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18. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DISMEMBER, HATESPHERE, FALL OF SERENITY
Ort Trier, Exhaus
Datum 09.02.2008
Autor Snke Hansen
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Das zweite Konzert der "Europa Burns-Tour" fand in Trier im Exhaus statt. Ein mehr als gelungener Ort fr einen Auftritt der alten Death Metal-Recken von DISMEMBER . Wer das Exhaus kennt, wei, was ich meine: ein dunkles Kellergewlbe, die Bhne am Ende eines langen, aber dafr nicht sehr breiten Tunnels. Die Bhne ist ungefhr auf Kniehhe des Publikums angelegt und bietet somit optimalen Nhrboden fr einen Kontakt zwischen Band und Fans. Oldschool halt. Geil.

Eigentlich sollten an diesem Abend WORLD ESCAPE die Bhnenbretter anwrmen. Doch obwohl ich pnktlich ankam und kein Alkohol durch meine Venen floss, habe ich sie leider nicht sehen knnen. Entweder ich bin inzwischen auch ohne Bier enorm verpeilt oder aber sie haben wirklich nicht gespielt. Wirklich schade eigentlich, denn die Mucke der Band (zu hren unter: www.worldescape.de ) gefllt mir richtig gut!

Dafr kommen dann LAY DOWN ROTTEN auf die Bhne. Der Name ist zwar ein Begriff, die Musik auch. Nur irgendwie ist sie in der Vergangenheit, ohne einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen, an mir vorbeigezogen. Ein Defizit, das ich nach diesem Auftritt unbedingt ausbgeln muss!
Die Jungs knnen mit enorm starkem Songmaterial punkten, das ich als angenehm abwechslungsreich und dennoch eingngig empfinde. Klaro, LAY DOWN ROTTEN machen keine Gefangenen, sie bolzen sich durchs Set, als gbe es kein Morgen mehr. Aber dennoch bauen sie immer wieder sehr feine und einprgsame Melodien in ihr Liedgut mit ein, dass es einen kaum loslassen will. So kommen auch die Mosh-Parts nicht zu kurz und die erzielte Wirkung bleibt nicht aus: Die ersten Headbanger lassen ihre Matten kreisen und es kommt Stimmung auf im Exhaus. Nicht zuletzt auch durch die knackigen Ansagen der beiden Frontmnner Daniel Jakobi (g,v) und Jost Kleinert (v), wobei Letzterer prchtigen Beifall erntet, als er mit einem lustigen Kommentar der Emo-Welt eine Absage erteilt.

Als nchste Band stehen FALL OF SERENITY auf dem Plan. Auch hier dasselbe Spiel: die Band ist gut drauf, die Ansagen kurz und spritzig, die Mucke brachial. Und obwohl der Sound nicht das Gelbe vom Ei ist; sprich: Gitarren dnn, Schlagzeug plump und laut, haben Band und Publikum (inkl. mir) einen Heidenspa.
Das Zusammenspiel der Herren ist zwar nicht gerade als perfekt zu bezeichnen, aber bei derartiger Bhnenprsens ist das zu verschmerzen. Die Temperatur im Exhaus erhht sich nochmal um ein paar Grade und bei einem Cover von "Reign In Blood" (SLAYER) wirds direkt noch heier.

Ich persnlich finde es nicht sehr gnstig, eine Band wie HATESPHERE mit doch eher modernem Metalsound am Start direkt vor den Oldschool-Gttern DISMEMBER spielen zu lassen, aber mit der Meinung stehe ich an diesem Abend scheinbar alleine dar. Bei den ersten Tnen halten sich die Meisten im Publikum in punkto Krpereinsatz noch etwas zurck. Man will wohl erst mal gucken, was aus HATESPHERE nach Weggang der fast kompletten Besetzung geworden ist.
Der neue Frontmann Jonathan "Joller" Albrechtsen macht indes seinen Job am Mikro sehr moderat und hat die Meute flott auf seiner Seite. Dann ist die Hlle los. Zwischen den vereinzelten Moshern toben sich die Fans aus. Da hat der Headbanger keine Chance mehr und mu sich, um vergngt das Haar wedeln zu lassen, ein paar Schritte von der Bhne entfernen. Groe Massenschubserei ist dort nmlich angesagt. Joller findet dies klasse und heizt den Leuten noch mehr ein.
Das Exhaus ist zum hitzigen Hexenkessel mutiert. Ich, der nicht unbedingt als HATESPHERE -Experte durchgehen wrde, habe mir im Nachhinein von zwei Fans sagen lassen, dass das Konzert enorm geil gewesen wre (ich hab's vermutet, hehe), die Band aber nicht mehr dieselbe und Joller kein rechter Ersatz fr seinen Vorgnger sei. Nun, das mu ich so stehen lassen.
Trotzdem geiler Gig; und es folgen ja noch jede Menge, bei denen sich der Herr Albrechtsen einschreien kann.

Auch DISMEMBER haben ein einschneidendes Besetzung-Karussell zu verzeichnen und ich blicke dem Auftritt mit kleinen Bedenken entgegen. Ist das noch die alte Band? Groovt sie auch noch wie Sau, nachdem Fred Estby nicht mehr die Knppel am Schlagzeug schwingt? Sind sie noch geil?
Alle Befrchtungen blasen DISMEMBER im Ansatz hinfort. Thomas Daun, der Neue an der Schiebude ballert wie ein Irrer und geradezu perfekt jeglichen DISMEMBER -Song runter, als htte er nie etwas anderes getan. berhaupt wirkt das ganze Zusammenspiel der Band so, als htten sie schon immer in genau dieser Konstellation gespielt. Da hat aber einer fleiig geprobt!
Nachdem mich die Schweden qualitativ berzeugt haben, gebe ich mich der Mucke hin und schraube mir standesgem die Rbe vom Hals. Zu den donnernden Kettensgen-Gitarren und Mattis unverwechselbarem Massenmrder-Gebrll fllt es einem nicht schwer, die Deather-Seele baumeln zu lassen.
DISMEMBER lassen nicht einen Klassiker aus: "Skinfather" und "Skin Her Alive" fehlten genau so wenig wie "Casket Garden", "Collection By Blood" oder gar "I Saw Them Die" von der "Massive Killing Capacity".
Es ist laut. Es ist hart. Doch da mu ich jetzt durch. Da will ich durch! Der Sound ist brachial; die Bhnenoptik phnomenal: Verschiedene Flaggen aus des Headbangers Standardsortiment: Judas Priest, Motorhead und Iron Maiden. Nicht zu vergessen das kleine Plsch-Entchen Satyr - das sechste Mitglied von DISMEMBER , so Snger Matti Krki - das brav auf den Boxen sitzt und ber den Gig wacht (s. Bild). Auch von der neuen Platte gibt es einiges Liedgut zu hren; und wie es aussieht, bekommen wir einen echten Hammerschlag von Death Metal in diesem Jahr serviert. Der kleine Vorgeschmack macht hungrig! Wobei ich von dem Stck "Under A Bloodred Sky" mit jeder Menge Maiden in den Melodien noch am meisten angetan bin. Ein neuer DISMEMBER -Hit? Apropos: Als Zugabe schmettern die Jungs noch "Dreaming In Red" ins Publikum, ein Sahnestck von Lied und das Sahnehubchen fr diesen Auftritt.
Danke fr diesen herrlichen Abend ganz nach der alten, harten Schule; Danke fr diese erbrmlichen Nackenschmerzen; Danke fr dieses musikalische Massaker.
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