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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing WITH FULL FORCE IX
Ort Lbnitz/Leipzig
Datum 05.-07.07.2002
Autor Markus Sausen
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Der Osten, unendliche Weiten, dies sind die Abenteuer von Captain Bestial Warlord Of Doom, and his four mighty Warriors und ihrem Desastermobil. Wir gehen dort hin, wo wenige Wessis vor uns je waren, der wilde Osten.
Logbucheintrag Sternzeit. 56253,43
Bester Laune und voller Entschlossenheit den Ossis zu zeigen, wo die wahren Helden leben, und den Lebensraum Ost in Schutt und Asche zu legen, trafen wir uns um 7.30 in Burgen auf dem Marktplatz. Nachdem wir das Gepäck verstaut hatten, fuhren wir gemütlich zum Rewe nach Kobern-Gondorf, dort kauften wir erst mal Bier und sonstige Nervennahrung ein. Ich warf noch einen Blick in die Karte, während sich meine vier Mitstreiter zum Frühschoppen jeder eine Bierbong in den Hals jagte. Just zur selben Zeit kam der Herr Polizei vorgefahren und sah das Schauspiel. Den Untergang der deutschen Biertrinkkultur erahnend machte er uns erst mal auf die Gefahren des Alkohols durch dieses bösartige Gerät aufmerksam (In seiner Jugend hätte es so was nicht gegeben und meine vier Mitstreiter würden den Abend nicht mehr sehen.). Nach einer solch sachkundigen Belehrung konnte jetzt nichts mehr schief gehen und wir fuhren mit wahnsinniger Geschwindigkeit in Richtung Osten nach Leipzig. Geplagt von Tausenden und Abertausenden Baustellen kamen wir doch langsamer voran als wir geplant hatten und wir fingen schon an, bei den Bands erste Abstriche zu machen. In Bitterfeld sind wir noch schnell bei Feinkost Aldi reingesprungen und haben uns mit Bier & Fressalien eingedeckt. Jetzt noch 14km bis zum Festivalgelände - für den Westen eine Sache von 15 min., für den Osten, wo die Uhren noch ein wenig langsamer gehen, ein nervenaufreibendes vierstündiges Stauinferno. 10,5 km hatten wir freie Fahrt, die letzten 3,5 km nur noch Schneckentempo. Meine vier Mitfahrer konnten sich währenddessen die Zeit ein wenig lustiger vertreiben und genehmigten sich schon jeder die nächste Bierbong und schlossen die ersten Bekanntschaften mit einigen Bajuwaren, die ihre Trinkfestigkeit unter Beweis stellten. Als Ziel hatten wir uns eigentlich gesetzt, nach einem ruhigen Zeltaufbau Cannibal Corpse anzuschauen und uns danach genüsslich einige Kinder auf unserem gigantischen Mördergrill zu garen. Nach gut 500 Metern erfuhren wir von einem vorbeilaufenden Japaner, dass Cannibal Corpse bereits gespielt hätten. Diese grausame Nachricht verdarb uns natürlich reichlich den Appetit und so blieb der Grill kalt. Des Weiteren verpassten wir im Stauinferno auf der dreispurigen Festivalzufahrt noch D.R.I. und Hypocrisy, weswegen ich mich hätte in den Arsch beißen könnte. Von Hypocrisy sah und hörte ich von weitem noch "Apocalypse" und das war es dann. Gegen 20h waren wir endlich auf dem Campinggelände angekommen (mein Redaktionskollege Mr. Hardcore Pom war schon granatenvoll als ich ankam) und ich begab mich schleunigst zum Eingang wegen der Karte.
Auf dem Weg zum Ticketstand konnte ich eine kostenlose Hörprobe der Dead Kennedys erlangen, die zur gleichen Zeit spielten. Mit "Holiday in Cambodia", "California über alles", "Kill the poor" und "Viva Las Vegas" gaben die DKs mit neuem Sänger einige Klassiker zum besten. Ich persönlich konnte mich für die dargebotene Hörprobe nicht so begeistern, da bei den Dead Kennedys Jello Biaffra's Stimme das imprägnanteste Organ der Band war. Der neue Sänger probierte zwar einen fieseren, aggressiveren Gesang an den Tag zu legen, kam aber nie und nimmer an das Gesangspotential von Jello heran.
Mit den Karten in der Tasche begab ich mich zum Rest der Besatzung, die wieder damit beschäftigt waren, den mitgebrachten Gerstensaft durch die Bierbong zu vernichten.
Vom Zeltplatz aus hörten wir dann auch gegen 21:15 die bei allen 12 bis 16 jährigen Hardcore-Kiddies beliebten Biohazard. Oldschool motherfuckin' Hiphop Metalcore - oder sollte ich lieber Kindergarten-Core sagen? - mit unnötig-Core treffe ich dies am besten - diese Art von Musik musste jetzt nun wirklich nicht sein. Ich weiß jeder zweite Unterhemden-tragende, vom Scheitel bis zur Sohle tätowierte New York City Tough - Guy - Proll wird mir jetzt vorwerfen, dass Biohazard mit "Urban Discipline" einen der absoluten Hardcore - Klassiker geschaffen haben oder dass ich verweichlicht sei, aber das macht ja nichts, da ich ja nicht im ach so harten motherfuckin' Brooklyn aufwachsen musste, sondern wohlbehütet in meiner Paradise City großgeworden bin und sogar eine Schule besuchen durfte.
Der Abend sollte sich nun dem Höhepunkt nähern. Durch die alle zehn Sekunden irgendwo ertönenden "Slayooor" oder "Schlayoooor" Rufe war selbst der strackste Festivalbesucher informiert, dass gleich die Götter des Speed - Thrash - Metals aufspielen würden. Nach dem jahrelangen Warten und dem Anschauen vieler Metalcore-Bands, die nur drittklassig deren Riffs verwurschtelten, war es endlich so weit Slayer, die Götter selbst zu erleben (und das im Original Line-Up!). Yeeeha! Slayer holzten direkt mit zwei neuen Stücken los. Das Publikum ging aber nicht so recht ab, weshalb Tom Araya ein wenig vom zurückhaltenden Publikum enttäuscht erst einmal auf Deutsch nachfragte, was los sei. Der Mob rückte dann ein wenig weiter zur Bühne vor, weshalb sich die Laune von Slayoooo ein wenig besserte und sie munter drauflos dreschten. Bei "Raining Blood" brach dann endlich das Eis und der Pit begann zu kochen. Das Publikum schrie wie in Ekstase nur noch "Slayoooo!" und Slayer belohnte dies mit einem hammergöttlichen Set aus Songs wie "Dead Skin Mask", "Hell awaits", "Angel of Death" und einigen weiteren Klassikern. Die Meute erwiderte dies mit noch frenetischeren "Slayoooo!"-Rufen, so dass die Band, als sie einpacken wollten, nicht umhin kam, dreimal eine Zugabe zu spielen. Bei der ersten spielten sie direkt "South of Heaven" und der Mob tobte. Die weiteren Songs kannte ich nur vom Hören, aber nicht die Titel, womit ich das Thema Slayoooo hiermit beende.



Als dieses göttliche Spektakel sein Ende nahm, ging ich zum Zeltplatz, um ein wenig abzufressen und mir auch sonst die Zeit sinnlos bis zur Knüppelnacht zu vertreiben.
Wieder fürstlich gestärkt ging ich nun noch zur Knüppelnacht. Dort sollten Lock Up spielen. Pünktlich zum Setanfang stand ich vor der Bühne. Die band spielte derbsten Grindcore und angesichts der späten Stunde, der stressigen Anreise und meiner mittlerweile "trotz Slayer gesehen" beschissenen Laune war das genau das richtige. Ich hatte eigentlich Peter Tägtgren am Mirko erwartet, aber ich fand den Sänger von At the Gates, Thomas Lindberg, vor. Die Setlist bestand aus Songs der beiden Alben, wobei ich das letztere nicht kenne. Die Songs kickten wie die Hölle und Satans Gefolge hatte seinen Spaß.
Als Lock Up ihr Set beendet hatten lief ich mit der nötigen Bettschwere zu meinem Desaster-Mobil, wo ich mich von den sanften Klängen der Panzerdivision Marduk in den Schlaf wiegen ließ.
Gegen neun Uhr morgens wurde ich wieder von den ersten "Slayooo"-Rufen und einer nachbarschaftlichen Stereoanlage unsanft aus dem Schlaf gerissen.
Jetzt wo ich sowieso wach war, erst einmal den Tag begrüßt und danach fürstlich diniert.
Nach dem Essen hingen wir noch einige Stunden auf dem Zeltplatz herum, bevor ein Teil von uns gegen 13:00 zum Hauptgelände peilte, wo wir gemütlich die Stände abklapperten, um danach wieder genauso gemütlich zum Zelt zu gehen. Als wir ankamen waren die ersten Hinterbliebenen mit der Befüllung der Bierbong beschäftigt. Meine Crew hielt einen beachtlichen Frühschoppen ab, als eine Stunde später zwei bayrische Bierbongpatrioten an unserem Zelt vorbei liefen und direkt zum Bierbong - Contest eingeladen. Die zwei Bayern trugen mit dem Grölen ihrer Hans-Söllnerschen Bayernhymne noch dazu bei, dass sich zehn nachbarschaftliche Bajuwaren mit zum Contest gesellten und dort eine hast-du-nicht-gesehen ultrabrachiale Truppbetankung abhielten, an deren Folgen zwei meiner Crewmitglieder erlagen und deshalb beinahe Motörhead nicht gesehen hätten.

Ich hielt mich bei diesem Bierbong-Besäufnis bei Gerstensaft aus kleineren Behältnissen, denn ich wollte ja noch den Abend erleben und mittags einige Band sehen. Gegen 16:00 konnte ich mir das Elend auf dem Zeltplatz nicht mehr länger ansehen, weshalb ich mich zum Hardbowl aufmachte, wo um 16:10 neben D.R.I. und den DKs eine weitere amerikanische HC-Punk Legende, nämlich MDC spielen würde. Mit Klassikern wie "John Wayne was a Nazi", "Born to die" und "Born under a bad sign" wussten MDC den Pit zum Kochen zu bringen. Besonders lustitsch sah es aus, als deren Sänger beim "Chicken Squawk" wie ein angeschossenes Huhn über die Bühne fegte. Als auch dieses Schauspiel ein Ende nahm, beschloss ich ein wenig die Merchandise-Stände zu besuchen.


                          (MDC)                                                     (Grave Digger)

Nach dem Set spielten im Zelt Down By Law, die ich Thorsten doch zuliebe (er hat schon keine Halford Fotos bekommen) nicht ansah, sondern Grave Digger schaute, die auf der Hauptbühne spielten.
Die Altherren Metaller begannen mit "Scotland, The Brave" als Intro um dann die Bühne zu entern. Die Jungs um Frontröhre "Onkel Reaper" Chris Boltendahl spielten einen Set voller Hits, was man dem Publikum anhand der Stimmung wirklich ansah, wobei ich weniger Spaß bei der Musik hatte. Viele Fans vermissten aber alte Kracher. Die Band wurde während des ganzen Sets mit tonnenweise Heu des Festivalbodens beworfen und hatten damit eine Menge zu tun.
Als jedoch der Magen knurrte und die ersten Regentropfen fielen, begab ich mich in trockene Gefilde zu einer Fressbude, wo erst mal für sagenhaft günstige 4 EURO einen Döner für einen "hohlen Zahn" verspeiste, ein Bier trank und mir von weitem den Rest des Sets von Grave Digger ansah.
Das obligatorische "Rebellion" war schon klasse, aber wenn schon Dudelsäcke, dann bitte wie bei Dropkick Murphys. Als Grave Digger sich mit "Rebellion" verabschiedet hatten, ging ich wieder zum "Hard-Bowl", wo die mir bis dato unbekannten The Distillers spielen sollten. Laut Programm war eigentlich Punk Power ausschließlich weiblicher Provenienz angesagt, doch schon das Foto im Programm zeigte drei Girls und einen Typ. Auf der Bühne standen letzten Endes nur noch eine Frau und zwei Typen. Die Combo hatte sich anscheinend im Vorprogramm von Agnostic Front einen Namen gemacht und brachte die Meute schnell zum Toben. Geboten wurde feinster Punkrock mit hauptsächlich Frauenvocals und einer guten Prise Rock´n´Roll. In Folge dessen dass die Hälfte der Besetzung anscheinend gewechselt hatte, fand das im Programm angekündigte "Bühne zur Toilette umfunktionieren" nicht statt.
Ich hatte jedoch tierisch meinen Spaß, wie die anderen auch und werde die nächsten Tage ein Auge auf diese Ausnahmeband halten (Das rate ich auch euch an).
Nun sollte U.S. Bombs auf dem Programm stehen, da ich mich für die Mucke der Jungs aus L.A. nicht begeistern kann und sie sowieso schon einmal im Vorprogramm von AF sah, peilte ich zurück zum Zeltplatz um die Kehle mit Gerstensaft zu befeuchten und nachdem Rest meiner Crew Ausschau zu halten.
Die Kehle mit kühlem Nass befeuchtet, hielt es mich aber nicht lange auf dem Zeltplatz, denn um 19.05 Uhr sollten Kreator spielen. Zu neueren Krachern wie "Reconquering The Throne" gesellten sich alte Klassiker wie "People Of The Lie". Da Jülle alias Ventor seit der neuen Platte wieder da ist, ist wenigstens die Hälfte der Urbesetzung dabei. Im Großen und Ganzen wurde aber ein Greatest Hits Set geballert mit einigen wenigen neuen Songs. Kreator hatten auch mit dem Heu zu kämpfen, aber der Mob tobte bei dieser Thrashkeule.


                                                            ( Kreator)

Trockenheit in meinem Hals veranlasste mich nach Kreator Discipline nur kurz anzuschauen. Gespielt wurde den mittlerweile von Discipline gewohnten, an den Street Punk angelehnte OI Rock n Rollsound der sich vom Hardcoresound der Anfangstage natürlich ein wenig gewandelt hat. Stand den Jungs aber nicht schlecht. Die eben erwähnte Trockenheit meines Halses ließt mich zum Zeltplatz hechten, wo ich mich vergewisserte, ob der Rest meiner Crew den Abend und Lemmy noch erleben würde. Vorerst nicht. Also ließ ich sie pennen.
Mit Hansa bewaffnet peilte ich dann zum Hard Bowl wo Strife aufspielten, welche ich nur von ihrer "Grey 7" und einigen Samplerbeiträgen kenne. Die vier Jungs spielten brachialsten Metalcore, der mich (als sonstigen nicht großen Metalcorefan) und das Publikum tierisch kickte. Natürlich kamen Strife nicht umher, ihre Metalroots heraushängen zu lassen und posten wie die Hölle. Man sah der Band die Spielfreude förmlich an und dass sie genauso viel Spaß auf dem Set hatten, wie das Publikum.


                                                          (Strife)

Am Ende des Sets ging ich dann zur Hauptbühne, wo Agnostic Front auftreten sollten.
Da ich Agnostic Front schon zweimal gesehen habe, musste ich mir die Show nicht unbedingt geben und schoss nur noch einige Fotos für die Nachwelt (damit ich meinen Kindern und Enkelkindern, wenn AF ihre 40. Platte herausgebracht haben, zeigen kann, das AF schon zu meiner Sturm und Drangzeit alt waren). Das Set begann mit dem altbekannten Intro, den Titel des Western habe ich vergessen, ist aber auch bei den Ramones, Metallica und Pulp Fiction zu hören. Die Band spielte einige neue Songs, es können aber auch ältere gewesen sein, da der Sound so beschissen war, dass man bei den ersten zwei Songs Stigmas Gitarre überhaupt nicht hörte. Dem Mob vor der Bühne war dies egal, denn als ich mit den Fotos in der Tasche zum Zelt aufmachen wollte, tobte die Fans so heftig wie ich dies zuletzt 1999 bei Madball auf dem Dynamo gesehen habe und es dauerte seine Zeit, bis ich aus dem Pit draußen war.
Am Zelt angekommen schaute ich zuerst nach meiner Crew und siehe da, die Jungs hatten es doch tatsächlich doch gepeilt aufzustehen und zur Hauptbühne zu gehen. Mit Hansa Pils frisch betankt ging ich wieder zur Hauptbühne, wo AF noch einige neuere Hits wie "Gotta Gotta Go", "Pauly the beer drinkin dog" und einige ältere Klassiker wie "Crucified" oder "Police Brutality" zum Besten gaben, was vom Publikum frenetisch abgefeiert wurde.

Am Ende des Sets spurtete ich noch hurtig zum Bierstand, denn wenn Lemmy & Co. aufspielen sollten, wollte ich keine Minute verpassen. Sooo beeilen hätte ich mich dann doch nicht brauchen, denn die Umbaupause dauerte Ewigkeiten, oder kam mir dies nur so vor? Endlich war es soweit, jeeeeea. Ohne Intro, großen Einzug und sonstiges Klimborium traten Phil Campbell, Mickey Dee und Lemmy aus einer Nebelschwade hervor und machten mit "We Are Motörhead" als Opener selbst dem letzten Schwachi klar, wer hier zum Tanz aufspielte.


                                                          (Motörhead)


Das Publikum war gut gemischt vom Vokuhila Altherrenmetaller über Punks und Skins bis hin zur Hardcorefraktion war alles anwesend. Es schien fast so, als seien alle Festivalbesucher auf den Beinen, um Motörhead zu sehen. Die Altherren rockten das Haus und wussten dem Publikum mit Songs wie "Rock'n'Roll" tierisch in den Arsch zu treten. Für die massenhaft anwesende Punkanhängerschaft wurde "God save the Queen" von den Sex Pistols gespielt und beim späteren "Ramones" kam Lemmy nicht an der für dieses Festival obligatorischen Gedenkrede für Dee Dee Ramone vorbei. Es wurden aber auch neuere Songs des "Hammered"-Albums wie "Brave New World" vorgestellt. Der absolute Oberhammer war das knapp vierminütige Schlagzeugsolo bei "Sacrifice" von Mickey Dee, wobei Phil und Lemmy sich ein wenig zurückzogen und Lemmy genüsslich ein Kippchen schmauchte. Viele weiter Hammer vor dem Herrn sollten noch folgen. Zum Schluss kamen aber auch Motörhead wie Slayer nicht umhin, massenhaft Zugaben zu geben. "Ace of Spades" kam auch direkt bei der ersten zum Einsatz. Um den Zustand dieser fast unbeschreiblichen Glückseeligkeit bei "Ace of Spades" dann doch einigermaßen in Worte zu fassen, fällt mir nur der Satz von Renton bei Trainspotting ein, welcher da lautet: "Nimm deinen besten Orgasmus, nimm ihn hoch tausend und du bist immer noch nicht bei diesem Gefühl." Nach drei weiteren Zugaben ging ich als Motörhead ihr Set beendet hatten. Es war natürlich schade, dass dieses nichtallzutage-zu-Ohren-kommendes Hörerlebnis schon sein Ende hatte. Auf dem Zeltplatz hielt ich noch einige Stunden aus, bis der Lärm von Alec Empire endlich ein Ende nahm und einigermaßen Ruhe herrschte. Als dies der Fall war, zog ich mich in mein Desatermobil zurück um meinen wohlverdienten Schlaf zu genießen.



Wieder um dieselbe beschissene Uhrzeit wie am Vortag wurde ich wieder unsanft aus meinem wohlverdienten Schlaf gerissen. Die four mighty warriors meiner Crew waren schon am frühstücken, weshalb ich mich dazu gesellte. Den Sonntag wollte ich noch langsamer angehen als den Vortag, da ich abends wieder gen Westen in unser heißgeliebtes Mosel-County fahren musste. Wir hatten eigentlich geplant um 20:30 Uhr nach den Dropkick Murphys zu fahren, da aber meine Navigatoren sich bei der Hinfahrt mit der Fahrzeit dermaßen verkalkuliert hatten, beschlossen wir nach The Exploited abzuhauen um früh zu Hause zu sein, denn ich musste montags arbeiten gehen.
Zuerst sollten The Spook aus Graveland Karlorffornia ihren Geschichten-aus-der-Gruft-Punkrock zum besten geben, die wir aber leider verpassten, weil wir uns zu lange im Baggersee aufhielten. Da ich die Band ungefähr ein Dreivierteljahr zuvor im Vorprogramm der Dickies in der Suppkultur gesehen hatte, war das weiter nicht so schlimm.
Um 14:00 sollten Pro Pain spielen, infolge dessen machte ich mich zur Hauptbühne auf. Privat befasse ich mich nicht so sehr mit Pro Pain, doch live weiß die Band immer wider zu begeistern.
Pro Pain waren hauptsächlich da, um die neue Platte "Shreds of Dignity"zu promoten, spielten aber auch massenhaft ältere Sachen quer durch die Palette ihrer Schaffenskunst. Das Publikum feierte wie bei Agnostic Front die New Yorker von Pro Pain tierisch ab und der Mob tobte.
Was mich natürlich fürchterlich in Rage brachte war die Tatsache, dass in der Umbaupause zwischen Pro Pain und Immortal keine Zeit war, um mein Schminkköfferchen zu holen und mich Szene-mäßig für Immortal in Schale zu werfen.


                                                          (Immortal)


Die Mucke der Norweger kenne ich nur aus den Boxen meines Redaktionskollegas NDK für den ich ein paar Bilder schoss, aber mir sonst den Rest des Konzerts, weil mein Desastermobil für den Abflug bereit gemacht werden musste.
Right Direction sah ich mir nur im Vorbeigehen am Hardbowl an, denn ich habe mich mit der Benelux-Band noch nie sonderlich befasst, weiß aber von meinem Redaktionskollega Mr. Hardcore Pom, dass der Sänger verbotene deutsche Nazi-Scheiße in seinem Plattenstand verkauft. Solche Leute haben im Hardcore nichts zu suchen und sollten sich lieber mal den Finger in Popo schieben!
Auf dem Zeltplatz fingen meine Crew und ich an, unser Desaster-Mobil für die Heimfahrt klarzumachen. Während des Packens wurden wir dabei unaufhörlich von der fränkischen Vollgas-Combo J.B.O. mit ihrem haste-nicht-gesehn-was-weiss-ich-nicht-was-fürn-Cover Scheißdreck-Rock belästigt. Als die Karre beladen war eilte ich zu den Satanic Surfers, die im Hardbowl zocken sollten.


                                                          (Satanic Surfers)


Die Satanic Surfers kannte ich bis dato nur von einigen Sampler-Beiträgen, die mich schon zu begeistern wussten, doch was auf der Bühne dargebracht wurde, war der Oberhammer. Die Band hatte wie Good Riddance (um Vergleiche zu ziehen) einen riesigen Sprung weg vom Melo-Core in die hardcorelastigeren Gefilde gemacht und wusste das Publikum gut in den Arsch zu treten. Der Band sah man wie Strife den Spaß an und auch der Mob vor der Bühne war begeistert und schrie nach Zugabe. Am Ende des Sets sollte jetzt der sonntägliche Höhepunkt anstehen: The Exploited. Auch hier dauerte die Umbaupause ewig, weshalb ich den Getränkestand besuchte. Das Pappmaul ausgelöscht peilte ich zur Bühne, wo mittlerweile Wattie (Vocs) und Willie (dr) von der Originalbesetzung und deren neueren Mitstreitern die Bühne geentert hatten und zum Tanz aufspielten. Vor der Bühne hatte sich, wie sollte es auch anders sein, ein riesiger Mob von Punks, Skins und Hardcore-Freaks angesammelt. Die Band gab jede Menge ihrer Klassiker "Troops of tomorrow", "Fuck the USA", "Punks not dead", "Beat the Bastards" zum Besten. Wattie rotzte in ordentlicher Punkrock-Manier alle zwei Sekunden auf die Bühne oder in den Bühnengraben auf die Security-Typen. Auch einiges an Prominenz wie Götz Kühnemund (Rock Hard) und Garry Meskill (Pro Pain) ließen sich das Set der Punkheroen nicht entgehen. Zum Schluss als Zugabe wurde dann noch mit "Sex and Violence" einer der "aussagekräftigsten" Songs gespielt.


                                                          (The Exploited)


Mit dem Ende des Sets von Exploited endete auch unser Aufenthalt auf dem With Full Force 2002. Freudentaumelnd nun auch noch zur Krönung des Wochenendes The Exploited gesehen zu haben peilte ich langsam zu meinem Desastermobil, wo meine four mighty warriors schon auf mich warteten und auch schon die Klottener Hardcore-Posse ihr Lager abgebrochen hatte. Meine Crew zog noch ihre letzten Sargnägel zu den Klängen von In Extremo (wer bitte sind diese kranken Geister? Haben sich Rammstein einer Zeitmaschine bemächtigt, sich im Mittelalter eine Horde metgetränkter Minnesangs-Kreaturen entführt, diese mit LSD vollgepumpt und terrorisieren nun mit ihrem Techno meets Metal meets Mittelalter meets Tralala die Neuzeit?) durch, bevor wir zur nächsten Tankstelle cruisten, wo wir erstmal kubikmeterweise Staub von unserem Auto wegschaufelten und voll tankten. Schnell noch einige Nervennahrung und Geschlabbere gekauft, bevor wir mit brachialster Rammgeschwindigkeit den Heimweg antraten.
Dank meines ultraradikalen, Sonntag-Fahrer-hassenden, bremse-für-nichts Fahrstil durchflogen wir den Osten mit solch einer unglaublichen Geschwindigkeit, dass wir schon nach zweieinhalb Stunden unser heissgeliebtes Westdeutschland begrüßen konnten. Gegen 00:30 Uhr standen meine Crew und ich völlig müde und genervt auf dem Burgener Marktplatz, wo wir die Ladung des Desastermobils löschten. Um 00:45 Uhr kam ich dann noch müder zu Hause an, wo ich um 01:00 Uhr todmüde in mein flauschiwauschi Heiabett fiel, um mich um 05:45 Uhr vom Wecker (wesentlich beschissener als "Slayoooor"-Rufe) rausschmeißen zu lassen und meinem Arbeitgeber pünktlich um 07:00 Uhr und voll motiviert als Lohnsklave zur Verfügung zu stehen. Dies wird sich jedoch auch bald ändern, denn wenn ich erstmal die Weltherrschaft an mich gerissen habe, wird ein ganz anderer Wind wehen! Doch dies ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden...


        (Big Brother is watching you!)                                 (Der Autor)

Fazit: Ein lockeres Festival (trotz ständiger Überwachung durch den Polizeihubschrauber) zu einem korrekten Eintrittspreis mit coolen Bands, recht lockerer Atmosphäre und einigen stressigen (Satan Gnade dem gottverdammten Bastard, der unsere drei Stühle und unsere Holzkohle gezockt hat!!! Wir kommen wieder!!!!) und auch in der Mehrzahl lustigen Leuten. Eines der wenigen Mankos, die das Festival hatte, war der extrem staubige Platz, der durch einige Liter Wasserbeguss vorher sicher nicht so trocken gewesen wäre. Doch dank der humanen Getränkepreise konnte man sich gut wieder die Kehle befeuchten. Jedoch die Bierbrunnen-Besatzungen sollten vor allen Dingen mal lernen, ein Bier schnell zu zapfen oder einige Bier anzuzapfen, denn Wartzeiten bis zu einer Viertelstunde sind schon ziemlich übel... Außerdem könnten die Dixie-Klos noch einige Liter feinsten Chanel No. 5 vertragen, denn bei der Hitze ist der Geruch nicht so angenehm. Das war es dann aber mit den Mankos für die Ossis. Nun kommt noch ein Manko für die Wessis: Es waren schon einige mighty West-Warriors zur Stelle, doch könnte die Anzahl der West-Krieger auf diesem Festival noch steigen, denn es ist schon beachtlich, was die Ossis hier auf die Beine gestellt haben und könnte von einiges Wessis mehr honoriert werden!
Macht weiter so!!
Nun noch ein Tipp für alles West-Warriors, die den Kreuzzug ge(ge)n den Osten antreten: nehmt euch in dreisatansnamen massenhaft Zeit mit und reist schon donnerstags an und fahrt montags fort (so verpasst ihr wenigstens nicht wie wir die Hälfte der Bands und erspart euch eine Menge Stress).
Und damit eins klar ist, wenn ihr gen Osten aufbrecht: Macht keine Gefangenen!

P.S.: Vielen Dank an meine Tippschlampe Clairvoyant und meinen Sekretär NDK!

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