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17. Oktober 2017 - Uhr
 
Die Kolumne

Billing AGNOSTIC FRONT
Ort Idstein, XXL-Station
Datum 17.06.2002
Autor Thomas Roos
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Im Rahmen der Hessentage wurde in Idstein auch ein HC-Konzert veranstaltet. Wegen dem offiziellen Hintergrund war der Eintritt frei und so wurden unser aller Steuergelder also auch mal für was sinnvolles verwendet. Nur leider waren in dieser Zeit ja auch noch mehr Veranstaltungen, so dass die komplette Innenstadt abgeriegelt war. Ausnahmezustand. Und so mussten wir dann einen ziemlich langen Fußmarsch vorbei an ziemlich vielen Bullen zurücklegen, die versuchten, die Invasion unter Kontrolle zu halten. Vor allem am Ort des Geschehens war das Aufgebot dann am größten. Aber ein Haufen seltsam gekleideter und tätowierter Punks bzw. HC-Kids stellt natürlich auch automatisch eine Bedrohung dar, die sich zu einer Gefährdung der ganzen zivilisierten Gesellschaft Idsteins hätte ausweiten können.
Das Konzert selbst fand in einem recht großen Zelt statt und im Laufe des Abends haben sich dort dann auch schätzungsweise 500-600 Leute eingefunden. Neben den drei oben genannten Bands spielten noch drei lokale Vorbands. Da das Konzert aber schon um 19:00 Uhr oder so los ging, habe ich von denen nicht allzu viel mitbekommen, weil wir erst ankamen als die zweite Band gerade ihren letzten Song spielte und ich anschliessend gleich ein Interview mit Roger Miret gemacht habe. Lediglich die Namen kann ich hier aufzählen: Roughshod, Uneven, Six Reasons to kill. Aber das was ich gesehen habe, ließ noch einen geilen Konzertabend erwarten: Richtig fette PA, Hammersound und ein äußerst begeisterungsfähiges Publikum.
Und dann war es so weit. Jetzt kam die Band auf die viele schon seit Jahren gewartet haben und wegen der auch ein Großteil der Leute an diesem Abend da waren. Nachdem „Strife“ sich nach Ihrer Tour mit „Sepultura“ vor drei Jahren aufgelöst haben, hatte eigentlich schon jeder die Hoffnung aufgegeben, die Jungs aus Los Angeles auch mal auf einer Headliner-Tour erleben zu können. Doch nun sind sie mit neuem Album wieder da. Und was einem hier um die Ohren geblasen wurde, ist mit Worten kaum zu beschreiben. „Strife“ sind immer noch genau so wuchtig wie früher und hier konnte man echt nur zusehen, dass man sich irgendwo festhalten konnte, damit man nicht weggeweht wird. Das neue Album lässt zwar einige Power aus früheren Zeiten vermissen, dafür wurden aber auch nur zwei Songs davon gespielt, welche live allerdings genau so fett kamen wie das restliche Set. Bei der Songauswahl hatte man sich hauptsächlich auf das „In this Defiance“-Album beschränkt. Und das war auch gut so, da diese Scheibe nicht nur das Beste ist, was von der Band je veröffentlicht wurde, sondern auch zum Besten zählt, was es in dieser Musikrichtung überhaupt gibt und einen echten Meilenstein des New School Hardcore darstellt. Zum Schluß wurde mit „One Truth“ noch der Titelsong des ersten Albums von der Band abgeliefert und vom Publikum abgefeiert. Hammershow.
Als nächstes standen „The Distillers“ auf dem Programm. Diese sind noch von der letztjährigen Unity-Tour mit AF bekannt und lieferten ihren gewohnt rotzigen Punkrock. Allerdings fehlte eine Gitarristin und somit standen nur drei Leute auf der Bühne. Die Zuschauer waren aber dennoch sichtlich begeistert und so hatte auch diese Band eine gute Show, die zwar nicht mit der Show der vorherigen Band vergleichbar war, aber trotzdem Spaß machte.
Wie immer zum Schluß spielten dann die NYHC-Pioniere von „Agnostic Front“. Und diese Position nehmen sie sicher auch immer zu Recht ein, wie man unter anderem an der Begeisterung des Publikums erkennen konnte. Hier wurde dann nach einiger Zeit auch der erste Bewusstlose aus dem Pit geschleppt. Oder war er vielleicht schon tot? Wie auch immer, er sollte nicht das letzte Opfer des Abends bleiben. Obwohl ich eher ein Freund der älteren Songs aus der Zeit bis zum Split 1993 bin, haben mir bei dem fetten Sound auch die neuen Sachen durchgehend gut gefallen. Zudem hat die Band auch wieder ein oder zwei älter Songs mehr im Set als man es in den letzten beiden Jahren gewohnt war. Songs wie „Last Warning“, „Blind Justice“, „United & Strong“ oder „Friend or Foe“ ließen wieder mal das HC-Herz höher schlagen. Die Songs vom „One Voice“-Album vermisse ich aber immer noch schmerzlich. Die größten Publikumsreaktionen gab es natürlich wieder bei „Gotta go“, wobei fast das komplette Zelt zum Pile-on ansetzte und begann mitzusingen. Nach knapp 45 Minuten wurden dann noch mit „Pauly the Dog“ und „Crucified“ die obligatorischen Zugaben gegeben, die das Publikum aber auch lauthals verlangte.
Dann war Schluß und um ein kleines Fazit des Konzertes zu geben, zitiere ich einfach den Spruch, der überall auf den Schildern rund um das sogenannte XXL-Zelt zu lesen war: „XXL kommt fett!“ Nur das Riesenaufgebot an Security hat verdammt genervt, da die Jungs die Bühne wohl als ihr privates Territorium betrachteten, was es mit allen Mitteln zu verteidigen galt und sogar das Fotografieren verbieten wollten. Dadurch haben sie am Ende dann schließlich noch mehr genervt als ihre grün-weißen Pendants draußen auf der Straße.
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