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465 Reviews in der Datenbank
Billing: DEADSOUL TRIBE, THE OLD DEAD TREE
Ort: Aschaffenburg, Colos-Saal
Datum: 06.12.2007
Autor: Sabine Jordan & Thorsten Ritter
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Nachdem wir uns durch den Feierabend-Verkehr gekämpft hatten und unruhig wurden, weil es angeblich schon um 20h losgehen sollte, mussten wir feststellen, dass um kurz nach acht nur eine handvoll Leute im Colos-Saal waren und es eben nicht - wie gedacht - um 20h losging. The Old Dead Tree Seltsamerweise ragte von der Wand hinter der Videoleinwand - auf der immer Konzertausschnitte von Bands, die im Colos-Saal gespielt haben und auch demnächst wieder spielen, zu sehen sind - ein großes THE OLD DEAD TREE-Banner. Eigentlich sollte an diesem Tag ja noch eine dritte Band, nämlich die Engländer KYRB GRINDER um Drummer und Sänger Johanne James (Ex-THRESHOLD) spielen. Wie sich später herausstellte sagten KYRB GRINDER aufgrund von Krankheit ihre Teilnahme vor Tourstart kurzfristig ab. Schade, denn das was ich auf der Homepage hörte klang durchaus viel versprechend.

Dennoch war das kein Grund zur Traurigkeit, denn dafür spielten THE OLD DEAD TREE aus Frankreich dann auch etwas länger. Los ging es um kurz nach halb Neun. Auf die Bühne kamen vier schlicht schwarz gekleidete Herren, die sehr bescheiden, aber dafür umso engagierter wirkten. Uns erwartete melancholische, gitarrenlastige, sehr tiefsinnige Musik, die man dem ersten Hören nach wohl eher in Richtung Schweden Marke OPETH und Co geordnet hätte. THE OLD DEAD TREE bringen durchaus die nötige Schwere und auch hin und wieder Härte an den Tag. Wobei sich die Schrei-Parts von Sänger Manuel Munoz wirklich in Grenzen halten. Aber bei seinem zuweilen wirklich kräftigen Organ hätte ich mir eigentlich einen anderen Mann vorgestellt, denn Manuel ist sehr zierlich, so dass man ihm so ein Geschrei gar nicht zugetraut hätte. Allerdings denkt man das nur solange bis er für seine Growls den Mund weit aufgerissen hat. The Old Dead Tree Meistens überzeugte Manuel mit seiner variablen und wandlungsfähigen Stimme, die Wechsel zwischen Schreien, Sprechgesang und klarem Gesang waren einfach beeindruckend, hin und wieder gab es ein paar absichtliche Kiekser, die einen verwunderten. Nach dem ersten Song wurden wir erst mal freundlich auf deutsch begrüßt mit: "Guten Abend Aschaffenburg wir sind THE OLD DEAD TREE (TODT) aus Paris, Frankreich." Respekt für diese Ansage, das hätte ich von Franzosen nicht unbedingt erwartet. Aber wer schon so gutes Englisch singt...Die Gunst des Publikums war den Herren zwar vorher schon gewiss, aber so konnte man das festigen.
Neben Manuel waren Bassist Vincent Danhier und Gitarrist Gilles Moinet, der auch ab und an die Backingvocals übernahm, immer in Bewegung und oft auch ordentlich am Bangen. Manuel war ebenfalls und trotz Gitarrenspiel und Gesang immer in Action, sein rhythmisches Mitswingen und Bangen sah irgendwie lustig aus und mit dem Strobo-Licht am Schluss fast schon ein wenig "evil". Schlagzeug spielte übrigens ein Sessionmusiker Namens Raphaël Antheaume, da der letzte, bereits dritte Drummer der Band, kürzlich ausgestiegen und die Band momentan auf der Suche nach einem Nachfolger ist. Trotzdem ließen sich TODT nicht entmutigen und spielten uns eine ausgewogene Mischung von Songs aus ihren drei Alben. Ich habe selten so eine freundliche, sympathische Band erlebt. The Old Dead Tree Später gab uns dann auch Schlagzeuger Vincent eine Kostprobe seiner Deutschkenntnisse, indem er uns darüber aufklärte, dass Manuel an dem Abend etwas krank sei und, außerdem erzählte er, dass er schon nach drei Tagen Tour Deutschland lieben würde, natürlich sehr zur Freude des Publikums. Manuel hatte wohl nicht alles verstanden und meinte dann auf Englisch, dass er hoffe sein Kollege hätte etwas Nettes gesagt. Dann ging es weiter mit "We Cry As One" vom Debüt "The Nameless Disease", dessen Songs dem ersten Drummer Frederic Guillemot gewidmet ist, der sich 1999 das Leben nahm. "We Cry As One" ist allein schon textlich gesehen ein weiterer, sehr emotionaler Song, der dazu musikalisch vielseitig ist: von rhythmischem Sprechgesang ging es in Grunzparts über und schließlich folgten wieder sanft gesungene Passagen, dazu unterstrich die Schwere der Musik die Traurigkeit des Themas. Schleppende Gitarrenriffs, wechselnde Gesangsparts ergaben eine Musik irgendwo zwischen Doom und Death mit einem Einschlag Progressive Metal, die meiner Ansicht nach auch ganz gut gut zum Headliner DEADSOUL TRIBE passte, auch wenn TODT stelleweise härte Geschütze aufgefahren haben. Manuels Stimme erinnerte mich beim sanften Gesang zwar an Mikael Akerfeldt von OPETH, aber ich musste einfach zugeben, dass Manuel der bessere Sänger und damit stimmlich wesentlich variabler ist. So ging die Zeit wirklich schnell vorbei und nachdem sich Manuel herzlich bedankte war nach "What Else Could We've Said?" erst einmal Schluss.
Offensichtlich hatte es aber nicht nur mir gefallen, die Leute wollten mehr und es gab mehr, nachdem sich Manuel zuvor erkundigte, ob wir noch ein Lied hören wollten. Sicher wollten wir das und so gab es ein sehr eigenwillig interpretiertes Britney Spears-Cover oben drauf, hätte er es nicht angekündigt, wir hätten nicht gemerkt, dass das ein Brit-Song gewesen sein sollte.

Setlist:

  • It Can't Be
  • Is Your Soul For Sale
  • Regarding Kate
  • We Cry As One
  • How Could You?
  • Out Of Breath
  • Hey!
  • The Knock Out Song
  • Start The Fire
  • Unrelenting
  • What Else Could we've said?
  • My Friend (Britney Spears Cover)

Etwa 21:40h ging dann aber das Licht zum Umbau an, inzwischen waren zwar ein paar Leute mehr da, aber leider waren wohl ingesamt trotzdem nur knapp 100 Leute da, was sehr schade ist für diese Bands und den mit 16 € doch sehr günstigen Eintrittspreis... (Sabine Jordan)

Dead Soul Tribe Dead Soul Tribe

DEADSOUL TRIBE enterten nach einer kurzen Umbaupause gegen 21.55 Uhr die Bühne und luden die Anwesenden zu einer kurzweiligen Zeitreise durch ihre bisherigen Werke ein und im Gegensatz zu THE OLD DEAD TREE stand atmosphärisch dichter, hypnotischer Prog-Metal auf dem Programm. Die Band startete ihren Gig mit dem zum Intro umfunktionierten "Goodbye City Life" vom neuen Album "A Lullaby For The Devil", dem nahtlos das ebenfalls neue Stück "Further Down" folgte. Dead Soul Tribe Im Anschluss daran musste die Band kurz pausieren, da es leichte Probleme mit den Drums von Adel Moustafa gab. Devon Graves überspielte diese technische Panne charismatisch mit seinen Entertainer-Qualitäten, indem er mit einem kurzen Querflöten-Solo begeisterte. Man merkte dem früher als Buddy Lackey bekannten Sänger und Multiinstrumentalisten deutlich seine jahrelange Erfahrung an was, sich an seiner unglaublichen Bühnenpräsenz bemerkbar machte. Er versprühte eine Sympathie und einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen konnte, außerdem poste er was das Zeug hielt. Seine Bühnenkollegen degradierte er aber weitestgehend zu Statisten. Nach einem weiteren Song ("Psychosphere") vom aktuellen Album ging es zurück zum Debüt, von dem "The Haunted" und "Powertrip" gespielt wurden. Daran knüpfte sich mein persönliches Highlight in Form des Dreierpacks "Angel In Vertigo", "Some things You Can't Return" und "Feed (Part I und II)" vom Zweitwerk "A Murder Of Crows" an. Es wäre natürlich erfreulich gewesen noch "In A Garden Made Of Stone" zu hören, welches aber trotz der Tatsache, dass Nikolaus war, leider nicht gespielt wurde. Nach dieser Trilogie wechselten sich erneut neuere mit älteren Stücken ab, wobei eine Überraschung sicherlich die PSYCHOTIC WALTZ-Nummer "I Remember" war. Mit "A Flight On An Angels Wing" beendete die Band gegen 23.15 Uhr leider viel zu früh ihr reguläres Set, bevor Devon mit seinen Mitstreitern für zwei Zugaben zurück auf die Bühne kam und ein rundum gelungenes, nur viel zu kurzes Konzert beendete.

Setlist:

  • Goodbye City Life (als Intro)
  • Furher Down
  • Psychosphere
  • The Haunted
  • Powertrip
  • Angel In Vertigo
  • Some Things You Can't Return
  • Feed (Part I und II)
  • Lost In You
  • Here Comes The Pigs
  • Some Sane Advice
  • I Remember (Psyochtic Waltz)
  • Under The Weight Of My Stone
  • The Love Of Hate
  • Spiders And Flies
  • A Flight On An Angels Wing
  • Into The Spiral Cathedral
  • Regret

Ich kann nur hoffen, dass diese äußerst sympathische Band demnächst mehr Zulauf erhält, da die Songs live viel organischer und mitreißender rüberkommen, als zum Teil auf CD. Dies ist sicherlich auch dem Engagement von Devon zu verdanken, der mit seiner Performance einen nicht unwesentlichen Teil dazu beitrug. Die Spielfreude war hier jedenfalls bedeutend größer als zuletzt bei DREAM THEATER, die vor kurzem einfach nur ihr Programm abspulten. (Thorsten Ritter)

Fotos: Thorsten Ritter

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