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12. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing ANTI-FLAG, THE CREETINS
Ort Kln, Live Music Hall
Datum 21.02.2008
Autor Pierre Lorenz
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Das neue Album "The Bright Lights Of America" stand kurz vor der Verffentlichung und ANTI-FLAG kamen fr vier Gigs nach Deutschland, um im Vorfeld schon mal krftig die Werbetrommel zu rhren. Kein Wunder, dass ein Interview mit der Band fr uns nicht drin war; die Kollegen aus dem Print-Bereich hatten sich in Windeseile alle freien Termine gesichert. The Creetins The Creetins Dennoch war ich bester Laune als ich gegen 19:30 Uhr endlich die bereits zu diesem Zeitpunkt gut gefllte Live Music Hall gefunden hatte und mich erstmal in aller Ruhe im Raum umsehen konnte. Ich war ja eigentlich fest davon ausgegangen, hier auch einen Stand der Tierrechtler von peta2.de vorzufinden, welche das Konzert immerhin offiziell prsentierten. Fehlanzeige! Schade, ich htte wirklich gerne mal ein Schwtzchen mit denen gehalten.

Zumal die Vorgruppe THE CREETINS ab etwa 20 Uhr ein ziemlich langweiliges Punk'n'roll Set von einer Dreiviertelstunde Lnge spielten. Von irgendwelchen alten Sampler-Tracks hatte ich die Band noch schnell und rotzig in Erinnerung. Mittlerweile sind die Kieler jedoch auf Roadrunner Records angelangt und eben das hrt man ihnen leider auch an. Mein Assistent (nennen wir ihn Watson) sprach von "Arschwackelmusik" - und das trifft es punktgenau. Der Groteil des Publikums wusste mit den stndigen "Ohohohs" ebenso wenig anzufangen wie wir. Ein paar Verrckte forderten am Ende trotzdem Zugaben, welche es natrlich nicht gab.

Dann Umbaupause, Soundcheck und mindestens zweimal TOM JONES mit "War". Dann kamen ANTI-FLAG endlich raus. Ein schneller Start mit schnellen Songs, die Band begrt das Klner Publikum und im Gegenzug gab's ein "Happy Birthday" fr Justin. Dass der am Abend sein Wiegenfest feierte, hatten uns THE CREETINS gegen Ende ihres Auftritts verkndet. Ein bisschen peinlich berhrt erklrte Justin mit einem hmischen Grinsen, es sei sein Neunzehnter Geburtstag. Ich schtze der Altersdurchschnitt in der LMH lag an diesem Abend sogar noch darunter. In Wirklichkeit wurde der Gitarrist und Snger 30 Jahre alt und dafr hat er sich echt gehalten wie kein zweiter; sein zierliches Auftreten drfte selbst den Beschtzerinstinkt einer Grundschlerin wecken. Antiflag Antiflag Aber der Mann wei was er will. ANTI-FLAG sind eine der politischsten Bands innerhalb der amerikanischen Punkrock-Szene und daran hat auch die Zusammenarbeit mit einem Starproduzenten nichts gendert, ber die sich einige Fans im Internet schon ausfhrlich ereifert haben. Vom kommenden Album spielte die Amis nur wenige Songs. Den Groteil des Sets bildeten Tracks von den Alben "The Terror State" und "For Blood And Empire". Dazu gab es aber selbstverstndlich auch alle groen Straenhymnen wie "Underground Network", "911 For Peace" und "Die For The Government" zu hren. ber die Songauswahl, sowie ber Bhnenperformance und Sound konnte man sich als Fan echt nicht beklagen. Zumal meiner einer ANTI-FLAG bislang nur auf einem Festival zu sehen bekommen hatte und der Gig war damals nicht so der Bringer gewesen...
In Kln jedenfalls lief alles wie am Schnrchen fr die Jungs. Bemerkenswert, wie alle Bandmitglieder jedes Mal auf die Millisekunde genau gleichzeitig den Song abbrachen, wenn in den ersten Reihen jemand zu Boden ging. Justin und Chris #2 hatten gleich zu Beginn ihres Auftritts darum gebeten, aufeinander acht zu geben bei Mosh- und Pogo-Aktionen. Auch die Security-Krfte wurden von Chris #2 das eine oder andere Mal kritisch beugt, etwa wenn Crowdsurfer abgefangen und anschlieend zurck in den Publikumsbereich gebracht wurden. Der Basser, der 1999 als Fan in die Band aufgenommen wurde, ist mittlerweile ein ebenbrtiger Frontmann. Antiflag Antiflag Das meiste, was bei ANTI-FLAG-Konzerten an Kommunikation mit dem Publikum luft, luft ber ihn. Auch ein Bad in der Menge lie er sich an diesem Abend nicht nehmen. Vielleicht mimte er ja, gerade weil es Justin Sanes Geburstag war, die vollen 90 Minuten durch den Entertainer und Animateur, um seinen Bandkollegen zur Feier des Tages mal ein wenig zu entlasten.

Alles in allem war der Auftritt von ANTI-FLAG makellos. Da hat einfach alles gestimmt und dementsprechend enthusiastisch wurden die vier auf der Bhne auch vom Publikum abgefeiert. Das htte ich so definitiv nicht erwartet, denn kommerziell gesehen sind andere US-Punk-Acts auf dem deutschen Markt sicherlich erfolgreicher. Umso gespannter bin ich jetzt auf das kommende Album.
Wie man die Anti-Bush Bewegung von Deutschland aus untersttzen kann, wird die Band hierzulande angeblich des fteren gefragt. "Schreibt euren Wahlkreisabgeordneten!", meinte Justin dazu zwischen zwei Songs, "Bittet sie darum, sich dafr einzusetzen, George W. Bush vor ein internationales Kriegsverbrechertribunal zu bringen". Und auch wenn die Welt eventuell nicht ganz so einfach funktioniert; ANTI-FLAG bewegen in den Kpfen ihrer deutschen Zuhrerschaft wahrscheinlich mehr als die meisten unserer Politiklehrer.
Der Februar-Gig in Kln zumindest, ist trotz uninteressanter Vorgruppe letzten Endes jeden einzelnen Cent des Eintrittsgeldes wert gewesen, finde ich. Fazit: Jederzeit wieder!

P.S.: Die abgebildete Setlist stimmt, auch wenn sie so auf der Bhne auslag, leider nicht zu hundert Prozent mit dem berein was tatschlich gespielt wurde.

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