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15. Dezember 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing THE ULTIMATE SUMMERBLAST 2007
Ort Trier, Exhaus
Datum 16.06.2007
Autor David Lang
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Spiel nicht mit den Kellerkindern...

... besonders nicht in Trier, denn "da freckste im Keller". Doch dazu spter. Das Summerblast in besagtem Trier gehrt mit zu Deutschlands angesagtesten Festivals in Sachen Hard-, Metal- und Grindcore. Was dran ist am Kult um das dennoch putzig-familire 2-Tages-Geballer sollten meine bessere Hlfte, Matt Krll und meiner einer am zweiten Tag (der erste Tag fiel bedauerlicherweise wie schon beim Death Feast meiner Arbeitszeit zum Opfer) des Events herausfinden.

The Ultimate Summerblast Flyer

Es sollte mein erstes Summerblast werden... und eventuell auch mein letztes. Aber immer der Reihe nach. Nach einigen Fehlinformationen im Vorfeld bzgl. der Startzeiten kamen wir pnktlich zu den letzten Klngen der gttlichen FEAR MY THOUGHTS vor dem Ex-Haus an. Meine Laune war schon mal im Eimer, zumal ich mit COLDWORKER, die bereits um 14:30 ran mussten, noch eine andere Band verpasst hatte, die mich eigentlich erst dazu bewegt hatte nach Trier zu fahren.
Hier fngt sie dann auch an, meine eigentliche Kritik. Wie kann man denn bitte sehr Bands wie erwhnte COLDWORKER und allen voran FMT um diese Zeit verheizen??? Wie mir erzhlt wurde, mussten eben diese FEAR MY THOUGHTS bereits letztes Jahr den Opener machen. Sorry, aber Geschmack hin oder her, hier lief allein schon bei der Running Order einiges falsch. Auch im weiteren Verlauf sollte sich das ein ums andere Mal zeigen.

Nun gut, dachte man sich und harrte der Dinge die da noch kommen sollten. Das waren zunchst einmal die unglaublich gehypten JOB FOR A COWBOY. Hype ist ja schn und gut, solange die Band diesem dann auch gerecht wird. Hatte ich in einem meiner letzten Konzertberichte noch viel lobende Worte fr die Amis parat, so sah die Sache in Trier schon wieder ganz anders aus. Angefangen beim unglaublich schlechten Sound - der sich whrend des kompletten Samstags kaum zum Guten wenden sollte! - ber die fehlende Atmosphre eines Clubgigs (kein Vorwurf, nur schade) bis hin zu den einfach nicht znden wollenden Songs. Riss mich beim Gig in Kln noch die schiere Energie der Bhnenshow mit, so sollte sich jetzt zeigen, dass dieses Aha-Erlebnis komplett verschwunden war. "Genesis", der Albumeinstand der Death Metaller schnitt schon weniger gut bei mir ab, das ganze Dilemma zeichnete sich jedoch erst jetzt ab: durchschnittlicher Death Metal mit null Wiedererkennungswert. Brutal, technisch brillant und mit einigen modernen Versatzstcken in Szene gesetzt, aber am Ende des Tages leider vllig austauschbar. Der Masse schien's egal zu sein. Sie feierten ihre Helden ab, als htten sie den Death Metal neu erfunden. Was man mit Hilfe des Internets und bunten Bildchen auf seinen Shirts nicht alles erreichen kann.

Anschlieend sollten ILLDISPOSED unsere Ohren verwhnen, doch die "schwulen Dnen" erschienen nicht (fragt mich nicht warum), stattdessen mussten wir uns den 08/15-Metalcore von BRING ME THE HORIZON antun. Auch diese jungen Kerle wurden euphorisch empfangen und abgefeiert, auch diese Band hat Unmengen an Merchandising mit groen, bunten und, anders als JFAC, hsslichen Bildern, auch diese Band wird zur Zeit via MySpace gehypt... ein Schelm wer Bses dabei denkt.
Lari-Fari-Schwurbel.

Sollte uns das Schicksal noch einen Schock bescheren, wren wir wahrscheinlich schon verduftet, doch die Mnsteraner von NEAERA waren die Rettung. Diesen Extrem-Metalbastard gibt man sich doch immer wieder gerne. Auch hier strte der Sound immens und selbst meine kleinen Favoriten erkannte ich nicht sofort. Snger Benny hat mittlerweile allerdings genug Live-Erfahrung, um selbst dieses Manko weniger schlimm erscheinen zu lassen. Mit uerst sympathischen und witzigen Ansagen hielt er die Stimmung permanent am Siedepunkt und konnte die Massen schlielich noch zu einer Wall Of Death motivieren. Tolle Band! Toller Gig!

Zwischenzeitlich begaben wir uns zur zweiten "Area", sprich, den Kellergewlben des Ex-Haus, um den Amis von ANIMOSITY und ihrer Version von grindigem Death Metal mit Hardcore-Einschlag beizuwohnen. Auch diese Jungs haben riesige, unglaublich hssliche Bilder auf ihren Shirts, sind natrlich "die Band der Stunde"... ABER werden den Lorbeeren auch halbwegs gerecht. Nach geschtzten 30 Sekunden verlieen wir die Gewlbe allerdings wieder, denn neben einem unglaublich lauten UND schlechten Sound (das soll in der Form erst mal einer nachmachen!) war es dort unertrglich hei und somit kaum auszuhalten.
Klimaanlage... what's that? Schade um ANIMOSITY...

Wieder an der frischen Luft angekommen sollten MISERY INDEX die Knppel-Fans zufrieden stellen und das taten sie auch. Zumindest den Groteil. Mister Mecker-Man hat natrlich wieder was zu beanstanden. So drfte der Soundmann beispielsweise zu diesem Zeitpunkt bereits komplett taub gewesen sein, was zu nicht unerheblichen Vernderungen in meiner Ohrmuschel fhren sollte. Selbst in den letzten Reihen wre ich ohne meine heigeliebten Ohrstpsel wahrscheinlich durchgedreht. Soviel zum Thema "Verantwortung gegenber zahlenden Gsten". Abgesehen davon muss ich natrlich sagen, dass ich persnlich MISERY INDEX noch nie zu meinen Favoriten gezhlt habe. Das ndert aber nichts daran, dass das Quartett permanent Vollgas gegeben hat und mit Snger Jason Netherton einen Riesen-Sympathietrger in ihren Reihen hat. Respekt... auf jeden Fall Respekt!

Legion Of The Damned

Kommen wir nun zu der wohl einzigen Metal-Band des Tages (FMT mal ausgenommen... schluchz): LEGION OF THE DAMNED! Die Hollnder konnten erwartungsgem keine Riesenmassen vor die Bhne locken, doch dass das Ergebnis so dermaen klglich ausfallen wrde, hat selbst mich berrascht. "Was der Bauer nicht kennt..."; es spricht doch immer noch einiges fr die Intoleranz innerhalb unserer Szene und gerade die Vielfalt eben jener hat scheinbar nicht nur ihre Vorteile. Da will einer cooler und schner / schicker sein als der andere. Man verzeih mir diese nach Vorurteilen klingenden Stze, aber gerade an diesem Tag sollte sich insbesondere die anwesende Emo-Brigade (oder wenigstens ein Groteil davon) als Haufen intoleranter Kinder erweisen, die die meiste Zeit damit beschftigt waren, ihre Scheitel zurecht zu rcken, "gut" (vielmehr gleich!) auszusehen und mglichst gelangweilt, respektive betroffen durch die Gegend zu starren. Leute, dann bleibt zu Hause, wenn sowieso alles doof ist! Ich schweife ab... LOTD jedenfalls bescherten allen Anwesenden ein astreines Metalkonzert. Energiegeladen und voller mitreiender Hits. Oder wie es bei der "Sendung mit der Maus" heien wrde: "DAS war Metal!" Ganz nebenbei: entweder hatten LOTD ihren eigenen Mischer dabei oder sie wussten als erste Band des Tages ihre Amps ordentlich einzustellen. SO muss das klingen!

Parkway Drive

PARKWAY DRIVE standen als nchstes an und warum die Australier diesen Platz im Billing hatten entzog sich mir komplett. Exotenbonus? Super-Name?? Bunte T-Shirts und MySpace??? Ich werde es wohl nie erfahren, aber das was die Jungs von "down under" live darboten war nicht mehr und nicht weniger als zigfach gehrter Metalcore. Sorry, aber diese Band unterschied sich in nichts, aber auch gar nichts von 1000 anderen Bands dieses Genres. Schlecht waren sie wohlgemerkt nicht, aber Innovatives oder Spektakulres suchte man bei PARKWAY DRIVE vergebens. Unntig zu erwhnen, dass der Mob dennoch steil ging, oder?

WALLS OF JERICHO und CONVERGE fielen leider (?) unserer physischen Konstitution und der Ernchterung, die sich ber den Tag verbreitet hatte, zum Opfer.

Mir bleibt nur zu sagen, dass das Summerblast im nchsten Jahr unter diesen Bedingungen (erbrmlicher Sound, berbewertete Bands und ein Eintrittspreis von 30 € fr eine Tageskarte!) definitiv nicht auf meiner TODO-Liste stehen wird. Fairerweise muss ich allerdings erwhnen, dass sowohl Essens- und Getrnkepreise, als auch die Preise fr Bandmerchandise (wofr die Veranstalter wiederum nicht verantwortlich gewesen sein drften) sehr fair waren. Ob das reichen wird, um in Zukunft auch weiterhin (?) METALheads zu locken bleibt fraglich. Die kennen da nmlich Besseres.

PS: ich wei, dass ich wenig auf die Bands und ihre eigentlichen Leistungen eingegangen bin, aber der Sound hat tatschlich vieles zunichte gemacht. Hoffe, dass ich einen Teil der erwhnten Bands in naher Zukunft nochmal mit ordentlichem Sound erleben darf und mir dann evtl. sogar ein besseres Urteil erlauben werde.

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