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21. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing DEADSOUL TRIBE, THE OLD DEAD TREE
Ort Aschaffenburg, Colos-Saal
Datum 06.12.2007
Autor Sabine Jordan & Thorsten Ritter
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Nachdem wir uns durch den Feierabend-Verkehr gekmpft hatten und unruhig wurden, weil es angeblich schon um 20h losgehen sollte, mussten wir feststellen, dass um kurz nach acht nur eine handvoll Leute im Colos-Saal waren und es eben nicht - wie gedacht - um 20h losging. The Old Dead Tree Seltsamerweise ragte von der Wand hinter der Videoleinwand - auf der immer Konzertausschnitte von Bands, die im Colos-Saal gespielt haben und auch demnchst wieder spielen, zu sehen sind - ein groes THE OLD DEAD TREE-Banner. Eigentlich sollte an diesem Tag ja noch eine dritte Band, nmlich die Englnder KYRB GRINDER um Drummer und Snger Johanne James (Ex-THRESHOLD) spielen. Wie sich spter herausstellte sagten KYRB GRINDER aufgrund von Krankheit ihre Teilnahme vor Tourstart kurzfristig ab. Schade, denn das was ich auf der Homepage hrte klang durchaus viel versprechend.

Dennoch war das kein Grund zur Traurigkeit, denn dafr spielten THE OLD DEAD TREE aus Frankreich dann auch etwas lnger. Los ging es um kurz nach halb Neun. Auf die Bhne kamen vier schlicht schwarz gekleidete Herren, die sehr bescheiden, aber dafr umso engagierter wirkten. Uns erwartete melancholische, gitarrenlastige, sehr tiefsinnige Musik, die man dem ersten Hren nach wohl eher in Richtung Schweden Marke OPETH und Co geordnet htte. THE OLD DEAD TREE bringen durchaus die ntige Schwere und auch hin und wieder Hrte an den Tag. Wobei sich die Schrei-Parts von Snger Manuel Munoz wirklich in Grenzen halten. Aber bei seinem zuweilen wirklich krftigen Organ htte ich mir eigentlich einen anderen Mann vorgestellt, denn Manuel ist sehr zierlich, so dass man ihm so ein Geschrei gar nicht zugetraut htte. Allerdings denkt man das nur solange bis er fr seine Growls den Mund weit aufgerissen hat. The Old Dead Tree Meistens berzeugte Manuel mit seiner variablen und wandlungsfhigen Stimme, die Wechsel zwischen Schreien, Sprechgesang und klarem Gesang waren einfach beeindruckend, hin und wieder gab es ein paar absichtliche Kiekser, die einen verwunderten. Nach dem ersten Song wurden wir erst mal freundlich auf deutsch begrt mit: "Guten Abend Aschaffenburg wir sind THE OLD DEAD TREE (TODT) aus Paris, Frankreich." Respekt fr diese Ansage, das htte ich von Franzosen nicht unbedingt erwartet. Aber wer schon so gutes Englisch singt...Die Gunst des Publikums war den Herren zwar vorher schon gewiss, aber so konnte man das festigen.
Neben Manuel waren Bassist Vincent Danhier und Gitarrist Gilles Moinet, der auch ab und an die Backingvocals bernahm, immer in Bewegung und oft auch ordentlich am Bangen. Manuel war ebenfalls und trotz Gitarrenspiel und Gesang immer in Action, sein rhythmisches Mitswingen und Bangen sah irgendwie lustig aus und mit dem Strobo-Licht am Schluss fast schon ein wenig "evil". Schlagzeug spielte brigens ein Sessionmusiker Namens Raphal Antheaume, da der letzte, bereits dritte Drummer der Band, krzlich ausgestiegen und die Band momentan auf der Suche nach einem Nachfolger ist. Trotzdem lieen sich TODT nicht entmutigen und spielten uns eine ausgewogene Mischung von Songs aus ihren drei Alben. Ich habe selten so eine freundliche, sympathische Band erlebt. The Old Dead Tree Spter gab uns dann auch Schlagzeuger Vincent eine Kostprobe seiner Deutschkenntnisse, indem er uns darber aufklrte, dass Manuel an dem Abend etwas krank sei und, auerdem erzhlte er, dass er schon nach drei Tagen Tour Deutschland lieben wrde, natrlich sehr zur Freude des Publikums. Manuel hatte wohl nicht alles verstanden und meinte dann auf Englisch, dass er hoffe sein Kollege htte etwas Nettes gesagt. Dann ging es weiter mit "We Cry As One" vom Debt "The Nameless Disease", dessen Songs dem ersten Drummer Frederic Guillemot gewidmet ist, der sich 1999 das Leben nahm. "We Cry As One" ist allein schon textlich gesehen ein weiterer, sehr emotionaler Song, der dazu musikalisch vielseitig ist: von rhythmischem Sprechgesang ging es in Grunzparts ber und schlielich folgten wieder sanft gesungene Passagen, dazu unterstrich die Schwere der Musik die Traurigkeit des Themas. Schleppende Gitarrenriffs, wechselnde Gesangsparts ergaben eine Musik irgendwo zwischen Doom und Death mit einem Einschlag Progressive Metal, die meiner Ansicht nach auch ganz gut gut zum Headliner DEADSOUL TRIBE passte, auch wenn TODT stelleweise hrte Geschtze aufgefahren haben. Manuels Stimme erinnerte mich beim sanften Gesang zwar an Mikael Akerfeldt von OPETH, aber ich musste einfach zugeben, dass Manuel der bessere Snger und damit stimmlich wesentlich variabler ist. So ging die Zeit wirklich schnell vorbei und nachdem sich Manuel herzlich bedankte war nach "What Else Could We've Said?" erst einmal Schluss.
Offensichtlich hatte es aber nicht nur mir gefallen, die Leute wollten mehr und es gab mehr, nachdem sich Manuel zuvor erkundigte, ob wir noch ein Lied hren wollten. Sicher wollten wir das und so gab es ein sehr eigenwillig interpretiertes Britney Spears-Cover oben drauf, htte er es nicht angekndigt, wir htten nicht gemerkt, dass das ein Brit-Song gewesen sein sollte.

Setlist:

  • It Can't Be
  • Is Your Soul For Sale
  • Regarding Kate
  • We Cry As One
  • How Could You?
  • Out Of Breath
  • Hey!
  • The Knock Out Song
  • Start The Fire
  • Unrelenting
  • What Else Could we've said?
  • My Friend (Britney Spears Cover)

Etwa 21:40h ging dann aber das Licht zum Umbau an, inzwischen waren zwar ein paar Leute mehr da, aber leider waren wohl ingesamt trotzdem nur knapp 100 Leute da, was sehr schade ist fr diese Bands und den mit 16 € doch sehr gnstigen Eintrittspreis... (Sabine Jordan)

Dead Soul Tribe Dead Soul Tribe

DEADSOUL TRIBE enterten nach einer kurzen Umbaupause gegen 21.55 Uhr die Bhne und luden die Anwesenden zu einer kurzweiligen Zeitreise durch ihre bisherigen Werke ein und im Gegensatz zu THE OLD DEAD TREE stand atmosphrisch dichter, hypnotischer Prog-Metal auf dem Programm. Die Band startete ihren Gig mit dem zum Intro umfunktionierten "Goodbye City Life" vom neuen Album "A Lullaby For The Devil", dem nahtlos das ebenfalls neue Stck "Further Down" folgte. Dead Soul Tribe Im Anschluss daran musste die Band kurz pausieren, da es leichte Probleme mit den Drums von Adel Moustafa gab. Devon Graves berspielte diese technische Panne charismatisch mit seinen Entertainer-Qualitten, indem er mit einem kurzen Querflten-Solo begeisterte. Man merkte dem frher als Buddy Lackey bekannten Snger und Multiinstrumentalisten deutlich seine jahrelange Erfahrung an was, sich an seiner unglaublichen Bhnenprsenz bemerkbar machte. Er versprhte eine Sympathie und einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen konnte, auerdem poste er was das Zeug hielt. Seine Bhnenkollegen degradierte er aber weitestgehend zu Statisten. Nach einem weiteren Song ("Psychosphere") vom aktuellen Album ging es zurck zum Debt, von dem "The Haunted" und "Powertrip" gespielt wurden. Daran knpfte sich mein persnliches Highlight in Form des Dreierpacks "Angel In Vertigo", "Some things You Can't Return" und "Feed (Part I und II)" vom Zweitwerk "A Murder Of Crows" an. Es wre natrlich erfreulich gewesen noch "In A Garden Made Of Stone" zu hren, welches aber trotz der Tatsache, dass Nikolaus war, leider nicht gespielt wurde. Nach dieser Trilogie wechselten sich erneut neuere mit lteren Stcken ab, wobei eine berraschung sicherlich die PSYCHOTIC WALTZ-Nummer "I Remember" war. Mit "A Flight On An Angels Wing" beendete die Band gegen 23.15 Uhr leider viel zu frh ihr regulres Set, bevor Devon mit seinen Mitstreitern fr zwei Zugaben zurck auf die Bhne kam und ein rundum gelungenes, nur viel zu kurzes Konzert beendete.

Setlist:

  • Goodbye City Life (als Intro)
  • Furher Down
  • Psychosphere
  • The Haunted
  • Powertrip
  • Angel In Vertigo
  • Some Things You Can't Return
  • Feed (Part I und II)
  • Lost In You
  • Here Comes The Pigs
  • Some Sane Advice
  • I Remember (Psyochtic Waltz)
  • Under The Weight Of My Stone
  • The Love Of Hate
  • Spiders And Flies
  • A Flight On An Angels Wing
  • Into The Spiral Cathedral
  • Regret

Ich kann nur hoffen, dass diese uerst sympathische Band demnchst mehr Zulauf erhlt, da die Songs live viel organischer und mitreiender rberkommen, als zum Teil auf CD. Dies ist sicherlich auch dem Engagement von Devon zu verdanken, der mit seiner Performance einen nicht unwesentlichen Teil dazu beitrug. Die Spielfreude war hier jedenfalls bedeutend grer als zuletzt bei DREAM THEATER, die vor kurzem einfach nur ihr Programm abspulten. (Thorsten Ritter)

Fotos: Thorsten Ritter

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