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13. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing AS I LAY DYING, NEAERA, MAINTAIN
Ort Saarbrcken, Garage
Datum 30.03.2008
Autor Rafael Hofmann
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Wir schreiben den 30.03.08. Es ist Sonntag abend und wir befinden uns im beschaulichen Saarland, genauer gesagt in der Saarbrcker Innenstadt vor dem uerlich sehr unscheinbar und klein wirkenden Konzerttempel namens "Garage". Hier sollte am heutigen Tage ein musikalischer Leckerbissen - vorausgesetzt man steht auf bollerndes Schlagzeug, Stromgitarren und unverstndlichen Gesang - auf uns warten. Die Metalcore-Durchstarter AS I LAY DYING hatten auf's Tanzparkett gerufen und dazu ihre Kumpels von NEAREA und MAINTAIN mitgebracht. Diesem Ruf folgten dann trotz widriger Umstnde (es war Sonntag) den Gerchten zufolge rund 1300 Personen, was zu einer kuscheligen Atmosphre in der Saarbrcker Garage fhrte.

As I Lay Dying As I Lay Dying

Den zuletzt genannten Musikverein, dessen Name eher eine hessische Herkunft vermuten lsst, jedoch in der Tat aus dem nordischen Hamburg angereist war, konnten wir leider kein Gehr schenken, jedoch die anderen beiden Bands in vollen Zgen genieen.

Zunchst lieen die Mnsteraner von NEAERA ohne vorplnkelndes Intro, dafr aber mit geballter Power ein Set von der Kette, was Seinesgleichen suchen kann. Ganz nach dem Motto "No warning shot" schallerte der Opener "Spearheading the Spawn" von den Brettern, die die Welt bedeuten. Das Publikum war also ab der ersten Sekunde voll im (Wrge-)Griff der Band und hing an den Lippen von Frontshouter Benny. Dieser zeigte wiederum eine sehr gelungene Kombination aus hohen Screams und tiefen Grunts. Herrrrrlich! Die restliche Band brauchte sich allerdings auch nicht zu verstecken, denn in diesen ca. 40 Minuten gab es Doublebase-Gewitter mit brechfetten Gitarrenriffs in Hchstform. Lobend sollte die klischeebeladene Wall of Death beim Song "Armamentarium" sowie der riesenhaften Circlepit bei "Let the Tempest come" erwhnt werden. Wer sich in diesen Schmelztiegel der Emotionen begeben hatte wusste entweder ganz genau was er tut oder es war ein echt hartes Aha-Erlebnis, denn bei diesen beiden Aktionen blieben weder Arme noch Beine unbewegt. Wer sich in den Sog der Fans begab, der kmpfte heute abend um den Erhalt der eigenen Gesundheit; um sonst nichts! Dazu aber spter mehr! Das Set wurde durch Songs wie "The World Devourers", "Scars of Gray", "Synergy" abgerundet und nach lediglich acht Songs, die jedoch handverlesene Hits der Band waren, verabschiedeten sich die fnf Jungs von der Bhne. Bleibt zu sagen, dass die Kerle eine wirklich passable und saubere Arbeit abgeliefert haben, wenngleich der Klang in der Garage etwas undifferenziert daher kam. Egal, Spa hat es auf alle Flle gemacht und ich denke, dass nicht zuletzt die reichhaltige Publikumsreaktion dafr sorgte, dass die Mnsteraner das Saarland als echte Metal-Hochburg in Erinnerung behalten werden. Eine viel bessere Prsentation fr das 2007er Album "Armamentarium" htte man nicht darbieten knnen. Bitte wiederkommen!

Was nun folgte war die "condicio sine qua non" eines jeden Konzerts, denn mit dem Abgang von NEAREA begann die reichlich lange Umbaupause fr den Topact des Abends.
Um 21:50Uhr war es dann so weit, Licht aus, Intro "Seperation" an und VOLLGAS! Die Gastgeber des heutigen Abends, AS I LAY DYING, prsentierten ihre aktuelle CD "An Ocean between us" aus 2007 und lieen keinen Zweifel daran, dass sich die 1300 Saarlnder zu Recht am Sonntagabend in die bervolle Garage gedrckt hatten. As I Lay Dying As I Lay Dying Los ging's mit "Nothing left", der mitreiend genug sein sollte, um die tobende Meute bei Stimmung zu halten. Doch war die Publikumsreaktion - verglichen an dem zuvor Gesehenen - eher verhalten. Mglicherweise bentigte das zuvor tobende Volk eine kleine Verschnaufpause, aber dies bleibt wohl fr immer meine Spekulation. Nichts desto trotz taute die Menge wieder zu nahezu allen Songs von "An Ocean Between Us" ("Bury us all", "Wrath upon ourselves" und "This is who we are" waren nicht dabei) wieder auf. An dieser Stelle gilt es besonders Josh Gilbert am Bass und den cleanen Vocals zu erwhnen, der dem Konzert eine besondere Note verlieh. Er ergnzte den Schreihals Tim bestens und schuf u.a bei "I never wanted" eine Gnsehaut auf meinen Krper, denn so ein geiles Lied live zu transportieren will wirklich gekonnt sein und wurde auch mit begeistertem Applaus belohnt.
Aber es wurden auch ltere Kracher wie die A.I.D.L.-Kanone "Forever", "Through The Darkest Nights" und andere Perlen von "Frail World Collapse" und "Shadows Are Security" dargeboten. Groes Manko der Performance war die sprliche Kommunikation mit dem Publikum. Diese fiel bis auf die blichen Circlepit-Befehle sehr mau aus. Noch nicht einmal mit einer Zugabe bedachten die Jungs aus San Diego nach einer knappen Stunde Programm ihr hungriges Publikum. Whrend sich die beiden Vorgngerbands bei Hauptact, Leuten vom Merchandise-Stand (!) und den wilden Saarbrcker Fans bedankten, verloren A.I.L.D. kein Wort ber Tourbegleiter, erwhnen nicht den eigenen Bandnamen und verlassen ohne groe Worte nach dem letzten Song die Bhne.

Das lsst leider tief blicken, denn obwohl die Songs in einer hohen Qualitt und mit Przision dargeboten wurden, vermittelte der Auftritt von A.I.L.D. nur wenig Spielfreude. Dafr konnte man allerdings zu viel routinemiges Abhandeln von "Jobs" beim so sehnlich erwarteten Headliner der Tour beobachten. Schade, dass dieser Nachgeschmack bis heute anhlt. Aber diese Erfahrung rckte die beiden deutschen Mitstreiter in ein um so positiveres Licht, denn gen Ende des Konzerts konnte man den (leider verpassten Act) MAINTAIN an ihrem Merchandise-Stndchen beobachten, wie man sich bereitwillig mit Fans unterhielt und wie diese Jungs mit ihrer Kamera das Tourleben dokumentierten. Beulenmann Der NEAERA-Snger hingegen stapfte ebenfalls durch die Halle signierte Fans Plakate und lie sich fr das Geleistete von der anwesenden Meute lobhuldigen. So sieht ein wirklich guter Draht zu seinem Publikum aus und zwar von der Bhne herab wie vor der Bhne... Respekt, derartige Gesten bezeichne ich nur all zu gern als echten True-Metalcore :-)

Nachtrag: In meinen vorausgegangenen Ausfhrungen sprach ich noch vom berlebenskampf in den Publikumswogen. Damit hat's Folgendes auf sich:
Mit dem letzten Takt des letzten Songs des Abends zog sich mein ortsansssiger Begleiter noch einen folgenschweren Hieb eines Ellenbogens ein, der seine Augenbraue so unglcklich traf, dass am Abend selber dieses noch zu einer amtlichen Beule anschwoll (siehe Bild). Letzteres hatte wiederum zur Folge, dass der junge Mann in der darauf folgenden Arbeitswoche zunchst mal krank geschrieben wurde, da er mit erheblichen Sehstrungen und kosmetischen Mngeln so sehr behaftet war, dass er seinem Beruf als Fleischereifachverkuferin nicht ohne Restrisiko fr sich und sein Umfeld htte ausben knnen. Also immer schn merken: Treibt's nicht so doll im Circlepit oder zieht euch vorher nen Helm an :-)

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