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14. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing OBITUARY, HOLY MOSES, AVATAR
Ort Mnchen, Backstage - Halle
Datum 30.01.2008
Autor Andre Kreuz
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Bayern und besonders Mnchen ist keine Hochburg des metallischen Liedgutes, das ist zumindest mein Eindruck nach ber zwei Jahren im Exil hier. Denn streift man langhaarig und schwarzgewanded durch die Hauptstadt des Freistaates, muss man Artgenossen schon mit der Lupe suchen.
Umso faszinierender ist dann immer der Besuch eines Konzertes: Pltzlich kommen Legionen von Metallern aus ihren Lchern gekrochen, um in erstaunlicher Anzahl Flagge zu zeigen und klarzustellen, dass Bayern musikalisch weit mehr zu bieten hat, als grenzdebiles Oktoberfest-Geschunkel.
So krzlich wieder geschehen bei einem Konzert in der Backstage. OBITUARY riefen und geschtzte 400 kamen in die "Halle", die im Vergleich zum ebenfalls zur Backstage gehrenden "Werk" kleiner ausfllt. Um den Winter drauen zu lassen (und den Bierkonsum anzukurbeln), war der Laden gut geheizt, so dass man in entspannter, rauchfreier Atmosphre auf die erste Band des Abends warten konnte.

Das war denn der AVATAR Schweden, der seinen Set eine geschlagene halbe Stunde vor dem online angekndigten Starttermin begann. Entsprechend wenig war in der Halle los, was sich aber sptestens ab der Mitte des Auftritts nderte. Da der junge Trupp nicht nur aus Schweden sondern auch noch direkt aus Gteborg stammt, war die Marschrichtung trotz anfnglich dnnem Sound klar: Melodic Death moderner Prgung. Avatar Avatar Nicht schlecht, aber auch nichts Weltbewegendes, wobei man AVATAR unbedingt zu gute halten muss, dass sie sich auf dem schwierigen Posten des Openers wacker schlugen und mit 100% Einsatz um die Gunst des langsam auftauenden Publikums buhlten. Neben dem Pudel-Basser erwies sich vor allem der Gitarrist als echter Knner an seiner Axt, auch wenn das Gepose zusammen mit dem erwhnten Basser und dessen Dreadlock-Kollege an der zweiten Klampfe arg einstudiert und von den Groen abgeschaut wirkte. Auch der Spargeltarzan von Snger war um Kommunikation mit dem gemeinen Volk bemht, kam aber trotzdem einfach nur unsymphatisch rber.
Unterm Strich konnten AVATAR dennoch erhobenen Hauptes die Bhne mit dem Wissen verlassen, als Jungspunde den Job des Einheizers vor zwei alteingesessenen Haudegen solide erledigt zu haben.

Nach der Umbauphase erwartete die inzwischen ordentlich gefllt Halle mit HOLY MOSES ein deutsches Thrash-Urgestein, mit dem ich bisher nie so wirklich warm geworden bin. Zeit, das zu ndern!
Nach einer witzigen Reggae-Beschallung enterte eine sichtlich gut gelaunte Band die Bhne, der man die gesamte Spielzeit ber den Spa am Krach-machen ansehen konnte. Sabina Classen hatte angeblich nach eigener Aussage kurz vor dem Gig mit einer mehr oder minder akuten Lungenentzndung zu kmpfen, die sie aber Dank einer Arzt-Empfehlung von SYCRONOMICAs Schreihals Olli erfolgreich besiegt habe. Nur um ganz sicher zu gehen erzhlte die gut aufgelegte Frontfrau den Fans, dass sie sich nun den Virus wahlweise rausbrllen oder aufs Publikum bertragen werde und nebenbei die Bhne von OBITUARY vollrotzen msse. Taten folgten Worten, indem reichlich konsumiertes Wasser durch die Gegend gespritzt wurde. Na denn mal Prost. Holy Moses Holy Moses Musikalisch wurde der oldschoolige Thrash von HOLY MOSES spielfreudig und energiegeladen in die sich mehr und mehr munter pogenden Massen gedroschen, die prompt den ersten derben Pit des Abends erffneten. Wirkten die Spielchen auf der Bhne zuvor bei AVATAR noch ungelenkt und einstudiert, so kamen diese bei HOLY MOSES deutlich lockerer und zeigten, wieviel Erfahrung diese gut gelte Thrash-Machine bereits auf dem Buckel hat. Optisch ein Hingucker war sicherlich auch das ber dem Schlagwerker montierte China-Becken, das an dem Abend einiges einzustecken hatte.
Abgeschlossen wurde der Auftritt von HOLY MOSES mit "Too Drunk To Fuck", bei dem die ohnehin nicht groe Bhne von ganzen Heerscharen gestrmt wurde, um den Song angemessen mit der Band zu zelebrieren. Bleibt noch festzuhalten, dass ich meine Meinung ber die Band korrigieren muss, denn Nummer zwei auf dem Programm des heutigen Abends hat definitiv eine Menge Laune gemacht!

Die Banner auf der Bhne kndigten es an: OBITUARY standen kurz davor, den Laden zu Kleinholz zu verarbeiten. Nach einer weiteren nervigen Pause stapften die Death Metal-Altvorderen endlich auf die Bhne, um zu zeigen, dass man es auch nach ber 20 Jahren im Geschft noch raus hat.
Nicht, dass jemand daran gezweifelt htte, aber von Sekunde Null an herrschte im Backstage der Todesmetall, ohne Kompromiss und ohne Schnrkel. So sah das auch die Band, denn besonders viel Bewegung lie sich auf der Bhne nicht ausmachen. Grtenteils stur auf ihren Posten verweilend ballerten die Herren ein tonnenschweres Riff nach dem anderen in den gut durchgemischten Pit und in die weiter hinten bangenden Massen. Einiges wurde von der neuen Platte gebracht, aber auch alte Kamellen durften nicht fehlen. Obituary Obituary Wobei sich die Stcke von OBITUARY bekanntlich nicht so gewaltig voneinander unterscheiden. Umso leichter fiel es, die Rbe im Groove kreisen zu lassen und es Frontrhre John Tardy mit seiner Mega-Matte gleich zu tun. Dessen Ansagen waren im brigen komplett unverstndlich, was sich auch nach der allgemeinen Besserungen des Sounds nach den ersten Stcken nicht nderte.
Whrend der Mob turnte und vermehrt Stagediver gesichtet wurden, stierte Gitarren-Schrank Trevor Peres mit bsen Blicken und dennoch Spa in den Backen (das geht wohl nur im Metal) durch die Gegend. Der Rest agierte eher zurckhaltend und routiniert, wobei besonders Allen Wests Aushilfe Ralph Santolla mit Augenringen in Tgtgren'schen Dimensionen beeindruckte und teilweise genervt wirkte. Dafr durfte er aber ebenso wie sein Kollege Donald Tardy an den Ptten gegen Ende mit einem Solo ran, das wie die meisten Zurschaustellungen dieser Art einfach nur langweilig war. Zumindest fr unbedarfte Nichtmusiker wie mich.
Oft gefordert wurde "Slowly We Rot" zum Abschluss als Zugabe in die schwitzenden Massen vor der Bhne gefeuert. Nach einem augenscheinlichen Missverstndnis zwischen den beiden Gitarristen, das zunchst giftige Blicke und dann eine vershnliche Umarmung zur Folge hatte, verschwanden OBITUARY vollkommen unspektakulr von der Bhne. Und genauso unspektakulr traten wir dann auch den Heimweg an, mit der Gewissheit, einen abwechslungsreichen Metal-Abend mit drei motivierten Bands verbuchen zu knnen.

Fotos: Andreas und Stefanie Kind

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