vor einiger Zeit bei Belphegor raus ist) die Ehre. Die drei ehrwürdigen Herren enterten in Priesterkutten die Bühne, unter denen sie später ein wirklich richtig geschmackloses S/M-Lack-und-Leder-Outfit entblößten, Unterhaltungsfaktor ohne Ende! Mit richtig fettem Sound kamen die groovigen Death Metal Songs wirklich verdammt geil. Auf Platte kenn ich von Pungent Stench nur die "Been caught buttering" (von der wurden "Shrunken and mummified bitch" und "Splatterday night fever" gespielt), live würde ich das ganze mal als mächtig rockenden Old School Death Metal mit einigen sehr crustigen Riffs beschreiben, auf alle Fälle für mich eine der besten Bands des Festivals, auch wegen der wirklich geilen Bühnenshow, einfach nur A.S.O.Z.I.A.L.!

Primordial

Von Primodrial hab ich leider nur die zweite Hälfte gesehen, die hat mir aber wirklich gut gefallen. Epischer, düsterer Metal mit leichtem Folklore Einschlag und eigener Melodik (die mein Mitkonzertgänger immer wieder betont hat, die allerdings dank des etwas matschigen Zelt-Sounds nicht so gut rüberkam). Auf alle Fälle haben die Songs jede Menge Pathos, aber im positiven Sinne, der klare Gesang kam wirklich gut rüber, und irgendwie zieht sich durch alle Songs, die ich gesehen habe dieses Aeternus-mäßige Marschmusik-Feeling (Scheißbegriff, aber mit fällt nicht besseres ein, das Ganze war halt sehr stampfend, und bevor ich mich in irgendwelche unnötigen Metaphern von aufmarschierenden Armeen und Braveheart-Pathos verstricke versuch ich's lieber so), wirklich ziemlich mächtig. Vorne ging es auch ordentlich zur Sache soweit ich das gesehen habe, besonders die gehisste Irland-Flagge war cool. Songtitel kann ich in Ermangelung der Kenntnis irgendwelcher Primordial-Aufnahmen leider nicht nennen. Hat mir aber wirklich gut gefallen, interessante Band.

My Dying Bride

Direkt am Anfang Tacheles: In meinen Augen waren My Dying Bride die beste Band des Festivals. Einfach alles hat gestimmt. Für diese Musik war die Spielzeit um Mitternacht herum perfekt. Die ganze Atmosphäre hätte nicht besser sein können, einfach alles hat gepasst: die Dunstglocke (Danke an das Schleswig-Holstein´sche Klima) und der klare Sternenhimmel auf der einen, die Massen an Kunstnebel und der geniale Lichtshow auf der anderen Seite. Und dazu die Musik. Eigentlich ist es überflüssig My Dying Bride zu beschreiben, die sollte man eh kennen, aber ich tu´s trotzdem. Gothic-Doom-Metal mit Death Metal Einflüssen. Klingt originell, ich weiß, allerdings übertreffen My Dying Bride an Intensität, Düsternis und Melancholie (wobei das hier eigentlich untertrieben ist) alle anderen mir bekannten Bands in diesem Sektor. Live muss man eine Person ganz klar hervorheben: Sänger Aaron Stainthorpe. Dieser Mensch hat Charisma, wie er jammernd, markerschütternd schreiend (das klingt jetzt nach Ablaze-Review, aber die Grunz- und Schreiparts gingen wirklich tief, ohne Übertreibung) über die Bühne stolpert, kein aufgesetzter Pathos, irgendwie kam alles sehr ehrlich rüber, man merkt, dass hinter den Songs wirkliche Emotionen stecken. Und die wurden gnadenlos rübergebracht! "She is the dark", "The cry of mankind", um nur zwei Beispiele zu nennen, kamen so dermaßen intensiv und niederschmetternd, wie ich es noch bei keiner Metalband erlebt hab, weder live noch auf Platte. Die pure musikalische Depression und Ausweglosigkeit war einfach nur bedrückend, dass man noch nicht einmal über die Ironie schmunzeln konnte, dass das Konzert auf der Party Stage stattfand. Ein absoluter Trip, ich bin restlos begeistert (war sicher unheimlich schwer herauszulesen)! So, und nun zu etwas völlig anderem. Warum stehen Massen an besoffenen, grölenden Torfrock-Fans vor der Bühne? My Dying Bride haben genau zur festgeschrieben Zeit am festgeschriebenen Ort gespielt, das stand sogar noch auf meiner veralteten Running Order, auf der sogar noch Lock Up drauf waren...wer lesen kann ist klar im Vorteil, ne? Na ja, wenigstens haben sie die Gestalten relativ schnell verzogen. Und noch etwas völlig anderes: Warum sind so viele Leute nicht in der Lage sich durch eine Menschenmasse zu bewegen, ohne sich wie die Axt im Wald aufzuführen? Besonders am Wacken Open Air fällt mir jedes Jahr (viertes in Folge) immer wieder die erschreckend hohe Zahl an Arschlöchern und Proleten (Entschuldigung für die Wortwahl, aber jeder andere Begriff würde solchem Gesocks nicht gerecht) auf. Ist es nicht möglich zu fragen ob man mal grade vorbei darf? Man kann sich wunderbar mit Gestik verständigen, auch wenn gerade eine Band spielt. Muss man einfach durchprollen? Die kleine Asiatin neben mir wurde diverse Male von irgendwelchen Idioten fast umgerannt, und das ist nur ein Beispiel. Das Verhalten solcher Leute kotzt mich einfach nur an, so was muss echt nicht sein...na ja, man könnte sagen, dass jedes Festival das Publikum bekommt, dass es verdient hat...und wenn das stimmen sollten, haben die Leute vom Wacken Open Air ein verdammt schlechtes Karma. Und jetzt soll niemand mit irgendwelchem degenerierten "ein Festival ist doch kein Kindergeburtstag"-Gesülze anfangen, sogar auf einem Metal-Festival kann man ja wohl ein paar klitzekleine Regeln des zwischenmenschlichen Umgangs beachten...Amen.

Samstag, 3.8.2002

Criminal

Zufälligerweise hat es mich schon zu etwas früherer Stunde aufs Festivalgelände verschlagen (als Antialkoholiker schläft man auf Festivals immer ein bisschen weniger als die delirierende Front), so dass ich auf einmal bei Criminal (aus Brasilien, wenn ich mich nicht täusche, ich war zu geizig mir ein Programmheft zu kaufen, aber ich meine vor geraumer Zeit mal was über die gelesen zu haben) vor der Bühne Stand. Echt netter Thrash Metal, nicht so regressiv wie einige andere Bands des Festivals, hatte etwas von Sepultura, gut zum wach werden, hab leider nur die letzten paar Songs mitbekommen, aber das hätte ich mir durchaus länger geben können.

Macabre

Vorfreude!!! Endlich sehe ich Macabre mal live! Ich hab mich echt gefreut wie ein Kind vorm Weihnachtsbaum, als die Roadies oben auf der Bühne alles aufgebaut haben und als dann Nefarius (mit cooler Mütze), Corp. Death (mit supercooler Latzhose) und Dennis the menace (hab ich nicht wirklich gesehen, enormes Schlagzeug!) und direkt zum Anfang mal das "Zodiak"-Intro LIVE dargeboten musste ich erst mal richtig breit grinsen, das wird richtig geil. Und das wurde es!! Erster Song eben "Zodiak", geiler Sound, geniale Performance (Corp. Death hat eine göttliche Mimik), und die Typen sind richtig gute Musiker. Besonders Dennis´ Drumming ist mir aufgefallen (fix!!), aber auch den anderen beiden merkt man an, dass sie seit rund 20 Jahren Musik fabrizieren. Die Songauswahl war ebenfalls ziemlich gelungen. "Ed Gein" von der "Grim reality", "Nightstalker", "Albert was worse than any fish in the sea", "Vampire of Düsseldorf" (mit gesungenem Intro, ich hab Tränen gelacht) und eben Zodiak von der "Sinister slaughter", "Hitchiker" und "Scrub a dub dub" von der "Dahmer" und einige Songs vom nächstem Album "Murder Metal", welches wohl Anfang 2003 erscheinen soll. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir dabei ein Songs, dessen Titel mir leider entfallen ist. Thema war mal wieder Fritz Haarmann. "Warte, warte noch ein Weilchen, dann kommt Haarmann auch zu dir, mit dem Hackehackebeilchen macht er Leberwurst aus dir", diese Zeilen eines Schlagers über den Metzger von Hannover, der in den 20er Leute zur Wurst verarbeitet hat, haben die drei Irren aus Chicago auf ihre ureigene Art interpretiert. Man Stelle sich also diese Zeilen im typischen Macabre-Stil und mit US-Dialekt vor. Ich hab auf der Heimfahrt noch gelacht! Definitiv eine der geilsten Band des Festivals und eine der unterhaltsamsten Livebands, die ich je gesehen habe. Allerdings nötigt mich der gesunde Menschenverstand noch anzumerken, dass einige Ansagen sehr bedenklich waren, besonders bei der Story von Albert Fish wäre mir wohl mein Frühstück hochgekommen, wenn ich eins gehabt hätte. Wo endet Interesse und wo beginnt Glorifikation? Diese Frage sollte man sich bei Macabre wirklich stellen, denn auch Dinge wie die Briefkorrespondenz mit John Wayne Gacy, die Corp. Death in diversen Interviews (u.a. auch in einem, dass ich mal fürs Purgatory of Grief gemacht habe) erwähnt hat, lassen die Band in meinen Augen nicht wirklich gut dar stehen. Macabre bewegen sich eben auf einem sehr schmalen Grat des schwarzen Humors.

Immortal

Warum sehe ich mir diese Schachbrettfressen eigentlich immer wieder an? Mittlerweile zum dritten mal in Wacken hab ich sie gesehen, und zweimal davon waren sie richtig mies. Zwar kann Horg mittlerweile geradeaus trommeln (man erinnere sich an das Holperinferno anno 99), aber das hat nichts am miesen Gitarrensound, dem nicht vorhandenen Bass-Sound (gelegentlich war mal ein was Ton zu hören, wenn man genau aufgepasst hat) und den einfach nur langweiligen Songs geändert. Die Bühnenshow bei Black Metal Bands ist eben Geschmackssache, deshalb lasse ich mich darüber gar nicht aus, aber Fakt ist, dass in meinen Augen die letzten 3 Immortal-Alben absolut gar nichts können und man diese Band live schlicht und einfach in die Tonne treten kann. Ich frage mich wie lange Peter Tägtgren im Abyss daran gesessen hat, um den Gitarrensound auf den Alben so hörbar zu machen, Abbaths Geschrammel muss wirklich eine Herausforderung gewesen sein...

Hypocrisy

Ich mag Hypocrisy nicht, ich habe Hypocrisy nie gemocht. Sogar als sie noch brutalen Death Metal gespielt haben, einen Stil, den ich wirklich sehr mag, haben sie mir nicht gefallen. Das ist heute nicht anders. Der Sound war zwar wirklich fett, und der Drummer ist richtig gut, besonders bei den sporadischen Ballerparts kam das klar heraus. Ich Frage mich nur, warum er sein Können an langweiliges Midtempo-Genöle wie "Fractured millenium" verschwendet. Bei Hypocrisy liegt es wirklich einzig und allein an den Songs und an Peter Tägtgrens kraftlosem Gesang. Mal davon abgesehen ist die Sampling-Rate live so was von lächerlich hoch ist, man sollte wenigstens einen Keyboarder mitnehmen, damit nicht die Hälfte der Songs vom Band läuft. Der Band werde ich nie was abgewinnen können, in meinen Augen sind die einfach nur maßlos überbewertet, aber darin sind Nuclear Blast Records ja geübt.

Cannibal Corpse

Zu erwähnen, dass Cannibal Corpse eine exzellente Liveband sind, ist überflüssig. Ungefähr genau so überflüssig wie "Hammer smashed face" zu brüllen, aber ich konnte es mir trotzdem nicht verkneifen. Was soll man groß schreiben, genial, wie immer eben. Instrumental erhaben, guter Sound, klasse Sänger, Druck ohne Ende, trotz aller Technik ultrabrutal, Cannibal Corpse haben, wie üblich, alles kurz und klein geheizt. Die gespielten Songs waren ebenfalls die üblichen, plus einiges von der "Gore obsessed", halt "Staring through the eyes of the dead", "Stripped, raped and strangeled", "I will kill you", "Pounded into dust", "Disposal of the body", "The spine splitter", "Unleashing the bloodthirsty", "Devoured by vermin", "Perverse suffering". Perfekt und immer wieder geil, ich freu mich auf die Tour im September. Eine der besten Bands des Festivals, eine der besten Metalbands überhaupt.

Unleashed

Unleashed gibt´s ja irgendwie jetzt wieder und sie haben auch ein neues Album und sie spielen wieder live, für mich nicht schlecht, zumal ich Unleashed altersbedingt erst einige Zeit nach ihren besten Jahren entdeckt habe. Musikalisch waren die vier Schweden wirklich richtig geil. Schnell ohne Ende, klasse Songauswahl ("Death Metal victory", "To asgard we fly", "The final silence", "Into glory ride" etc.), guter Sound, vor der Bühne ging´s ordentlich zur Sache. Allerdings war die Spielzeit mit einer halben Stunde sehr knapp bemessen, in der Unleashed es sich nicht nehmen ließen sich wie 1a Rockstars aufzuführen, unnötig lange Ansagen zu machen, sich feiern zu lassen bis zum Gehtnichtmehr und bei "Never Ending Hate" dämliche Mitsingspielchen anzuzetteln (ich hab zeitweise gedacht ich wäre irgendwo bei Wolfgang Petry gelandet). In der Zeit, die sie dafür verschwendet haben, hätte sie ruhig mal "Before the creation of time" spielen können. War zwar ein sehr cooles Konzert, aber im Nachhinein war ich schon etwas angesäuert, Helmet-Style ist einfach besser, weniger reden, mehr spielen.

Green Carnation

Green Carnation war wieder so eine Band, die ich mir aus reiner Neugier angesehen habe. Allerdings war der Auftritt mehr als gelungen. Die Band um ex-Emperor-Bassist Tchort (hier an der Gitarre) hat es sich wirklich nicht nehmen lassen ihr neues Album, das aus nur einem Song besteht, komplett zu spielen, ohne Unterbrechung. Es war schon eine Unterteilung in einzelne Passagen erkennbar, allerdings kam permanent Musik von der Bühne, selbst wenn es nur sphärische Klangcollagen der beiden Keyboarder waren. Sehr beeindruckend und angenehm, da die Band sehr relaxt auftrat. Besonders der Sänger, der während den ewig langen Instrumentalpassagen ganz gemütlich auf der Bühne umhergelatscht ist kam wirklich sympathisch rüber. Den Stil der Musik kann man als eine Art epischen Doom Metal bezeichnen, ich persönlich fand der Gesang klang sehr nach Arcturus, also wirklich sehr pathetisch, aber kurzer Gewöhnung sehr gut. Auch nett war die Anmerkung, dass das mit der Zugabe ein Problem sei, man könne ja nicht den ganzen Song noch mal spielen. Wirklich ein musikalisch sehr schöner Ausklang des Abends. Besonders da Green Carnation sich für eine der Musik angemessenen Lautstärke entschieden, nämlich ganz gediegen. Und da lag das Problem. Besonders in den ruhigen Passagen hörte man viel zu viel von True-Metal-Gaby-Köster Udo Dirkschneider und seinen Cro-Magnon Schergen, die es sich nicht nehmen ließen ihren Primaten-Metal dermaßen laut auf die zivilisierte Welt loszulassen, dass direkt Erinnerung an Opeth/Hammerfall letztes Jahr wach wurden. Obwohl die True Metal Stage auf der anderen Seite des Geländes lag hatte man kaum eine Chance wirklich nur Green Carnation zu hören. Schade eigentlich. Ähnlich abgegangen ist es wohl, als Tom Angelripper (sogar auf Leberzirrhose ist kein Verlass mehr, der lebt immer noch) direkt auf der Bühne neben Haggard auf den Welt losgelassen wurde, und man bei selbigen wohl nur "Es gibt kein Bier auf Hawaii" gehört hat. Kommentar überflüssig.

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