Navigation
                
23. November 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing MILLENCOLIN, DEAD TO ME, PINBOYS
Ort Wiesbaden, Schlachthof
Datum 23.04.2008
Autor Christoph Fllenbach
>> Als E-Mail versenden

Ein wunderbarer Mittwochabend gegen 19:00 Uhr. Stahlblauer Himmel und eine untergehende Sonne, die irgendwie an Kalifornien erinnert. Eine unheimlich gute Kulisse und ein perfekter Abend fr den Konzertbesuch bei einer der besten Punkkapellen unserer kleinen Welt. MILLENCOLIN wollen uns im Schlachthof zeigen, dass sie immer noch einer der ganz Groen sind. Schnell noch ein letztes Becks auf der Wiese und ab rein ins Getmmel, wir wollen doch nichts verpassen!

Pinboys Pinboys

Gegen 20.00 Uhr machen sich die PINBOYS aus Dnemark als erste der zwei Vorgruppen bereit, die Bhne zu entern und tun dies auch mit einer Menge Elan. Geboten wird rockig, punkiger Emosound, der die ersten Leute vor die Bhne lockt. Die vier Jungs an den Instrumenten werden begleitet von Anne am Gesang, welche uns aber meistens in gesanglichem Duett mit Gitarrero Anders in den Gehrgang fltet. Es ergibt sich schnell ein bekanntes Bild zwischen klaren und rauen Stimmen, was sich vom Einheitsbrei jedoch durch die Mann/Fraukombo ein bisschen abhebt. Prsentiert wurden fnf Songs vom neuen Album, die der Menge gut gefallen haben, gegen Ende gab es sogar die ersten Versuche von zaghaftem Rumgeschubse. Anne kann sehr gut singen, wobei mich ihr Verhalten auf der Bhne eher an eine Dame aus dem HipHop-Bereich erinnert, als an sonstwas. Aber soll sie mal tun wie sie meint. Es wird wild rumgesprungen und sich des fteren bedankt, insgesamt eine stark sympathische Truppe, die da den musikalischen Teil des Abends einlutet.

Nach 20 Minuten gings dann auch schon wieder runter von der Bhne, um Platz fr die Kalifornien Dreamboys von DEAD TO ME zu machen. Diese kamen um 20:35 auf die Bhne und man merkte ziemlich bald, dass die vier unendlich viel Bock zu rocken hatten. Direkt ins Auge springt Basser und Snger "Chicken", gemeinsam mit seiner Hose, bei der ich mir nicht ganz sicher war ob es eine Leggins in Jeanslook war, oder eine unglaublich enge Rhrenjeans. Dead To Me Dead To Me Seis drum, es geht ja nicht um die Klamotten, sondern um Musik und Verhalten der Band. Beides uerst gut. Vom ersten Song an kommen mehr Leute nach vorne und gehen auch ordentlich ab. Zwischendurch wird noch kurz erklrt wie man zum neuen Banner der Band gekommen ist: Kurz vor Konzertbeginn schnell zum real rber und Farbe gekauft, ganz so wie es sich laut Jack, seines Zeichens zweiter Snger und Akteur am 6-Saiter, fr eine ordentliche Punkkapelle gehrt. Musikalisch gibt es wunderbar lockeren Punkrock auf die Ohren, mit Melodien, die zum Mitsingen, oder wenigstens Mitklatschen einladen. Gesangliche wird es immer wilder. Dreilagige Chre verfeinern das Bild und auch an den Instrumenten luft alles sehr harmonisch ab.
Insgesamt eine wirklich sehr gute Show, die abgeliefert wird, haltet mal nach dem Album Ausschau, es lohnt sich! Einen zustzlichen Sympathiepunkt gibt's dafr, dass nicht wie bei sonst jeder Band aus dem Genre stundenlang gegen George W. gewettert wird, nicht dass ich den Mann mag, aber nerven tut das dauerhafte "FUCK BUSH"-Gelaber doch. Gegen 21.00 zieht es die Herren dann leider schon wieder runter von der Bhne und mich an dem Merchstand, wo erst mal eine CD und ein Shirt abgegriffen werden. Gewnscht htte ich mir auerdem ein Replikat der steilen pinken Sonnenbrille von Ian an der Schiebude, schade.

Nach einer fast endlosen Umbaupause kommen dann MILLENCOLIN unter einer Menge freudiger Rufe gegen 21:45 auf die Bhne, alles ist in hell grnes Licht getaucht und ab geht die Post. "Penguins & Polarbears" erffnet das Ganze und macht klar, was hier in der nchsten Zeit ablaufen wird. Alle Hnde sind oben, es wird lauthals mitgesungen und das erste (punkig zarte) Pogopit wird aufgemacht.
Nicola, in Schwarz, steht meist ruhig am Mic und trllert die Songs so perfekt, als kmen sie direkt von der Scheibe. Eric und Matthias, in Grn, springen dagegen wie wild ber die Bhne, ohne dabei auch nur einmal einen Fehler an den Gitarren ertnen zu lassen. Nach "Ray" wird in einer kurzen Ansprache klar gemacht, dass sich die Schweden auf der Bhne fr den Punkrock verantwortlich fhlen, wir Deutschen sollen das Bier dazu liefern. Millencolin Millencolin Eine berlegung ist es doch auf jeden Fall mal Wert, oder? Da es mittlerweile endlich dunkel drauen ist kann auch besser mit der Beleuchtung gearbeitet werden. So wird die Halle immer wieder in andere Farbtne getaucht. Vom angesprochenen Grn geht es ber ins rote oder in kaltes weies Licht, alles ganz in Ruhe ohne zu sehr zu nerven. Nicht nur das Licht, sondern auch die Banner im Hintergrund wechseln. Hier werden verschiedene Cover der CDs in XXL gezeigt. Die rasante musikalische Zeitreise durch alle Verffentlichungen wird whrend "The Ballad" kurz verlangsamt. Nicola steht alleine nur mit Akustikgitarre bewaffnet auf der Bhne, singt erst alleine und wird im Laufe des Songs vom kompletten Schlachthof begleitet, eine tolle Atmosphre. Da man wie gesagt aus jeder Schaffensperiode der Band was zu hren bekommt, kann man wunderbar deren Werdegang von der noch simplen Punkgruppe auf dem ersten Album, zu den heutigen stark melodischen und auch vertrackteren Punkgttern beobachten.
Viel muss nicht gesagt werden, der Auftritt war einfach stark gut und gipfelte fr mich in "Black Eye", was den absoluten Topsong des Abends darstellte. Nach knappen 17 Songs geht's kurz runter von der Bhne, um dann wiederzukommen und mit "Farewell my Hell", "Song dessen Titel mir nichtmehr einfllt" und "Kemp" eine ordentliche Zugabe zu liefern. Nach einer guten Stunde ist dann auch der Auftritt von MILLENCOLIN vorbei, vielleicht das nchste Mal noch ein paar Songs mehr. Frhliche Gesichter nach dem Konzert bestrken nochmal meinen Eindruck, dass es hier tatschlich Jedem gut gefallen hat.

In der lauen Sommernacht geht's mit der neuen DEAD TO ME-Scheibe im Player langsam Richtung Heimat. Ein sehr gelungener Abend der neben drei sehr guten Bands auch mit durchweg sehr gutem Sound berzeugt hat.

<< vorheriges Review
AS I LAY DYING, NEAERA, MAINTAIN - Saarbrcken, Garage
nchstes Review >>
DOWN - Wiesbaden, Schlachthof


Zufällige Reviews