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19. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing BRAINSTORM, PAGAN’S MIND, POWERWOLF + LOCAL SUPPORT
Ort Langen, Stadthalle
Datum 16.03.2008
Autor Thorsten Ritter
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Allein die Ankündigung, dass Brainstorm nach knapp drei Jahren erneut bzw. endlich wieder in die Stadthalle nach Langen kommen sollten sorgte bei mir für wahre Begeisterung. Wer Ohren- und Augenzeuge dieses unvergesslichen Konzertes am 06.05.2005 gewesen ist, der weiß um die Magie an diesem Abend. Brainstorm rockten eine rappelvolle Stadthalle und sorgten für eine Atmosphäre und Euphorie, die ich bis heute nicht vergessen habe. Es war für mich das Konzert-Highlight des Jahres 2005.

Ich bin daher ungemein überrascht gewesen, als ich gegen 19.30 Uhr in die Halle kam und sich dort bisher nur grob geschätzte 50 Leute tummelten, welche den Klängen einer mir nicht weiter bekannten lokalen Supportband lauschten. Eigentlich hätte ich bereits um diese Uhrzeit mit mehr Fans und einer Schlange vor der Halle gerechnet, aber es sollte sich an diesem Abend nur schleppend füllen. Powerwolf Powerwolf Als der erste offiziell angekündigte Opener kurz nach 20 Uhr die Bühne betrat war die Stadthalle jedenfalls nur unwesentlich voller. Die deutsch-rumänische Combo Powerwolf bot dann in den nächsten 35, recht kurzweiligen, Minuten lupenreinen, klischeehaften True Metal und sorgte nicht nur für musikalische Unterhaltung, denn die von Sänger Attila Dorn in gebrochenem Deutsch gemachten Ansagen waren nicht nur für mich den ein oder anderen Schmunzler wert. Optisch hatte der Sänger eine gewisse Ähnlichkeit zu Felix von Crematory und das Corpsepainting der Band ließ augenscheinlich vermuten, dass es sich um eine Black Metal Band hätte handeln können. Zudem fiel das opulente Bühnenbild auf, welches wohl eine Kirche symbolisieren sollte. Das Quintett legte sich ordentlich ins Zeug und vor allem die Gitarrenfraktion poste, als gäbe es kein Morgen mehr. Mit den eingängigen Stücken konnten sie das Publikum schnell auf ihre Seite ziehen, auch wenn mir sowohl Gesang als auch Gehabe des Sängers ein wenig zu theatralisch gewesen sind. Dennoch war es ein gelungener Start in den Abend.

Nach einem zügigen Umbau hatten Pagan’s Mind dann kurz nach 21 Uhr die schwierige Aufgabe, die Anwesenden mit ihrer progressiveren musikalischen Ausrichtung bei Laune zu halten. Es fiel jedoch schnell auf, dass das deutlich nüchternere Auftreten der Norweger sowie die technisch anspruchvolleren und teilweise auch härteren Songs auf weniger Gegenliebe stießen. Pagan's Mind Pagan's Mind Nichtsdestotrotz ging das Quintett engagiert zu Werk und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass hier Könner am Werk sind. Im Vorprogramm von Symphony X wäre die an Dream Theater angelehnte Mucke sicherlich besser angekommen und die Reaktionen euphorischer ausgefallen. Der Performance wäre es zudem förderlich gewesen, wenn Sänger Nils K. Rue bei den Instrumental-Passagen nicht ständig die Bühne verlassen hätte und es somit James LaBrie gleichtat. Er sollte sich hier lieber an Russell Allen ein Beispiel nehmen. Letztendlich zogen sich die Norweger aber mehr als achtbar aus der Affäre und konnten den Anwesenden - vor allem mit den beiden zuletzt gespielten Songs ihres 45 minütigen Sets - mehr als nur ein Höflichkeitsapplaus entlocken.

Gegen 22.20 Uhr war es dann endlich soweit und Brainstorm enterten die Bühne und stiegen dann auch direkt kraftvoll mit dem ersten Song ihres aktuellen Albums “Downburst“ ein. Was im Anschluss folgte war ein energiegeladener und abwechslungsreicher Set aus den letzen vier Alben der Band. Sänger Andy B. Frank war hervorragend bei Stimme und versprühte, wie auch der Rest der Band, gute Laune, woran auch das Publikum teilhaben durfte. Nach Song Nummer 3 lies er es sich nicht nehmen und schwelgte, genau wie ich, in Erinnerung an den Wahnsinns-Gig vor knapp drei Jahren, wo man den Fünfer gar nicht mehr von der Bühne lassen wollte. Er sei erfreut wieder zurück in Langen zu sein und versprach einen denkwürdigen Abend. Nach “Shiva’s Tears“ wurde der neue Mann am Bass, Antonio Ieva, vorgestellt und mit viel Beifall begrüßt.Trotz der Tatsache, dass die Stadthalle allerhöchstens zu einem Viertel gefüllt war, wurde jeder Titel begeistert angenommen, mitgesungen und frenetisch abgefeiert. Brainstorm Brainstorm Die “Brainstorm, Brainstorm“-Chöre wollten nach den Songs jedenfalls nicht enden und ich hatte das Gefühl, dass man versuchte dem sympathischen Fünfer wenigstens von Lautstärke und Enthusiasmus das Gefühl einer vollen Halle zu geben. Andy B. Frank erlaubte sich hierzu scherzhaft die Frage, ob durch Headbanging und Schreien verursachte “Schäden“ überhaupt von einer Krankenkasse übernommen werden. Leider war gegen 23.30 Uhr nach viel zu kurzen 70 Minuten und “How Do You Feel“ von der aktuellen Scheibe auch schon Schluss, aber sowohl Publikum als auch Band waren natürlich noch hungrig und lange nicht am Ende. Die Jungs kamen selbstredend wieder zurück und spätestens beim Ohrwurm “All Those Words“ von letzen Album “Liquid Monster“ wurden sowohl vor als auch auf der Bühne alle Reserven mobilisiert. Im Anschluss war aber wirklich Schluss, auch wenn die Publikums-Chöre des letzten Songs nicht abreißen wollten.

Brainstorm wurden mit diesem Konzert wieder eindrucksvoll ihrem Ruf als eine der engagiertesten und sympathischsten Live-Bands gerecht, wobei ich für meinen Teil sicher noch den ein oder anderen Song hätte vertragen können. Fraglich bleibt aber, wo die ganzen Fans geblieben sind, denn an der aktuellen CD kann es genauso wenig gelegen haben wie an den Support-Bands und Preisen, die weiterhin mehr als fair gewesen sind! Ist der traditionelle (Power) Metal etwa mal wieder tot?

Setlist Brainstorm:

  • Falling Spiral Down
  • Blind Suffering
  • Worlds Are Comin’ Through
  • Shiva’s Tears
  • Fire Walk With Me
  • End In Sorrow
  • Highs Without Lows
  • Shadowland
  • Hollow Hideaway
  • Doorway To Survive
  • Painside
  • Inside The Monster
  • How Do You Feel

    Zugaben:

  • Under Lights
  • All Those Words

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